E-Book, Deutsch, Band 1635, 160 Seiten
Reihe: Julia
Fielding Wo das Glück auf uns wartet
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-86494-297-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1635, 160 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-86494-297-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Patrick Ravenscar glaubt seinen Augen kaum zu trauen! Im Garten seines herrlichen Anwesens Linden Lodge trifft er auf die zierliche Kay Lovell, die seiner verstorbenen Frau Sara zum Verwechseln ähnlich sieht. Spontan nimmt er die hübsche Fremde in seine Arme und küsst sie voll trauriger Sehnsucht. Zärtliche Gefühle erwachen, die beide zutiefst verwirren. Kay, die ihre kleine Tochter allein erzieht, hat schon lange keine Verabredung mehr mit einem Mann gehabt. Und Patrick glaubt, dass sein Herz in Kays Nähe nur so heftig schlägt, weil sie wie Sara aussieht. Sie fühlen sich magisch zueinander hingezogen, wagen aber nicht dieser Liebe zu vertrauen ...
In einer absolut malerischen Gegend voller Burgen und Schlösser, die von Geschichten durchdrungen sind, lebt Liz Fielding in Wales. Sie ist seit fast 30 Jahren glücklich mit ihrem Mann John verheiratet. Kennengelernt hatten die beiden sich in Afrika, wo sie beide eine Zeitlang arbeiteten. Sie bekamen zwei Kinder, die inzwischen längst erwachsen und von zu Hause ausgezogen sind. Bei Liz Fielding und John geblieben ist jedoch ihre große schwarz-weiße Katze Rocky (ein Bild von ihr gibt es auf Liz Fieldings Website www.lizfielding.com. Liz lebt eigentlich sehr zurückgezogen, in einem Dorf, das sie selten verlässt. Kontakt zu ihren Leserinnen ist ihr aber sehr wichtig, und den hält sie über das Internet. 2001 und 2006 gewann Liz aber den Rita Award der Romance Writers of America und flog nach Washington D.C., um den begehrten Preis entgegenzunehmen; eine große Ausnahme und ein großartiger Trip, auf dem sie viele alte Freundinnen wiedersah. Liz Fielding freut sich immer, wenn sie eine E-Mail von ihren Leserinnen erhält. Ihre Adresse lautet: liz@lizfielding.com
Weitere Infos & Material
1. Kapitel
"Wären die Gründe doch nur so zahlreich wie die Brombeeren …"
William Shakespeare
Es war heiß für Ende September. Am blauen Himmel stand kein Wölkchen, und es war beinahe windstill. Allein die Brombeeren wiesen darauf hin, dass der Sommer fast vorüber war.
Leider waren die großen, in der Sonne glänzenden Früchte unerreichbar.
Kay blieb stehen, wischte sich den Schweiß von der Stirn und fächelte sich mit dem alten Strohhut Luft zu. Dann ging sie zurück zur Hecke und blickte sich suchend um. Vielleicht hatte sie ja noch welche übersehen! Sie versuchte dabei, nicht auf die beladenen Zweige der Brombeersträucher zu achten, die über die große Mauer gegenüber wuchsen und die sie, Kay, auch mit einem langen Gehstock nicht erreichen konnte.
"Das muss reichen, Polly", sagte sie und wandte sich ab.
"Haben wir denn wirklich genug?" fragte ihre Tochter und betrachtete skeptisch die geringe Ausbeute.
"Mehr konnte ich nicht pflücken. Der Erntedankkuchen wird eben hauptsächlich aus Äpfeln bestehen."
Polly gab sich damit nicht zufrieden. "Da drüben gibt es ganz viele Brombeeren!" sagte sie und zeigte auf das benachbarte Grundstück.
"Ich weiß, Kleines, aber ich komme leider nicht an sie ran."
"Warum gehst du nicht einfach durch das Tor? Es wohnt doch sowieso niemand da. Irgendjemand hat nämlich ein Zu-verkaufen-Schild in den Garten gestellt."
Wie einfach war das Leben doch, wenn man erst sechs Jahre alt war! Aber in einem hatte Polly Recht: Linden Lodge hatte schon leer gestanden, als sie, Kay, nach Upper Haughton gezogen war.
Von ihrem Schlafzimmerfenster aus hatte sie einen guten Blick auf den wild wuchernden Garten, der sich hinter der hohen Mauer verbarg. Das Dach eines reich verzierten Gartenhauses war unter der Last einer unbeschnittenen Clematis montana zusammengebrochen, die Rosen wuchsen in alle Himmelsrichtungen, und die Früchte der Obstbäume waren zu Boden gefallen und verfaulten im Gras. Trotz allem war es ein kleines Paradies, und es wartete wie im Märchen nur auf den oder die Richtige, damit es wieder zum Leben erweckt wurde.
