E-Book, Deutsch, Band 2, 255 Seiten
Reihe: Die Stundenwelt
Feitsch / Phoenix Die Stundenwelt - Brynadette
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7438-1247-5
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
(Band 2)
E-Book, Deutsch, Band 2, 255 Seiten
Reihe: Die Stundenwelt
ISBN: 978-3-7438-1247-5
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Science Fantasy zum Träumen - Die Stundenwelt-Reihe (Band 2) ***Die Gegenwart hat nur eine Zukunft, solange sich die Vergangenheit ändert.*** Brynadette ist unglücklich in ihrem Job, unzufrieden mit ihrem Aussehen und ihr Privatleben ist auch nicht gerade aufregend. Sie ist immer noch Single, und Hobbys hat sie auch keine. Aber um etwas gegen ihr langweiliges Leben zu unternehmen, fehlt ihr jede Motivation. Plötzlich durchbricht eine mysteriöse Nachricht ihren Alltag: Wir brauchen deine Hilfe. Triff uns heute Abend, im Stadtpark. Wir warten auf dich. Soll sie auf diese sonderbare Mitteilung reagieren? Brynadette ahnt, dass dieses Treffen ihr Leben völlig verändern wird. Sie stürzt sich in eine unbekannte Welt, in der Naturgesetze keinerlei Regeln folgen. Auch sie selbst bleibt von diesem Wandel nicht verschont. Als Brynadette dem Hilferuf folgt, trifft sie auf außergewöhnliche neue Freunde, begibt sie sich auf eine riskante Mission und entdeckt ungeahnte Fähigkeiten, die schon seit Langem in ihr schlummern. Wird sie es schaffen die Stundenwelt vor dem sicheren Untergang zu bewahren? Was ist die Stundenwelt? 'Die Stundenwelt - Brynadette' ist der zweite Band einer siebenteiligen Romanreihe (Genre: Low Fantasy / Soft Science Fiction). Das Besondere an den Stundenweltromanen ist, dass die einzelnen Bände auch in einer anderen Reihenfolge gelesen werden können. Jeder Band erzählt die Geschichte eines Bewohners der Stundenwelt, die durch sieben Epochen hindurch versuchen, ihre Welt vor dem sicheren Ende zu bewahren: Denn das Handeln jedes einzelnen Individuums der Stundenwelt beeinflusst ihre Entwicklung und den Fortbestand ihrer Welt. Band 1: Die Stundenwelt - Cheyenne Band 2: Die Stundenwelt - Brynadette Band 3: Die Stundenwelt - Lileyna Band 4: Die Stundenwelt - Eléandra (Erscheiunungsdatum wird noch bekanntgegeben) weiters erschienen: Alltagsgötter
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1. Kapitel
»Bernie, bist du so lieb und kopierst das schnell für mich?« Bryn nahm ihrer Kollegin die Unterlagen ab und ließ sie auf ihren Schreibtisch plumpsen. »Brynadette.« Ihre Kollegin räusperte sich. »Wie bitte? Was hast du gesagt, Liebes?« »Brynadette. Mein Name ist Brynadette. Oder Bryn.« »Ach so, das weiß ich doch Bernie.« Marsha, Ihre Arbeitskollegin lächelte kurz und zwinkerte ihr zu. Dann wandte sich Marsha von ihr ab und wackelte auf ihren Absätzen davon Bryn starrte auf ihren kleinen Schreibtisch, an dem sich bereits ein hoher Stapel Unterlagen türmte. All diese Akten musste sie heute für ihre Kollegen kopieren. Bryn ließ ihre Augen über den Schreibtisch gleiten. Wenn ich noch einen Tag länger in diesem Büro arbeiten muss, ertränke ich mich in meinem Kaffeebecher. Sie genehmigte sich schnell einen Schluck aus der Tasse, anstatt ihre Nase hineinzustecken. Hastig klemmte sie sich die Ordner unter den Arm und verschwand mit energischen Schritten im Kopierraum. Mit einem festen Ruck schlug sie die Tür hinter sich zu. Jetzt hatte sie wenigstens ihre Ruhe. Ich arbeite schon seit zwei Jahren hier und sie wissen immer noch nicht wie ich heiße, ging es ihr durch den Kopf. In dem kleinen Kopierraum verteilte sich eine stetige Hitze. Bryn krempelte die Ärmel ihrer Bluse hoch. Dadurch legte sie ihre stämmigen Unterarme frei, aber das störte sie momentan nicht, immerhin war sie