Engmann | DSA 78: Den Göttern versprochen | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 78, 236 Seiten

Reihe: Das Schwarze Auge

Engmann DSA 78: Den Göttern versprochen

Das Schwarze Auge Roman Nr. 78
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-86889-885-9
Verlag: Ulisses Spiele
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Das Schwarze Auge Roman Nr. 78

E-Book, Deutsch, Band 78, 236 Seiten

Reihe: Das Schwarze Auge

ISBN: 978-3-86889-885-9
Verlag: Ulisses Spiele
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Unvermutet in einen Strudel aus erschreckenden Visionen und heimtückischen Intrigen stürzend, muss die junge Heilerin Lycadia versuchen, das Geheimnis ihrer Herkunft zu lösen, bevor sie als Menschenopfer für eine seelenverschlingende Gottheit aus düsterer Vergangenheit endet. Aber kann sie sich auf ihre Gefährten in diesem Streit wirklich verlassen - auf den desertierten Myrmidonen Valorian, ihre katzenhafte Freundin RaoRi, oder auf Rishuran, den väterlichen Freund ihrer Ziehmutter? Und wie werden die Optimaten des Imperiums reagieren, falls es ihr nicht gelingt, ihre verbotenen Zauberkräfte in diesem Kampf um Leben und Tod geheimzuhalten? Einem ungleichen Kampf zwischen einer jungen Frau, die nach Antworten sucht, und der Sekte der Göttin des kalten Lichts. Oder wird sie Erijschu holen, noch bevor sie ihr Ziel erreichen kann - der gespenstische Kinderschreck aus den Tiefen des Meeres, der doch mehr zu sein scheint als eine Legende?

Charlotte Engmann (*16.09.1971 in Neuss) ist eine deutsche Schriftstellerin, die sich auf die Genres Fantasy und Horror spezialisiert hat. Sie studierte zunächst Geschichte, Anglistik und Germanistik in Köln, bevor sie eine Ausbildung zur Verlagskauffrau absolvierte. Diese intensive Beschäftigung mit Büchern und ihre Vorlieb für das Lesen führten zu über 30 Kurzgeschichten, die in Anthologien veröffentlicht wurden, sieben Kurzromanen für den Verlag Bastei und zehn eigene, vollumfängliche Romanpublikationen. Charlotte Engmann lebt in Köln.
Engmann DSA 78: Den Göttern versprochen jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1. Kapitel

Lycadia erwachte schlagartig. Ein Albdruck lastete auf ihrer Brust. Das Gefühl der Einsamkeit schnürte ihr die Luft ab. Sie spürte, der Tod stand vor der Tür,bereit, über die Schwelle zu treten.

Die junge Heilerin atmete tief durch, um den Schrecken zu vertreiben. Sie wusste, ihre Empfindungen entsprangen einem Albtraum, der sie seit ihren Kindertagen immer wieder heimsuchte. Zumindest nahm sie an, dass es stets der gleiche bedrückende Traum war, denn die Erinnerung verflüchtigte sich, sobald sie die Augen aufschlug. Nur der Drang, den Tod zu bekämpfen, blieb zurück und trieb sie an, ihren Patienten mit all ihrer Kraft zu helfen.

Ein hartes Klopfen an der Eingangstür schreckte sie auf. »Heilerin?«, rief eine gehetzt klingende Frauenstimme. »Heilerin!«

»Einen Moment!« Lycadia tastete sich zum Fenster, schob den Riegel zurück und öffnete den hölzernen Laden, um auf die nächtliche Straße vor ihrer Wohnung zu schauen. »Wer ist da?«

»Bitte, Heilerin. Wir brauchen Eure Hilfe.« Eine Frau kam von der Eingangstür unter das Fenster. Sie hob die Laterne, so dass Lycadia ihr Gesicht sehen konnte. »Mein Kamerad ist schwer verletzt. Er wird sterben, wenn Ihr ihm nicht helft.«

Lycadia zögerte. Es war nicht ungewöhnlich, dass jemand nachts an die Türe klopfte und um Hilfe bat. Früher war ihre Ziehmutter,die Heilzauberin Dha´veru, an das betreffende Krankenlager geeilt, aber mit dem Ende ihrer Ausbildung hatte Lycadia diese Pflicht übernommen.

Doch irgendetwas stimmte nicht mit der Bitte dieser Fremden. Ein verletzter Kamerad, das klang nach einem Soldaten der Stadtgarde oder der imperialen Streitkräfte - und die hatten ihre eigenen Heiler. Warum also kam die Frau zu ihr?

