Ferry | Max Perutz | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 464 Seiten

Ferry Max Perutz

Und das Geheimnis des Lebens
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-99100-345-8
Verlag: Braumüller Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Und das Geheimnis des Lebens

E-Book, Deutsch, 464 Seiten

ISBN: 978-3-99100-345-8
Verlag: Braumüller Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nur wenige Wissenschaftler haben so intensiv über die Natur ihrer Berufung und deren Auswirkungen auf die Menschheit nachgedacht wie Max Perutz. 1914 wurde er als Sohn einer wohlhabenden Wiener Textilfabrikantenfamilie jüdischer Herkunft geboren, jedoch in der römisch-katholischen Konfession erzogen. Nach seinem Chemiestudium an der Universität Wien ging er 1936 nach Cambridge an das Labor des legendären kommunistischen Denkers J. D. Bernal, um die Strukturen jener Moleküle zu erforschen, die das Geheimnis des Lebens bergen. 1940 wurde er interniert und nach Kanada deportiert (Displaced Person). Für ein streng geheimes Kriegsprojekt holte man ihn nach England zurück. Sieben Jahre später gründete er eine kleine Forschungsgruppe, in der Francis Crick und James Watson die Struktur der DNA entdeckten. Unter seiner Leitung wuchs sie zum weltberühmten Laboratorium für Molekularbiologie (LMB) heran. Max Perutz selbst erforschte den roten Blutfarbstoff Hämoglobin und entwickelte eine neue Methode, um Proteinstrukturen zu entschlüsseln. Seine Arbeit, für die er 1962 den Nobelpreis erhielt, läutete die heutigen erstaunlichen Fortschritte bei der Erforschung der genetischen Grundlagen von Krankheiten ein. Aus seiner eigenen Erfahrung als Flüchtling schöpfend, setzte er sich furchtlos für die Menschenrechte ein und war ein engagierter Verfechter der Wissenschaft. Georgina Ferrys fesselnde Biografie ist eine wunderbare Hommage an einen großen Wissenschaftler.

Georgina Ferry ist Wissenschaftsautorin (u. a. ehemalige Redakteurin bei New Scientist), Biografin, Schriftstellerin und Rundfunksprecherin bei BBC Radio 4's Science Now. Sie lebt in Oxford, Großbritannien, und schreibt über Wissenschaft und Wissenschaftler in Vergangenheit und Gegenwart. Zu ihren Büchern gehören die hochgelobte Biografie Dorothy Crowfoot Hodgkin - Patterns, Proteins and Peace: A Life in Science (neue, überarbeitete Auflage 2019), A Better World is Possible (2017), The Common Thread (2002, mit Nobelpreisträger Sir John Sulston) und A Computer Called LEO (2003).
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Vorwort und Danksagung


„Viele nennen mich einen berühmten Wissenschaftler“, schrieb Max Perutz wehmütig an einen Freund, „doch die wenigsten wissen, wofür ich eigentlich berühmt sein soll.“ Das ist das Los von Wissenschaftlern, selbst Nobelpreisträgern, deren Arbeit nicht unter Beteiligung der Öffentlichkeit stattfindet, durch die den Künstlern, Schriftstellern, Politikern, Schauspielern und Sportlern automatisch Berühmtheit zukommt. Doch Max war die Nachwelt nicht egal, und als er sich seinem Lebensende näherte, ohne Zeit gehabt zu haben seine eigene Biographie zu schreiben, ließ er mich an sein Krankenbett rufen und fragte mich, ob ich diesen Job übernehmen wolle.

Als Wissenschaftsbiografin sieht man sich mit einem Dilemma konfrontiert: Wissenschaft ist ein kollektives Unterfangen, und daher kann es irreführend sein, wenn man den Fokus auf das Leben einzelner „großer Frauen und Männer“ legt. Max Perutz’ 70-jährige berufliche Laufbahn als Wissenschaftler begann, als andere die ersten Versuche unternahmen, das Leben auf der Ebene einzelner Moleküle zu verstehen, und endete, als internationale Datenbanken die vollständige Auslesung des menschlichen Genoms für alle verfügbar machten. Seine zweiundzwanzig Jahre andauernde Suche nach der Struktur des Hämoglobins – jenes Moleküls, das Sauerstoff transportiert und das Blut rot macht – wurde mit dem Nobelpreis belohnt; doch er wäre der Erste gewesen, zuzugeben, dass er dies niemals alleine zuwege gebracht hätte. Seine Geschichte ist auch die Geschichte einer internationalen Gemeinschaft von Männern und Frauen, die ihr Leben der Enthüllung der Geheimnisse des Lebens gewidmet haben.

