E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Eldredge Werden, wie du mich siehst - für junge Frauen
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-96122-041-0
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Gottes Traum für dein Leben.
E-Book, Deutsch, 256 Seiten
ISBN: 978-3-96122-041-0
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Stacy Eldredge leitet die Frauenarbeit von 'Ransomed Heart Ministries'. Von ihr ist in Deutschland bereits das Buch 'Weißt du nicht, wie schön du bist?' erschienen und mit ihrem Mann John hat sie den sehr erfolgreichen Titel 'Das wilde Herz der Ehe' veröffentlicht. Ihre Bücher haben sich mehr als drei Millionen Mal verkauft. Sie lebt mit ihrer Familie in Colorado Springs, USA.
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Kapitel 2:
Wie lautet deine Geschichte?
Falls ihr diese Geschichte schon einmal gehört habt, unterbrecht mich bitte nicht, denn ich möchte sie gerne noch einmal hören.
Groucho Marx
Es war einmal ein junges Mädchen, das lebte mitten im Wald. Was sie dort tat, wusste sie nicht, denn obwohl ihr Häuschen mit lauter lieblichen Dingen gefüllt war, so fehlte ihr doch eines: die Erinnerung.
Liebst du auch schöne Geschichten? Geschichten sind die Sprache des Herzens. Deshalb hat Jesus so viele davon erzählt. Er ist nicht nur der mutigste Mensch, dem du jemals begegnen kannst, sondern auch der genialste! Er spricht zu uns durch Geschichten.
Die Bibel liest sich nicht wie ein Telefonbuch.
Du bist in eine Geschichte hineingeboren. Dein Leben ist eine Geschichte! Es ist die Geschichte deines Herzens: wie es behandelt wurde und welches Bild du als Folge davon jetzt von dir hast. Weißt du das? Du solltest es wissen. Erinnerungen sind wichtig. Für dich und für mich.
Mein Leben zu vergessen – meine Fehler, meine Siege, meine Herausforderungen, meine Sorgen, meine Geschichte – würde mich daran hindern, vorwärtszugehen und mich in die Frau zu verändern, die ich werden soll. Es ist wichtig, dass ich mich erinnere, und ich lade dich dazu ein, dies mit mir gemeinsam zu tun. Es mag uns vielleicht seltsam erscheinen, dass wir an bestimmten Punkten unserer Reise zurückblicken müssen, um vorwärtsgehen zu können, aber – glaub mir – es ist nötig.
Wenn wir uns an Vergangenes in unserem Leben erinnern, sind wir manchmal versucht, bestimmte Situationen zu bedauern, anstatt sie mit liebevollen Augen zu betrachten. Gott dagegen sieht den Dingen auf den Grund und sein Blick ist gefüllt mit Barmherzigkeit. Deshalb dürfen auch wir barmherzig mit uns sein.
Ich kann mich natürlich nicht mehr an alle Begebenheiten meines Lebens genau erinnern. Vieles fällt mir spontan wieder ein, wie eine Brise, die mich umweht, begleitet vom Gesang der Vögel, die fröhlich damit beschäftigt sind, ihr Futter zu suchen. Es ist ein Lufthauch der Ewigkeit, eine Verbindung zu vergangenen Jahreszeiten, Erinnerungen an Momente des Staunens, der Sehnsucht und der Erkenntnis. Auch wenn ich jetzt über 50 bin – ich bin immer noch drei und sieben und sechzehn Jahre alt!
Grillenzirpen
Die Melodie meiner ersten zehn Lebensjahre besteht aus Grillenzirpen, Gewitterstürmen und dem Geräusch der Blätter, die im Herbst fallen und unter meinen Füßen rascheln, wobei sie einen erdigen Duft verströmen. Ich wuchs in einem Wohnviertel auf, in dem es keine Zäune, dafür aber jede Menge Kinder gab. Wir erforschten die Tiere im Bach. Wir fingen Schmetterlinge und steckten sie in Marmeladengläser. Das war wirklich so. Das passiert nicht nur in Filmen. Wir spielten „Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser“, und wir führten kleine Theaterstücke für unsere Eltern auf, die wir uns vorher ausgedacht hatten.
