E-Book, Deutsch, Band 1, 372 Seiten
Reihe: Adular
Farley Adular (Band 1): Schutt und Asche
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-03896-037-9
Verlag: Sternensand Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 372 Seiten
Reihe: Adular
ISBN: 978-3-03896-037-9
Verlag: Sternensand Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jamie L. Farley wurde 1990 in Rostock geboren. 2010 zog er nach Leipzig und machte dort eine Ausbildung zum Ergotherapeuten. Schnell merkte er jedoch, dass das nicht der richtige Job für ihn ist, weshalb er sich entschlossen hat Pokémontrainer zu werden. Er ist in Leipzig geblieben und wohnt zusammen mit seiner besten Freundin Anika, einer Ente namens Dave und dem Hauszombie Bradley in einer WG. Neben der Schreiberei gehören Videospiele zu seiner liebsten Freizeitbeschäftigung. Nach dem Veröffentlichen von zwei Kurzgeschichten, erschien sein Debüt 'Adular (Band 1): Schutt und Asche' Anfang 2019 im Sternensand Verlag.
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Prolog - Elanor
Zehn Jahre zuvor …
Der Duft des nahenden Sommers lag in der Luft. Elanor wollte an diesem Tag Einkäufe auf dem Markt erledigen, hatte sich aber aufgrund des schönen Wetters zu einem Spaziergang hinreißen lassen.
»Halt! Wohin des Weges, Grauhaut?«
Ein Dunkelelf stand am oberen Ende der breiten Treppe, die hinab in die Aschegrube führte. Zwei Wachen aus der Oberstadt versperrten ihm den Weg.
Drei Dinge fielen ihr an ihm auf. Zuerst die Ohrringe, die silbern im Sonnenlicht glänzten. Sie zählte insgesamt sieben Stück; drei rechts, vier links. Dann das blinde Auge und die wulstige Narbe auf seiner Wange. Zum Schluss der getrimmte Vollbart. Dunkelelfen waren die einzigen Elfen, die einen anständigen Bartwuchs hatten und sich auch nicht davor scheuten, sich einen stehen zu lassen. Wenn sie bedachte, welchen Aufwand sich ihr Onkel machte, um die geringe Körperbehaarung, die er vorzuweisen hatte, auszumerzen – da war es deutlich einfacher, den Umstand zu akzeptieren. Elanor konnte nicht behaupten, dass sie einen Bart unattraktiv fand.
»Ich will auf den Markt.« Der Dunkelelf zeigte einen Papierfetzen vor.
Die linke Wache, ein Hochelf, griff danach und las skeptisch. »So? Und woher sollen wir wissen, dass du dieses Schreiben nicht gefälscht hast?«
Elanor sah sich prüfend auf der Straße um. Außer ihr nahm niemand Notiz von der Unterhaltung. Sie entfernte sich einige Schritte, um unbemerkt zu bleiben, und tat für die vorbeiziehenden Passanten so, als würde sie etwas in ihrem Korb suchen.
»Gefälscht?«, wiederholte der Dunkelelf und schnaubte. »Natürlich, ein nachvollziehbarer Gedanke. Jeder würde Umbras Zeichen missbrauchen, nur um in Eure kostbare Stadt zu gelangen. Davon abgesehen, denkt Ihr, ich könnte mir Papier und Tinte leisten, geschweige denn dieses Schreiben überhaupt verfassen, wenn ich kein Mitglied der Gilde wäre?«
Elanor schmunzelte und zählte die Silbermünzen in ihrem Geldbeutel. Der Mann gefiel ihr. Er war also ein Assassine. Es war nicht ungewöhnlich, eine Schattenklinge aus der Aschegrube steigen zu sehen. Dieser hier schien gerade nicht im Dienst zu sein, zumindest war er nicht in die charakteristische Kluft gekleidet.
Der Dunkelelf zog den fingerlosen Lederhandschuh von seiner rechten Hand und wies die Tätowierung vor, die lediglich Schattenklingen unter ihrer Haut trugen. Die Wachen tauschten einen Blick.
