Erikson | Das Spiel der Götter (11) | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 11, 752 Seiten

Reihe: Das Spiel der Götter

Erikson Das Spiel der Götter (11)

Die Knochenjäger
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-641-09020-3
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Knochenjäger

E-Book, Deutsch, Band 11, 752 Seiten

Reihe: Das Spiel der Götter

ISBN: 978-3-641-09020-3
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein furioses Fantasy-Epos von einer dunklen Anderswelt!

Das Reich der Sieben Städte ist vorerst befriedet, die letzten Funken des Widerstands sind ausgelöscht. Doch das malazanische Imperium kommt nicht zur Ruhe. Wozu nicht zuletzt die Entscheidungen von Imperatrix Laseen beitragen, die ihren Untergebenen immer merkwürdiger erscheinen. Und im Hintergrund zieht weiterhin der Verkrüppelte Gott die Fäden …

Steven Erikson, in Kanada geboren, lebt heute in Cornwall. Der Anthropologe und Archäologe feierte 1999 mit dem ersten Band seines Zyklus Das Spiel der Götter nach einer sechsjährigen akribischen Vorbereitungsphase seinen weltweit beachteten Einstieg in die Liga der großen Fantasy-Autoren.
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Kapitel Zwei


Und all diese Leute versammelten sich,
um den zu ehren, der gestorben war,
war es ein Mann, eine Frau, ein Krieger,
ein König, ein Narr, und wo waren
die Statuen, die Bilder, die auf
Gips und Stein gemalt waren?

Doch so standen oder saßen sie – und der Wein
schwappte um ihre Füße, tropfte rot
von ihren Händen – umgeben von Wespen,
die am Ende ihrer Lebenszeit nach Süßem dürstend
herumflogen, und trunkene Stimmen
schrien auf, wachgestochen.

Stimmen verschwammen ineinander in verwirrter
Überschwänglichkeit, die Frage, die wieder
und wieder gestellt wurde – warum? Aber hier findet
eine Wahrheit ihr eigenes Staunen,
denn die Frage war nicht, warum der hier
gestorben ist oder es zu rechtfertigen,

denn im Herzen ihres wogenden Getümmels
gab es niemanden, für den
diese Versammlung nichts weiter war
als ein Echo des früheren Selbsts.
Sie fragten, wieder und wieder,
warum sind wir hier?

Der Eine, der gestorben war, hatte keinen Namen,
sondern alle Namen, kein Gesicht, sondern alle
Gesichter derjenigen, die sich versammelt hatten,
und so waren wir es, die lernten
zwischen Wespen, die ihr Leben hinter sich hatten,
und doch einen letzten grellen Schmerz verbreiteten,

dass wir die Toten waren
und alle in einem ungesehenen Verstand –
denn da stand oder saß ein Mann oder eine Frau,
ein Krieger, eine Königin oder ein Narr, der
in trunkenem Müßiggang einen Augenblick lang an all das
dachte, an dem man im Leben vorbeiging.

Die Versammlung an der Quelle
FISHER KEL TATH

Selbst mit vier neuen Rädern war die Kutsche der Trygalle-Handelsgilde ein mitgenommenes, klappriges Wrack. Zwei Pferde waren bei der Rutschpartie den Abhang hinunter gestorben. Drei Anteilseigner waren zermalmt worden, und ein vierter hatte sich den Hals gebrochen. Karpolan Demesand saß auf einem Klapphocker, den Kopf mit einem blutigen Verband umwickelt, und trank Kräutertee, wobei er immer wieder zusammenzuckte.

Sie hatten Ganaths Gewirr – Omtose Phellack – verlassen, und nun umgab sie der vertraute Anblick der Wüste, des Buschwerks und der kahlen Hügel des Reichs der Sieben Städte, während die Sonne von einer Wolkendecke verborgen dem Zenith zustrebte. Der Geruch von Regen lag in der ungewöhnlich feuchten Luft. Insekten umwirbelten und umschwirrten ihre Köpfe.

»Das kommt von der Wiedergeburt des Binnenmeeres«, sagte Ganath.

