Engel | Ich heiße Marvin | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

Engel Ich heiße Marvin


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7583-5348-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

ISBN: 978-3-7583-5348-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Marvin ist Anfang zwanzig und liegt nutzlos im Bett ­herum, als sein Leben eine ­unvorhersehbare ­Wende nimmt. Seine Mama schenkt ihm einen ­Gutschein für das ­örtliche Spa, das sich beim ­widerwilligen ­Besuch eher als ­Etablissement für ­untervögelte ­Männer ­herausstellt. ­Sowas traut ­Marvin sich nicht. Vicky, die sich ihm im Whirlpool mehr als ­offensichtlich anbietet, bleibt Marvin ­allerdings im Kopf. Als sich die beiden schließlich in ­seinem ­Kinderzimmer daten, passiert Marvin das ­größtmögliche ­Missgeschick - es hilft nur die Flucht. Zusammen mit seinen ­Eltern, dem ­Liebhaber der Mama und einem Mädchen aus dem ­Erdgeschoss begibt sich Marvin auf eine ­abenteuerliche Reise voller Verrücktheiten, Wendungen und ­Schweinescheiße.

Andreas ist fast 40 und kann seit weit über 30 Jahren schreiben. Dass es Spaß macht, längere Geschichten zu verfassen, hat er erst vor kurzem entdeckt.