»Nun«, sagte der Waldelf zur Rechten, »wenn du in die Oberstadt willst, solltest du anständig darum bitten. Auf die Knie, Grauhaut!«
Die linke Wache lachte dreckig. »Ha, genau. Auf die Knie und küss uns die Füße!«
Das Gesicht des Assassinen verfinsterte sich. »Oh nein, in diese Richtung wollt Ihr nicht gehen.«
Elanor war alarmiert. Es sah aus, als könnte die Situation jederzeit kippen, und das konnte nur zum Nachteil des Dunkelelfen ausgehen. Ob Schattenklinge oder nicht, ein Mann allein kam nicht gegen zwei bewaffnete Wachen in schweren Stahlrüstungen an.
Will ich einem Meuchelmörder helfen?, schoss es ihr durch den Kopf. Nicht jeder Dunkelelf verdient es, geschützt zu werden. Dieser hier tötet für Gold. Was, wenn er einen Auftrag verfolgt und ich ihm helfe, zu seinem Opfer zu kommen?
»Macht es Euch leicht und lasst mich durch«, fuhr der Dunkelelf fort. Er sprach betont ruhig, deeskalierend, und suchte den Blick der Wachen. »Ihr wollt eine Schattenklinge nicht verärgern.«
»Willst du mir drohen, Gossenratte?«, knurrte der Hochelf. »Pass auf, was du sagst! Ein falsches Wort und ich lasse dich in Ketten legen und in den Kerker werfen. Runter in den Dreck mit dir, los!«
Elanor hielt den Atem an. Die Silbermünzen in ihrer Hand rieselten in den Geldbeutel zurück.
Der Dunkelelf schien abzuwägen, ob er die Diskussion weiterführen wollte, und entschied sich dagegen. »Vergesst es«, sagte er und machte kehrt. »Einen schönen Tag noch, die Herren.«
»Hiergeblieben!«
Der Dunkelelf wurde an der Schulter gepackt und reagierte unglaublich schnell. Mit einer simplen, aber durchaus eleganten Drehung seines Körpers wich er der gepanzerten Faust aus, die auf seine Magengrube gezielt hatte.
»Du hast dich gefälligst von mir schlagen zu lassen«, fauchte die Wache.
»Ihr seid herzlich eingeladen, es weiter zu versuchen«, entgegnete der Dunkelelf.
Der Hochelf hielt seinen Kameraden davon ab. »Lasst es lieber, bevor Ihr Euch vor einer Grauhaut lächerlich macht! Was hast du in der Oberstadt zu suchen, Dunkelelf?«
»Wein, Weib und Gesang«, antwortete der Assassine trocken. »Nein, ich will den Tempel der Göttin Viriditas in die Luft jagen. Nein, wartet! Den Statthalter des Kaisers ermorden. Oder will ich einfach meine dunkelelfischen Keime überall verbreiten? Könntet hier oben mal eine ordentliche Seuche gebrauchen. Interesse an der Pest?«
Die Wachen fanden seinen kleinen Scherz alles andere als komisch. Als der Hochelf Anstalten machte, sein Kurzschwert zu ziehen, hielt Elanor ihre Untätigkeit nicht länger aus. Sie wollte keine Verletzten und erst recht keine Toten sehen. Zügig schritt sie auf die Gruppe zu.
»Da bist du ja«, rief sie scharf. »Wo hast du dich rumgetrieben?«
Sie drängte sich zwischen die Wachen und verschränkte die Arme vor der Brust. Der Dunkelelf starrte sie mit einer Mischung aus Feindseligkeit und Misstrauen an. Sie zwinkerte ihm zu und hoffte, dass er das Zeichen richtig deutete.
»Was soll das hier? Habe ich dir nicht gesagt, dass du am unteren Ende der Treppe auf mich warten sollst? Verzeiht, meine Herren! Hat mein Sklave Euch belästigt?«
Der Hochelf wirkte irritiert. »Sklave? Ich denke, er ist eine Schattenklinge …«
Elanor lachte abfällig. »Das wäre er gern. Hat er sich wieder das Zeichen auf den Handrücken gemalt? Glaubt ihm kein Wort! Er hat keine Hemmungen, Umbras Zeichen zu missbrauchen. Er erhofft sich dadurch Privilegien. Irgendwann wird die Gilde ihn dabei erwischen und ihn umbringen.«
Der Dunkelelf senkte zerknirscht den Kopf und sie war froh, dass er mitspielte. »Verzeiht, Herrin«, murmelte er. »Ich dachte …«
»Es interessiert mich nicht, was du gedacht hast«, unterbrach Elanor ihn harsch. »Komm her und nimm mir den Korb ab! Ich hoffe, er hat Euch keine Umstände gemacht?«
»Nein«, sagte der Waldelf langsam. »Vielleicht solltet Ihr Euren Sklaven an die Leine nehmen, meine Dame?«
Elanor schnaufte leise. »Ja, vielleicht. Ihr entschuldigt uns?«
Der Dunkelelf trottete ergeben hinter ihr her, ihren Korb für die Einkäufe in der Hand. Als sie sich weit genug von der Treppe entfernt hatten, blieben sie stehen.
