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E-Book

E-Book, Deutsch, 560 Seiten, Format (B × H): 135 mm x 215 mm

Eisenschenk Wolfsfährte

Niederbayern-Krimi
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-96233-507-6
Verlag: Allitera Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Niederbayern-Krimi

E-Book, Deutsch, 560 Seiten, Format (B × H): 135 mm x 215 mm

ISBN: 978-3-96233-507-6
Verlag: Allitera Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Gregor Cornelius reist voller Vorfreude nach Niederbayern, um die Chronik der mittelalterlichen Stadt Altenberg zu überarbeiten. Kurz vor seinem Ziel entgeht er nur knapp einem Unfall, der offenbar durch illegale Autorennen auf den nächtlichen Straßen verursacht wurde. Währenddessen sorgt die Anwesenheit eines Wolfes im nahegelegenen Forst für Unruhe und steigende Forderungen nach einem Abschuss. Bürgermeisterin Christina Bogner, die sich als Politneuling behaupten muss, wird zunehmend mit Hass, Hetze und Drohungen konfrontiert - insbesondere wegen ihres starken Einsatzes für den Umwelt- und Artenschutz. Eines Morgens wird sie tot in ihrem Haus aufgefunden. Die Landshuter Mordkommission stößt auf ein Netz aus Intrigen, Lügen und Geheimnissen, während Cornelius allmählich einen furchtbaren Verdacht hegt, der ihn nicht mehr loslässt.

Ihre Schriftstellerkarriere beginnt Karoline Eisenschenk, geboren 1975, noch während ihrer Studienzeit unter dem Pseudonym Katelyn Edwards mit Krimis im britischen Universitätsmilieu (u. a. »Pfadfinderehrenwort«), ehe sie die niederbayerische Regionalkrimireihe um den Privatermittler Gregor Cornelius, einem emeritierten Münchner Geschichtsprofessor, ins Leben ruft. Es erscheinen »Walpurgisnacht« (2012), »Der letzte Tanz« (2014), »Bluternte« (2017) und »Fahnenweihe« (2022). Das aktuelle Buch »Wolfsfährte« ist die fünfte Fortsetzung dieser Reihe. Die Autorin lebt heute in Niederbayern und arbeitet an weiteren Regional- und UK-Krimis.
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Kapitel 1

Vater unser im Himmel

Die Uhr im Wageninneren zeigte bereits kurz vor halb zehn, als Gregor Cornelius in die Bundesstraße Richtung Norden einbog.

Ein Lkw-Unfall auf der Autobahn hatte einen Stau verursacht, sodass er später als geplant sein Ziel Neukirchen ansteuerte. Doch Cornelius bereute es nicht, erst am Nachmittag in Österreich losgefahren zu sein, wo er mit seiner Frau Ramona drei entspannte Urlaubswochen verbracht hatte. Die gemeinsame Auszeit hatte ihnen nach turbulenten Zeiten und einer schlimmen Ehekrise gutgetan und sie noch enger zusammenrücken lassen. Zerstritten, gekränkt, missverstanden, uneinsichtig … sie hatten einander nichts geschenkt, sich regelrecht bekriegt, und in den bittersten Momenten war er sich nicht sicher, ob sie jemals wieder zueinanderfinden würden. Wie viel Zeit sie doch mit gegenseitigen Schuldzuweisungen, Kränkungen und schließlich eisernem Schweigen vergeudet hatten. Jede Minute an Ramonas Seite war für ihn seitdem ein kostbares Geschenk, dessen Wert er beinahe für immer verloren hätte.

In den Jahren zuvor waren sie oft getrennt verreist – er nach Niederbayern ins beschauliche Neukirchen, das er, wenngleich im Herzen eine Großstadtpflanze, sehr liebgewonnen hatte. Ramona hingegen hatte dem Dorf unweit von Landshut stets mondänere Reiseziele oder Unternehmungen vorgezogen. Diesen war Cornelius nur allzu gerne entkommen, was vor allem am illustren Freundeskreis seiner Frau gelegen hatte. Obwohl sie als jüngstes Urlaubsdomizil Kitzbühel gewählt hat-ten – seines Zeichens nicht unbedingt ein Synonym für Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit –, war in diesen drei Wochen doch alles anders gewesen. Und das lag nicht nur daran, dass sie endlich einmal wieder gemeinsam unterwegs waren.

