Erikson | Das Spiel der Götter (4) | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 4, 640 Seiten

Reihe: Das Spiel der Götter

Erikson Das Spiel der Götter (4)

Die eisige Zeit - Roman
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-641-08979-5
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die eisige Zeit - Roman

E-Book, Deutsch, Band 4, 640 Seiten

Reihe: Das Spiel der Götter

ISBN: 978-3-641-08979-5
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die fanatischen Heerscharen des Pannionischen Sehers stürmen aus dem Süden heran und überziehen Genabackis mit einer Welle der Gewalt. Um die schreckliche Armee abzuwehren, muss sich Hohefaust Dujek Einarm mit seinen früheren Feinden verbünden. Ob er dem Kriegsherrn Caladan Bruth und den Bewohnern der fliegenden Festung Mondbrut trauen kann, ist eine andere Frage. Doch Einarm hat keine Wahl: Die Truppen des Feindes rücken näher ...

Steven Erikson, in Kanada geboren, lebt heute in Cornwall. Der Anthropologe und Archäologe feierte 1999 mit dem ersten Band seines Zyklus Das Spiel der Götter nach einer sechsjährigen akribischen Vorbereitungsphase seinen weltweit beachteten Einstieg in die Liga der großen Fantasy-Autoren.
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Prolog


In jenen alten Tagen rissen die Kriege zwischen den T’lan Imass und den Jaghut die Welt auseinander. Riesige Armeen stritten miteinander in den verwüsteten Landen, die Toten türmten sich auf, ihre Knochen die Knochen von Hügeln, ihr Blut das Blut von Meeren. Magische Kräfte wüteten, bis selbst die Himmel brannten …

Alte Geschichte, Band I
Kinicik Karbar’n

I


Maeth’ki Im (Das Pogrom der Verfaulten Blume),
der 33. Jaghut Krieg
298 665 Jahre vor Brands Schlaf.

Schwalben schossen durch die Mückenschwärme, die über den schlammigen Tümpel tanzten. Der Himmel über der Marsch war noch immer grau, doch er hatte seinen quecksilbrigen, winterlichen Glanz verloren, und der warme Wind, der seufzend über das verwüstete Land strich, brachte den Geruch von Heilung mit sich.

Was einst ein aus den zerschmetterten Eisfeldern der Jaghut entstandenes Süßwasser-Binnenmeer gewesen war, das die Imass Jaghra Til genannt hatten, lag in seinen letzten Todeszuckungen. So weit das Auge in Richtung Süden reichte, spiegelte sich der blasse Himmel zwar in schrumpfenden Tümpeln und knietiefen Wasserlachen; dennoch beherrschte neu entstandenes Land das Blickfeld.

Der magische Bann, der diesem Land eine Eiszeit beschert hatte, war gebrochen, und nun kehrte es zu den alten, natürlichen Jahreszeiten zurück, doch überall fanden sich Erinnerungen an die gebirgshohen Gletscher. Der nackte Fels im Norden war mit Kratzern und Schrunden übersät, die Senken mit Felsbrocken gefüllt. Aus den dicken Schlammschichten, die den Grund des Binnenmeeres gebildet hatten, stiegen noch immer blubbernde Gasblasen auf, während das Land, vom enormen Gewicht des vor acht Jahren vorbeigezogenen Gletschers befreit, sich weiter langsam hob.

Jaghra Tils Leben war nur kurz gewesen, doch die Schlammschichten, die sich auf seinem Grund abgelagert hatten, waren dick. Und trügerisch.

Pran Chole, Knochenwerfer in Cannig Tols Clan vom Volk der Kron Imass, saß reglos auf einem größtenteils in der Erde vergrabenen Felsblock am Rand eines alten Uferabbruchs. Der Hang vor ihm war ein einziges Durcheinander aus niedrigen, drahtigen Gräsern und verwittertem Treibholz. Zwölf Schritte weiter fiel das Land leicht ab und verwandelte sich dann in ein breites Schlammbecken.

Drei Ranag waren zwanzig Schritte weit im Innern der morastigen Senke in ein Sumpfloch geraten. Ein Bulle, sein Weibchen und ihr Kalb, aufgestellt in einem armseligen Verteidigungskreis. Im Sumpf festsitzend und so gut wie wehrlos, mussten sie dem Ay-Rudel, das sie aufgespürt hatte, als leichte Beute erschienen sein.

