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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 412, 64 Seiten

Reihe: Alpengold

Eibner Alpengold 412

Das tote Herz
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7517-5667-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Das tote Herz

E-Book, Deutsch, Band 412, 64 Seiten

Reihe: Alpengold

ISBN: 978-3-7517-5667-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Bis über beide Ohren hat sich Bertl Sommer in die Christa verliebt, eine Magd, die auf dem Sommer-Hof tüchtig schafft, und er ist fest entschlossen, sie zu heiraten. Seine Eltern, die ihm den Hof übergeben haben und ins Austragshäusl gezogen sind, aber noch fleißig mit anpacken, sind nicht einverstanden mit seiner Wahl. Sie mögen Christa nicht. Auch Bertls Freunde spotten, witzeln, sticheln und machen immer wieder versteckte Andeutungen, sie könnte vielleicht doch nicht die Richtige sein.
Doch Bertl schlägt alle Warnungen in den Wind, denn er ist ganz sicher, mit diesem bildschönen, tugendhaften Dirndl, das ihm immer wieder seine heiße Liebe gesteht, das große Los gezogen zu haben. An diesem Glauben hält er unbeirrt fest, bis er Christa eines Tages im Heu mit einem anderen erwischt ...

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Das tote Herz

Darum glaubte er nicht mehr an Mädchentreue

Von Toni Eibner

Bis über beide Ohren hat sich Bertl Sommer in die Christa verliebt, eine Magd, die auf dem Sommer-Hof tüchtig schafft, und er ist fest entschlossen, sie zu heiraten. Seine Eltern, die ihm den Hof übergeben haben und ins Austragshäusl gezogen sind, aber noch fleißig mit anpacken, sind nicht einverstanden mit seiner Wahl. Sie mögen Christa nicht. Auch Bertls Freunde spotten, witzeln, sticheln und machen immer wieder versteckte Andeutungen, sie könnte vielleicht doch nicht die Richtige sein.

Doch Bertl schlägt alle Warnungen in den Wind, denn er ist ganz sicher, mit diesem bildschönen, tugendhaften Dirndl, das ihm immer wieder seine heiße Liebe gesteht, das große Los gezogen zu haben. An diesem Glauben hält er unbeirrt fest, bis er Christa eines Tages im Heu mit einem anderen erwischt ...

»Bertl! Hörst du nicht? Warte auf mich, es ist wichtig!«, schrie der Lieser-Heinrich und rannte hinter dem Pferdewagen des Sommer-Bauern her. »Bleib doch stehen!«

Erst auf dem Kirchenplatz von Kastling hörte Bertl Sommer das Gejammer. Er hielt das Pferd an, drehte sich um und schaute dem Heinrich entgegen, der mit seinem zerschlagenen Bein mühsam angehumpelt kam. Schweiß rann ihm über die Stirn, denn er hetzte schon seit dem Magazin der Bahnstation dem Wagen nach.

»Was gibt's, Heinrich?«, fragte er.

Der musste erst verschnaufen. Sicherheitshalber hielt er sich am Eisengriff des Kutschbocks fest.

»Drei großartige Nachrichten, Bertl«, antwortete er, als er wieder einigermaßen Luft bekam. »Was sind sie dir wert?«

Der Sommer-Bauer ließ sich nicht anmerken, wie wenig er von dem geheimnisvollen Getue Heinrichs hielt, sondern überlegte und schätzte seinen Geldvorrat ab.

»Fünf Euro für jeden wichtigen Tipp«, antwortete er dann.

Über das abgehärmte Gesicht Heinrichs huschte ein glücklicher Schein. Er flüsterte nur noch, als fürchte er Lauscher.

»Der Obersteiner verkauft eine gute Zuchtsau. Du kannst ihn ruhig um einen Hunderter herunterhandeln. Dann hast du durch meinen Rat fünfundneunzig Euro verdient.«

»Kann sein.« Bertl Sommer gab sich ganz ernsthaft. »Zweiter Rat?«

»Bring alles Korn, das du noch hast, ins Lagerhaus! Die zahlen jetzt einen Superpreis für gute Qualität. Und was du auf deinem Hof anbaust, ist allerweil erstklassig.«

»Das macht für dich den zweiten Fünfer«, entschied der junge Bauer.