gerade unbeobachtet. Sie öffnete die Klappe des Geräts, das an dem Temperaturanstieg schuld war und ihr Gesicht spiegelte sich in dem Glas des Kopierers. Bryn gehörte zu den eher unauffälligen Standardtypen, mit Allerweltsgesicht. Ihr strähniges Haar trug sie meistens, so wie jetzt gerade, zu einem Dutt hochgesteckt. Ihre Brillengläser wurden von einem graubraunen Rahmen auf ihrer 08/15-Durchschnitts-Nase gehalten. Make-up trug sie kaum, auch heute nicht. Sie versuchte es hin und wieder, aber nach ein paar Stunden bekam sie einen schrecklichen Ausschlag. Und auch Kontaktlinsen waren keine Alternative, um ihr Gesicht aufzuhübschen, weil ihre Augen davon ständig juckten. Aber eigentlich war ihr das fast egal, weil sie sich in ihrem rundlichen Körper sowieso nicht besonders wohl fühlte. Also warum dann an ihrem Gesicht Herumdoktoren? Das war die ganze Mühe sowieso nicht wert. Sie schloss den Deckel des Kopierers und drückte auf Start. Während sie auf den ersten Durchgang wartete, sah sie an sich herab. Sie trug eine weite Bluse um ihre Pölsterchen am Bauch zu kaschieren und einen auslandenden Rock. Darunter spannte ihre Strumpfhose, die jedoch überlebensnotwendig war, wenn sie vermeiden wollte, dass ihre Schenkel schmerzlich aneinander rieben. Sie startete zwar immer wieder Versuche Sport zu treiben und sich gesund zu ernähren, hielt aber nie lange genug durch, um wirkliche Ergebnisse zu bemerken. Und so blieb ihr nur noch die tägliche Selbstkritik vor dem Spiegel. Oder bei der Arbeit. Oder wenn sie im Auto saß. Oder auf die Straße ging. Sie starrte vor Langeweile an die Decke und schnaubte in die Luft. Wieder bald einen Tag geschafft. Nicht mehr lange, dann ist es vorbei und du kannst wieder nachhause. Irgendwie war sie sogar stolz auf sich, weil sie diese Stelle schon so lange behalten hatte. Normalerweise schaffte sie es gerade ein paar Monate, höchstens ein Jahr, dieselbe Arbeit jeden Tag wieder und wieder zu machen. Ihr letzter Job als Kellnerin wurde ihr schon nach zwei Monaten zu viel. Insgesamt hielt sie aber sogar vier Monate durch. Ihre Chefin warf ihr vor, sie wäre viel zu ungeschickt für einen Job im Gastgewerbe. Ständig ließ sie etwas fallen. Damit hatte sie zwar nicht ganz unrecht, aber Bryn war immer freundlich zu den Gästen gewesen. Selbst wenn sie sie hin und wieder mit etwas überschüttete, weil sie wieder über ihre eignen Füße stolperte. In dieser Zeit hatte sie sogar zwei Kilo abgenommen und das Trinkgeld war auch nicht zu verachten gewesen. Aber sei es, wie es sei, sie wurde entlassen. So wie immer. Diesen Aushilfsjob im Büro hatte sie auch nur durch Zufall ergattert. Sie würde weiter durchhalten, das hatte sie sich geschworen. Jeden Tag wieder herkommen und ihre Kopien machen. Bis ich tot umfalle. So hatte sie sich ihr Leben nicht vorgestellt. Aber so war das wohl, wenn man sich mit Siebenundzwanzig immer noch nicht zu irgendetwas berufen fühlte. Und wenn man nur arbeiten ging, um sich das Leben leisten zu können, von dem man jedoch nicht viel hatte, weil man ja den ganzen Tag in der Arbeit verbrachte. Ein Teufelskreis. Bryn ließ sich den restlichen Tag weiter durch das Bürogebäude scheuchen: Sie überbrachte Nachrichten für ihre Kollegen, fertigte weitere Kopien an (um den Stapel auf ihrem Schreibtisch abzuarbeiten), machte die Ablage und zu guter letzt bediente sie den Aktenvernichter. Nachdem der ganze Bürokram erledigt war, machte sie sich ans Werk und verteilte die Post im restlichen Bürogebäude. Bei ihrer Postrunde blieb sie regelmäßig im Büro der Grafiker hängen. Die Jungs boten ihr meist eine Tasse Kaffee an, da konnte Bryn einfach nicht widerstehen. Die Stimmung in diesem winzigen Büro, in dem sechs Männer ihrer