Ramonas Freundin Caroline von Greifenberg, die nach dem Tod ihres Ehemannes eine neue Heimat in Kitzbühel gefunden hatte, hatte sich als wunderbare Gastgeberin und begeisterte Fremdenführerin entpuppt. Nichts war mehr übrig von der einst so glamourösen Freifrau, die Neukirchen mit einem arroganten Lächeln bedacht und Ramona den dortigen Urlaub mit Cornelius gerne ausgeredet hatte. Ein furchtbares Ereignis im Vorjahr hatte nicht nur die Krise in seiner eigenen Ehe ausgelöst, sondern Caroline als tief trauernde Witwe zurückgelassen und ihre bis dahin abgehobene Weltsicht, um nicht zu sagen ihr ganzes bisheriges Leben, zum Einsturz gebracht. Cornelius’ Beitrag zur Verhaftung des Täters hatte schließlich die letzten Barrieren zwischen ihnen eingerissen, sodass er und Caroline mittlerweile einen liebevollen Umgang pflegten. Wäre ihm das vor zwölf Monaten prophezeit worden, hätte er nur ungläubig den Kopf geschüttelt, so undenkbar war ihm eine ehrliche Freundschaft all die Jahre hinweg erschienen.

Die nächsten beiden Wochen würden Cornelius und Ramona allerdings getrennt voneinander verbringen, ein Umstand, der ihm trotz aller Vorfreude auf Neukirchen nicht sonderlich behagte. Ramona war bei Caroline in Kitzbühel geblieben, um ihr bei einem Tierschutzprojekt unter die Arme zu greifen, wohingegen er seinem Steckenpferd, der Arbeit mit historischen Dokumenten, nachgehen würde. Der Anruf aus dem Altenberger Rathaus, ob er an einer Überarbeitung und Weiterführung der Stadtchronik Interesse hätte, hatte mitten in sein für Geschichte schlagendes Herz getroffen. Dr. Christina Bogner, seit einigen Monaten Stadtoberhaupt von Altenberg, hatte am Telefon nicht nur überaus sympathisch geklungen. Sie wollte ihm auch jedwede Freiheit bei seinen Recherchen und der Ausarbeitung der Chronik lassen. Nachdem er sich Ramonas Zustimmung sicher sein konnte, hatten Cornelius und die Bürgermeisterin einen ersten Termin vereinbart. Dieser würde morgen Nachmittag im Altenberger Rathaus stattfinden.

Nun allmählich doch etwas geschafft von einem langen Tag und den Stunden am Steuer, fuhr Cornelius über die Bundesstraße. Bis zur Abzweigung nach Neukirchen war es nicht mehr weit, und es herrschte zum Glück nur wenig Verkehr. Jetzt, Ende Juli, merkte man bereits die kürzer werdenden Tage. Noch war es zwar nicht dunkel, aber die Dämmerung tauchte Wiesen, Felder und Wälder in ein diffuses Licht. Die Getreideernte in diesem heißen und trockenen Sommer war schon vorüber, wie er an den zahlreichen Strohballen auf den Stoppelfeldern erkennen konnte. Lächelnd musste er dabei an seine eigene Mähdrescherfahrt vor einigen Jahren denken. Der junge Mann am Steuer hatte das gewaltige Gefährt so zielsicher und achtsam gelenkt, als säße er in einem Kleinwagen. Besagten Sommer würde Cornelius ohnehin nie vergessen – waren am Ende doch zwei Mordfälle aufgeklärt und eine Bande von Drogenschmugglern dingfest gemacht worden.

Robert Thorwald, dem Leiter der Landshuter Mordkommission, ging es wohl ähnlich, wenngleich aus anderen Gründen. Er hatte Cornelius’ Beteiligung alles andere als gern gesehen – immerhin war er den Beamten mit seiner Anwesenheit nicht zum ersten Mal ins Gehege gekommen. Und es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein, hatten ihn die dramatischen Ereignisse im Vorjahr doch erneut in den schlimmsten Abgrund der menschlichen Seele blicken lassen. Noch heute machten ihn die Kälte, der Hass und die Brutalität des Täters fassungslos und ließen ihn nachts oft wach liegen. Wie es wohl Bernadette Ziegler und ihrer Familie ergangen war? Am Tag seiner Aussage im Strafprozess hatte er niemanden aus Elenas Familie bei Gericht gesehen. Ihr Schicksal hatte ihn tief bewegt und nie ganz losgelassen. Er würde hoffentlich bald Gelegenheit haben, mit Bernadette zu sprechen.

Je näher er Neukirchen kam, umso mehr wuchs auch jetzt seine Vorfreude. Auf die stattlichen Bauernhöfe entlang der Hauptstraße, Roswitha Försters Gemischtwarenladen (von bösen Zungen auch Hauptquartier des Dorfsheriffs genannt), auf St. Ulrich, die wunderbare Dorfkirche mit ihren charakteristischen Treppengiebeln, und auf Anna Leitner, die Wirtin des Gasthauses und eine über die Jahre sehr liebgewonnene Freundin. Nicht zu vergessen die Überarbeitung und Neufassung der Altenberger Stadtchronik, dem eigentlichen Grund seiner Reise nach Niederbayern. Dass die Bürgermeisterin ihn als Außenstehenden mit dieser Aufgabe betraut hatte, erfüllte ihn, wenn er ehrlich war, ein kleines bisschen mit Stolz.