Allerdings braucht man dafür mehr als nur einen Kuss, dachte Kay und schüttelte den Kopf.
"Immerhin sind die Brombeeren für das Erntedankfest", sagte Polly energisch und holte ihre Mutter in die Gegenwart zurück. "Jeder im Dorf gibt etwas."
"Das stimmt, Kleines." Einmal im Jahr gab es in Upper Haughton eine große Feier, zu der alle Bewohner eingeladen waren. Eigentlich hatte ihre Tochter ja Recht! Es war wirklich eine Verschwendung, die schönen Früchte einfach so verkommen zu lassen!
"Du könntest doch eine Nachricht in den Briefkasten werfen und dich bedanken", sagte Polly, die nicht bereit war, so schnell aufzugeben.
"Bei wem denn?" fragte Kay lächelnd.
"Bei den neuen Besitzern natürlich! Und ich male ein Bild von all den schönen Torten und werde es ihnen schenken, wenn sie einziehen. Komm mit!" Sie nahm Kays Hand und zog ihre Mutter zu dem kleinen Tor, von dem die grüne Farbe schon abblätterte.
"Bestimmt ist es verschlossen", sagte Kay unsicher. Und obwohl sie wusste, dass sie das Richtige tat, klopfte ihr Herz heftig, als sie den Griff herunterdrückte. Zuerst klemmte das Tor, dann ging es quietschend auf.
Eine Amsel zeterte aufgebracht und flog davon. Anscheinend hatten sie sie beim Würmersuchen aufgeschreckt. Kay zuckte zusammen und rechnete jeden Moment damit, dass eine wütende Stimme wissen wollte, was, zum Teufel, sie da eigentlich trieben!
Aber sie hörte nur das Summen der Bienen, die Nektar in den farbenfrohen Blüten der Spätsommerblumen suchten. Blaue und rote Herbstastern wuchsen überall, und in den Ecken spross das Unkraut. Es tat Kay in der Seele weh, diesen Wildwuchs zu sehen. Irgendjemand hatte sich einmal viel Mühe mit dem Garten gegeben, und nun war alles den erbarmungslosen Launen der Natur überlassen. Trotzdem faszinierte der Anblick, und nichts in der Welt konnte Kay jetzt noch davon abhalten, das Tor ganz zu öffnen und sich genauer umzusehen.
Patrick Ravenscar drehte den mit Schützhüllen überzogenen, gespenstisch wirkenden Möbeln den Rücken zu und blickte starr hinaus.
Diesen Moment hatte er am meisten gefürchtet. Sechs lange Jahre hatte er eine Ausrede nach der anderen gefunden, um nicht zu Saras geliebtem Garten zurückkehren zu müssen. Aber es hatte alles nichts genutzt. Die Dämonen der Vergangenheit hatten ihn immer wieder eingeholt. Irgendwann war ihm dann bewusst geworden, dass es keinen Ort auf dieser Welt gab, an dem er vor seinem Schmerz sicher war.
Als er das letzte Mal an diesem großen Fenster gestanden hatte, war es später Frühling gewesen. Die Knospen der Obstbäume hatten lila geschimmert und die eng gepflanzten gelben Tulpen ihre Blütenblätter auf dem Gras verstreut. Und Sara hatte so strahlend ausgesehen und sich auf das neue Leben gefreut, das sie geschaffen hatten. Zu der Zeit war es noch ihr Geheimnis gewesen, das sie behüten wollten, bis die ersten schwierigen Monate vorüber waren.
Und er hatte diesen doppelten Verlust für immer in seinem Herz bewahrt. Nach Saras Tod war es zu spät gewesen, darüber zu sprechen, und die Verwandten und Freunde hatten genug unter dem Schmerz und der Trauer gelitten.
Deshalb hatte er geschwiegen und versucht, mit der großen, alles erdrückenden Einsamkeit allein fertig zu werden.
Ohne Saras grünen Daumen war der Garten in kurzer Zeit verwildert. Die Obstbäume waren schon lange nicht mehr zurückgeschnitten worden, das Unkraut wucherte überall, und die wenigen Blumen kämpften vergeblich um Licht. Patrick presste die Stirn an das kühle Fensterglas und schloss die Augen, um diesen traurigen Anblick nicht länger ertragen zu müssen. Doch auch das nutzte nichts. Sein Leben war zerstört genau wie Saras Garten.
