Engelbrecht | Ich müsste, wollte, sollte - Erste Hilfe für chronische Aufschieber | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 187 Seiten

Engelbrecht Ich müsste, wollte, sollte - Erste Hilfe für chronische Aufschieber


1. Auflage 2023
ISBN: 978-87-28-35847-4
Verlag: SAGA Egmont
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 187 Seiten

ISBN: 978-87-28-35847-4
Verlag: SAGA Egmont
Format: EPUB
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Wer kennt es nicht? Etwas aufzuschieben, bis es nicht mehr geht. Und die ganze Zeit nagt das schlechte Gewissen an einem! Mit dem Titel 'Ich müsste wollte sollte' bietet Sigrid Engelbrecht, ausgebildete Mental- und Wellness-Trainerin sowie erfolgreiche Ratgeber-Autorin, 'Erste Hilfe für chronische Aufschieber'. Der Ratgeber enthält neben zahlreichen nützlichen Lektionen auch Selbsttests, Übungen und Merkblätter für eine praxisorientierte Umsetzung.

Sigrid Engelbrecht (geb. 1954) studierte zunächst Germanistik, Publizistik und Volkswirtschaft. Später folgte ein Studienabschluss als Diplom-Designerin, die Eröffnung eines eigenen Grafikbüros, sowie eines Ateliers. Daneben war Sigrid Engelbrecht lange als Kommunalpolitikerin in Bayreuth tätig. Nach einer Ausbildung zur Mental- und Wellness-Trainerin veröffentlichte Sigrid Engelbrecht zudem bereits zahlreiche Ratgeber.
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Einführung


Ohne Aufschieben geht es nicht. Auch wenn wir ein gutes Zeitmanagement pflegen, effektiv arbeiten und gezielt Prioritäten setzen, schieben wir auf: im Idealfall die Dinge, die wir als unwichtig oder als nicht besonders dringlich bewerten, beispielsweise einen Aktenschrank aufräumen, neuen Toner für den Drucker bestellen, die Fenster putzen, das Auto durch die Waschanlage fahren.

Für jede Aufgabe, die wir anpacken, müssen wir andere aufschieben. Im heutigen Arbeitsalltag gibt es stets mehr Aufgaben, als in die zur Verfügung stehenden Zeitfenster wirklich hineinpassen. Wir sind heute in nahezu jedem Arbeitsfeld mit immer zahlreicher und komplexer werdenden Anforderungen konfrontiert. Da hilft es auch nicht, ein ausgefuchstes Zeitmanagement noch weiter ausfuchsen zu wollen. Der Versuch, «alles» zu erledigen, führt entweder dazu, Nachtschichten einzulegen und damit auf Dauer die Gesundheit zu ruinieren oder ins Multitasking zu verfallen und das Anstehende nur noch im Überflug zu erledigen. Weder das eine noch das andere stellt auf Dauer zufrieden.

Chronisches Aufschieben unter die Lupe genommen


Nicht jedes Aufschieben ist etwas, worüber man sich Sorgen machen müsste, sondern es ist die logische Folge einer Arbeitswelt mit stetig wachsender Informations- und Anforderungsdichte. Jeder schiebt auf: wir selbst, unser Chef, unsere Auftraggeber, Kollegen, Kunden, Freunde ... Solange es eher zweitrangige Dinge sind, die vertagt werden, und solange man sich nicht mit überzogenen Perfektionsansprüchen peinigt und nicht sich selbst oder anderen damit schadet, ist das auch in Ordnung.

Doch wohl jeder schiebt bisweilen auch Wichtiges vor sich her, einfach weil es anstrengend oder langweilig ist. Meist geschieht dies aber nicht ständig und nicht über längere Zeiträume hinweg. Unangenehme, langweilige oder einfach nur lästige Aufgaben erledigt schließlich niemand gern. So werden sie schon mal nach hinten geschoben und dann schließlich erledigt – zähneknirschend, aber doch rechtzeitig. Auch dies passiert ab und zu mal und ist kein Grund zur Besorgnis.