Doch das Land war in der Tat trügerisch. Die großen Wölfe der Tundra hatten das gleiche Schicksal erlitten wie die Ranag. Pran Chole zählte sechs Ay, unter ihnen ein Jährling. Spuren deuteten darauf hin, dass ein weiterer Jährling das Schlammloch Dutzende Male umkreist hatte, bevor er in Richtung Westen davongewandert war —zweifellos dazu verurteilt, allein und einsam zu sterben.

Wie lange war es her, seit dieses Drama sich ereignet hatte? Das war unmöglich zu sagen. Der Schlamm war auf den Ranag und den Ay gleichermaßen getrocknet, hatte sie in von Sprüngen durchzogene Mäntel aus Lehm gehüllt. Flecken von hellem Grün zeigten sich überall dort, wo vom Wind herangetragene Samen zu keimen begonnen hatten, und der Knochenwerfer wurde an die Visionen erinnert, die er gehabt hatte, als er seinen Geist auf die Reise geschickt hatte — unzählige weltliche Einzelheiten, die zu etwas Unrealem verwoben worden waren. Für die Tiere war der Kampf zu einem ewigen Kampf geworden — Jäger und Gejagte für alle Zeiten miteinander vereint.

Jemand kam an seine Seite getappt, hockte sich neben ihn.

Pran Choles gelbbraune Augen blieben weiter auf die mitten in der Bewegung erstarrte Szene vor ihm gerichtet. Der Rhythmus der Schritte verriet dem Knochenwerfer, wer zu ihm getreten war, und jetzt kamen auch noch die warmen Gerüche hinzu, so dass er den Mann nicht mehr anzusehen brauchte.

Cannig Tol sprach. »Was liegt unter dem Lehm, Knochenwerfer?«

»Nur das, was der Lehm selbst geformt hat, Clanführer.«

»Du siehst in diesen Tieren also keine Vorzeichen?«

Pran Chole lächelte. »Tust du es denn?«

Cannig Tol dachte einige Augenblicke nach, ehe er sagte: »Es gibt keine Ranag mehr in diesem Land. Auch keine Ay. Vor uns sehen wir einen Kampf, der vor langer Zeit stattgefunden hat. Diese Feststellungen haben eine tiefe Bedeutung, denn sie wühlen meine Seele auf.«

»Genau wie meine«, gab der Knochenwerfer zu.

»Wir haben die Ranag gejagt, bis es keine mehr gab, und das ließ die Ay Hunger leiden, denn zuvor hatten wir auch die Tenag gejagt, bis es keine mehr gab. Die Agkor, die mit den Bhederin über die Tundra wandern, wollten nicht mit den Ay teilen, und jetzt ist die Tundra leer. Daraus schließe ich, dass wir bei unseren Jagden verschwenderisch und gedankenlos waren.«

»Doch die Notwendigkeit, unsere eigenen Kinder zu ernähren …«

»Es hat ein großer Bedarf an mehr Kindern geherrscht.«

»So ist es noch immer, Clanführer.«

Cannig Tol grunzte. »Die Jaghut waren in diesen Landen sehr mächtig, Knochenwerfer. Sie sind nicht geflohen — zumindest anfangs nicht. Du weißt, wie viel Blut das uns Imass gekostet hat.«

»Und das Land ist uns gegenüber großzügig, damit wir den Preis leichter bezahlen können.«

»Um unserem Krieg zu dienen.«

»Und aus diesem Grund sind wir beunruhigt.«

Der Clanführer nickte und schwieg.

Pran Chole wartete. Die Worte, die sie gewechselt hatten, hatten gerade einmal die Oberfläche, die Haut der Dinge gestreift. Was Muskeln und Knochen zu offenbaren hatten, musste erst noch kommen. Er brauchte nicht lang zu warten; schließlich war Cannig Tol kein Narr.

»Wir sind genau wie diese Tiere.«

Der Knochenwerfer richtete den Blick auf den südlichen Horizont, kniff die Augen zusammen.

Cannig Tol sprach weiter. »Wir sind der Lehm, und unser endloser Krieg mit den Jaghut ist das kämpfende Tier darunter. Die Oberfläche wird von dem geformt, was darunter liegt.« Er vollführte eine Geste mit einer Hand. »Und direkt vor uns — in diesen Kreaturen, die langsam zu Stein werden — liegt der Fluch der Ewigkeit.«

Es würde noch mehr kommen. Pran Chole sagte nichts.

