Finn | Das unendliche Licht | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 2, 392 Seiten

Reihe: Die Chroniken der Nebelkriege

Finn Das unendliche Licht

Die Chroniken der Nebelkriege 2
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-86762-324-7
Verlag: Feder & Schwert
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Chroniken der Nebelkriege 2

E-Book, Deutsch, Band 2, 392 Seiten

Reihe: Die Chroniken der Nebelkriege

ISBN: 978-3-86762-324-7
Verlag: Feder & Schwert
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Kai, seines Zeichens gelernter Irrlichtjäger, muss mitansehen, wie Geisterpiraten seine Großmutter töten und sein Dorf zerstören. Kai überlebt nur dank der Elfe Fi und der Gargyle Dystariel. Zu dritt machen sie sich auf nach Hammaburg, wo Kai das Zaubererhandwerk erlernt. Doch auch hier ist Kai nicht vor den Piraten sicher und langsam stellt sich die Frage, auf wessen Geheiß sie agieren ... Der zweite Band der Nebelkriege-Tetralogie um Kai und Fi! Ausgezeichnet mit dem Jugendbuchpreis Segeberger Feder 2007. '[Das unendliche Licht ist] ein wunderbarer Fantasy-Schmöker für Leser ab 12 Jahre, den ich freiheraus jedem empfehlen kann, der für klassische, märchenhafte Phantastik mit traditionell deutschem Setting etwas übrig hat.' - Christian Handel, Fantasy-News.com

Thomas Finn wurde 1967 in Chicago geboren, wuchs in Deutschland auf und lebt heute in Hamburg. Der ausgebildete Werbekaufmann und Diplom-Volkswirt ist preisgekrönter Spiele- und Romanautor und hat einige Jahre als Lektor und Dramaturg in einem Drehbuchverlag (Ullmann Verlag für Film, Fernsehen & Theater) sowie als Chefredakteur des führenden deutschen Phantastik-Magazins 'Nautilus' vom Abenteuer Medien Verlag gearbeitet. Während seines Studiums arbeitete er als Redakteur und freier Mitarbeiter für zahlreiche Magazine des phantastischen Genres, darunter die Magazine 'ZauberZeit' und 'Nautilus'. Im Spielebereich stammen zahlreiche Abenteuer-Publikationen aus seiner Feder, darunter viele Titel der beliebten deutschen Fantasy-Rollenspielreihen 'Das Schwarze Auge' (Ulisses Spiele), 'H.P. Lovecrafts Cthulhu' (Pegasus Spiele) sowie jüngst auch für 'Splittermond' (Uhrwerk-Verlag). Hauptberuflich arbeitet er heute als Roman-, Spiele-, Theater- und Drehbuchautor; dabei enstanden und entstehen Produktionen für ARD, Sat1 und NDR, Aufführungen für das Alte Schauspielhaus Stuttgart, das Theater Baden-Baden und die Festspiele in Breisach, sowie Publikationen bei Piper, Heyne, Ravensburger und Droemer Knaur. Mit seinem Roman 'Das unendliche Licht' gewann er 2007 den Literaturpreis 'Segeberger Feder'.
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Moorgeister

Das Irrlicht tanzte im silbernen Schein des Vollmonds. Von Weitem hätte man es für ein Glühwürmchen oder die Laterne eines einsamen Torfstechers halten können. Doch je näher es kam, desto mehr enthüllte sich in der Dämmerung eine lodernde Gestalt mit spindeldürren Armen und Beinen, deren Haupt von einer wabernden Lohe umrahmt wurde. Zögernd tänzelte das Irrlicht mal hierhin, mal dorthin. Dann huschte es im Zickzack über die trügerischen Tümpel hinweg auf die Quelle der Flötenmelodie zu, die wehmütig über dem Moor schwebte.

Kai pustete sich eine Strähne seines schwarzen Haars aus der Stirn und duckte sich noch tiefer hinter das Schilf, das ihm und seiner Großmutter als Versteck diente. Dummerweise waren seine Stiefel bereits bis zum Schaft im Morast eingesunken und so wurde jede Bewegung von einem dumpfen Schmatzen begleitet.

Gequält verzog der Junge das Gesicht. Er konnte nur hoffen, dass das Geräusch von dem Wind geschluckt wurde, der säuselnd über die unheimliche Ödnis strich.

Irrlichter waren scheu.

Auch Kais Großmutter schien nichts bemerkt zu haben. Die erfahrene Irrlichtjägerin kauerte ruhig neben ihm und konzentrierte sich ganz auf das Spiel ihrer Schwanenbeinflöte. Die Tonfolge wurde immer melancholischer und schwermütiger. Irrlichter wurden von traurigen Melodien angelockt. Dieses Wissen gehörte zu den Geheimnissen der Irrlichtjäger, welche die Großmutter an Kai weitergegeben hatte.