Heinrich senkte seine Stimme vom Flüstern zum Hauchen, kam mit dem Kopf ganz nah, sodass sich der Sommer-Bertl zu ihm hinunterbeugen musste. Dann erst gab er sein drittes Geheimnis preis.

»Die Kathi ist wieder einmal ohne Schatz. Weil sie halt gar so leichtfertig tut, ist ihr der Sohn vom Sägewerk davongelaufen. Wenn du dir einen schönen Abend machen willst, musst du nur an ihr Kammerfenster klopfen. Aber beeil dich, denn sie bleibt nicht lang eine trauernde Witwe!«

Der Sommer-Bauer holte seinen Geldbeutel hervor. Er hielt dem Heinrich einen Zehner hin.

»Deinen dritten Rat brauch ich nicht, denn ich hab das sauberste und liebste und anständigste Dirndl von ganz Kastling lieb. Meiner Christa bleib ich treu, und wenn mir zehn leichtfertige Kathis die Fenster aufmachen. Alsdann, bis zu unserem nächsten Geschäft!«

»Dank dir, Bertl. Du bist halt ein Mensch mit einem guten Herzen für alle, die in Not sind. Jetzt kann ich für meine Mutter das warme Wolltuch kaufen. Wo sie doch das Reißen schon wieder so arg plagt!«

Er schreckte zusammen, griff sich hastig den Geldschein und humpelte davon.

Noch rechtzeitig hatte er nämlich den Pfarrer, Hochwürden Hannes Rainer, vor dem Kirchentor stehen gesehen.

Bertl grüßte und wollte weiterfahren, aber da gab ihm der geistliche Herr ein Zeichen, er solle zu ihm kommen.

»Weißt du, Bertl, dass dich der Heinrich belügt und betrügt?«, fragte der Pfarrer in strengem Ton.

»Freilich weiß ich das, Herr Pfarrer«, antwortete der Bauer zu seiner Überraschung lachend. »Der Obersteiner hat sein Schwein schon vorige Woche verkauft. Im Lagerhaus zahlen sie nicht mehr als den üblichen Getreidepreis. Und was mir der Heinrich sonst zugeflüstert hat, interessiert mich nicht. Aber ich hab ihm halt einen Zehner gegeben. Das erwartet er von mir, weil ich zu den reicheren Bauern gehöre. Da schulde ich's einem armen Teufel, dass ich ihm hie und da ein paar Euro zusteck.«

»Er stiehlt dem lieben Herrgott den Tag!« Hochwürden Rainer blieb unerbittlich streng.

»So ist das wahrscheinlich auch wieder nicht«, widersprach ihm der Bertl. »Beim Holzmachen hat ihm ein Baum das Bein zerschlagen, und die meisten Bauern sind zu habgierig, als dass sie einen Behinderten, der nicht mehr recht zupacken kann, als Knecht einstellen.«

Um nicht als hartherzig dazustehen, musste der Pfarrer alles sagen, was ihn ärgerte.

»Ich les' dem Heinrich von den Lippen ab«, sagte er daher geradeheraus. »Was hat er dir als dritte Nachricht verkaufen wollen?«

Auf keinen Fall wollte Bertl Hochwürden ins Gesicht lügen. Also ließ er die Katze aus dem Sack.

»Wenn du's ohnehin von seinen Lippen abgelesen hast, muss ich ihn nicht vertratschen. Er hat mir den Namen von einer Dirn gesagt, die ihr Kammerfenster möglicherweise offen lässt. Aber dafür hat er nichts von mir bekommen. Du weißt, Herr Pfarrer, dass ich meine Christa lieb hab. Ihre Treue und Anständigkeit werd ich nicht vergelten, indem ich zu einer anderen in die Kammer steig. Es wird auch nicht mehr lang dauern, bis wir zu dir kommen und das Aufgebot bestellen. Jetzt weißt du alles, was mir der Heinrich hat verkaufen wollen.«

Hochwürden Hannes Rainer hatte dem Bauern nur mit halbem Ohr zugehört.