Paran warf ihr einen kurzen Blick zu und machte sich dann wieder daran, den Sattelgurt seines Pferds festzuziehen – das Tier versuchte den Atem anzuhalten, sein Brustkorb war gebläht in dem Versuch, den Gurt nicht zu stramm werden zu lassen; wahrscheinlich hoffte es, Paran würde in einem absolut unpassenden Augenblick von seinem Rücken rutschen. Pferde waren bei so vielen menschlichen Eskapaden, Katastrophen und Schwächen widerwillige Gefährten, so dass Paran dem Tier seine wohlverdiente Streitsucht nicht übelnehmen konnte. »Ganath«, sagte er, »weißt du genau, wo wir sind?«

»Dieses Tal führt im Westen zur Raraku-See, jenseits der inneren Gebirgskette. Im Osten führt es durch einen selten benutzten Pass hinunter zur Stadt G’danisban.« Sie zögerte kurz und fügte dann hinzu: »Es ist lange her, seit ich das letzte Mal so weit im Osten war … so nah bei euren Städten.«

»G’danisban. Nun, ich brauche Vorräte.«

Sie blickte ihn an. »Du hast deine Aufgabe erfüllt, Herr der Drachenkarten. Die Deragoth sind befreit, der Jäger – der Vielwandler, der als Dejim Nebrahl bekannt ist – ist nun der Gejagte. Kehrst du nun nach Darujhistan zurück?«

Er verzog das Gesicht. »Leider noch nicht.«

»Gibt es noch mehr Kräfte, die du auf diese Welt loslassen willst?«

Ein bestimmter Unterton in ihrer Stimme sorgte dafür, dass er sich umdrehte. »Nicht, wenn ich es verhindern kann, Ganath. Wohin gehst du nun?«

»Nach Westen.«

»Ah, ja, um den Schaden an deinem Ritual wieder in Ordnung zu bringen. Ich bin neugierig – was war darin gefangen?«

»Eine Himmelsfestung der K’Chain Che’Malle. Und … andere Dinge.«

Eine Himmelsfestung? Bei den Göttern hienieden. »Wo ist sie hergekommen?«

»Aus einem Gewirr, nehme ich an«, sagte sie.

Paran vermutete, dass sie mehr als das wusste, aber er verfolgte die Angelegenheit nicht weiter. Stattdessen rückte er ein letztes Mal den Sattel zurecht und sagte: »Ich danke dir, Ganath, dass du uns begleitet hast – ohne dich hätten wir nicht überlebt.«

»Vielleicht kann ich dich eines Tages meinerseits um einen Gefallen bitten.«

»Einverstanden.« Er zog einen langen, in ein Stück Tuch eingewickelten Gegenstand hervor, der am Sattel festgeschnallt gewesen war, und trug ihn zu Karpolan Demesand hinüber.

»Hohemagier«, sagte er.

Der korpulente Mann blickte auf. »Oh, Eure Bezahlung.«

»Für geleistete Dienste«, sagte Paran. »Wollt Ihr, dass ich es auswickle?«

»Beim Vermummten, nein, Ganoes Paran – Zauberei ist das Einzige, was meinen Schädel im Augenblick zusammenhält. Und auch wenn das Schwert jetzt in seiner Scheide steckt und eingewickelt ist, kann ich doch die darin enthaltene, Magie aufhebende Macht spüren.«

»Ja, es ist eine unangenehme Waffe«, sagte Paran.

»Wie auch immer, eines muss noch getan werden.« Karpolan winkte, und eine der beiden Anteilseignerinnen aus dem Volk der Pardu kam zu ihnen und nahm das Otataral-Schwert entgegen, das einst Mandata Lorn gehört hatte. Sie trug es ein kleines Stück weg, legte es dann auf den Boden und trat zurück. Ein weiterer Anteilseigner kam hinzu, der einen riesigen, beidhändig zu schwingenden Streitkolben trug. Er stellte sich über die eingewickelte Waffe und schlug mit dem Streitkolben zu. Und noch einmal, und noch einmal. Jeder Schlag zerschmetterte die Otataral-Klinge mehr. Schwer atmend trat der Mann zurück und blickte zu Karpolan Demesand.