Warum dies so war, konnte kein Irrlichtjäger so genau sagen. Man fragte ja auch nicht, warum Gespenster vorzugsweise um Mitternacht spukten oder warum Gnome lieber unter Wurzeln oder in Erdhöhlen lebten, statt sich anständige Unterkünfte zu bauen.

Im Moment war Kai das jedoch egal. Denn falls er nicht bald aufstehen durfte, würden seine Stiefel mit Wasser volllaufen. Sollte das passieren, würden die folgenden Stunden noch ungemütlicher werden als die vorangegangenen.

Dennoch wagte er es nicht, sich zu rühren. Keinesfalls durfte ihm ein weiterer Fehler wie eben passieren. Ein Irrlichtjäger musste sich in Geduld üben können. Das Irrlicht da vorn war zwar ein recht dummes Geschöpf, aber wenn es sie bemerkte, würde es seine Artgenossen warnen. In diesem Fall konnten sie ihre Ausrüstung gleich wieder zusammenpacken und nach Hause gehen. Dazu durfte es nicht kommen. Nicht an einem Abend wie diesem. Schließlich wollte Kai heute zum ersten Mal selbst ein Irrlicht fangen.

Das Flammenwesen hatte sich ihrem Versteck inzwischen bis auf ein halbes Dutzend Schritte genähert. Wie die meisten Irrlichter war es etwa eine Handspanne groß und Kai erkannte an seinem Schein, dass es noch relativ jung war. Das war gut so. Junge Irrlichter brannten heller als ältere Exemplare. Die Händler aus Hammaburg, die einmal im Monat die Elbe zu ihnen heraufkamen, würden seiner Großmutter einen guten Preis dafür zahlen.

In der großen Hafenstadt wurden Irrlichter zur Straßenbeleuchtung eingesetzt. Die seltenen großen Exemplare, für die die Händler sogar Gold boten, wanderten direkt in die Haushalte der Reichen. Solche Irrlichter waren in der Elbstadt noch begehrter, denn sie veränderten bei Musik ihre Farbe. Spielereien dieser Art waren vor allem bei den sogenannten Pfeffersäcken, den reichen Kaufleuten Hammaburgs, beliebt, die sich kostbare Elfenharfen, Waffen aus zwergischer Fertigung oder noch exotischere Güter aus den fernen Reichen der Dschinn leisten konnten. Leider waren solche Irrlichter überaus selten.

In diesem Augenblick verharrte das Irrlicht. Wäre das Schilf nicht gewesen, Kai hätte nach ihm spucken können, so nah war es ihnen inzwischen gekommen. Für einen kurzen Moment flackerte es verwirrt. Plötzlich züngelte sein Feuerleib so heftig wie eine Kerzenflamme im Wind und der lodernde Mund der kleinen Gestalt zog sich geisterhaft in die Länge.

Ein gespenstisches Wehklagen erfüllte das Moor. Kai lief ein Schauer über den Rücken. Diesen Teil der Arbeit mochte er überhaupt nicht. Wie immer erinnerte ihn der Klagelaut des Irrlichts an das verzweifelte Schreien eines Kindes. Als angehender Irrlichtjäger wusste er nur zu gut, dass dem Gesang der Irrlichter eine schwache Zauberkraft innewohnte. Eine gefährliche Eigenheit, die sie erst während ihrer Gefangenschaft verloren. Unerfahrenen Moorwanderern konnte das Gejammer die Sinne verwirren und sie von den Wegen abbringen. Sie verirrten sich und irgendwann verschluckte sie der Sumpf.

Kai und seiner Großmutter konnte das natürlich nicht passieren. Sie hatten sich getrocknete Mistelbeeren in die Ohren gestopft, die Kai vor sieben Tagen eigenhändig von einer hundertjährigen Eiche geschnitten hatte. Mistelbeeren brachen die Zaubermacht des Irrlichtgesangs. Auch dabei handelte es sich um ein wohlgehütetes Geheimnis der Irrlichtjäger. Dennoch war das Geschrei furchtbar.

Kais Großmutter ließ ihr Flötenspiel ausklingen und bedeutete ihrem Enkel mit einem kaum merklichen Nicken, den Lohenfänger in Position zu rücken.

Das Gerät bestand aus einer langen Rute, die aus dem Holz einer Trauerweide geschnitten war. In vielerlei Hinsicht ähnelte der Lohenfänger einer Angel, nur dass an seinem Ende eine Schnur befestigt war, an der statt eines Hakens eine kupferne Laterne mit offenem Türchen baumelte. Im Innern der Leuchte befand sich kostbarer Bernsteinstaub, den die alte Frau von den Hammaburger Händlern erwarb.

Lautlos schwenkte Kai den Lohenfänger Stück für Stück näher an das Irrlicht heran. Solange das Feuermännchen sang, war es abgelenkt. Jetzt galt es, das Wesen in die Falle zu locken. Doch noch immer lief er Gefahr, es durch ein unbedachtes Geräusch zu verschrecken.

