Eliot | Adam Bede | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 498 Seiten

Eliot Adam Bede


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1151-4
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 498 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1151-4
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Adam Bede ist das Erstlingswerk der berühmten Autorin, die eigentlich Mary Ann Evans heißt. Der Roman erzählt das Leben verschiedener Familien im ländlichen Hayslope und dreht sich hauptsächlich um eine Liebesbeziehung zwischen der schönen Hetty Sorrel, Captain Arthur Donnithorne, Adam Bede und Dinah Morris.

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Die Werkstatt



Mit einem einzigen Tropfen Tinte als Spiegel macht sich der egyptische Zauberer anheischig, jedem, der hineinguckt, weit entlegene Bilder der Vergangenheit zu zeigen. Dasselbe will ich, Leser, für euch versuchen. Mit diesem Tropfen Tinte in meiner Feder zeige ich euch die geräumige Werkstatt von Meister Jonathan Burge, Zimmermann und Baumeister in dem Dorfe Hayslope, wie sie am 18. Juni im Jahre unseres Herrn 1799 aussah.

Die Nachmittagssonne schien warm herein auf die fünf Arbeitsleute, die an Thüren und Fensterrahmen und Täfelwerk eifrig beschäftigt waren. Der Harzgeruch von einem zeltartigen Haufen tannener Bretter vor der offenen Thür mischte sich mit dem Duft der Hollunderbüsche, die den sommerlichen Schnee ihrer Blüten bis nahe an das offene Fenster der Thür gegenüber streuten; die Sonnenstrahlen schienen schräg herein in die durchsichtigen Hobelspäne, die von dem fleißigen Hobel aufflogen, und beleuchteten deutlich die seinen Masern des eichenen Täfelwerks, welches an der Wand aufgerichtet stand. Auf einem Haufen dieser glatten Hobelspäne hatte sich ein rauhhaariger, grauer Schäferhund behaglich gebettet; die Nase zwischen den Vorderpfoten, zog er gelegentlich die Augenbrauen kraus, um einen Blick auf den größten der fünf Arbeiter zu werfen, der eben das Mittelstück zu einer Vertäfelung ausschnitt und seine Arbeit mit einer starken, tiefen Summe begleitete, welche das Geräusch des Hobelns und Hämmerns übertönte:

"Wach' auf, mein Geist, zu Pflicht und Arbeit auf!
Der Sonne gleich thu' deinen Lauf;
Die dumpfe Trägheit schüttle ab ..."

Hier mußte er etwas an seiner Arbeit genauer nachmessen und sich daher mehr zusammennehmen, und seine wohlklingende Stimme sank zu einem leisen Pfeifen herab; bald aber brach sie mit erneuter Stärke wieder vor:

In allem, was du thust, sei wahr,
Dein Herz wie Mittagssonne klar.

Solch eine Stimme konnte nur aus einer breiten Brust kommen, und die breite Brust war die eines starkknochigen, muskulösen Mannes von fast sechs Fuß, mit einem so geraden Rücken und einem so wohlgesetzten Kopfe darüber, daß, wenn er bei seiner Arbeit sich aufrichtete, um sie besser zu übersehen, er wie ein Soldat außer Reih und Glied aussah. Der bis über den Ellbogen aufgestreifte Ärmel ließ einen Arm sehen, der wohl im Ring- und Faustkampf den Preis gewinnen konnte, aber die lange, feine Hand mit den breiten Fingerspitzen deutete mehr auf friedliche Arbeit. Groß und handfest, machte Adam Bede seinem sächsischen Namen Ehre, aber sein kohlschwarzes Haar, welches gegen die weiße Papiermütze noch besonders scharf abstach, und der scharfe Blick seiner schwarzen Augen, die unter stark gezeichneten, vorspringenden und beweglichen Brauen hervorblickten, verrieten eine Mischung von celtischem Blut. Sein Gesicht war groß und nicht fein geschnitten und hatte im Zustande der Ruhe keine weitere Schönheit, als die eines gutmütigen, ehrlichen, verständigen Ausdrucks.

Der nächste Arbeiter, das erkennt man auf den ersten Blick, ist Adams Bruder. Er ist fast eben so groß, hat denselben Schnitt der Züge, dasselbe Haar, dieselbe Gesichtsfarbe, aber die starke Familienähnlichkeit scheint nur den bedeutenden Unterschied des Ausdrucks in Gestalt und Gesicht noch auffallender zu machen. Seths breite Schultern sind etwas eingefallen, seine Augen sind grau, die Augenbrauen treten weniger hervor und sind ruhiger als die seines Bruders, sein Blick ist nicht scharf, sondern gutmütig und milde. Die Papiermütze hat er abgelegt, und so sieht man, daß sein Haar nicht stark ist und nicht glatt anliegt, wie bei Adam, sondern dünn und gelockt, und die hohe Wölbung des Schädels blickt deutlich hindurch.

Die Tagediebe im Dorfe waren immer sicher, aus Seth ein paar Pfennige herauszubekommen, aber Adam sprachen sie fast nie an.

Das Konzert von dem Geräusch der Arbeit und dem Gesange Adams wurde endlich von Seth unterbrochen, der die Thür, an welcher er fleißig gearbeitet hatte, von seiner Hobelbank nahm, sie an die Wand stellte und sagte: "Da! mit meiner Thür wär' ich also heut fertig."

Die Arbeiter blickten von ihrer Arbeit auf; Hans Salt, ein dicker, rothaariger Bursch, hielt ein bißchen mit Hobeln inne, und Adam sagte mit einem raschen Blick der Verwunderung zu Seth: "Wie, meinst du, die Thüre wäre fertig?"