Er hatte das Haus gekauft, weil seine Frau sich sofort in das Anwesen verliebt hatte. Besonders gut hatten ihr die von einer hohen Mauer umgebenen Grünanlagen gefallen. Ihre Kinder hatten dort einmal spielen sollen … unbeschwert und sicher.
Sara hatte auch gleich begonnen, einen typisch englischen Garten anzulegen. Sie hatte unzählige heimische Blumen geflanzt, um damit die Schmetterlinge und Bienen anzulocken. Auch jetzt noch glaubte Patrick, seine Frau dort draußen arbeiten zu sehen … gebeugt über die Rosensträucher, einen alten Strohhut auf dem Kopf, der ihre helle Haut vor der Sonne schützte. Nun ging sie weiter zu den Brombeersträuchern, die an der Mauer emporgewachsen waren. Sie zog die Äste herunter, und er beobachtete, wie sie den Kopf schüttelte, als könnte sie nicht verstehen, dass er ihren geliebten Garten so hatte verwildern lassen.
"Sara …" flüsterte er und ballte die Hände zu Fäusten. Wenn sie sich doch nur einmal umdrehen und ihn ansehen würde …
"Ist alles in Ordnung, Patrick?" fragte eine Männerstimme besorgt.
Patrick blinzelte und wandte sich kurz um. Als er gleich darauf wieder aus dem Fenster blickte, war Sara verschwunden.
"Patrick? Was ist los?"
In den ersten Monaten war ihm Sara beinahe überall begegnet. Eine Frau mit langem blonden Haar in einer Menschenmenge, ein Lachen in einem Restaurant oder ein Kleid in ihrer Lieblingsfarbe hatten ihn schmerzlich an sie erinnert. Doch so real wie jetzt war es schon viele Jahre lang nicht mehr gewesen.
"Nichts, Greg", erwiderte er traurig und wandte sich ab. Ihm war bewusst, dass sein Freund sich um ihn Sorgen machte. Das war nichts Neues für ihn. Genau diese mitleidigen Blicke hatten ihn nach Saras Tod dazu gebracht, Upper Haughton zu verlassen. Er hatte lange im Ausland gearbeitet, unter Fremden, die nichts von seinem Verlust ahnten. "Es geht mir gut."
"Warum tust du dir das an?" fragte Greg und stellte die Einkaufstaschen auf den Tisch. "Du hättest alles ruhig mir überlassen können. Ich hätte die Sachen gepackt und so lange eingelagert, bis du sie abgeholt hättest." Er rang sich ein Lächeln ab. "Es dauert bestimmt nicht lange, bis das Haus verkauft ist", sagte er dann aufmunternd. "In Upper Haughton kann man sogar einen Gartenschuppen an den Mann bringen. Linden Lodge ist wirklich eine gute Investition gewesen, Patrick."
"Deswegen habe ich es nicht erworben, Greg. Es hat …"
"Ich weiß", unterbrach sein Freund ihn schnell. "Es tut mir Leid, ich hätte dich nicht daran erinnern dürfen."
Patrick zuckte die Schultern. Was sollte er darauf antworten?
"Warum wohnst du nicht bei uns, bis alles geklärt ist?"
"Nein, danke." Er merkte selbst, wie unhöflich er war, und bemühte sich, seine Schroffheit wieder gutzumachen. "Vielen Dank für das Angebot, Greg, aber ich habe hier noch einiges zu erledigen. Eigentlich hätte ich das schon längst tun müssen." Er blickte wieder aus dem Fenster, aber Sara war nicht mehr zu sehen.
"Gut", antwortete Greg zögernd. "Brauchst du vielleicht Hilfe? Es muss ja kein Bekannter sein. Wenn du möchtest, frage ich die Agentur, ob sie jemanden schicken können. Es ist bestimmt leichter für dich, wenn die Person nicht … persönlich betroffen ist."
Patrick atmete tief durch und versuchte, ruhig zu bleiben. Greg meinte es ja nur gut, aber Patrick wünschte, er würde endlich verschwinden. Warum sah er ihn eigentlich an, als würde er gleich den Verstand verlieren? Er wollte doch nur seine Angelegenheiten in Ordnung bringen. Aber Greg war nicht nur sein Anwalt, sondern hatte auch als Trauzeuge in der Kirche neben ihm gestanden, als er Sara geschworen hatte, ihr treu zu sein, bis dass...




