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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 6059, 173 Seiten

Reihe: Beck'sche Reihe

Ellena Parfum

Ein Führer durch die Welt der Düfte
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-406-63929-6
Verlag: C.H.Beck
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Führer durch die Welt der Düfte

E-Book, Deutsch, Band 6059, 173 Seiten

Reihe: Beck'sche Reihe

ISBN: 978-3-406-63929-6
Verlag: C.H.Beck
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Chefparfümeur von Hermès führt in diesem informativen und amüsant zu lesenden Buch durch die glamouröse Welt der Düfte. Der Meister selbst öffnet uns die Tür, um uns einen Blick hinter die Kulissen werfen zu lassen. Seit wann kreiert man Parfum? Wie und wann etablierte sich eine ganze Duft-Industrie? Welche Duftnoten gibt es? Wie unterscheiden sich synthetische und natürliche Aromen? Wie und wo werden die Grundstoffe erzeugt und was kosten sie? Wie sieht das Handwerk des Parfümeurs aus, woran orientiert er sich? Was inspiriert ihn, worauf kommt es bei einem großen Parfum an? Bei all diesen anregend präsentierten Informationen kommen auch die kleinen Anekdoten aus dem Berufsalltag des großen Stars der Welt des Parfums nicht zu kurz. Ein Buch zum Verschenken, das man gerne selbst behalten möchte.



Jean-Claude Ellena, 1947 geboren, ist ein französischer Parfumeur und seit 2004 die «Nase» des französischen Luxuswarenherstellers Hermès. Nach verschiedenen Stationen in Grasse, Paris, New York und Genf kreierte er bekannte Namen wie "First" (1976) für Van Cleef & Arpels, "Eau Parfumée au Thé Vert" (1992) für Bvlgari oder "Déclaration" (1998) für Cartier. Anfangs benutzte er gut 200 Ingredienzien für seine Mischungen, neuerdings nur noch etwa 20. Seine Signatur einfach, minimalistisch und modern folgt dem Prinzip der Konzentration auf das Wesentliche.
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KAPITEL II

DIE NASE UND DER GERUCH



Jean Giono


Der Geruchssinn ist unter allen Sinnen derjenige, der im Tierreich die größte Verbreitung hat, sei es in der Luft, im Wasser, auf oder unter der Erde; selbst die Bakterien verfügen über ein sensorisches System, um Gerüche ausmachen zu können. Der menschliche Geruchssinn ist zwar weniger leistungsfähig als der von Tieren (Hund, Katze), hat aber erheblichen Anteil am Gefühlsleben. Denken Sie an das Vergnügen am Geruch eines Holzfeuers, eines Kleidungsstückes, der Haut, das rauschhafte Züge annehmen kann. Der Schmerz über den noch verbliebenen Geruch der Person, die gegangen ist. Verlangen und Vergnügen an einem Geschmack, einem Wein, einer Speise. Die Abneigung gegen den Geruch des Krankenhauses, der für Unwohlsein steht. Die Wachsamkeit beim Geruch von Rauch, Gas, Luftverschmutzung, usw.

Der olfaktorische Sinn ist, wie das Sehen, vor allem ein Sinn, der aus der Entfernung arbeitet, und er ist ein leistungsfähiges Ortungssystem, das zum Überleben des Einzelnen und der Spezies beiträgt. Die nachfolgenden Erläuterungen werden uns ein besseres Verständnis dieses verkannten Sinnes ermöglichen.

I. DER GERUCHSSINN


– Er ist im oberen Bereich der beiden Nasenhöhlen angesiedelt. Ein in beiden Nasenlöchern befindliches Epithel – ein Gewebe mit einer Oberfläche von etwa 2 bis 5 cm2, das mit 6 bis 10 Millionen Geruchsrezeptoren versehen ist – ermöglicht uns eine Geruchswahrnehmung quasi in Stereo. Es bildet die erste Stufe unseres Geruchssinnes.

II. DIE OLFAKTORISCHE WAHRNEHMUNG


– Es umfasst drei Ebenen. In ihm befinden sich mehrere Millionen Riechzellen (Geruchsrezeptoren). Aus jeder Zelle gehen etwa zehn in den mukösen Schleim der Riechschleimhaut eintauchende Zilien hervor, in die Rezeptorproteine eingelagert sind. Um geortet werden zu können, müssen sich die mit der Atemluft transportierten Duftmoleküle zunächst in diesem wässrigen Milieu auflösen und sich dann (vorübergehend) an den Zilien mit den darin untergebrachten Chemorezeptoren festsetzen. Jede Rezeptorzelle entspricht nur einem einzigen Typ von Chemorezeptoren.

