Eschstruth / Schulze | Jung gefreit | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 475 Seiten

Reihe: Klassiker bei Null Papier

Eschstruth / Schulze Jung gefreit

Komplettausgabe
Überarbeitete Fassung
ISBN: 978-3-96281-092-4
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Komplettausgabe

E-Book, Deutsch, 475 Seiten

Reihe: Klassiker bei Null Papier

ISBN: 978-3-96281-092-4
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Neue Deutsche Rechtschreibung Nataly von Eschstruth war eine deutsche Schriftstellerin und eine der populärsten und berühmtesten Erzählerinnen der Gründerzeit. Null Papier Verlag

Nataly von Eschstruth (1860-1939) war eine deutsche Schriftstellerin und eine der populärsten und berühmtesten Erzählerinnen der Gründerzeit. In ihren unterhaltsamen Romanen schilderte sie eingängig das Leben einer höflichen Gesellschaft, wie sie es aus eigener Erfahrung gelernt hatet.
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I.


»Hast du auch alles Handgepäck, Salome? Vier Stück zählte der Portier in die Droschke – lass sehen, ein Schirmpaket –«

»Hier – Tante Klärchen sitzt darauf!«

Ein leiser Schrei im höchsten Diskant. Tante Klärchen schnellte empor, dass sich ihr stolzer Schellenbaum von Straußfedern auf dem Hut an dem Wagendach rund wie eine Neune bog.

»Ich sitze darauf? – Gott sei Dank, es hat kein Malheur gegeben!« –

»Nein, alles in Ordnung, deine fünfundfünfzig Pfund knicken keinen Bambus!« – Die Sprecherin, eine stolze, imposant wuchtige Erscheinung mit leicht ergrautem Lockenhaar über der Stirn, sah mit einem leicht spöttischen Lächeln auf die hagere Schwester nieder, die sie ihr Leben lang als »Nestputtch« – oder »sitzengebliebenen Pudding« verhöhnte. Klärchen streckte die spitze Nase und das spitze Kinn noch spitzer vor und bemerkte anzüglich: »Nein, ebensowenig wie deine zweihundertfünfundfünfzig Pfund jemals eine Linde oder Eiche knicken konnten, liebe Erna!« –

Die liebe Erna wurde kirschrot vor Zorn, sowohl im Gedanken an ihre ehemaligen treulosen Verehrer, den Leutnant von Linde und den Assessor Eichberg, als auch über die Taktlosigkeit der Schwester, an diese schmerzlichen Punkte ihres Lebens zu rühren. Sie steckte die Hände mit strammem Ruck in die Taschen ihres Sportjacketts und warf den alten Kopf mit dem jugendlichen Jägerhütchen herausfordernd in den Nacken.

»Knicken ? Nicht knicken , meinst du wohl, kleine Giftkröte?« – fuhr sie mit ihrer tiefen Stimme auf: »Es ist allerdings ein billiges Mittel für den Neid – – –«

Sie verstummte und schnellte nach der andern Seite herum. Ihre Nachbarin, eine tief verschleierte nonnenhaft in grau gehüllte Erscheinung, hatte sie in den Arm gekniffen. – »Menagiert euch –« klang es tonlos hinter der undurchsichtigen Gaze hervor, »wir sind nicht allein.«

Und der Kopf der Sprecherin machte eine feierliche Bewegung gegen das junge, zuerst angeredete Mädchen, das neben Tante Klärchen auf dem Vordersitz der Droschke saß.

Salome schien aber gar nicht beachtet zu haben, welch ein Kampf neben ihr zu entbrennen drohte, sie neigte das rosige Gesichtchen unter dem eleganten, sehr einfachen Reisehut dicht an das Wagenfenster, und schien in schwärmerisches Bewundern der prächtigen Magazine und Ladenfenster versunken.

»Also das Schirmpaket ist da!« fuhr Erna, die Waffen streckend fort, warf ihrem Gegenüber Klärchen noch einen vernichtenden Blick zu, und nahm sich vor, sie nachher beim Aussteigen tüchtig auf die Füße zu treten. »Nr. 2 war eine kleine Handtasche, wo ist sie?«

Salome schlug die blauen Augen sinnend auf. »Hier unten, vor meinen Füßen steht sie, liebe Tante«, sagte sie, weich und mild wie Frühlingswehen.