Gleichzeitig erhalten wir durch die unterschiedlichsten Persönlichkeiten und die Erfahrungen einzelner Wissenschaftler faszinierende Erzählungen von kreativen Unternehmungen – und in dieser Hinsicht unterscheiden sich Wissenschaftler nicht von Künstlern, Dichtern oder Politikern. Deshalb denke ich nicht, dass ich mich dafür entschuldigen muss, Max in den Fokus meines Interesses gerückt zu haben. Sein Exil von Wien, wo er geboren wurde, und die Annahme einer neuen Identität als Engländer liefern einen starken Kontrapunkt zu seinen Bemühungen, dem Mainstream einen neuen Zweig der Wissenschaft nahezubringen. Er betrachtete die Wissenschaft nicht als ein abstraktes Mysterium für einen exklusiven Klub von Eingeweihten, sondern als wesentlichen Bestandteil der menschlichen Kultur und Zivilisation, und versuchte durch seine Schriften seine eigene Forschungsleidenschaft mit anderen zu teilen. Er bestand ausdrücklich darauf, dass er kein Übermensch, sondern ein menschliches Wesen mit dem üblichen Anteil an menschlichen Schwächen sei. Max Perutz zu verstehen, wird Ihnen vielleicht nicht dabei helfen, Proteinmoleküle zu verstehen, doch dem Leben eines Wissenschaftlers zu folgen, wird Ihnen gewiss vieles über die alltägliche Praxis der Wissenschaft erzählen.

Als ich zu Max fuhr, um ihn wenige Wochen vor seinem Tod zu sehen und mit ihm über die Möglichkeit zu sprechen, sein Buch zu schreiben, erwähnte ich auch die Unmenge an persönlichen Briefen und anderer unveröffentlichter Schriften, auf die ich, einige Jahre zuvor, für meine Lebensbeschreibung von Dorothy Hodgkin zurückgegriffen hatte. Er machte ein langes Gesicht und sagte, dass ich in seinem Fall nicht denselben Luxus haben würde – er hätte kaum etwas aufbewahrt.

Max hatte jedoch nicht mit den konservatorischen Tendenzen seiner Familie gerechnet. In den Monaten nach seinem Tod stellte sich heraus, dass seine Frau Gisela jeden Brief, den er jemals abgeschickt hatte, aufbewahrt und an den unmöglichsten Orten im Haus abgelegt hatte. Auch seine Kinder und Enkel hatten Max’ oft wunderschön geschriebene Briefe aufgehoben, die von seiner Arbeit berichten, doch auch voller Sympathie und väterlicher (und großväterlicher) Ermunterung sind. Zur selben Zeit stellte sich heraus, dass Max selbst viel mehr aufbewahrt hatte, als er angedeutet hatte. Hierzu zählt im Besonderen eine große Menge an Briefen, die er (nach dem Tod der jeweiligen Empfänger) wiedererhalten hat, darunter solche, die er in seinen Jugendjahren in Wien an seine Freundin Evelyn Baxter (später Machin), seine Schwester Lotte Perutz, an seine Eltern und an seine Schwiegereltern geschrieben hatte.

Ich stehe in der Schuld von Robin und Vivien Perutz, die mir uneingeschränkten Zugang zu sämtlichen seiner erhaltenen privaten Korrespondenzen gewährt haben und mir gestatten, daraus ausgiebig zu zitieren. Es gäbe noch viele weitere Passagen, die ich hätte zitieren können, doch wäre damit der Umfang des Buches gesprengt worden, und so bin ich erfreut darüber, dass eine Auswahl seiner Briefe, editiert von Vivien, veröffentlichen wird.1