Eine erstaunliche Besonderheit dieser Rezeptorzellen besteht darin, dass sie sich alle 30 bis 40 Tage regenerieren, wodurch die Fortdauer und die Qualität der olfaktorischen Wahrnehmung gesichert wird.

Der Riechkolben oder Bulbus olfactorius befindet sich an der Basis des Hirnschädels. Er ruht auf einer dünnen, löchrigen Knochenplatte, dem sogenannten Siebbein. Diese wird von Riechnerven durchzogen, die ihn mit dem Riechepithel verbinden. Sobald sich die Duftmoleküle an den Zilien festsetzen, erhalten die Rezeptorzellen von den aktivierten Chemorezeptoren elektrische Signale, die über die Geruchsnerven in bestimmten Regionen des Riechkolbens zusammenlaufen. Der Riechkolben dient dann als Filter und erkennt einen Teil der übermittelten Informationen. Er verdichtet die Informationen und sendet sie über den Tractus olfactorius zum Gehirn, das diese verarbeitet.

Die Informationen werden vom Riechkolben über den Tractus olfactorius zum olfaktorischen Kortex geleitet, der sie auf mehrere Hirnregionen verteilt, wie etwa die Amygdala, den Hippocampus, den Thalamus und den orbitofrontalen Kortex. Mehrere dieser Strukturen gehören zum limbischen System, das an die Verarbeitung von Erinnerungen und Emotionen beteiligt ist. Da der Geruchssinn als einziger Sinn direkt mit dem limbischen System verbunden ist, haben Gerüche eine starke emotionale Wirkung.

– Neben dem olfaktorischen sind noch weitere sensorische Systeme in der Lage, chemische Moleküle zu orten. Dies gilt insbesondere für das trigeminale System, das gemeinsam mit dem gustativen und olfaktorischen System arbeitet und zur Geschmackswahrnehmung beiträgt, wenn wir essen.

Das trigeminale System ist klar vom Riechkolben zu unterscheiden und versorgt sowohl die Nasen- und Mundhöhlen als auch das Auge mit Nerven. Es wird durch beißenden, intensiven, stechenden, reizenden Geschmack oder Geruch stimuliert, wodurch sich der Mensch sofort vor Reizungen schützen kann, die durch chemische Substanzen wie Säure, Ammoniak oder andere giftige Stoffe entstehen. Dieser Nerv sorgt auch für die Empfindung von Würzigkeit oder den Eindruck von Frische, wie er durch den Geruch und den Geschmack von Minze erzeugt wird.

III. DER GERUCH


– Während sich die Wissenschaft für die Physiologie des Geruchssinns interessiert, versucht die einer zunehmenden Konkurrenz ausgesetzten Industrie, die Technik der Parfumzusammensetzung so zu beherrschen, dass messbare und verlässliche Ergebnisse erzielt werden können; sie hat daher Messgeräte für etwas entwickelt, was bisher nicht messbar war: den Geruch.

Da der Geruch im Verhältnis zur Menge der in der Luft enthaltenen Moleküle und der Intensität eines jeden Moleküls steht, haben die Unternehmen den Begriff des «olfaktorischen Wertes» erfunden. Dabei handelt es sich um ein Maß, das sich auf das Verhältnis zwischen zwei weiteren Maßen gründet: dem Dampfdruck und dem Messgrenzwert.

– Dieser ermöglicht die Messung der Flüchtigkeit duftender Stoffe durch eine Quantifizierung der abgegebenen Moleküle mithilfe der Head-Space-Analyse. Der Dampfdruck wird in µg/1 oder Mikrogramm per Liter Luft gemessen (1 µg entspricht 10-6g pro Liter Luft).

Der Dampfdruck des Vanillins beispielsweise ist mit 2 µg/1 gering, sodass dieses wenig flüchtige Aroma die Zeit überdauert. Demgegenüber verflüchtigt sich das Isoamylacetat, das Bananengeruch verströmt und einen hohen Dampfdruck von 24.000 µg/1 aufweist, in weniger als einer Minute.

