Finn | DSA 62: Das Greifenopfer | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 62, 320 Seiten

Reihe: Das Schwarze Auge

Finn DSA 62: Das Greifenopfer

Das Schwarze Auge Roman Nr. 62
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-95752-437-9
Verlag: Ulisses Spiele
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Das Schwarze Auge Roman Nr. 62

E-Book, Deutsch, Band 62, 320 Seiten

Reihe: Das Schwarze Auge

ISBN: 978-3-95752-437-9
Verlag: Ulisses Spiele
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dreizehn Jahre sind vergangen, seit die Orks zu tausenden Tod und nacktes Grauen über die Städte der Menschen brachten. Als der junge Greifwin ins tributpflichtige Lowangen zurückkehrt, um das Erbe des Vaters anzutreten, stößt er auf ein Netz aus Mord, Hörigkeit und Intrige. Welche Gier und welche Schuld schmieden Orks und Menschen aneinander? Und welches unsägliche Geheimnis birgt die Stadt am Svellt?

Thomas Finn (*15.05.1967 in Chicago) ist ein deutscher Fantasy-, Theater- und Drehbuchautor. Der gelernte Werbekaufmann und studierte Volkswirtschaftler arbeitete als Journalist und Autor für verschiedene Zeitschriften, wie beispielweise die Nautilus - Abenteuer & Phantastik, sowie als Lektor und Dramaturg beim Ullmann Verlag in Hamburg. Der mehrfach preisgekrönte Autor arbeitet seit 2001 auch für Verlage wie Heyne, Piper und Ravensburger.
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Kapitel 1

Fuchsspuren

»Hooooh!« Mit seinem lang gezogenen Ruf und einem entschlossenen Griff zum Bremshebel brachte der schnauzbärtige Kutscher die schwere Reisekarosse mitten auf dem Marktplatz Lowangens zum Stehen. Der bullige Begleiter an seiner Seite beugte sich über den Kutschbock und spuckte erleichtert auf das Kopfsteinpflaster. Dann schickte er ein kurzes Dankgebet zu Aves, um dem Halbgott für die wider Erwarten sichere Fahrt zu danken, und legte das erste Mal seit Tagen seine schwere Armbrust beiseite. Die vier Rösser, die vor das schwere, geländetaugliche Gefährt gespannt waren, schnaubten und tänzelten noch eine Weile mit ihren eisenbeschlagenen Hufen auf dem Pflaster des Platzes, dann kamen auch sie zur Ruhe. Selbst die Tauben in der Nähe der Markthalle, die beim Eintreffen des wuchtigen Gefährts aufgeregt aufgestoben waren, kehrten nach und nach wieder zu dem zerpickten Kanten Brot zurück, den ein nachlässiger Bäkkerjunge dort am Morgen hatte fallen lassen.

Die Stille währte nicht lange. Wie zu erwarten, hatte das Eintreffen der Kutsche zahlreiche Neugierige angelockt, die sich nun mit mehr oder minder zur Schau gestellter Neugierde näherten: Dienstboten, Knechte, Mägde und andere einfache Bürger. Wer hingegen etwas auf sich hielt, versuchte, sich weltmännisch bedeckt zu geben. Etwa jener Magus der ›Akademie der Verformung zu Lowangen‹, der gerade mit einigen teuer erstandenen Bögen Pergament auf dem Rückweg zum Akademiegebäude war, nur um zufälligerweise jetzt im Schritt zu verharren und sich umständlich seine Augengläser zu putzen. Oder jene Novizin des stattlichen Traviatempels im Westen des Marktplatzes, die soeben mit ihrem Scheuerlappen letzte Hand an ein gewaltiges, orangefarbenes Basrelief mit den heiligen Gänsen der Göttin Travia neben dem Eingang gelegt hatte – und die sich, anstatt ins Allerheiligste zurückzukehren, nun doch dazu entschloss, einzelne Stellen des Bildnisses noch einmal nachzupolieren. In Wahrheit trieb auch diese Lowanger die Neugierde, einen Blick auf die Insassen der beeindruckenden Reisekarosse zu werfen.

