Ernst | Panama Haus | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Ernst Panama Haus

oder von kleinen Wünschen und großen Zielen
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-99131-193-5
Verlag: novum pro Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

oder von kleinen Wünschen und großen Zielen

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

ISBN: 978-3-99131-193-5
Verlag: novum pro Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Freising in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts: In der bayerischen Domstadt mit ihren urigen Kneipen genießt Rolf das studentische Leben. Es ist eine Zeit voller Lebensfreude und Musik. Alles scheint möglich, so auch Rolfs Lebenstraum von einer eigenen Brauerei mit Erlebnisgastronomie, dem Panama Haus. Doch bei dem Versuch, seinen Traum zu verwirklichen, gerät Rolf ins Visier der organisierten Kriminalität. Es beginnt ein mörderischer Kampf gegen die verbrecherischen Machenschaften der Mailänder Mafia. Auch Rolfs Freundin Edi schwebt in größter Gefahr ...

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Kapitel 2

15. Juni

Es war Donnerstagabend. Andi und weitere Kommilitonen hatten ihre Diplomarbeit an der Uni abgegeben und wir feierten das in einer größeren Gruppe, es ging recht lebhaft zu.

Meine Arbeit der letzten Tage, den Businessplan weiter zu bearbeiten, war vorerst abgeschlossen. Alles war zu Papier gebracht und ich war stolz auf meine Arbeit. Die Vorlesungen hatte ich in den letzten Tagen nicht besucht. So langsam begann mein Studium unter meiner zusätzlichen Aufgabe zu leiden. Aber ich hatte es mir selber ausgesucht und es war trotzdem ein gutes Gefühl.

Eduardo saß mir direkt gegenüber und als ob er meine Gedanken gelesen hätte, sprach er mich darauf an. „Ich habe gehört, du willst dich selbstständig machen und hast eine Geschäftsidee entwickelt, was hast du vor?“ Eduardo war aus Venezuela. Seine Herkunft und Abstammung sah man ihm an, er war richtig gut aussehend mit seiner dunkler getönten Haut, zudem groß und sportlich durchtrainiert. Seine fast schulterlangen glatten schwarzen Haare trug er mit Mittelscheitel. Sein gesamtes Erscheinungsbild zusammen mit seiner charmanten Art machte ihn zum Schwarm der Kommilitoninnen.

Für mich war es nicht die richtige Kulisse und zu laut in dem Lokal, um übers Panama Haus zu sprechen, aber ich gab ihm bereitwillig Auskunft. Schließlich war ich richtig stolz auf mein Vorhaben.

„Es ist eine super Geschäftsidee, ich bin selber total begeistert davon. Die letzten Tage habe ich dafür gearbeitet. Es soll ein Bowlingcenter werden und ich möchte selbstgebrautes Bier ausschenken. Es soll das Panama Haus werden.

Heute habe ich den Geschäftsplan fertiggestellt und nächste Woche habe ich einen Termin mit einem Herrn Greiner von meiner Bank. Ich möchte mit ihm die Finanzierung des Vorhabens klären. Aber woher weißt du das schon wieder? Bis heute habe ich nur mit Andi und Sarah darüber gesprochen.“

Eduardo wich irgendwie aus. „Ich bekomme immer alles mit. Aber der Name und die Idee sind wirklich gut.“

„Ja, aber vorerst ist alles nur mein großer Traum, den ich noch realisieren muss. Vor allem die Finanzierung wird für mich verdammt schwer werden. Ich habe ausgerechnet, dass ich für die Umsetzung am Anfang ungefähr fünf Millionen investieren muss, die ich nicht habe. Der Banker wird mich abblitzen lassen, schließlich habe ich kein Vermögen, mit dem ich ihn beeindrucken könnte“, stöhnte ich.