Während er noch über sein Telefonat mit Christina Bogner nachdachte, bemerkte Cornelius in der Ferne Scheinwerfer, die rasch näherkamen. Er brauchte eine Sekunde, bis er realisierte, dass sich vier Lichtkegel nebeneinander befanden. Ein ungutes Gefühl beschlich ihn, und sofort war der Beinaheunfall aus dem Spätherbst wieder präsent. Damals war es die Tat eines verzweifelten Menschen gewesen, die ihn und seine Beifahrerin Anna Leitner um ein Haar in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt hätte. Jetzt konnte es sich nur um ein leichtsinniges Überholmanöver handeln. Nichtsdestotrotz rasten die beiden Scheinwerfer geradewegs auf ihn zu. Sein Herzschlag beschleunigte. Hektisch blendete Cornelius mehrmals auf. Der Fahrer musste ihn doch bemerkt haben. Er bremste scharf ab und lenkte den Wagen so weit wie möglich nach rechts. Notfalls musste er in das angrenzende Maisfeld ausweichen, auch wenn er nicht wusste, wo und wie er dort unter all den Stängeln schließlich zum Stehen kommen sollte. Vom rechten vorderen Kotflügel ertönte ein dumpfer Schlag, doch Cornelius’ ganze Aufmerksamkeit galt den Scheinwerfern auf seiner Straßenseite, die wie Kometen auf ihn zuschossen. Als sie noch etwa zweihundert Meter voneinander entfernt waren, hatte es das eine

Auto endlich geschafft, das andere zu überholen. Mit einem waghalsigen Manöver und ohne die Geschwindigkeit zu drosseln, zog der Fahrer den Wagen im allerletzten Moment zurück auf die rechte Spur. Den Bruchteil einer Sekunde später stoben beide Fahrzeuge an Cornelius vorbei. Das Ganze war so blitzschnell über die Bühne gegangen, dass er weder die Insassen noch eines der Kennzeichen hatte erkennen können. Zwei dunkle Autos, tiefergelegt, mit Heckspoilern und röhrenden Motoren. Er brauchte ein paar Minuten, bis er den ersten Schreck verdaut hatte und wieder klar denken konnte. Erst jetzt bemerkte er, dass er den Motor abgewürgt hatte. Mit zittrigen Fingern betätigte er den Zündknopf und gab Gas, aber schon nach wenigen Metern gehorchte ihm das Lenkrad nicht mehr. Cornelius bremste erneut ab und brachte den Wagen am Straßenrand schließlich zum Stehen. Nachdem er das Warnblinklicht eingeschaltet hatte, stieg er aus, um das Schlamassel zu begutachten. Und tatsächlich – sein rechter Vorderreifen hatte durch den Ausflug in das Bankett einen Platten davongetragen.

Leise vor sich hin schimpfend holte er sein Mobiltelefon hervor und wählte die Nummer des Abschleppdienstes. Am anderen Ende der Leitung wurde ihm freundlich, aber bestimmt mitgeteilt, dass er aufgrund eines hohen Aufkommens mindestens zwei Stunden auf Hilfe warten müsse. Cornelius lehnte dankend ab und beschloss, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Nervös ging Benedikt Rehberg im Wohnzimmer auf und ab. Wo Anna nur so lange blieb? Dabei hatte sie schon vor über einer halben Stunde zu Hause sein wollen. Beim Geräusch eines heranfahrenden Wagens verharrte er im Türrahmen. Es war allerdings nur einer der Nachbarn, wie er nach einigen Sekunden feststellen musste. Er...


Eisenschenk, Karoline
Ihre Schriftstellerkarriere beginnt Karoline
Eisenschenk, geboren 1975, noch während ihrer Studienzeit unter dem Pseudonym Katelyn Edwards mit Krimis im britischen Universitätsmilieu
(u. a. »Pfadfinderehrenwort«), ehe sie die niederbayerische Regionalkrimireihe um den Privatermittler Gregor Cornelius, einem emeritierten Münchner Geschichtsprofessor, ins Leben ruft. Es erscheinen »Walpurgisnacht« (2012), »Der letzte Tanz« (2014), »Bluternte« (2017) und »Fahnenweihe« (2022). Das aktuelle Buch »Wolfsfährte« ist die fünfte Fortsetzung
dieser Reihe. Die Autorin lebt heute in Niederbayern und arbeitet an weiteren Regional- und UK-Krimis.



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