Im Winter liefen wir Schlittschuh auf einem zugefrorenen See und den ganzen Sommer hindurch waren wir im Schwimmbad. Wir verkauften selbst gemachte Limonade am Straßenrand, fuhren Schlitten und Fahrrad. Wir nahmen – wie bei uns in Amerika üblich – an Tornadoübungen teil, gingen sonntags zur Kirche, und wenn wir nach Hause kamen, wurden wir jedes Mal mit einem kleinen Imbiss empfangen.
Ich war sechs Jahre alt und lag mit Windpocken im Bett, als ich die wunderbare Nachricht bekam, dass ich bei einem Malwettbewerb gewonnen hatte. Meine Freude darüber war riesengroß! Das Foto, das meine Mutter damals von mir gemacht hat, als sie mir von meinem Sieg erzählte, habe ich immer noch. Darauf sitze ich mit meiner Puppe im Arm auf meinem Bett und lächle so breit, dass man jede einzelne Zahnlücke erkennen kann. Der Preis, den ich gewonnen hatte, war ein Gutschein für einen Süßwarenladen. Aber allein die Begeisterung, dass sie mich als Gewinnerin ausgesucht hatten, war wie eine dicke Belohnung für mich. Oh ja, ich erinnere mich noch gut daran.
Meine Mutter kochte jeden Abend für uns. Jeden Abend! Abendessen im Restaurant waren eine Seltenheit, die wir für den Silvesterabend und ab und zu für Pausen während langer Autofahrten reservierten. „Wie viel dürfen wir ausgeben?“, fragten wir dann immer, während wir über den Verlockungen der Speisekarte brüteten. Meine Mutter trug keinen Perlenschmuck, aber stets eine Schürze. Und wenn sie nicht gerade „Bridge“ spielte, ehrenamtlich in der Kirche tätig war oder das Haus putzte, war sie in der Regel in der Küche anzutreffen.
An den meisten Tagen schmiss ich mich nach der Schule vor den Fernseher. Auch vierzig Jahre später kann ich noch die Melodien der Reklamespots singen, die damals ausgestrahlt wurden. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich jemals irgendwelche Hausaufgaben aufgehabt hatte.
Meine Güte, hat sich die Welt von damals verändert! Ich wette, als du zehn warst, hat deine Mutter keine Schürze getragen. Ganz bestimmt hattest du im vierten Schuljahr (oder auch schon eher) Hausaufgaben auf und bist danach zum Reiten oder zum Klavierunterricht gegangen. (Was hast du nach der Schule gemacht?) Hast du mit acht Jahren mit deiner Familie zusammen am Tisch zu Mittag gegessen oder saßt du dabei im Auto, vor dem Fernseher oder Computer? Kannst du dich an Sendungen oder Werbespots erinnern, die du besonders gerne gesehen hast, oder an Spiele, die du gern gespielt hast?
Als ich sechzehn war, war ich noch davon überzeugt, dass ich eine megatolle Kindheit gehabt hatte. Aber irgendwann wurde mir bewusst, dass meine Familie vielleicht gar nicht so perfekt war, wie ich gedacht hatte, und das riss mir fast den Boden unter den Füßen weg.
Es ist wichtig, sich zu erinnern. Aber es ist genauso wichtig, dabei ehrlich zu sein. (Zumindest dann, wenn wir dazu bereit sind und von Gott darin unterstützt werden.)
Wenn ich ehrlich bin, dann ist die Melodie meiner Kindheit auch das Klackern von Eiswürfeln im Glas und der Geruch von Whisky. Es ist der Klang bissiger Bemerkungen, die meine Eltern sich mit tödlicher Treffsicherheit gegenseitig an den Kopf warfen und das klatschende Geräusch eines Ledergürtels, kurz bevor damit zugeschlagen wurde. Es ist die betäubende Eintönigkeit des Fernsehens und das Geräusch von Bierdosen, die geöffnet wurden. Es ist das Gefühl von einem sich vor Angst verkrampfenden Magens, das Gefühl von Verlassenheit und der unerfüllte Wunsch, man möge doch mit mir spielen. Es ist der greifbare Schmerz der Sehnsucht nach Annahme, Bestätigung und Wertschätzung. Es ist das Gefühl, kläglich versagt zu haben.