Arbeit nachgingen, strahlte eine ganz andere Atmosphäre als der Rest des riesigen, unpersönlichen Bürokomplexes aus. Außerdem wussten sie sogar, wie sie hieß. »Hey Bryn! Komm rein, dein Kaffee wartet schon auf dich«, begrüßte Sam sie überschwänglich, der fast von seinem Bürostuhl kippte. In dem Kämmerchen herrschte wie immer eine chaotische Stimmung. Das Radio dudelte vor sich hin und der Fernseher brüllte in voller Lautstärke aus der anderen Ecke des engen Büros. Es lief gerade eine Nachrichtensendung und die superschlanke Moderatorin berichtete über den aktuellsten Anschlag auf einen Politiker. Bryn parkte ihren Postwagen und nahm freudig den Kaffee entgegen. Sam deutete kurz in die Richtung des Fernsehgeräts. »Schon wieder einer Matsch. Jetzt sind es schon Vier. Sie nennen es das große Politikersterben.« Bryn hielt ihre Tasse in der Hand und kratzte mit einem Fingernagel über das Emblem der Firma, das unübersehbar auf der Kaffeetasse prangte. VidaCorp. Sie trank einen Schluck und sagte: »Tja, zum Glück sind wir keine Politiker, was? Ich hätte keine große Lust so hingerichtet zu werden. Das kann ich dir sagen.« Sam warf ihr einen gespielt schockierten Blick zu. »Aber Bryn, sowas kannst du doch nicht sagen. Die Politiker der blauen Partei leisten doch wirklich gute Arbeit. Ich verstehe nicht, wie man einen nach dem anderen einfach umnieten kann.« Bryn lehnte sich gegen Sams Schreibtisch, auf dem sich, wahrscheinlich über Monate oder sogar über Jahre hinweg, neben einigen Akten und Papierstapeln, eine Menge Kram angehäuft hatte. Sie schob das ganze Zeug, (bestehend aus Wasserflaschen, kleinen Plastikactionfiguren und offenen Kaugummipackungen in verschiedensten Geschmacksrichtungen, einfach mit der flachen Hand beiseite. »Selbst Schuld, kann ich da nur sagen. Sie hätten in den letzten Zwanzig Jahren einfach nicht so weit kommen dürfen. War doch klar, dass das nicht ewig gut gehen kann wenn sich eine einzige Partei die Kontrolle über die ganze Siebenwelt einverleibt. Das grenzt ja schon an Absolutismus.« Sam rieb sich die Stirn und lächelte verlegen. Sie erkannte auf Anhieb die aufsteigende Panik in seinem Blick. Eigentlich wusste sie genau, es war strikt verboten, solche Gedanken laut zu äußern und es galt als Hochverrat an der führenden Partei. Sam würde sie sicher nicht melden, aber man wusste ja nie, wer gerade noch zuhörte. Die Firma befand sich fest in blauer Hand und bekanntlich konnten die Wände Ohren haben. Im schlimmsten Fall würde man sie sogar in Handschellen abführen und sie einer stundenlangen Befragung unterziehen, wenn sie genug Pech hatte. Bryn wechselte abrupt das Thema. »Und Sam? Wieder mal ein Gesicht verunstaltet oder jemandem unabsichtlich eine Hand abgehackt?«, was brutal klang, aber in Wahrheit nur ein makaberer kleiner Scherz in Grafikerkreisen war. Es passierte immer wieder Mal, dass einer der Grafiker es beim Retuschieren der Bilder zu gut meinte, und die Models dadurch etwas verunstaltete. Es war auch schon einmal passiert, dass ein Grafiker (nennen wir ihn Brian ohne jemanden direkt anzusehen), das Titelblatt einer VidaCorp. Werbebroschüre verstümmelte, indem er der Firmenchefin, Margerite Le Fleur, ein Bein amputierte. Er schwor, dass es unabsichtlich passiert sei. Doch so Recht glauben wollte ihm das niemand. Die Grafiker, eine eingeschworene Gemeinschaft, hielten zusammen und verpfiffen Brian nicht. Er durfte seinen Job somit behalten und weiterhin Leuten Beine oder Arme abhacken, wenn ihm danach war. Sie scherzten noch ein paar Minuten weiter und Bryn verließ die seltsame Wunderwelt der Grafiker wieder, als sie ihren Kaffee geleert hatte. Sie trug die restliche Post aus bis ihr Arbeitstag zu Ende war....




