Ewald / Ulbrich / Kröger | Verhaltenstherapeutische Paartherapie | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 175 Seiten

Ewald / Ulbrich / Kröger Verhaltenstherapeutische Paartherapie

E-Book, Deutsch, 175 Seiten

ISBN: 978-3-17-035112-7
Verlag: Kohlhammer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die verhaltenstherapeutische Paartherapie ist die bislang am besten untersuchte Behandlungsform für Paare. Das Buch umfasst die theoretischen Modelle und das diagnostische sowie therapeutische Vorgehen beim Reziprozitäts-, Kommunikations- und Problemlösetraining. Diese Standardinterventionen werden u.a. durch kognitive und akzeptanzbasierte Interventionen ergänzt. Im zweiten Teil werden besondere Herausforderungen im Paarsetting fokussiert und bspw. das spezifische Vorgehen bei der Bewältigung sexueller Außenbeziehungen sowie Gewalt in der Partnerschaft beschrieben. Weitere Interventionsbeispiele werden im Zusammenhang mit Vergebung oder Förderung der partnerschaftlichen Sexualität gegeben.
Ewald / Ulbrich / Kröger Verhaltenstherapeutische Paartherapie jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


3          Wissenschaftliche und therapietheoretische Grundlagen
Eine Vielzahl von Studien haben sich mit der Wechselbeziehung zwischen der Partnerschaftszufriedenheit bzw. Partnerschaftsqualität und dem psychischen und/oder körperlichen Wohlbefinden beschäftigt (für einen Überblick zu psychischen Störungen: Whisman und Baucom 2012; zu körperlichen Erkrankungen: Fischer et al. 2016; Martire et al. 2010; 2017; Rosland et al. 2012). In den nachfolgenden Kapiteln sollen die wesentlichen Befunde dargestellt und hinsichtlich ihrer Bedeutsamkeit für die KVPT erläutert werden. 3.1       Partnerschaftsunzufriedenheit und Auswirkungen
Unzufriedenheit in einer Partnerschaft, aber auch Trennung und Scheidung, gehen nicht nur kurz-, sondern auch langfristig mit einer Verschlechterung der allgemeinen und psychischen Gesundheit einher. Vor allem Partner in Langzeitpartnerschaften mit niedriger Partnerschaftsqualität, die trotz hoher Unzufriedenheit zusammen bleiben, weisen eine geringere Lebenszufriedenheit, einen niedrigeren Selbstwert und ein allgemein verringertes psychisches und körperliches Wohlbefinden auf als glückliche Paare, und berichten sogar von noch geringerer Zufriedenheit als geschiedene Personen (Hawkins und Booth 2005). Chronische Paarkonflikte korrelieren bspw. mit: •  höheren Prävalenzraten für psychische Störungen (z. B. Depression, Angst- und Zwangsstörungen); •  einem höheren Ausmaß an akuten und chronischen Erkrankungen (z. B. grippale Infekte, Herz- und Kreislauferkrankungen, Krebserkrankungen); •  einem höheren Rückfallrisiko für episodisch verlaufende psychische Störungen (z. B. bei schizophrenen und depressiven Störungen); •  einer höheren Prävalenz von internalisierenden und externalisierenden Störungen bei Kindern. 3.1.1     Psychische Störungen
Bisherige Studien zeigen, dass Partner mit einer niedrigen Partnerschaftsqualität mit höherer Wahrscheinlichkeit eine psychische Störung aufweisen als Partner mit einer hohen Qualität (Whisman 1999). Zudem stellte sich die Partnerschaftsqualität als eine spezifische aufrechterhaltende Bedingung für fast alle der psychischen Störungen heraus (Whisman et al. 2000). Diese Befunde werden mithilfe einer Wechselbeziehung zwischen der Partnerschaftsqualität und der psychischen Gesundheit erklärt (Whisman und Baucom 2012): Während sich schwere und/oder chronische Partnerschaftskonflikte ungünstig auf das individuelle Stresserleben auswirken und Stress wiederum die Wahrscheinlichkeit für eine psychische Beeinträchtigung erhöht, wirken sich psychische Störungen, in Abhängigkeit davon, wie gut mit den Auswirkungen einer solchen als Betroffener oder Angehöriger umgegangen werden kann, auf die Zufriedenheit in der Partnerschaft aus – ein Teufelskreis entsteht. Verschiedene Quer- als auch Längsschnittstudien zeigen insbesondere den Zusammenhang zwischen Partnerschaftskonflikten und depressiven, substanz- und angstbezogenen Störungen (Whisman und Baucom 2012). Eine niedrige Partnerschaftsqualität war mit folgenden Störungen assoziiert (Whisman 1999): •  Major Depression und Dysthymie, •  Panikstörungen, •  Agoraphobie, •  generalisierter Angststörung, •  posttraumatischer Belastungsstörung, •  Alkohol- und Drogenkonsum. Darüber hinaus fokussieren zunehmend mehr Untersuchungen die Beziehung zwischen gestörtem Essverhalten (z. B. Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Binge Eating Disorders) und einer geringeren Partnerschaftsqualität. Sowohl die allgemeine Unzufriedenheit mit der eigenen Figur (Friedman et al. 1999) als auch konkrete Störungsbilder wie die Anorexia nervosa, Bulimia nervosa (Bussolotti et al. 2002) und die Binge Eating Störung (Whisman et al. 2012) gehen hierbei mit einer niedrigeren Partnerschaftszufriedenheit einher. Da Essstörungen auch mit einer Reihe von sexuellen Funktionsstörungen assoziiert sind (z. B. Appetenzstörungen, Pinheiro et al. 2010; Orgasmusstörungen, Morgan et al. 1995), gelten auch sexuelle Beeinträchtigungen als relevanter Faktor im Zusammenhang mit der subjektiv wahrgenommenen Partnerschaftsqualität. Bei episodisch verlaufenden Erkrankungen (z. B. affektiven Störungen und Substanzabhängigkeit) gelten Paarkonflikte zusätzlich als negativer Prädiktor für den Behandlungsverlauf. Bei Schizophrenie, depressiven sowie bipolaren Störungen besteht zudem in einem Familienklima mit häufiger Kritik, Feindseligkeit und emotionalem Überengagement (vgl. Konzept der Expressed Emotion) ein erhöhtes Rückfallrisiko (Butzlaff und Hooley 1998; Hooley 2007). Im Bereich der Angststörungen liegen hingegen heterogene Befunde für den Behandlungsverlauf vor. Bspw. kann bei Vorliegen einer Agoraphobie eine negative Partnerschaftsqualität ein besonderer Ansporn sein, sich auf eine Exposition einzulassen, um sich bspw. aus der Abhängigkeit in der Partnerschaft zu befreien. Im Vergleich dazu gibt es bei Zwangsstörungen allerdings Hinweise, dass eine negative Partnerschaftsqualität langfristig den Therapieerfolg mindert. Natürlich stellt das Zusammenleben mit einem psychisch beeinträchtigten Familienmitglied eine Belastung für die Partner und Angehörigen dar, die sich besonders in akuten Krankheitsphasen negativ auf das Familienleben auswirken kann (Friedmann et al. 1997). Hierbei werden objektive und subjektive Belastungsfaktoren unterschieden. Während unter der objektiven Belastung unmittelbar beobachtbare Einschränkungen durch die Störung (z. B. finanzielle Kosten, mangelnde Unterstützung durch den Patienten, Einschränkungen des Freizeitverhaltens und der Berufsausübung) subsummiert werden, gilt die Einschätzung der Situation durch die Angehörigen als subjektive Belastung. Eine höhere subjektive Belastung geht oft mit einem resignativen Bewältigungsstil und negativen Kausalattributionen einher. Letztere schreiben die Symptome und den Verlauf der Störung dem eigenen Versagen zu. Akzeptanz und Optimismus sind hingegen mit geringerer Belastung assoziiert. Insgesamt weisen Angehörige von psychisch erkrankten Menschen selbst eine überdurchschnittlich starke gesundheitliche Beeinträchtigung auf. So berichten viele Angehörige selbst von somatoformen, ängstlichen bzw. depressiven Beschwerden (Angermeyer et al. 2001). Zudem gehen psychisch beeinträchtigte Menschen mit höherer Wahrscheinlichkeit Partnerschaften mit anderen ebenfalls psychisch auffälligen Personen ein. Das Zusammenleben mit einer Person, die eine psychische Störung aufweist, wirkt sich unabhängig von der Art der Störung negativ auf die anderen Familienmitglieder aus (Baronet 1999). Im Einzelfall bleibt es schwierig zu klären, ob die familiäre bzw. partnerschaftliche Interaktion zur Entwicklung einer psychischen Störung beigetragen hat oder eine aufrechterhaltende Bedingung ist und nicht andere Faktoren (z. B. genetische, biologische, soziodemografische) einen ähnlichen Erklärungswert besitzen. 3.1.2     Körperliche Erkrankungen
Neben den vorgestellten Befunden zur psychischen Gesundheit fokussieren zahlreiche Studien die Rolle der Partnerschaft im Zusammenhang mit körperlichen Erkrankungen. Bereits der Beziehungsstatus scheint sich hierbei auf das individuelle Befinden und die körperliche Gesundheit auszuwirken. Verheiratete Personen, insbesondere verheiratete Männer, zeichnen sich bspw. im Vergleich zu geschiedenen oder verwitweten Personen durch ein besseres Befinden, eine längere Lebensdauer, ein geringeres Risiko für akute oder chronische Erkrankungen und eine niedrigere Mortalitätsrate aus (Hughes und Waite 2009). Insbesondere die niedrigere Mortalitätsrate für verheiratete Personen bleibt auch bestehen, wenn potenzielle Einflussvariablen, wie das Alter oder Geschlecht, der sozioökonomischer Status und die Nationalität, kontrolliert werden (Carr und Springer 2010). Zusätzlich wirkt sich die Partnerschaftsqualität indirekt auf das individuelle Gesundheitsverhalten und direkt auf kardiovaskuläre, endokrinologische, immunfunktionelle, neurosensorische und weitere physiologische Mechanismen aus (Kiecolt-Glaser und Newton 2001). Vor allem förderliches soziales Unterstützungsverhalten in einer Partnerschaft stärkt hierbei kardiovaskuläre, neuroendokrine und immunfunktionelle Systeme (Uchino 2006), wohingegen das Risiko für ischämische Herzkrankheiten und Tod infolge von...


Dr. Elisa Ewald, M. Sc. Laura Ulbrich und Prof. Dr. Christoph Kröger, Institut für Psychologie der Universität Hildesheim.


Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.