Elanor nahm ihren Korb wieder an sich. »Entschuldigt meinen seltsamen Auftritt.«
»Kein Grund, sich zu entschuldigen. Es hat hervorragend funktioniert. Danke übrigens. Aber warum habt Ihr das getan?«, fragte der Assassine.
»Sie haben nicht das Recht, Euch so zu behandeln.«
»Das Gesetz sieht das anders.«
»Und ich sehe es anders als das Gesetz«, erwiderte Elanor. »Ich habe ohnehin viel zu lange zugesehen. Nur …«
»Nur habt Ihr lange genug zugehört, um zu wissen, dass ich ein Mörder bin, und das hat Euch gehemmt«, vervollständigte der Dunkelelf. Es lag kein Vorwurf in seinen Worten. »Ich kann Euch versichern, dass ich nichts Mörderisches oder Illegales in der Oberstadt plane. Ich möchte bloß auf den Markt und ein paar Dinge kaufen. Für die Elfen in der Aschegrube.«
Das überraschte Elanor. »Es ist gut, zu hören, dass Ihr den Dunkelelfen dort helfen wollt.«
Es könnte alles gelogen und er ein ausgezeichneter Schauspieler sein. Bei einer Schattenklinge würde es sie nicht verwundern. Aber ihr Instinkt sagte ihr, dass der Dunkelelf ehrlich war. Selbst wenn es naiv war, sie wollte ihm glauben.
Er wird auf dem Markt mit dem Gold bezahlen, das er durch seine Morde verdient hat, dachte sie. Da hilft es auch nicht, dass er für den guten Zweck hier ist.
»Verzeihung, ich habe mich Euch nicht vorgestellt«, sagte er und verneigte sich höflich. »Mein Name ist Dûhirion.«
»Sehr erfreut. Elanor ist mein Name«, erwiderte sie.
Sich als Dunkelelf über den Markt zu bewegen, war ein Spießrutenlauf, wie Elanor feststellte. Bohrende Blicke trafen ihn von allen Seiten, hektisches Geflüster erklang hinter seinem Rücken. Elanor musste sehr vorsichtig sein. Etwas hielt sie in seiner Nähe. Einerseits wollte sie sich versichern, dass er tatsächlich nichts Böses im Sinn hatte. Ob sie ihn, einen professionellen Auftragsmörder, von etwas abhalten konnte, stand auf einem anderen Blatt. Andererseits wollte sie bereitstehen, sollte er Hilfe brauchen.
Äußerlich ließ Dûhirion sich nichts anmerken, doch sie konnte sich vorstellen, wie angespannt er war. Dass er sich darauf gefasst machte, angegriffen zu werden. Noch waren die Einwohner der Oberstadt ruhig, aber das würde sich bald ändern. Er war ein Dunkelelf auf dem Gebiet von Wald- und Hochelfen. Für viele war er wie eine pestkranke Ratte, die sich in die Speisekammer verirrt hatte.
Dûhirion machte am Stand eines Bäckers halt und betrachtete die Auslage. Elanor blieb an einem benachbarten Stand stehen.
»Das Brot ist nicht zu haben«, murrte der Bäcker prompt. »Es ist reserviert.«
Der Dunkelelf ließ ein sarkastisches Lachen hören. »Wirklich? Entschuldigt, ich muss etwas verpasst haben. Meines Wissens wird reservierte Ware nicht mehr in die Auslage gelegt, aber ich will Euch nicht in Eure Tätigkeit hineinreden. Ich nehme auch jedes andere Brot, das Ihr anzubieten habt.«
Vorsichtig drehte...