Der sich erneut Paran zuwandte. »Holt Euch Eure Scherbe, Herr der Drachenkarten.«

»Danke«, antwortete der Malazaner und ging zu dem Schwert. Er kauerte sich hin und schlug die mitgenommene, von zahllosen Schnitten übersäte Lederhülle zurück. Ein halbes Dutzend Herzschläge lang starrte er auf die rostfarbenen Metallsplitter hinunter, suchte sich dann eine Scherbe aus, die ungefähr so lang wie sein Zeigefinger und kaum breiter war. Vorsichtig wickelte er sie in ein Stück Leder und schob das Ganze dann in seine Gürteltasche. Er stand auf und ging wieder zu dem Hohemagier zurück.

Karpolan Demesand seufzte und erhob sich langsam von seinem Hocker. »Es ist Zeit für uns, nach Hause zu gehen.«

»Ich wünsche Euch eine sichere Reise, Hohemagier«, sagte Paran und verbeugte sich.

Der Mann versuchte zu lächeln, doch die Anstrengung ließ jegliche Farbe aus seinem Gesicht weichen. Er drehte sich um und machte sich auf einen seiner Anteilseigner gestützt auf den Weg zur Kutsche.

»Bete, dass er in den Gewirren keinen widrigen Umständen begegnet«, sagte Ganath, die an Parans Seite getreten war, leise.

Paran ging zu seinem Pferd. Dann, als er die Arme bereits auf dem Sattel liegen hatte, wandte er sich noch einmal zu Ganath um. »In diesen Krieg«, sagte er, »werden auch Ältere Mächte verwickelt werden. Sie sind bereits darin verwickelt. Die T’lan Imass mögen glauben, sie hätten die Jaghut ausgelöscht, aber das ist ganz eindeutig nicht der Fall. Hier stehst du vor mir, und es gibt noch andere, oder?«

Sie zuckte die Schultern.

Hinter ihnen ertönte das reißende Geräusch eines sich öffnenden Gewirrs. Zugriemen klatschten, dann rumpelten Räder.

»Ganath –«

»Jaghut haben kein Interesse am Krieg.«

Er musterte sie ein paar Herzschläge lang und nickte dann, setzte einen Fuß in den Steigbügel, zog sich in den Sattel und griff nach den Zügeln. »Genau wie du«, sagte er zu der Jaghut, »habe ich das Gefühl, sehr weit weg von zuhause zu sein. Leb wohl und gute Reise, Ganath.«

»Das wünsche ich dir auch, Herr der Drachenkarten.«

Paran ritt das Tal entlang in östlicher Richtung. Der Fluss, der sich einst in dieses Land gegraben hatte, war längst verschwunden, auch wenn sein mäanderndes Flussbett noch immer zu erkennen war. Gebüschgruppen und verwitterte Bäume kennzeichneten die Stellen, wo einst die letzten Wasserlöcher gewesen waren, und an den Biegungen breiteten sich Altwasser und angeschwemmter Sand fächerförmig aus. Nach drei Meilen öffnete sich das Tal in eine flache Senke mit schroffen Klippen im Norden und langen, sanft abfallenden Geröllhängen im Süden. Direkt voraus war ein Pfad zu erkennen, der zwischen vom Regenwasser tief eingeschnittenen Rinnen nach oben kletterte.

Als er den Fuß dieser Formation erreichte, stieg Paran ab und führte sein Pferd am Zügel nach oben. Die nachmittägliche Hitze nahm zu, und die unnatürliche Luftfeuchtigkeit machte sie nur noch widerlicher. Weit im Westen – höchstwahrscheinlich genau über der Raraku-See – begannen sich mächtige Wolken zu bilden. Als er den Gipfel erreichte, hatten besagte Wolken die Sonne verschluckt, und die Brise, die ihm über den Rücken strich, war süß vom Versprechen des Regens.

Paran stellte fest, dass er von dieser Stelle aus weit nach Osten blicken konnte und hinunter auf sanft gerundete Hügel, auf denen hier und da domestizierte Ziegen grasten; der Pfad führte zu einer etwas besseren Straße, die am Rand der Ebene entlang nach Norden und...


Erikson, Steven
Steven Erikson, in Kanada geboren, lebt heute in Cornwall. Der Anthropologe und Archäologe feierte 1999 mit dem ersten Band seines Zyklus Das Spiel der Götter nach einer sechsjährigen akribischen Vorbereitungsphase seinen weltweit beachteten Einstieg in die Liga der großen Fantasy-Autoren.



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