»Du bist halt nicht nur gutmütig, sondern auch gutgläubig, Bertl«, meinte der Pfarrer nun seufzend. »Übertreib deine Nächstenliebe nicht, denn sonst stehst du eines Tages als der Dumme da!«

Als Bertl Sommer mit dem Pferdewagen über die Hauptstraße weiter zu seinem Hof fuhr, grübelte er noch darüber nach, wie der Pfarrer seine Worte gemeint haben könnte. Redete er nur davon, dass man dem Heinrich nicht auf sein treuherziges Geschau hereinfallen sollte? Es wusste ohnehin jeder, dass er für das erbettelte Geld der Mutter kein Wolltuch kaufte, sondern jeden Euro ins Wirtshaus trug.

Bertl schüttelte den Kopf, als wollte er damit unangenehme Gedanken verjagen.

»Geh, unser Pfarrer wird doch kein Dirndl schlechtmachen!«, murmelte er vor sich hin. »Akkurat meine Christa geht jeden Sonntag und zu allen Maiandachten in die Kirche. Gegen so en Madl kann niemand etwas sagen.« Er lächelte still vor sich hin. »Ist doch klar, dass die Mutter meint, für mich wär' kein Dirndl gut genug! So sind sie halt alle, die Mütter!«

Und sein Vater konnte es nicht überwinden, dass der einzige Sohn keine Bauerntochter, sondern eine Magd heiraten wollte. Dazu noch eine vom eigenen Hof!

***

Die Bank vor dem Austragshäusl war unbesetzt, denn die Eltern wussten genau, dass sie noch nicht ausruhen konnten. Das hätten sie auch gar nicht gewollt. Der alte Sommer-Bauer war mit seinen zweiundfünfzig Jahren noch nicht alt, aber die schwere Arbeit hatte ihn doch zeitig müde werden lassen.

»Wer auf dem Hof die meiste Arbeit packt und richtig wirtschaftet, soll der Bauer sein«, hatte er zu seinem Sohn gesagt.

Damit hatte er übergeben und sich mit der Bäuerin ins Austragshäusl zurückgezogen. Aber weiterhin arbeitete er bis an die Grenzen seiner Kräfte, und zu jeder Stunde stand er Bertl mit der Erfahrung seines Lebens zur Seite.

Auf dem Sommer-Hof gab es keine Feindseligkeit zwischen Vater und Sohn, keine Schwierigkeiten von einer Generation zur nächsten. Wenn halt nicht die Geschichte mit der Christa gewesen wäre: Der Rupert Sommer mochte die Dirn nicht, die nun bald die nächste, die junge Sommer-Bäuerin sein würde.

Noch schwerer machte die Mutter ihrem Bertl das Leben. Von Kindheit an hatte er an ihrer Schürze gehangen, sodass ihn die anderen Schulbuben oft als »Mutterbuberl« verspottet hatten. Nie hatte es zwischen ihnen Streit gegeben, nie ein Geheimnis. Bis Bertl ihr gestanden hatte, er habe die Christa lieb.

Zuerst hatte die Mutter noch recht viel Verständnis gezeigt, denn ein junger, gestandener Bursch brauchte allerweil etwas fürs Herz. Als er aber davon gesprochen hatte, er wolle die Christa heiraten, da hatte ihm die Mutter von so einer Liebschaft abgeraten. Und der Christa wurde sie richtig feind!

An all das dachte Bertl auch jetzt wieder, weil der Pfarrer mit seiner Anspielung in eine offene Wunde gestoßen hatte. Die Eltern fand er nicht auf dem Hof.

»Sie fühlen sich wieder ganz gesund und wollen, dass man sie noch braucht«, sagte Bertl da mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen. »Das Altenteil ist noch lang nichts für sie. Wenn die Christa erst einmal meine Frau ist, werden sich der Vater und die Mutter auch an sie gewöhnen. Allerweil noch besser, aus einer Magd wird eine Bäuerin,...



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