E-Book, Deutsch, 384 Seiten
Erhard G.O.B.S.A.T.
2. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7562-8731-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 384 Seiten
ISBN: 978-3-7562-8731-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Harry Caruso, ein Detective mittleren Alters wird nach einem dramatischen Einsatz als Uncover-Agent strafversetzt. Die Umstände, weshalb der Einsatz fehlgeschlagen ist, bleiben zunächst unklar. In seiner neuen Arbeitsstätte, der Mordkommission des Police-Department in Madison Wisconsin, wird Harry mit dem Todesfall eines Geschäftsmannes konfrontiert, der einen Herzschrittmacher getragen hat. Der Fall wird zunächst zu den Akten gelegt, bis weitere unklare Todesfälle den Verdacht auf eine Organisation lenken, die mit Kliniken zusammenarbeitet, in denen genau diese Patienten behandelt wurden. Drahtzieher scheint ein gewisser Tom McCain zu sein, der von Madison aus mit weiteren skrupellosen Männern der höheren Gesellschaft die Aktionen leitet. Doch auch Tom McCain findet in dem Anwalt Art Meyers seinen Meister. Meyers, selbst Leiter einer kriminellen Organisation, botet McCain aus und beginnt eine tödliche Verfolgungsjagd auf die Mitglieder von GOBSAT. Harry Caruso gerät in seinen Ermittlungen zwischen die Fronten. Es scheint, als sei er immer einen Schritt zu spät. GOBSAT bedeutet, dass sich ältere, erfahrene Männer um einen Tisch versammeln (Good Old Boys Sitting Around The Table), um zu diskutieren und Probleme zu lösen. Was geschieht, wenn gerade diese Männer kriminell und ohne Skrupel sind, lesen Sie in diesem Roman. Dieser hochaktuelle Roman bietet faszinierende Einblicke in die lebensrettenden Möglichkeiten internetbasierter Steuerungssysteme der modernen Medizin und zeigt zugleich die mit dem wissenschaftlichen Fortschritt verbundenen Risiken, die hier in die Abgründe des perfiden und zynischen Geschäftsmodells der kriminellen Organisation GOBSAT führen. Kenntnisreich und eindringlich führt der in der Medizin erfahrene Autor dem Leser die Gefahren vor, denen wir uns ausliefern, wenn die internetbasierten Systeme nicht ausreichend geschützt werden und dadurch der Zugriff von außen und damit Missbrauch und Erpressung möglich werden. Es gelingt dem Autor mit seiner multiperspektivischen Erzählweise die Spannung hoch zu halten und durch seine Protagonisten den Leser in immer neue Welten hineinzuführen. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, wann dieser spannende Roman als Serie verfilmt und bei Netflix und Co zu sehen sein wird. Martin Eigler (Regisseur und Drehbuchautor)
Jochen Erhard, geboren 1952, lebt in Voerde am Niederrhein. Er war mehr als zwei Jahrzehnte als Chefarzt in der Chirurgie tätig. 1985 promovierte er an der Universität in Essen, wo er später auch in Medizin habilitierte und lehrte. Es folgten berufliche Aufenthalte in den USA und England. Neben wissenschaftlichen Publikationen schreibt er Kurzgeschichten und jetzt seinen ersten Kriminalroman.
Autoren/Hrsg.
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EINS
Harry Caruso parkte seinen Pick-up früh morgens an der Calumet Beach, einem weit südlich gelegenen Strand am Lake Michigan in Chicago. Er war wieder früh aufgestanden. Die leeren Straßen vom Wheaton District, wo er ein kleines Apartment bewohnte, hatte er schnell hinter sich gelassen. Es war sehr frisch, April eben. Und es war immer eine Überwindung, den feuchten Neoprenanzug anzuziehen. Das Rennrad hatte er auf der kleinen Ladefläche des Pick-Ups verzurrt. Er kannte die Entfernungen genau und hatte die Landmarken am Strand exakt gespeichert. Er schwamm eine gute Zeit. Die Strömung auf dem Rückweg hatte viel Kraft gekostet. Raus aus dem Neopren, Radhose und winddichtes Sportshirt, Schuhe. Die Distanz schaffte er unter einer Stunde. Die Beine waren wie Blei. Er fühlte die Schmerzen nicht mehr. Die Laufschuhe, die nassen Sachen in die Sporttasche, Hemd, Hose und los. Er wäre lieber noch geschwommen, wie jedes Mal, wenn er sich zum abschließenden Lauf zwingen musste. Heute war seine Zeit schlecht. Er stoppte 2.34.50. Das war mehr als zehn Minuten über seiner persönlichen