Zum einen konnte selbst ein einfacher Stallknecht erkennen, dass die Kutsche aus der berühmten garethischen Stellmacherei Ferrara-Eisenherr stammte, was allein schon einen zweiten Blick wert war. Zum anderen war ein Anblick wie dieser in den letzten Jahren eher selten geworden. Mit dem Tributfrieden, den die Stadtväter mit den schwarzpelzigen Orks vor fast dreizehn Jahren vereinbart hatten (damals war das Mittelreich von Abertausenden von Orks überrannt worden und auch das unabhängige Lowangen war fast ein Jahr lang belagert gewesen), war zwar der Friede wieder in die Stadt zurückgekehrt. Doch der Handel, der die Metropole so berühmt gemacht hatte, hatte seit dieser Zeit einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Jedermann wusste, dass kaum eine Handelskarawane nach Lowangen durchkam, ohne zuvor mehrmals Gefahr zu laufen, von selbst ernannten orkischen ›Zöllnern‹ angehalten zu werden – eine mehr als offensichtliche Form der Wegelagerei, gegen die die Unterhändler der Stadt Jahr für Jahr bei den Orkstämmen des Umlandes Protest einlegten. Erfolglos natürlich.

Was es aber seither noch nie gegeben hatte, war eine Reisekutsche ohne Geleitschutz, die es nach Lowangen geschafft hatte, ohne von den Schwarzpelzen ›gerupft‹ zu werden, wie man sich hier umständlich ausdrückte. Wem dieses Wunder dennoch gelang, auf dem musste ganz offensichtlich der Segen der Götter liegen. Und dieser Kutsche schien in der Tat geglückt zu sein, was als unmöglich galt.

Der Kutscher war inzwischen abgestiegen, um den Reisenden die Tür zu öffnen, und warf einen missbilligenden Blick auf die Schar Neugieriger, die weitläufig um die Kutsche herumstanden. Sein bulliger Begleiter turnte derweil auf dem Dach der Karosserie herum, um die festgezurrten Koffer, Kisten und Rucksäcke zu lösen und zu Boden zu werfen. Auch im Innern der Kutsche war nun durch die Seitenfenster hindurch Bewegung auszumachen.

Den vier Insassen, die dort zusammengepfercht saßen, war die Erleichterung über das Ende der Reise deutlich anzumerken. Am auffälligsten war sicherlich eine redegewaltige und beleibte Dame auf der vorderen Sitzbank, die, als der Kutscher die Tür mit einer knappen Verneigung öffnete, noch immer damit beschäftigt war, ihre stramm sitzende Reisekleidung zurechtzurücken.

»Lea, du dummes Ding, schneller. Nun reich mir endlich meinen Hut. Was sollen die guten Bürger hier denn von mir denken, wenn ich mitten auf dem Marktplatz nur halb bekleidet aussteige?« Ihre harschen Worte waren an ein hageres Dienstmädchen zu ihrer Linken gerichtet, die wie das genaue Gegenteil der Sprecherin wirkte. Klein, zierlich und schüchtern. Die Angesprochene hatte schon seit Tagen aus Angst vor den Schwarzpelzen fast kein Wort mehr hervorgebracht. Doch jetzt, da Lowangen endlich erreicht war, schien sich all ihre Furcht verflüchtigt zu haben. Eilfertig reichte sie ihrer Herrin das Gewünschte. Dabei lächelte sie glücklich die beiden Herren an, die den Frauen gegenüber saßen – und die einen Anblick boten, der nicht nur einem Schelm ein Grinsen entlockt hätte. Zusammengepfercht zwischen Hutschachteln und anderen für eine Dame gehobenen Standes überlebensnotwendigen Gebrauchsgegenständen, die allesamt weder im Stauraum noch auf dem Dach der Kutsche Platz gefunden hatten, rangen sich beide ein höfliches Lächeln ab.

»Nun, Euer Hochgeboren Silara«, hob der ältere der beiden Männer an, der einen schlohweißen Bart trug und anhand seines gewundenen Blutulmenstekkens, der am Stabende in eine kleine, sorgfältig aus dem Holz modellierte Fledermaus auslief, unzweifelhaft als Zauberer zu erkennen war: »Ich glaube kaum, dass sich hier irgendjemand für die Mode des Mittelreichs erwärmen wird. Man schlägt sich mit anderen Problemen herum. Überhaupt sollten wir dankbar sein, dass wir so unbeschadet und heil in der Stadt angekommen sind. Zumindest auf der Rückreise sollten wir unser Schicksal nicht noch einmal dergestalt herausfordern und uns dringlichst einem bewaffneten Handelszug anschließen, der ...«

»Ach, Magister Elmond«, schnitt die Beleibte dem Burgmagus ihres Vaters kurzerhand das Wort ab.