– Sie erlaubt es festzustellen, bei welcher Mindestkonzentration ein Duft wahrnehmbar ist. Dieser Messwert wird anhand der Methode der Olfaktometrie, eines Riechtests, ermittelt. Der Geruchsschwellenwert wird in µg/1 oder Nanogramm pro Liter Luft (1 ng entspricht 10-9g pro Liter Luft) gemessen.

So beträgt etwa der Geruchsschwellenwert des Vanillins 0,02 ng/l, womit das Vanillin sogar in starker Verdünnung wahrgenommen wird, ein starker Kontrast zum Isoamylacetat, das mit 95 ng/l einen geringen Geruchsschwellenwert hat, demnach in verdünnter Form nicht mehr wahrnehmbar ist. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass der Geruchsschwellenwert beim Menschen eine starke Schwankungsbreite aufweist und dass die Geruchsempfindlichkeit mit zunehmendem Alter langsam abnimmt.

In Abhängigkeit vom Verhältnis zwischen den beiden Maßen sind die Riechstoffe geeignet, bestimmte Wirkungen zu erzielen: Diffusion, Präsenz, Beständigkeit. Diese Messungen haben die Parfumeure in ihrer Erfahrung bestätigt, denn ihre durch empirische Praxis gewonnenen Kenntnisse sind messbar geworden.

– Mir ist nichts bekannt, was keinen Geruch hätte. Als Lehrling habe ich nicht nur gelernt, ein Jasmin-Concrète aus Ägypten, Italien oder Grasse über den Geruch voneinander zu unterscheiden, sondern auch zu bestimmen, in welchem Verdampfer ein Absolue hergestellt worden ist: in einem aus Kupfer, Zinn, Edelstahl oder in einem Glaskolben. Die letztgenannte Differenzierungsarbeit war so fein, dass sie einer vergleichenden Untersuchung bedurfte. Mit der Zeit habe ich gelernt, den runden Duft, den man im Kupferbehälter gewinnt, den eleganten Duft, den der Zinnbehälter erzeugt, den metallischen Duft, der im Stahlbehälter entsteht, und den faden Duft, den der Glaskolben hervorbringt, zu erkennen. Diese Beispiele zeigen, dass eine etwas geübte Nase keine Probleme damit hat, Gerüche auseinanderzuhalten.

Wir können in einem Wein drei oder vier Geschmacksrichtungen unterscheiden und ebenso drei oder vier Düfte in einem Parfum. Beim Experten ist die Wahrnehmungsschwelle um den Faktor 10 erhöht. Diese Fähigkeit, deren Aneignung viel Zeit erfordert, ermöglicht es ihm, sowohl Parfums als auch Kopien zu schaffen. Wenn die Unterscheidung schwierig ist, ist es die Bestimmung nicht weniger, denn die Geruchserkennung ist an das Erinnerungsvermögen gekoppelt. Tatsächlich kann auch ein Spezialist nur zehnmal weniger als die 10.000 von der Industrie entwickelten Moleküle bestimmen.

– In einer sich wandelnden Umwelt sind die Wahrnehmungen – unabhängig davon, ob es sich um visuelle, olfaktorische, akustische, taktile oder geschmackliche handelt – immer relativ. Die Sinnesempfindungen sind nicht voneinander unabhängig. Sie stehen vielmehr im Verhältnis zu denen, die ihnen vorausgehen, und denen, die sie begleiten, sodass sie uns Beziehungen zwischen Zuständen erkennen lassen. Aufgrund der Tatsache, dass es keine «absolute Nase» gibt, können wir zwei Parfums, an denen wir unmittelbar nacheinander riechen, nicht für sich selbst beurteilen.

Die Beziehungen zwischen...


Jean-Claude Ellena, 1947 geboren, ist ein französischer Parfumeur und seit 2004 die 'Nase' des französischen Luxuswarenherstellers Hermès. Nach verschiedenen Stationen in Grasse, Paris, New York und Genf kreierte er bekannte Namen wie "First" (1976) für Van Cleef & Arpels, "Eau Parfumée au Thé Vert" (1992) für Bvlgari oder "Déclaration" (1998) für Cartier. Anfangs benutzte er gut 200 Ingredienzien für seine Mischungen, neuerdings nur noch etwa 20. Seine Signatur einfach, minimalistisch und modern folgt dem Prinzip der Konzentration auf das Wesentliche.



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