"Na gewiß," sagte Seth, nicht minder verwundert, "was fehlt denn dran?"

Laut schallendes Gelächter von den andern drei Arbeitern war die Antwort, und Seth sah ganz konfus aus den Augen. Adam stimmte nicht in das Lachen ein, aber es spielte doch ein lächelnder Zug um seinen Mund, als er in sanfterem Tone antwortete: "Nun, du hast bloß die Füllung vergessen."

Von neuem brach das Gelächter aus, als Seth sich vor die Stirn schlug und bis über die Ohren rot wurde.

"Hurrah!" rief der kleine lustige Benjamin, mit Spitznamen Borsten-Ben, und stürzte auf die Thür los: "die Thür wollen wir draußen an der Werkstatt aufhängen und drauf schreiben: "Seth Bede, dem Methodisten, seine Arbeit." Da, Hans! gieb mal den Farbentopf her."

"Unsinn!" sagte Adam, "laß das bleiben, Ben; du kannst leicht auch mal so'n Versehen machen und da wird das Lachen dir sauer genug ankommen."

"Das hat gute Wege, Adam," erwiderte Ben; "du kannst lange warten, ehe die Methodisten mir so den Kopf verdrehen."

"Ja freilich, aber das Trinken verdreht ihn dir, und das ist schlimmer."

Ben hatte aber schon den Farbentopf in der Hand und zog, um seine Inschrift anzufangen, ein großes S durch die Luft.

"Laß das bleiben, sag' ich," rief Adam aus, legte sein Arbeitszeug hin, ging auf Ben zu und packte ihn bei der rechten Schulter; "laß das bleiben oder ich schüttle dir die Seele aus dem Leibe."

Unter Adams eisernem Griff bebte der kleine Mann, aber er behielt doch Courage und wollte nicht nachgeben. Mit der linken Hand nahm er den Pinsel aus der rechten, die ihm Adam festhielt, und machte eine Bewegung, als wolle er sich den Triumph der Inschrift so verschaffen. Im Nu aber drehte ihn Adam hemm, packte ihn an der andern Schulter und drängte ihn vor sich her an die Wand. Aber nun legte sich Seth ins Mittel.

"Nicht doch, Adämchen, nicht doch; Ben kann mal das Spotten nicht lassen, und hat er denn nicht ein Recht mich auszulachen? Kann ich's doch selbst kaum helfen!"

"Ich lass ihn nicht los," sagte Adam, als bis er verspricht, deine Thür in Ruhe zu lassen."

"Na, denn laß es doch, Ben, mein Junge," redete ihm Seth zu; "warum sollen wir Streit anfangen über die Thür! du weißt doch, Adam giebt nicht nach; du könntest eben so gut versuchen, mit einem Kärrnerwagen in einem engen Gäßchen zu drehen. Sag' doch nur, daß du die Thür in Ruhe lassen willst, und die Sache ist aus."

"Ich bin nicht bange vor Adam," sagte Ben, "aber da du mich drum bittest, Seth, so will ich das Versprechen geben."

"Das wollt' ich dir auch geraten haben," meinte Adam lachend und ließ ihn los.

Alle nahmen nun ihre Arbeit wieder auf, aber Borsten-Ben, der eben den Kürzeren gezogen hatte, war entschlossen, sich durch gelungene Spötteleien schadlos zu halten.

"Sag' mal, Seth," fing er an, "woran hast du eben gedacht, als du die Füllung vergaßest, an der hübschen Methodistin ihr Gesicht oder ihre Predigt?"

"Du solltest mitkommen und sie hören, Ben," war Seths gutmütige Antwort; "sie predigt heute Abend auf der Gemeindewiese; da bekommst du wohl bessere Dinge zu bedenken als die schlechten Lieder, die dir so im Kopf liegen. Religion könnt'st du da bekommen und einen so guten Verdienst hast du gewiß nie gehabt."

"Alles zu seiner Zeit, Seth; wenn ich mich mal häuslich niederlasse, will ich's mir überlegen; 'n Junggeselle braucht noch nicht so guten Verdienst. Vielleicht mache ich das Freien und das Frommwerden zusammen ab, so wie – so wie du, Seth; aber, wenn ich mich nun bekehren ließe und dir bei der hübschen Methodistin dazwischen käme und mit ihr durchginge – hm, wie würd' dir das gefallen!?"

"Davor ist mir nicht bange, Ben; sie ist weder für dich noch für mich zu haben, glaub' ich. Komm nur mal erst und hör' sie, dann sprichst du gewiß nicht wieder von ihr so leichtfertig."

"Na, ich hab's so halb und halb vor, sie mir heut Abend anzusehen, wenn ich im Wirtshaus keine gute Gesellschaft finde. Was wird sie denn für'nen Text nehmen? Du könnt'st mir's wohl sagen, Seth; 's wäre doch möglich, daß ich nicht früh genug käme. Was meinst du? Etwa: "Was seid ihr hinausgekommen zu sehen? eine Prophetin? Wahrlich, ich sage euch, mehr denn eine Prophetin, – ein ungemein hübsches, junges Frauenzimmer."

"Ben, Ben!" sagte Adam mit ernstem Ton, "willst du die Worte der Schrift in Ruhe lassen? Du gehst da ein bißchen sehr weit."

"Was? Du machst auch kehrt, Adam? Bisher glaubt' ich immer, du hätt'st mit dem Predigen der Weiber nichts zu schaffen."

"Von Kehrtmachen ist hier keine Rede und von dem Predigen der Weiber hab' ich nichts gesagt; ich sage nur, du sollst die Bibel in Ruhe lassen. Du hast ja ein lustiges...



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