Wenn das Aufschieben wichtiger Aufgaben, Vorhaben oder Projekte sich jedoch zu häufen beginnt, sollte man sich das näher anschauen. Die Grenzen zwischen sinnvollem bzw. tolerierbarem Aufschieben und der «Aufschieberitis» oder Prokrastination (von lat. procrastinatio, gebildet aus «pro» = «für» und «crastinus» = «morgig») sind fließend. Unter «Prokrastination» ist zu verstehen, dass man es hinauszögert, mit der Arbeit an einer Aufgabe anzufangen, oder dass man die Arbeit immer wieder abbricht und sie dadurch erst mit erheblichem Zeitverzug beendet.

Aufschub heißt der Dieb der Zeit.

Edward Young (engl. Dichter, 1683—1765)

Obwohl es an der notwendigen Einsicht nicht fehlt, schaffen es die von einer dauerhaften Handlungsblockade Betroffenen nicht, die zielführenden Schritte zu unternehmen, die für das Gelingen der Arbeit notwendig wären. «Na ja, heute muss ich noch andere Dinge erledigen – morgen fang’ ich dann wirklich an!», «Ich hab’ ja noch Zeit», «Heute ist irgendwie nicht so mein Tag», «Bevor ich überhaupt anfangen kann, muss ich noch ...» sind gängige Vorwände dafür, sich dem Anstehenden nicht widmen zu müssen, sich gleichzeitig selbst zu beruhigen und auch das schlechte Gewissen zu besänftigen. Man müsste, wollte, sollte ..., aber man tut es nicht.

Wenn wir immer wieder Herausforderungen vermeiden und wichtige Vorhaben auf die lange Bank schieben, wie beispielsweise die Magisterarbeit abschließen, ein Angebot formulieren, eine Zusatzqualifikation erwerben oder um eine Gehaltserhöhung ersuchen, dann stellen wir uns damit der eigenen Entwicklung in den Weg. Regelrecht selbstquälerisch wird es, wenn wir gewohnheitsmäßig für das eigene Fortkommen wesentliche Projekte sogar einige Wochen oder Monate lang Tag um Tag immer weiter hinauszögern und dieses chronische Vor-sich-her-Schieben zu einem sich immer mehr zuspitzenden Zeitmangel führt – bis irgendwann der kritische Punkt überschritten ist und es aussichtslos wird, das Anstehende noch zum vorgegebenen Termin zu schaffen. Hier besteht die Gefahr, mit den Anforderungen im Alltag, im Job oder im Studium nicht mehr zurechtzukommen.

Arbeitsstörungen sind weit verbreitet


Laut einer Befragung des amerikanischen Psychologen Joseph Ferrari von der DePaul-Universität in Chicago haben etwa 20 Prozent der Bevölkerung regelmäßig große Probleme damit, gerade die wichtigen Aufgaben anzupacken, durchzuführen und sie zum vorgesehenen Termin abzuschließen. Dazu hatte er 4000 Menschen nach ihren Arbeitsmustern befragen lassen und herausgefunden, dass ein Fünftel von ihnen ausgeprägt mit Zerstreutheit, Zeitverschwendung und Aufschubtaktiken zu kämpfen hatte. Chronisches Aufschieben scheint auch ein kulturübergreifendes Phänomen zu sein und eines, von dem Frauen und Männer gleichermaßen betroffen sind.

Ferraris Erhebung wurde in den USA, in Großbritannien, Spanien, Venezuela, Peru, Australien durchgeführt, und die Ergebnisse waren sich sehr ähnlich. Diese weite Verbreitung von Arbeitsstörungen ist seiner Meinung nach nicht einfach als Marotte abzutun, sondern sie hat auch gravierende ökonomische und soziale Folgen.

Vom Phänomen «Aufschieberitis» betroffen sind alle gesellschaftlichen Gruppen, wobei es jedoch überdurchschnittlich viele Studierende und freiberuflich Arbeitende unter den chronischen Aufschiebern gibt – also Personengruppen, die sich ihre Zeit relativ frei einteilen können. Nicht an feste Arbeitszeiten gebunden zu sein, eröffnet viele Möglichkeiten, nicht das zu tun, was aktuell ansteht. Niemand zwingt einen unmittelbar dazu, eine bestimmte Aufgabe sofort erledigen zu müssen. Man kann selbst entscheiden, wann man aktiv wird. Entweder man verpflichtet sich dann selbst dazu und handelt, oder man führt alle möglichen Gründe dafür an, die eigene Untätigkeit vor sich selbst zu rechtfertigen.