Bestzeit. Es war kurz vor sieben Uhr morgens, als er den Pick-Up in der Tiefgarage an der Plamondon Rd. nahe dem Golf-Club abstellte. Triathlon war für Harry zu einer Droge geworden. Lange Jahre hatte er als Ausgleich zu seinem Job in der Mordkommission Ausdauertraining gemacht. Dann hatte ihn ein Kollege für Triathlon interessiert. Alle hatten ihm mit seinem Meter neunzig davon abgeraten. Das hatte ihn noch mehr motiviert. Er war in keinem Club aktiv, hatte an keinem Wettbewerb teilgenommen. Die Ironman-Distanz hatte ihn anfangs gereizt, jetzt nicht mehr. Er wollte den Spaß an seinem Sport nicht verlieren. Außerdem hatte er die Ratschläge seiner Kollegen, er sei zu groß und zu schwer für diese Sportart, ernst genommen. Er merkte seine Gelenke bereits. Er kämpfte im Triathlon gegen sich selbst, und das seit mehr als fünf Jahren. Er hatte keine Sportart erlebt, die ihn mehr forderte und ihm gleichzeitig so viel Befriedigung gab. Einzig die Zeit, die er dafür brauchte, und die Überwindung, jedes Mal aufs Neue. Dazu hatte er sich gezwungen und es durchgehalten, drei Mal die Woche. Harry war seit einigen Jahren Detective in der Mordkommission im First District Central in der South State Street in Chicago. Er war vor wenigen Wochen fünfundvierzig Jahre alt geworden. Sie hatten ein wenig gefeiert. Viele private Kontakte pflegte Harry nicht. Er war stolz auf seine italienische Abstammung. Seine Eltern wohnten in New York. In Brooklyn war er aufgewachsen. Dort hatte er die Polizeischule besucht. Der Streifendienst war nicht seine Sache gewesen. Er hatte sich immer vorgestellt, im Morddezernat zu arbeiten. Ein Einsatz in Harlem, bei dem ein Kollege, der als verdeckter Ermittler im Drogenmilieu eingeschleust war, vor seinen Augen auf offener Straße erschossen wurde, hatte ihn geschockt und nachdenklich werden lassen. Er zweifelte manches Mal, ob er den Polizeiberuf überhaupt weitermachen sollte. Er hatte Zeit gebraucht, mit den schrecklichen Eindrücken fertig zu werden. Letztlich hatte er es für sich abschließen können. Man hatte ihm damals psychologische Hilfe angeboten. Er hatte abgelehnt. Zunächst wurde er Downtown Manhattan eingesetzt, dann wieder in Harlem. Er hatte alle Höhen und Tiefen seines Jobs erlebt: Freundschaften, Kameradschaft, Seilschaften bis hin zur Korruption. Als er das Angebot bekam, die Stelle eines Detective in Chicago übernehmen zu können, zögerte er keinen Augenblick. Irgendwie hatte er sich gefreut, aus New York herauszukommen. Die Distanz nach Chicago würde dem Verhältnis zu seiner Familie guttun, dachte Harry. Er hatte zwar in Brooklyn alleine gewohnt. Trotzdem waren die Eltern nur ein paar Blocks entfernt gewesen. Hier in Chicago konnte er frei atmen. Zunächst hatte er im Drogendezernat gearbeitet. Er konnte seine New Yorker Erfahrungen perfekt nutzen. Dann endlich die Mordkommission. Dieses Ziel hatte er erreicht. Als sorgfältiger Ermittler hatte es sich einen Namen gemacht. Sein Chef, Commander Sergio Salvatore, ebenfalls Italiener, hatte ihn in einem ungeklärten Mordfall vor mehr als zwei Jahren als verdeckten Ermittler in der Drogenszene eingesetzt. Seine Erfahrung im Drogenmilieu war ein großer Vorteil. Harry und sein Kollege Hobbs, der ihm als Verbindungsmann zugeteilt war, hatten in mühsamer Ermittlungsarbeit herausgefunden, dass es nicht nur um Drogen ging, sondern im großen Stil um Medikamentenschmuggel. Diese Medikamente waren deklariert für UN-Hilfsprojekte. Harry hatte erfahren, dass eine unbekannte Gruppe die Medikamente verschoben hatte und bereits einige Ladungen zu Wucherpreisen in Entwicklungsländern verkauft haben sollte. Konkrete Beweise fehlten ihnen noch. Brisant war dabei, dass Harry und sein Kollege Hinweise hatten, dass es Verbindungen in hohe politische Kreise und selbst zur Polizei geben sollte. Harry und sein Kollege Hobbs standen kurz davor, die Organisation enttarnen zu können. Sie hatten die ersten Ergebnisse ihrer Ermittlungen mit Commander Salvatore besprochen. Er hatte zum Abwarten geraten und wollte weitere Beweise sehen. Harry war für ein schnelles Vorgehen. Er war sich seiner Sache sicher. Harrys Bruder, fünf