„Och, es gibt immer einen Weg, ein Projekt zu finanzieren“, Eduardo war bei dem Gedanken locker, „von privat zum Beispiel oder mit Beteiligungen.“

„Mit Beteiligungen, das ist gut! Ich habe nichts und du gibst den Rest. Und schon ist es nicht mehr mein Geschäft und ich bin maximal leitender Angestellter. Das habe ich mir so nicht vorgestellt und es wird so nicht funktionieren“, ich schüttelte den Kopf.

„Es ist doch meine Idee und es soll mein Geschäft und meine Zukunft werden und nicht die eines Mannes, der ohnehin schon alles hat. Und wie soll ich fünf Millionen von privat finanzieren? Das läuft doch aufs Gleiche raus. Ich bin der Bittsteller und wenn ein Investor zusagt, hat er ein weiteres Unternehmen und ich bin nur Mitläufer.“

„Ganz locker“, Eduardo legte mir seine Hand zur Beruhigung auf den Arm. „Gute Geschäftsideen lassen sich immer finanzieren. Wenn du eine Rendite erwirtschaften kannst, bekommst du auch Geld.“ Er war sich mit seiner Aussage sehr sicher und ich sollte später noch darüber nachdenken.

Das Gespräch war für mich vorerst beendet, auch weil ich plötzlich abgelenkt war. Wenige Minuten zuvor waren zwei Mädels hereingekommen, beide noch sehr jung und wirklich hübsch. Sie setzten sich an die Bar, der Barhocker links neben ihnen blieb noch unbesetzt.

„Eduardo, ein andermal können wir uns weiter darüber unterhalten. Komm, wir wechseln an die Bar, dein Charme wird benötigt.“ Wir nahmen unsere Biergläser und wechselten zur Bar. Die anderen am Tisch waren so in ihre Gespräche vertieft, die würden uns nicht vermissen. Ich setzte mich auf den noch freien Barhocker, Eduardo stellte sich hinter ein Mädchen. Wie geplant kamen wir gleich ins Gespräch.

„Sorry, nicht dass wir euch hier zu sehr einengen, aber der Laden ist heute wirklich voll.“ Eduardo gefiel die mit den glatten, schulterlangen Haaren, wohl die Ältere der Beiden. Sie antwortete gleich auf Eduardos Gesprächseinstieg: „Ja, das glaube ich euch, deshalb habt ihr auch eure Plätze an dem großen Tisch aufgegeben und seid lieber hierhergekommen. Und außerdem schauen wir so schrecklich aus, dass ihr euch entschuldigen müsst?“

Mir fiel die Jüngere auf, sie sah so süß aus mit ihren großen Augen und dem blonden Lockenkopf.

„Nein, ihr seht wirklich toll aus. Und ja, du hast uns erwischt, wir sind tatsächlich an die Bar gekommen, um euch kennenzulernen. Das ist Eduardo, ich bin Rolf.“

„Wir sind Schwestern, ich bin Susi und das ist Edi, sie hat heute ihren sechzehnten Geburtstag.“

„Happy Birthday, Edi! Wow, noch so jung“, gratulierte ich.

„Sei bloß still“, Susi lachte, „sie ist so froh, dass sie sechzehn ist, und du sagst zu ihr, dass sie noch jung ist, da habt ihr gleich einen Konflikt.“

„O.k., aber hat nicht jeder einen zweiten Versuch verdient?“, fragte ich Edi.

„Natürlich, Rolf … oder?“

„Genau, also noch mal von vorne: Happy Birthday, Edi, alles Gute zum sechzehnten Geburtstag. Darf ich dich zu einem Piccolo einladen?“

Das war etwas, was ich sonst nie tat. Ich lud Frauen maximal auf einen Kaffee oder ein Bier ein und für überteuerte Piccolo in Gaststätten wollte ich kein Geld ausgeben. Aber heute, für dieses schöne Mädchen und weil ich noch immer aufgedreht war, weil mein Businessplan stand, war es mir eine Freude. Ich fühlte mich wie an einem Wendepunkt zu einem neuen Ziel.“