Die offene Laterne war nur noch einen halben Schritt von dem Irrlicht entfernt, als dessen Klagelaut abbrach. Einen Moment lang zuckte es in grellen Gelbtönen, dann stob das Flammenwesen mit einem gierigen Jaulen auf die Laterne zu, schlüpfte hinein und suhlte sich im Bernsteinstaub. Kai spürte ein kurzes Rucken an der Rute und hörte, wie sich der wertvolle Staub unter Knistergeräuschen entzündete.

»Gut gemacht!« Seine Großmutter erhob sich mit knackenden Gliedern und zwängte sich behände durch das dichte Schilfgras. Mit fliegenden Fingern verriegelte sie das Türchen und hakte die Lampe von der Schnur, um ihren Fang zu begutachten. Sie schien zufrieden.

Wie erwartet, bemerkte das Irrlicht sie noch nicht einmal. Noch immer hüpfte es verzückt auf dem Bernsteinstaub auf und ab, der bis zu ihrer Heimkehr zu einer gelbbraunen Lache geschmolzen sein würde.

Kai stand ebenfalls auf und steckte die Rute des Lohenfängers neben sich in den Boden. Endlich konnte er seine Stiefel aus dem Schlamm ziehen.

»Ich hatte schon befürchtet, du würdest es vertreiben«, brummte seine Großmutter leicht verärgert.

Also hatte sie seinen kleinen Ausrutscher vorhin doch bemerkt.

Kai sog geräuschvoll die Moorluft ein. Sie roch nach modrigem Wasser und verrottetem Wurzelwerk.

»Tut mir leid«, murmelte er. »Passiert mir nicht wieder.«

»Na, das will ich hoffen.« Ächzend bahnte sich seine Großmutter einen Weg durch das Schilfdickicht. »Ich gebe es nicht gern zu, aber die Arbeit ist nichts mehr für mich. Sie ermüdet mich von Mal zu Mal mehr. Wir hatten großes Glück und das weißt du.«

Kai nickte stumm und musterte seine Großmutter, die im Schein der Laterne älter als sonst wirkte. Das flackernde Irrlicht enthüllte ihr Gesicht, das von Runzeln übersät war. Die gebogene Nase, die unter dem Kopftuch hervorlugte, warf einen Schatten auf ihre Wange, der in scharfem Kontrast zu ihrer blassen Haut stand. Wirklich böse schien sie ihm nicht zu sein.

»Du wirst schon sehen. Ich fange gleich noch eines«, sagte Kai zuversichtlich. »Ich will doch morgen beim Sternschnuppenfest nicht mit leeren Händen dastehen.«

»Das wirst du aber, wenn du dein Temperament nicht zügelst«, seufzte die alte Frau.

Als sie beide im Moor nach einem günstigen Versteck Ausschau gehalten hatten, hatte die warme Spätsommersonne noch geschienen. Inzwischen war nur noch schales Abendrot am Horizont auszumachen, das die feinen Nebelschleier, die sich über die Hügel und feuchten Senken des Moors gelegt hatten, in purpurnes Licht tauchte. Bald würde der Vollmond aufgehen. Bestes Irrlichtwetter also. Doch seiner Großmutter schien die Feuchtigkeit mehr auszumachen als früher. Kai bemerkte das nicht zum ersten Mal. Er machte sich Sorgen.

»Komm Großmutter«, sagte er fröhlicher, als ihm zumute war. »Setz dich neben das Irrlicht und wärm dich bei einem Schluck heißen Tee.«

Kai half der alten Frau, sich auf einem Baumstamm niederzulassen. Dann griff er zum Gepäck, das sie in einer Bodensenke abgestellt hatten. An seinem Tornister hingen drei weitere Laternen, die sie eigentlich nur der Vorsicht halber mitgenommen hatten. Es musste schon mit den Moorgeistern zugehen, sollte es ihnen gelingen, mehr als zwei Irrlichter an einem Abend einzufangen. Aber man wusste ja nie. Bei Vollmond war alles möglich. Kai kramte die mit dicken Tüchern umwickelte Teekanne hervor und kurz darauf dampfte es aus einer hölzernen Schale, die er der alten Frau reichte.

Seine Großmutter lächelte und strich ihm liebevoll das schwarze Haar aus dem Gesicht. »Dank dir, mein Lieber.« Vorsichtig nahm sie einen Schluck und betrachtete ihn. »Du weißt, dass es mir schwerfällt, streng mit dir zu sein.«

»Ach, das bist du doch gar nicht.« Kai tat so, als sei er ganz damit beschäftigt, sich die getrockneten Mistelbeeren aus den Ohren zu pulen. Er wusste selbst, dass der heutige...



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