Jahre älter als er, war verheiratet und hatte eine gut gehende Autowerkstatt in Brooklyn. Schon oft hatten er und die Familie versucht, Harry zum Heiraten zu bewegen. Er konnte sich an Szenen erinnern, wo er auf Familienfesten mit Damen bekannt gemacht wurde und er es immer – auch zum Leidwesen seiner Mutter - verstanden hatte, diese Bekanntschaften nicht weiter zu pflegen. Hier in Chicago hatte Harry einige Beziehungen zu Partnerinnen gehabt. Auch dabei hatte es ihm gut getan, aus New York fort zu sein. Er war weit genug von seiner Familie entfernt. Vor drei Jahren war er mit Diane zusammen gewesen. Sie war Assistentin an der University of Illinois. Sie bewohnte ein kleines Apartment Downtown Chicago. Er mochte sie gerne. Sie sprachen oft über eine gemeinsame Zukunft. Harry hatte dabei das Gefühl, das Leben sei irgendwie an ihm vorbeigezogen. Diane war acht Jahre jünger als Harry, gut aussehend, schlank und hoch gewachsen. Sie war klug und wissbegierig. Anfangs war sie sehr interessiert an allem, was Harrys Arbeit anging. Sie fragte ihn fast jeden Abend aus, was er gemacht hatte. Er kam nur selten dazu, etwas mehr über ihren Job zu erfahren. Sie hatten es bisher nicht geschafft, einmal längere Zeit miteinander zu verbringen oder länger als ein Wochenende Urlaub zu machen. Sein Einsatz als verdeckter Ermittler ließ ihm dann kaum Zeit für die Beziehung. Außerdem durfte er ihr nichts zu dieser Arbeit sagen. Sie hatten für das nächste Jahr endlich einen längeren Urlaub geplant. Als er Diane eines Tages aus dem Krankenhaus anrief und sie seine tiefe Schnittwunde am Oberschenkel gesehen hatte, war sie wie verwandelt. Das anfängliche Mitleid schlug in Distanz zu ihm um. Sie trafen sich seltener, sprachen wenig über persönliche Dinge und machten keine Pläne mehr. Harry hatte oft versucht, mit ihr über die Probleme zu reden, ohne Erfolg. Dann hatte er die Initiative ergriffen und sich nach einem Streitgespräch von ihr getrennt. Er hatte das Gefühl, sie hätte sich von ihm befreit gefühlt. Neue Beziehungen einzugehen, war für Harry kein Thema mehr. Er hielt sein Geld zusammen, freute sich, dass er in einer italienischen Clique in Chicago akzeptiert wurde, hatte gute, aber nicht zu enge Beziehungen zu seiner Familie in New York und liebte seinen Job. Und sein Sport half ihm, Ausgleich zu finden. Ein Laster, wie Harry es selbst nannte, war schicke Kleidung, die er über alles pflegte. Und er war überzeugt, dass Kleider einen wichtigen Ausdruck der Persönlichkeit eines Menschen darstellten. Vor allem bezog er das auf seine Schuhe. Von seinen Kollegen wurde er damit häufig aufgezogen. Für diesen Freitagabend war eine neue Lieferung von Medikamenten und Drogen, versiegelt mit UN-Labeln, in South Chicago erwartet worden. Harry hatte den Tipp aus seinen lange gepflegten Verbindungen zu den Junkies auf der Chicagoer West-Side bekommen. Aus diesem schwierigen Milieu der Straßendealer Typen zu erreichen, die gute Informationen besorgen konnten und auch weitergaben, war eine knifflige und gefährliche Aufgabe gewesen. Harry hatte mehr als zwei Jahre gebraucht, um in der Szene Fuß zu fassen. Das hieß aber nur, sich dort bewegen zu können, ohne durch eine Kugel oder ein Messer ins Jenseits befördert zu werden, wenn man die falschen Fragen stellte. Er konnte sich gut erinnern, als er vor zwei Jahren auf die Straße geschickt worden war. Commander Salvatore hatte ihn ausgesucht. Er hatte ihm in Aussicht gestellt, ihn als Chief für einen anderen District vorzuschlagen. Als er den Auftrag gehört hatte, musste er sofort an den Kollegen in New York denken, den man auf offener Straße erschossen hatte. Harry hatte den Vorteil, dass sein Gesicht in der Szene unbekannt war. Er musste sich für den Auftrag auf abgerissene Kleidung genauso einlassen wie auf perfekt geklebte Tattoos, Zigaretten und auch einmal Koks. Alle nachprüfbaren Verbindungen zum Police Department wurden gekappt. Auch Familie und Freunde waren tabu. Harry wurde über mehr als vier Wochen bei der Drug Enforcement Administration in Springfield, Virginia, geschult. Das war eine harte Zeit gewesen. Obwohl er Vieles schon...