Während ich mich an die verschiedenen Stationen meines Lebens erinnerte, zeigte mir Gott die ganze Wahrheit. Ich hatte Verluste, Kummer und tiefen Schmerz erlebt. Das machte mich zunächst sehr wütend. Aber dann, ganz, ganz langsam, zog die Barmherzigkeit bei mir ein, ich erlebte Vergebung, Heilung und Liebe.
Meine Kindheit war keine Idylle. Ich denke, das kann keiner von sich behaupten, und deshalb wette ich, dass auch deine Kindheit nicht perfekt war. Aber ein tieferes Verständnis unserer Lebensgeschichte führt zu einem tieferen Verständnis unserer Person – wer wir sind und wozu Gott uns geschaffen hat. Ja, da gibt es garantiert Kummer und Leid, aber da ist auch Schönheit.
Wie würdest du die Melodie deiner Kindheit in den ersten zehn Lebensjahren beschreiben? An welche Melodien erinnerst du dich gern? Welche findest du weniger schön?
Von der Kindheit geprägt
Die ersten zehn Lebensjahre eines Menschen vergehen leider viel zu schnell, doch sie beeinflussen sein ganzes weiteres Leben. Ob nun eher gut oder schlecht, die Kindheit der meisten Menschen besteht aus einer Mischung von beidem. Diese ersten Jahre sollten von den Problemen der Erwachsenen weitgehend frei und unbelastet sein. Es sind die Jahre voller Staunen, voll mit Seifenblasen, Kreidekunstwerken auf dem Bürgersteig und fantasievollen Wolkenbildern. Es ist die Zeit des Entdeckens und Erforschens, gefüllt vom Klang quietschender Schaukeln und dem Duft der Blumen. Diese prägenden ersten Jahre sind der Grundstein für den Rest unseres Lebens.
Wie waren deine ersten zehn Lebensjahre? Was hat dir gefallen? Welche Spiele hast du geliebt? Hat man dich geliebt? Hast du das Gefühl, dass man dich heute liebt?
Wie warst du als kleines Mädchen? Denk einmal einen Moment darüber nach. Wie würdest du dich damals beschreiben? (Hübsch, lebhaft, einsam, verängstigt …)
Halte einige Augenblicke still vor Gott. Frag ihn, wie er dich als kleines Mädchen beschreiben würde. Was denkst du, was er sagt?
Welche Kindheitserinnerung gehört zu deinen liebsten?
Als jüngste von fünf Töchtern wuchs Annie im ländlichen Minnesota auf, umgeben von einer weitläufigen, offenen Landschaft und einer großen Familie. Ihr blondes Haar und ihre blauen Augen passten gut zu ihrer holländischen Herkunft, im Gegensatz zu ihrem schwachen, kranken kleinen Körper. Annie litt an schwerem Asthma. Sie konnte weder Sport treiben noch an spontanen Fußballspielen mit den Nachbarskindern teilnehmen. Wenn es Zeit zum Schlafengehen war, hatte sie furchtbare Angst und verbrachte deshalb die meisten Nächte auf einer Matratze im Schlafzimmer ihrer Eltern. Die Allergien, die sie quälten, ließen es nicht zu, dass sie an Gewicht zunahm, tief durchatmen und unbeschwert leben konnte. Wenn Annie von ihrer Kindheit spricht, beschreibt sie sich selbst als kränklich, mager und einsam.
Wie können sportliche Eltern, die ihren aktiven Kindern zugetan sind, einem unsportlichen, kränklichen, am Rande stehenden Kind Liebe und Anerkennung...