Sie dankte mir mit einem strahlenden Lächeln. „Danke, Rolf. Mich hat noch nie jemand zu einem Piccolo eingeladen.“

„Und ich habe das noch nie gemacht, jemandem einen Piccolo bezahlt. Aber heute und für dich mache ich das gerne, schließlich möchte ich der Erste sein, der dich einlädt. Und außerdem habe ich auch einen Grund zu feiern und deine Gesellschaft ist genau das, was den Abend erst so richtig gut macht.“

Die Feier konnte starten, ich freute mich auf einen schönen Abend mit dem Geburtstagskind. Zwischenzeitlich waren auch Eduardo und Susi in ein Gespräch vertieft.

Die kleine Bar

Es war bereits kurz vor neun Uhr, nach dem Abendessen in der Zentrale bei Oma war das meine erste Fahrt. Einundzwanzig Mark zwanzig und achtzig Pfennig Trinkgeld war bis dahin mein Umsatz. Das war nicht viel, manchmal lief das Taxigeschäft eben nicht.

Nach dem Bezahlen stieg mein Kunde aus und ich fuhr langsam durch die Hauptstraße mit dem Ziel Taxistand am Bahnhof. Es war ein unangenehmes Wetter, nur eine leichte Feuchtigkeit kam von oben, sodass der Scheibenwischer mit einem laut schubbernden Geräusch über die halb nasse Scheibe rutschte. Wegen dem Krach waren das Autoradio und der Funk schlecht zu verstehen. Es war einer der Tage, an denen man am besten nichts macht, dann kann man auch nichts falsch machen. Ich war unzufrieden und wäre besser in der WG geblieben, nun musste ich noch mindestens bis halb eins durchhalten und Taxi fahren.

Dann sah ich sie, ohne Schirm, den Kragen ihrer Jacke hochgeschlagen, die Haare wurden nass von der Feuchtigkeit. Es war das Geburtstagskind von neulich, Edi. Der Abend konnte doch noch etwas werden.

Langsam fuhr ich an ihr vorbei und blieb auf dem Seitenstreifen stehen. Als sie vorbeilief, sprach ich sie aus dem Autofenster an: „Hallo Edi, du wirst doch nass.“ Sie erkannte mich nicht gleich, beugte sich leicht runter und schaute zu mir in den Wagen.

„Ah, Rolf … wie, du fährst Taxi, ich dachte du bist Student.“

„Natürlich studiere ich, aber ich brauche doch auch Geld zum Leben, komm, setz dich rein“, dabei öffnete ich ihr die Tür.

„Ich habe kein Geld für ein Taxi und …“

„Ach rede nicht“, unterbrach ich sie. „Ich werde dir schon kein Geld abnehmen, komm, steige ein und du bist im Trockenen.“ Sie weigerte sich noch und ich wiederholte mich. Letztendlich aber trieb die unangenehme Feuchtigkeit sie dazu, sich zu mir ins Auto zu setzen.

„Wo willst du hin? Ich kann dich fahren, wohin du möchtest.“ Sie drehte sich zu mir herüber und schaute mich an. Ein Regentropfen lief von der Stirn auf ihre linke Wange. Ich wischte ihn zärtlich mit dem Handrücken weg, sie ließ es zu und lächelte.

„Zum Lindenkeller.“

„Aber da ist doch jetzt noch nichts los“, meinte ich. Da kam mir eine Idee: „Ich stelle das Taxi für eine halbe Stunde weg und mache mit dir eine kurze Pause. Ab zehn Uhr läuft das Geschäft vielleicht wieder besser. Beim Lindenkeller kann ich den Wagen schlecht abstellen, da werde ich zu schnell eingeparkt. Aber ich kenne eine besondere kleine Bar, heißt Eulenspiegel, alle sagen nur Eule dazu. Da lade ich dich auf einen Drink...



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