» und die Hutschachtel?«

»Bei dem Kutscher draußen auf dem Bock.«

»Aber es waren vier Gepäckstücke!«

»Gewiss! Das Paket aus der Buchhandlung, das du für Tante Sidonie mitbringen solltest?«

»Richtig – ein kleines Buch schien es … mein Gott, wo mag es hingeraten sein?«

»Steht mal alle auf!«

»Unmöglich, Erna – jetzt, in der engen Droschke!«

»Willst du sie erst auf den Leisten schlagen lassen? Noch gibt’s die Harmonikadroschken erst in den fliegenden Blättern!«

»Au! Erna! – Tollpatsch! – Trampele mir doch nicht so mit den Elefantenhufen auf den Füßen herum!« empörte sich Klärchen, bereits jetzt schon der Rache der dicken Schwester zum Opfer fallend.

»Elefantenhufe!! – Glaubst du, die indische Kavallerie ließe die Dickhäuter beschlagen? Allerdings – wenn man es im Leben nur bis zur zweiten Klasse gebracht hat –«

»Besser als wie in Fett und Weisheit zu ersticken!«

Abermals wogte der graue Gazeschleier mahnend auf. – »Bitte, menagiert euch. – Euer Streit schafft das Buch nicht herbei. – Habt ihr es gefunden?«

»Nein!«

Salome vergaß alle ihre Schwärmerei und tastete mit nervöser Hast umher. – »O Himmel, es wäre schrecklich! Tante Sidonie verzeiht es mir ja nie, sie ist so sonderbar – hält alles für böse Absicht – und Mama ließ in ihrem Briefe durchblicken, dass Tante Sidonie das Buch gewiss zum Konfirmationsgeschenk für Rose bestimmt hat!!«

»Selbstverständlich, wieder irgendein so entsetzlich frommer Schmöker! Solchen Unsinn dreht sie jedem ihrer unglücklichen Patenkinder zur Konfirmation an!«

»Erna! – Unterlass solche schamlose Bemerkungen!« Die graue Nonnengestalt an ihrer Seite wurde plötzlich lebendig: »Du weißt, dass du mit deinem Spott über Sidonies fromme Richtung auch mich beleidigst!«

Klärchen nickte triumphierend Beifall, Erna aber zog eine ihrer derben Grimassen und lachte hart auf: »Na ja! Ihr habt ja beide denselben Sparren, Pardon – das hatte ich vergessen! – Na, da wirst diesmal auf dem Gebetbüchlein sitzen und es andächtig ausbrüten! – Sieh da … hahaha … da hast du es ja hübsch angewärmt – – edle Seelen finden sich! … Hahaha … Hier, Salome! Klärchen das und Martha mit dem Tränenblick das – Wenn ich als Kind etwas auswendig lernen wollte, legte ich mir das Buch unter den Kopf – Martha scheint eine andere Methode zu haben – sicherlich die, die gleich ›vor- und rückwärts‹ auswendig hersagen lässt!«

Erna warf sich in den Wagen zurück und belachte ihre Witze mit dröhnender Stimme, Klärchen schoss vor und tuschelte über Salome herüber etwas in das Ohr der Verschleierten, deren Hände wie im Fieber bebten.

Das junge Mädchen aber nahm hochaufatmend das versiegelte Buch in Empfang, zerrte ihre Handtasche empor und schloss es vorsichtig darin ein.

Jetzt hielt der Wagen.

Er bildete erst ein paar Minuten in der Reihe der anfahrenden Droschken vor der Bahnhofshalle Spalier, dann riss ein Dienstmann den Schlag auf und rief: »Wollen die Damen noch mit dem Schnellzug ›Halle-Berlin‹ mit? Dann aber marsch, marsch, hurra! Sonst pfeift er Ihnen vor der Nase weg!« –

»Um Himmels willen – ich muss noch mitfahren!« schrie Salome entsetzt auf – »ach bitte, bitte, helfen Sie!«

»Schon so spät? – Selbstverständlich, Erna musste ja erst noch eine Stunde lang Löckchen brennen!«

»Und Fräulein Kläre frühstückte erst – als ob sie sechs Wochen fasten sollte –.«

»Nichtswürdige Verleumdung!«

»Und das heilige Marthchen sang noch eine Morgenandacht –.«

»Empörend! – Ich sage dir, Erna –«

»Ja, meine Damen,...



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