Aufmerksam musterte Lycadia die Fremde. Offensichtlich war sie eine Kämpferin, denn sie trug eine feste Ledertunika zu ihrem Schutz, sowie Schwert und Dolch an ihrem Gürtel. Ein Abzeichen, das ihre Einheit verraten hätte, fehlte jedoch.

»Wie heißt du?«, erkundigte sich Lycadia vorsichtig. »Und wo befindet sich dein Kamerad?«

»Ich bin Shiniope. Wir haben ein Quartier im Goldenen Luftwal

Lycadia zog die Augenbrauen zusammen. Die Kämpferin sah nicht aus, als könne sie sich ein Zimmer in einem so vornehmen Gasthaus wie dem Luftwal leisten. Vielleicht ist sie die Leibwächterin eines reichen Händlers, überlegte Lycadia. Oder sie und ihr Kamerad wurden als Wachen angeheuert, um die Gäste und ihr Gut zu schützen. Mit diesen Gedanken zufrieden beschied sie Shiniope: »Ich komme.«

Sie schloss das Fenster und schlüpfte aus dem Nachthemd. Rasch zog sie sich an und nahm den Mantel aus Varkenwolle, der sie vor der Kühle der Nacht schützen sollte. Als letztes griff sie nach ihrer Umhängetasche, in der sich die wichtigsten Heilkräuter und -tränke sowie Verbandszeug befanden.

Sie trat aus ihrem Zimmer in den kleinen Flur und öffnete die Wohnungstür, die auf die Straße der Garküchen hinausführte. Auf der Schwelle blieb sie stehen. »Zwei Argental jetzt und drei, wenn ich deinem Kameraden geholfen habe.«

Die Erfahrung hatte sie gelehrt, ihr Geld schon vorher zu verlangen. Konnte sie einem Patienten helfen, wurde sie oft zusätzlich belohnt, doch war die Behandlung langwierig oder gar erfolglos; gab es regelmäßig Streit um die Bezahlung.

Shiniope zögerte, ehe sie einen schmalen, schmucklosen Armreif von ihrem Handgelenk zog. »Ich habe kein Geld. Nehmt Ihr dies als Pfand, bis ich Euch bezahlen kann?«

Lycadia sah auf den silberglänzenden Armreif. Er war die geforderten fünf Argental vermutlich wert.»Einverstanden. «

Sie eilten durch die leeren Straßen; vorbei an den dunklen Umrissen der mehrstöckigen Mietshäuser, die drohend wie schlafende Drachen über ihnen aufragten. Nur vereinzelt störten die Schreie eines hungrigen Säuglings oder die lustschweren Stimmen zweier Liebender die Stille der Nacht.

Als Shiniope von der Hauptstraße in eine schmale Gasse abbog, erwachte Lycadias Misstrauen erneut. Verunsichert fragte sie sich, ob das Ganze nicht doch eine Falle war. Was, wenn Shiniope sie zu ihren Spießgesellen führte, die sie überfallen und versklaven wollten? In anderen Bezirken von Balan Cantara sicherlich, versuchte sie sich zu beruhigen, aber nicht hier in Basantia. Hier verschwindet niemand so einfach.

Die Gasse endete an einem alten Lagerhaus. Shiniope sah sich rasch um, dann zog sie die Tür auf. Dunkelheit lauerte hinter dem Eingang, ein unangenehmer Geruch stieg Lycadia in die Nase.

Sie griff in ihre Tasche und fasste nach einem Beutelchen Tarnaillenpulver,einem scharfen Gewürz, das in den Augen brannte und heftigen Niesreiz auslöste. »Das ist nicht der Goldene Luftwal«, sagte sie bestimmt.

»Verzeiht mir.« Shiniope sah ihr in die Augen. »Ich habe Euch angelogen, weil ich befürchtete, Ihr würdet sonst nicht kommen.«

Durch die offene Tür drang schmerzerfülltes Stöhnen. Lycadia merkte auf. Zwar hatte Shiniope ihr ein falsches Quartier genannt, aber dort drinnen brauchte wirklich jemand ihre Hilfe. Entschlossen trat sie über die Schwelle in die Dunkelheit.

Der Gestank von Blut und Schweiß nahm ihr fast den Atem. Wo das Licht von Shiniopes Laterne auf den Boden fiel, konnte Lycadia dunkelrote Flecken erkennen, die unzulänglich von einer dünnen Schicht Sand verdeckt wurden. Hier hatte zweifellos ein Kampf stattgefunden.

Aber wer gegen wen?, überlegte sie flüchtig, während sie Shiniope tiefer in das düstere Lagerhaus folgte, in dem unterhalb einer Zwischendecke ein paar zerschrammte Kisten und Fässer standen. Hinter diesen Behältern hatte die Kämpferin für ihren verletzten Kameraden ein notdürftiges Lager bereitet.