In Max’ Korrespondenzen begegnen wir vielen herausragenden Persönlichkeiten, deren Schriften offiziell archiviert sind. Ich danke folgenden Menschen und Institutionen, dass sie mir Zugang zu diesen Materialien ermöglichten und mir, wo es angemessen schien, gestatteten, daraus zu zitieren: der in Philadelphia (Valerie-Ann Lutz und Horace Freeland Judson persönlich) für das Judson-Archiv; der (Colin Harris) für die Schriften von Dorothy Hodgkin, John Kendrew und David Phillips; dem ; der (Adam Perkins) für die Bernal-Schriften; ’ in New York (Francis Wahlgren), wo die Perutz-Schriften nun im -Archiv vorübergehend aufbewahrt werden; dem (Ludmila Pollock, Teresa Kruger und James D. Watson) für die James D. Watson Collection; dem literarischen Nachlass von Lord Dacre of Glanton (Blair Worden); der , Bloomington, Indiana (Becky Cape und Rachel Maranto für die Hilfe bei der Recherche), für die Haurowitz-Schriften; dem (Philip Toms); dem (Annette Faux); den , Kew, für die Habbakuk-Schriften und das dem , Oxford, für die Cherwell-Schriften; der , Special Collections, für die Schriften von Ava Helen und Linus Pauling; der (Mgr Marcelo Sánchez Sorondo); den , Sleepy Hollow, New York (Charlotte Sturm und Ken Rose); der (Frank James) für die Bragg-Archive; der ; den Archiven der und der in London.

Leider hatte ich nie die Gelegenheit, Max selbst zu interviewen, doch ich habe von den Interviews profitiert, die andere aufgenommen haben, besonders von jenen, die sich im und dem befinden, sowie von den Transkripten der Interviews, die Horace Judson mit Max für sein Buch geführt hat.

Der kürzlich pensionierte Direktor des , Richard Henderson, spielte eine entscheidende Rolle, indem er als Vermittler fungierte, als Max den Entschluss fasste, mich zu kontaktieren, um mich zu fragen, ob ich diese Aufgabe übernehme. Henderson und seine Mitarbeiter, besonders Annette Faux und Michael Fuller, hätten während der langen Reifezeit des Buches nicht entgegenkommender sein können. Es war mir eine Freude, mit vielen von Max’ früheren Kollegen, Freunden und Familienmitgliedern zu sprechen oder zu korrespondieren: Don Abraham, Raymond Appleyard, Uli Arndt, Joyce Baldwin, Sir Hermann Bondi, Sydney Brenner, Andrew Brown, Maurizio Brunori, Christine Carpenter, Robin Carrell, Henry Chadwick, Jean-Pierre Changeux, Anne Corden, Carol Corillon, John Constant, Francis Crick, Tony Crowther, David Blow, Mark Bretscher, David Davies, Guy Dodson, Raymond Dwek, Manfred Eigen, Fritz Eirich, Sir Alan Fersht, John Finch, Michael Fuller, John Galloway, Marie-Alda Gilles-Gonzalez, Andrew Grace, Sir John Gurdon, Freddy Gutfreund, Roger Hanna, Peter Harper, Samir Hasnain, Richard Henderson, Chien Ho, Hugh Huxley, Vernon Ingram, Joy Fordham, Ken Holmes, Lindsay Johnson, Martin Karplus, Olga Kennard, Ann Kennedy, John Kilmartin, Sir Aaron Klug, Blaise Machin, Graeme Mitchison, Kiyoshi Nagai, Robert Olby, Steffen Peiser, Gerda Perutz, Gisela Perutz, Robin und Sue Perutz, Vivien Perutz, Gottfried Peloschek, Gretl Petziwal, Gerhard Pohl, Alex Rich, Matt Ridley, Daniela Rhodes, Michael Rossmann, Fred Sanger, David Sayre, Alan Schechter, Jon Sessler, Robert Shulman, Robert Silvers, Fritz Stern, Alice Frank Stock, Mac Stock, Sir John Meurig Thomas, Marion Turnovszky, James Watson, Meta Werner, Nancy Wexler, Bob Williams. Und viele andere, die ich nicht offiziell interviewte, erzählten mir Geschichten über ihn. Leider haben einige in dieser Liste nicht so lange gelebt, um das Buch in Druck zu sehen.

Mein kurzer Versuch, Deutsch zu lernen, erwies sich als ungenügend für...


Georgina Ferry ist Wissenschaftsautorin (u. a. ehemalige Redakteurin bei New Scientist), Biografin, Schriftstellerin und Rundfunksprecherin bei BBC Radio 4's Science Now. Sie lebt in Oxford, Großbritannien, und schreibt über Wissenschaft und Wissenschaftler in Vergangenheit und Gegenwart. Zu ihren Büchern gehören die hochgelobte Biografie Dorothy Crowfoot Hodgkin – Patterns, Proteins and Peace: A Life in Science (neue, überarbeitete Auflage 2019), A Better World is Possible (2017), The Common Thread (2002, mit Nobelpreisträger Sir John Sulston) und A Computer Called LEO (2003).



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