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WEGEN WEIHNACHTEN
Als ich am Abend wieder aus meinem Zimmer gekrochen kam, war ich gedanklich noch bei Fortnite, womit ich die vergangenen Stunden verbracht hatte. Beim letzten Battle Royale war ich völlig chancenlos schon als siebter von einem dreizehnjährigen Puerto-Ricaner abgeknallt worden. Keine Ahnung, woher die anderen immer so schnell diese Waffen hatten, während ich noch mit der Spitzhacke rumstocherte. Schon mehrfach hatte ich mir vorgenommen, mit diesem bescheuerten Kinderspiel aufzuhören. Nach dem Zocken hatte ich mir noch schnell einen Porno reingezogen, Lesbian diesmal. Funktionierte immer. Ich merkte schnell, dass das Wohnzimmer voll war. Schon im Flur hörte ich die laute Stimme von Kai, Mamas Fickfreund. Er lachte wahrscheinlich mal wieder über eine seiner eigenen Geschichten, die sonst niemand lustig fand. Als ich die Tür geöffnet hatte, sah ich, dass auch Kim da war. Kim wohnte mit ihrem Vater in einem kleinen Apartment im Erdgeschoss unseres Hauses. Ihre Mutter war vor anderthalb Jahren von einem Rettungswagen überfahren worden. Sie war tot, noch bevor sie auf der Straße aufschlug, hatte der Fahrer damals fachmännisch erklärt, als Kim und ihr Vater an der Unfallstelle eintrafen. Von da an ging es steil bergab mit ihm. Er fing an zu trinken, zu kiffen, irgendwann hing er an der Spritze. Seinen Job bei einem Hersteller von Elektromotoren verlor er, fuhr jetzt für Uber, wenn er denn mal nüchtern war. Den Haushalt und alles andere schmiss Kim nach der Schule. Dort hatte sie aufgrund ihrer Situation einen solchen Sonderstatus, dass die Lehrerinnen gar nicht mehr nachfragten, wenn sie mal ein paar Tage nicht zum Unterricht kam. Was öfter vorkam. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie es ganz schön ausnutzte, einen Junkie als Vater und eine Tote als Mutter zu haben. Clever für eine Elfjährige. „Marvin Masturbator! Wir haben gerade über dich gesprochen“, begrüßte mich Kim. Sie kannte meine Rituale. „Da isser ja endlich. Dann lasst uns sofort los!“ schob Kai direkt hinterher und drückte sich von der Couch hoch. Offenbar hatte man irgendetwas mit mir vor. „Was ist der Plan?“, fragte ich. In den letzten Wochen war mir öfter aufgefallen, dass mir zunehmend alles egal war. Ich wollte aber noch gar nicht so gleichgültig werden wie Papa. Das hatte noch einige Jahre Zeit. Deshalb hatte ich mir vorgenommen, jetzt ab und an mal interessierter zu sein und nachzufragen. „Wegen Weihnachten“, sagte Mama nur, drückte ihre Kippe aus und stand ebenfalls auf. Papa drehte sich demonstrativ mit seinem Rollstuhl um und schaute raus gegen das gegenüberliegende Gebäude. Mein fragender Blick erreichte ihn nicht. „Wir nehmen besser deinen Berlingo, Kai, dann können wir mehr transportieren“, sagte Mama und griff sich ihre Handtasche. „Los, Kim, du kommst auch mit.“ „Sir, ja, Sir!“ rief Kim und sprang salutierend auf. Obwohl ich weiterhin nicht wusste, was wir eigentlich vorhatten und was zum Teufel das Ganze jetzt schon wieder mit Weihnachten zu tun hatte, gingen wir bereits die Treppe runter Richtung Tiefgarage. Unser Haus hatte zwar keinen Aufzug, dafür aber reichlich Platz für die Autos seiner Bewohner. Tatsächlich war es ratsam, sein Fahrzeug hier nachts nicht draußen stehen zu lassen. Das Haus, ein hässlicher Betonklotz mit so komischen sechseckigen Balkonen, stand am Rande des Industriegebiets Beulenberg, weitere Wohnhäuser gab es im Umkreis von ein paarhundert Metern nicht. Direkt hinter unserem Haus befand sich eine Schlosserei, auf der anderen Straßenseite eine Firma, die Rohre und solche Sachen herstellte. Links neben uns stand das Bürogebäude einer zwielichtigen Firma, die angeblich Fußbodenheizungen vertrieb, rechts von unserem Haus war eine große Kreuzung, deren Ampeln die meiste Zeit ausgefallen waren. Warum auch immer man hier irgendwann mal ein einzelnes Wohngebäude gebaut hatte, so konnten wir uns heute wenigstens die Miete leisten. Wirklich sicher fühlte man sich hier allerdings nicht, da nach 18 Uhr keine Menschenseele mehr in der Gegend war. „Was machen wir?“, fragte ich, als Mama Kais Auto die Einfahrt hochjagte. Oben an der Schwelle setzte der Berlingo auf, es krachte. Der Cola-Wunderbaum am Innenspiegel schleuderte an die Decke. Niemand fuhr so wild Auto wie Mama. „Fantastische Geschichte, Junge!