Auch in Unternehmen sollte man die Probleme nicht unterschätzen, die infolge zeitlicher Verzögerungen hervorgerufen werden. Dort zählt chronisches Aufschieben mit zu den größten Ressourcenräubern und beeinträchtigt die Produktivität ganz erheblich. In unzähligen Büros werden täglich Aufgaben auf den Schreibtischen abgelegt, die «eigentlich noch warten können». Und so warten sie: bis zum Nachmittag ... bis zum nächsten Tag ... bis zum Wochenende. Bis sich auf einmal herausstellt, dass die Angelegenheit doch nicht so belanglos war und schon längst hätte auf den Weg gebracht werden müssen. Der Grund dafür, sie liegen zu lassen, war nicht wirklich, dass die Aufgabe «eigentlich noch warten kann», sondern dass sie einem aus persönlichen Gründen unangenehm war.

Zum einen kann Unerledigtes auf dem Schreibtisch eines Einzelnen den Arbeitsfortschritt eines ganzen Teams blockieren, zum anderen können ständige Verzögerungen recht schnell zu einem Berg anwachsen, der sich dann umso schwerer abtragen lässt. Häufig resultieren daraus unnötig viele Überstunden, andauernde Störungen in der Auftragsabwicklung und Verärgerung beim Kunden — und dem Betriebsklima tut dies auch nicht gut. Trotzdem wird allerorten aufgeschoben: die Präsentation für die Unternehmensführung, der regelmäßig anzufertigende Geschäftsbericht, die Akquise neuer Aufträge, die Steuererklärung, die Studienarbeit, Projekte werden nicht innerhalb der Abgabefrist abgeschlossen, man meldet sich nicht wie abgesprochen beim Auftraggeber, man bereitet sich nur unzureichend auf wichtige Prüfungen, Verhandlungen oder Vorstellungsgespräche vor. Gerne werden diese Angelegenheiten immer weiter in die Zukunft verschoben, auf «morgen» eben, ja, da will man endlich in die Gänge kommen, da wird alles ganz anders sein! In diesem Augenblick glaubt man dies tatsächlich oder man will es glauben und fasst gute Vorsätze, in Zukunft «anders» an die Sache herangehen zu wollen.

Im Moment des Aufschiebens tritt fatalerweise eine spontane Erleichterung ein, da die aufgeschobene Tätigkeit einem so unangenehm erscheint, dass man froh ist, jetzt etwas anderes tun zu «dürfen». Etwas, was weniger Angst und Widerwillen erzeugt und einfacher oder rascher zu erledigen ist. Und so treten dann belanglose, ablenkende Tätigkeiten auf den Plan, die als Vorwand sich selbst und anderen gegenüber dienen, die eigentliche Aufgabe nicht anpacken zu müssen. Der Druck weicht – bis der morgige Tag dann angebrochen ist und das gleiche Spiel von vorne beginnt. Und selten ist die momentane Erleichterung völlig ungetrübt; vielmehr spukt das Aufgeschobene noch weiter im Kopf herum: «Eigentlich sollte ich ...», aber den Schritt zurück an den Schreibtisch tut man dann doch nicht.

Als chronische Aufschieber ziehen wir viele Schleifen aus guten Vorsätzen und beschämten Nachsätzen. Wir lassen Dinge, die wir selbst zwar als wichtig, aber auch als problematisch einstufen, oft bis zum letztmöglichen Zeitpunkt liegen, manchmal sogar so lange, bis die allerletzte Frist verstrichen ist. Wir nehmen uns dann immer wieder von Neuem vor, nun endlich tätig zu werden, aber der gute Vorsatz wird jedes Mal wieder zunichte gemacht. Während eines solchen, oft Wochen andauernden permanenten Vor-sich-her-Treibens einer bestimmten Aufgabe von einem Tag auf den nächsten wächst dann der innere Druck und wachsen auch die Selbstzweifel und das schlechte Gewissen.

Meist sind wir uns dabei durchaus bewusst, die eigenen beruflichen und persönlichen Erfolge zu behindern, schaffen es aber trotzdem nicht, in die Gänge zu kommen. Wir befinden uns damit in einem andauernden spannungsreichen Dilemma: Einerseits wollen wir die leidige Aufgabe doch schon...



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