»Ihr sehr immer alles so schwarz. Ihr seid fast wie mein Herr Papa ...«

»... den vor Sorge der Schlag treffen würde, wenn er wüsste, wo wir uns jetzt befinden. Schließlich glaubt er Euch sicher bei Euren Verwandten in Greifenfurt.« Der bärtige Magus fixierte sein adeliges Gegenüber leicht verärgert. »Auf der Rückreise sollten wir daher unbedingt ...«

»Wer sagt, dass ich vorhabe zurückzureisen?« Silara von Tannenfels rückte mit trotzig vorgeschobener Unterlippe ihren ausladenden Hut zurecht und weidete sich an dem erschrockenen Blick des Magus.

»Unsere Familie kann auf eine lange Ahnenreihe von Abenteurern zurückblicken. Und nach Abenteuern steht auch mir der Sinn, bevor ich mich in ein Leben voller Langeweile füge. Außerdem habe ich keine Lust, mich mit diesem Lustgreis verheiraten zu lassen – Familienräson hin oder her. Uland von Sturmfels mag ja ein hoch angesehener Ritter sein, aber er ist fast 40 Jahre älter als ich. Eine feurige junge Braut, wie ich es bin, erwartet schon etwas mehr in ihrer Hochzeitsnacht. Schließlich hat man ja ebenfalls etwas zu bieten.« Bei diesen Worten rückte Silara wie zufällig ihr Mieder zurecht, sodass ihr ausladender Busen gehörig gegen den Ausschnitt des Reisegewands drängte.

»Oder wie seht Ihr das, mein lieber Greifwin?«

Bei dem Angesprochenen handelte es sich um einen jungen Mann mit schulterlangem blonden Haar, Lederhose und grau schimmerndem Reisehemd. Er war gerade damit beschäftigt, in der Enge des Kutschraums seine mit Messingknöpfen verzierte Jacke überzuziehen. Greifwin verharrte in der Bewegung und bemühte sich, das Grinsen auf seinem Gesicht unter Kontrolle zu bekommen. Dann wandte er sich, wieder ganz Herr seiner selbst, der Baronstochter zu, nahm ihre fleischige Rechte und deutete einen Kuss auf ihrer ringgeschmückten Hand an. Jeder der Ringe bestand aus Gold und war mit einem kleinen Edelstein von feinstem Schliff geschmückt, wie Greifwin nicht zum ersten Male feststellte. Allein der prachtvolle und leicht protzig wirkende Saphirring, der ihren Mittelfinger schmückte, mochte für sich gesehen schon an die acht Dukaten wert sein.

»Jeder Zoll Eures Körpers ist eine Versuchung, wenn Ihr mir diese allzu bürgerlichen Worte verzeihen wollt, Hochgeboren.« Greifwin blickte in ein rahjagefällig gerötetes Gesicht, das ihn verzaubert anlächelte. Auch wenn er selbst nicht unbedingt auf Frauen mit diesen Körpermaßen stand, war ihm klar, dass Silara von Tannenfels für manchen Mann eine wahre Verlockung darstellte. Dieser Uland von Sturmfels konnte von Glück sagen, dass sich ihm seine Braut auf diese Weise entzogen hatte. Denn nach allem, was er aus Silaras erhitztem Blick lesen konnte, hätte der alternde Herr Ritter die Anforderungen einer rahjagefälligen Nacht wohl kaum lebend überstanden.

»Genug Süßholz geraspelt«, murrte Magister Elmond neben ihm mit verärgertem Blick. »Hochgeboren, ich bitte Euch, Eure Entscheidung noch einmal zu überdenken. Euer Vater wird nicht nur Euch, er wird auch mir den Kopf abreißen.«

»Pah, das werden wir noch sehen. Komm, Lea.« Die stämmige Baronstochter schwang sich leichtfüßiger, als man es ihr zugetraut hätte, aus dem Wagen und schaute sich mit wenig vornehm in die Hüften gestemmten Armen um. Ihr energischer Blick fiel auf das berühmteste Gasthaus Lowangens, Hammer und Amboss, das einladend am Rand des großen Marktplatzes stand. Herrisch wies sie Lea und...



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