Überrascht starrte Lycadia ihren Patienten an. Er war ein Leonir, ein Angehöriger jener Rasse, die böse Zungen als Löwenmenschen bezeichneten. Das erklärt, warum Shiniope gerade an unsere Tür geklopft hat, dachte sie. Wie ihre Ziehmutter Dha´veru gehörte sie zu einer Gruppe von Heilern – dem Cirkel der Klingenden Alazeeren –, die sich vor allem mit rassenübergreifenden Erkrankungen beschäftigte. Nur dass ich noch nie einen Leonir behandelt habe.

Ohne sich ihre Unsicherheit anmerken zu lassen, kniete sie neben dem Verletzten nieder. Das ockerfarbene Fell, das seinen menschlichen Körper bedeckte, war struppig und verdreckt. Hellrote Abschürfungen und dunkle Prellungen überzogen seine Glieder, frisches Blut tränkte die behelfsmäßigen Verbände um Oberschenkel und Bauch. Es stand schlecht um den Leonir.

»Ich bin Heilerin, mein Name ist Lycadia«, sagte sie mit ruhiger Stimme, die ihre Sorge nicht verriet. »Wie heißt du?«

Der Verletzte wandte ihr sein Löwengesicht zu. Seine goldenen Augen blickten müde und verschwommen, dennoch brachte er ein verächtliches Schnauben zustande.

»Sein Name ist Groarhach.« Shiniope entzündete eine weitere Laterne, die an einem Pfeiler der Zwischendecke hing. »Er ist stumm.«

Lycadia nickte kurz. Soweit sie die Leonir kannte, war es besser, wenn sie ihr Mitgefühl für sich behielt. Sie wollte ihren Patienten nicht durch missverstandene Anteilnahme beleidigen.

»Was ist passiert?«, fragte sie stattdessen. Ihr fiel auf, dass Groarhach noch sehr jung war,nicht lange dem Knabenalter entwachsen. Trotz der stark ausgeprägten Muskeln wirkten seine Arme und Beine noch jugendlich schmal und lang.

»Er hat gekämpft.« Shiniope wies mit einem Nicken in den Hauptraum des Lagerhauses. Sie wollte weitersprechen, doch ein leises Grollen von Groarhach unterbrach sie.

Lycadia runzelte die Stirn. Der Magnat von Basantia hatte alle Gladiatorenkämpfe außerhalb der Bezirksarena verboten, dennoch kam es immer wieder zu heimlichen Veranstaltungen mit hohen Wetteinsätzen, in denen freie Gladiatoren und Krieger gegeneinander antraten.

Verärgert schlug die Heilerin ihre Tasche auf und legte ihre Sachen bereit. Alle Gladiatorenkämpfe, ob verboten oder erlaubt, widerten sie an. Niemals würde sie den Fuß in eine Arena setzen oder das Lob eines so genannten Helden des Sandes singen! Tag für Tag kämpf te sie um das Leben ihrer Patienten -da würde sie niemanden preisen, der für Geld tötete oder sich töten ließ.

»Ich brauche frisches Wasser«, wandte sie sich an Shiniope. So sehr sie auch Gladiatoren und ihr blutiges Handwerk verabscheute, sie verweigerte keinem ihre Hilfe. In ihren Augen waren alle Patienten gleich.

»Ich werde mich zuerst um deine Bauchwunde kümmern«, teilte sie Groarhach mit, nachdem Shiniope das Lagerhaus verlassen hatte, um am Brunnen Wasser zu holen. Sie streckte die Hand aus, um prüfend über das Fell des Leonir zu streichen.

Das Gesicht eines Mannes blitzte vor ihren Augen auf. Dunkle Haare wehten im Halbdunkel des Raumes. Eine glänzende Klinge raste auf sie zu. Das Klirren von Stahl auf Stahl schallte in ihren Ohren, begleitet von lautem Gejohle und Gejammer. Der Gestank von Schweiß und Blut stieg in ihre Nase, ebenso der Duft von Safran, Cuinana und Kerhi.

Als hätte sie sich verbrannt, zog Lycadia die Hand zurück. Sie schüttelte den Kopf, um die Bilder und Geräusche aus ihrem Geist zu vertreiben. Die Gerüche blieben, denn sie erfüllten die Luft des Lagerhauses.

Lautlos seufzend schob Lycadia eine unbändige Locke unter ihr Stirnband zurück. Was gerade geschehen war, war nichts Ungewöhnliches. Jedes Mal, wenn sie einen Sterbenden berührte, überkam sie eine...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.