“, schrie Kai und ich hatte kurz Angst, dass er Mama erschrecken und sie einen Unfall bauen würde. Sie knallte ohne zu gucken über die Kreuzung, deren Ampeln mal wieder alle nur blinkten. „Die dummen Asiaten haben Sachen geliefert, die wir überhaupt nicht bestellt haben! Und weil der Chef sagt, dass wir den Schund sowieso nicht loswerden, durften wir alle was mit nach Hause nehmen. Es war alles dabei, was man sich vorstellen kann. Hundegeschirre, Furzkissen, Caps, Plüschtiere, sogar Sextoys.“ Er stieß Mama mit dem Ellbogen in die Seite, bis sie kicherte. Kai arbeitete in einer Firma, die Werbeartikel vertrieb. Kugelschreiber, USB-Sticks und anderer Chinaschrott, den man mit dem eigenen Logo bedrucken lassen konnte. „Und was wollen wir mit dem ganzen Mist?“, fragte ich. „Es waren auch Weihnachtsartikel dabei, aber eben kein deutscher Kitsch, sondern mehr so Partysachen. Genau das richtige für die X-Mas-Party deiner Mutter!“ Ich sah uns schon vor mir, wie wir alle an Weihnachten mit Rentierpartyhütchen verlegen vor dem grausigen Buffet rumstehen, während die alte Christmas Partyhits CD läuft und Onkel Honig anfängt, mich zu beleidigen, weil er denkt, Heteromänner würden so etwas tun. Ich sagte nichts. Kim schaute aus dem Fenster, ohne zu blinzeln fast genau in die Sonne. Sie schien mit sich und ihrem Dasein im Reinen zu sein, aber das war ich auch noch, als ich elf war. Mit elf hatte man sein Leben unter Kontrolle, offenbar selbst wenn es so lief wie Kims. Im Moment hatte ich nicht so viel unter Kontrolle. Ich hatte mich nicht mal davor wehren können, Ramsch beim Stecher meiner Mutter abzuholen. Das wird sich alles mal ändern, wenn ich so weit bin, dachte ich. Ich wusste nur nicht, wie ich das erreichen sollte. Bisher hatte ich im Grunde gar nichts erreicht. Ok, ich hatte mein Abi geschafft, gerade so mit 3,7. Und das auch nur, weil es eine einzige Lehrerin gab, die mich nicht hasste. Frau Knock hatte immer Mitleid mit mir gehabt. Fair benoten musste sie mich trotzdem, was mir einige Fünfen beschert hat. Nur im Abi war sie dann gnädig und gab mir großzügig Punkte, die ich nicht verdient hatte. Sie war definitiv die Einzige, die ich verschonen würde, falls es mal zu einem Amoklauf kommen sollte. Freunde aus der Schulzeit waren so gut wie keine übrig geblieben, nur online gab es noch Kontakt zu zwei oder drei Wichsern von früher, die jetzt im Chat so taten als wäre Mobbing nie ein Thema gewesen. Mit Frauen lief sowieso gar nichts. Ich sah nicht scheiße aus, eher so mittel. Durchschnittlich groß, durchschnittlich schlank, dunkelblonde Haare, durchschnittlicher Typ eben. Mama sagte immer, ich hätte schöne Füße. Aber ich wusste nie, ob das ein Kompliment war oder eher das Gegenteil. Auf irgendeiner Oberstufenparty hatte ich mal mit Jana geknutscht, weil es dunkel war und sie viel zu viel Tequila getrunken hatte. Sehr wahrscheinlich wusste sie in dem Moment nicht mal, wen sie da gerade küsste. Jahre zuvor war ich in Sebil verknallt gewesen, so wie alle Jungs aus unserer Klasse. Auf Klassenfahrt machte sie sich an mich ran, aber nur weil sie eine Wette verloren hatte. Sie war die erste, auf die ich mir einen runterholte. „Und, Schätzchen, hast du dir überlegt, wann du das Spa besuchen möchtest?“, fragte Mama wie aufs Stichwort. Sie schaute dabei in den Innenspiegel, um mich zu sehen. Kurz kam sie von der Spur ab und geriet in den Gegenverkehr. Hupend wich jemand aus. „Absolut nie“, erwiderte ich. „Ach komm schon. Es ist schön, es ist umsonst, es ist ein Zeitvertreib. Und wenn es bewirkt, was es soll, hast du für sowas hier vielleicht bald gar keine Zeit mehr“, sagte sie lächelnd. Manchmal konnte sie Gedanken lesen. „Ich weiß, ich weiß. Aber das wird eh nicht klappen. Ich sehe nicht, wie mir ein Schwimmbadbesuch den Weg in eine goldene Zukunft bereiten soll.“ „Warte nur ab, Marvin. Vielleicht kommt alles anders, als du denkst“, sagte Mama. „Ja, vielleicht ersäufst du oder fällst vom Dreier auf den Beckenrand, dann bist du behindert wie dein Daddy“, spottete Kim. Ich schnallte sie ab und öffnete ihre Tür. Mama fuhr eine scharfe Linkskurve und ich trat Kim aus dem Auto. Sie schlitterte über den Asphalt wie ein Curlingstein und krachte mit Karacho in eine Bushaltestelle. Ein vorbeigehender Asi spuckte ihr hinterher. Leider alles nur in meinem Kopf. In Wahrheit schnalzte Mama nur kurz mit der Zunge. Kai wohnte zwei Stockwerke über einer Pizzeria, vor dem Haus standen Stühle und Tische auf dem Bürgersteig. Es war nicht viel los und Mama versuchte so nah wie möglich an den Eingang zum Treppenhaus heranzukommen. Mit dem Kühlergrill schob sie einen der Rattanstühle beiseite, um weitere 20 Zentimeter zu...



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