»Ranag und Ay«, fasste Cannig Tol zusammen. »Sie sind aus den Ländern der Sterblichen so gut wie verschwunden — Jäger und Gejagte gleichermaßen.«

»Bis auf die Knochen«, flüsterte der Knochenwerfer.

»Ich wünschte, du hättest ein Vorzeichen gesehen«, murmelte der Clanführer und erhob sich.

Pranig Chole richtete sich ebenfalls auf. »Das wünschte ich auch«, stimmte er dem Clanführer zu. In seinem Tonfall schwang nur ein Hauch von dem Sarkasmus mit, der in Cannig Tols Worten gelegen hatte.

»Haben wir sie bald eingeholt, Knochenwerfer?«

Pran Chole warf einen Blick auf den Boden und starrte seinen Schatten an, musterte die von einem Geweih gekrönte Silhouette, die Gestalt, die sich unter dem Fellumhang, den zottigen Häuten und der Kopfbedeckung erahnen ließ. Die Sonne stand tief, so dass sie ihn groß wirken ließ — fast so groß wie einen Jaghut. »Morgen ist es so weit«, sagte er. »Sie werden immer schwächer. Noch eine Nacht, in der sie nicht zur Ruhe kommen, wird sie noch weiter schwächen.«

»Gut. Dann soll der Clan heute Nacht hier lagern.«

Der Knochenwerfer lauschte, während Cannig Tol sich wieder auf den Weg zurück zu jener Stelle machte, an der die anderen warteten. Wenn die Dunkelheit kam, würde Pran Chole seinen Geist wandern lassen. Hinein in die flüsternde Erde, um die anderen seiner Art zu suchen. Denn mochte ihre Beute auch an Kraft verlieren — Cannig Tols Clan war noch schwächer. Es waren nicht einmal mehr ein Dutzend Erwachsene übrig. Wenn es darum ging, Jaghut zu jagen, hatte der Unterschied von Jägern und Gejagten wenig Bedeutung.

Er hob den Kopf und sog schnüffelnd die dämmrige Luft ein. Ein anderer Knochenwerfer wanderte über dieses Land. Der Geruch war unverwechselbar. Er fragte sich, wer es wohl war und warum er — oder sie — allein wanderte, ohne Clanangehörige und Verwandte. Und da er wusste, dass der andere ihn ebenso gespürt hatte, wie er selbst seine Gegenwart wahrgenommen hatte, fragte er sich, warum der Unbekannte sich noch nicht zu ihnen gesellt hatte.

Sie zog sich aus dem Schlamm und ließ sich auf das sandige Ufer sinken; ihre keuchenden Atemzüge kamen schwer und mühsam. Ihr Sohn und ihre Tochter wanden sich aus ihren bleischweren Armen, krabbelten weiter den niedrigen Hügelrücken hinauf, der die Insel bildete.

Die Jaghut-Mutter ließ den Kopf sinken, bis ihre Stirn auf dem kühlen, feuchten Sand ruhte. Kieselsteine drückten sich mit rauer Beharrlichkeit in ihre Haut. Die Verbrennungen auf ihrer Stirn waren noch frisch; sie waren noch nicht geheilt — und sie würden auch nicht mehr heilen. Sie war besiegt, und ihr Tod würde nur noch bis zur Ankunft der Jäger auf sich warten lassen.

Glücklicherweise waren ihre Verfolger zumindest tüchtig. Die Imass machten sich nichts aus Folter. Nein, nur ein paar schnelle, tödliche Hiebe, erst für sie, dann für ihre Kinder. Und mit ihnen — mit dieser armseligen, heruntergekommenen Familie — würden die letzten Jaghut von diesem Kontinent verschwinden. Barmherzigkeit konnte vielerlei Gestalt annehmen. Hätten sie sich nicht mit den Imass zusammengetan, um Raest in Ketten zu legen, dann würden sie jetzt alle — Imass und Jaghut gleichermaßen — die Knie...


Erikson, Steven
Steven Erikson, in Kanada geboren, lebt heute in Cornwall. Der Anthropologe und Archäologe feierte 1999 mit dem ersten Band seines Zyklus Das Spiel der Götter nach einer sechsjährigen akribischen Vorbereitungsphase seinen weltweit beachteten Einstieg in die Liga der großen Fantasy-Autoren.



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