Ederer | Das Volk der Bergwälder | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 1, 236 Seiten

Reihe: Das Volk der Bergwälder

Ederer Das Volk der Bergwälder

Teil 1 - Nicht Krieg, nicht Frieden
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7597-4818-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Teil 1 - Nicht Krieg, nicht Frieden

E-Book, Deutsch, Band 1, 236 Seiten

Reihe: Das Volk der Bergwälder

ISBN: 978-3-7597-4818-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



New Mexico, Anfang der 1870er Jahre - die Mescalero Apachen haben nach langen Jahren des Konflikts ihr Reservatsland in den Sacramento Mountains zugewiesen bekommen. Doch Hunger, Krankheiten und Feindseligkeiten verhindern ein friedliches Zusammenleben mit den amerikanischen Siedlern. Zur gleichen Zeit ist die verwitwete Eve auf die Ranch ihrer Eltern zurückgekehrt. Sie ist nicht bereit, die gängigen Vorurteile über die Apachen zu teilen und beginnt zunächst vorsichtig, dann immer entschlossener, den Mescalero zu helfen. Ihre Wege kreuzen sich mit einem Krieger der Mescalero. Doch die Gemeinschaft der amerikanischen Siedler hat kein Verständnis für einen respektvollen Umgang mit den ersten Bewohnern dieses Landes, und der Konflikt spitzt sich zu.

Veronika Ederer studierte Ethnologie, Vor- und Frühgeschichte sowie Anthropologie und Humangenetik in München und Frankfurt. Nach ihrer Promotion war sie als freiberufliche Ethnologin vor allem in Schulen tätig. Seit mehr als 10 Jahren arbeitet als Begabtenförderlehrperson in Zürich. Die Autorin reist regelmäßig zu Recherchezwecken in den amerikanischen Südwesten und publiziert Artikel und Fachbücher. Dies ist ihr erster Roman.

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1. SAND UND SONNE
Ein Erlebnis als kleines Kind ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Ich war vielleicht vier Jahre alt, als sie kamen; fünf, sechs Männer auf kleinen, zäh aussehenden Ponys, mit langen Holzbögen, stiefelähnlichen Mokassins aus Leder und Stofftüchern, die sie um die Stirn geschlungen hatten. Ich weiß noch, dass sie alle dunkles, schulterlanges Haar hatten und außer einem Lendenschurz aus Leder, breiten Stoffgürteln und ihren Schuhen keine Kleider trugen. Sie ritten langsam auf unser Hoftor zu, der immer wehende Wind wirbelte den Sand unter den Hufen ihrer Pferde auf und blies ihn allmählich in unsere Richtung. Aus irgendeinem Grund, den ich damals nicht verstand, ließ mein Vater die Axt sinken, mit der er das trockene Holz spaltete, und meine Mutter kam hastig aus dem Haus gelaufen, um mich hochzuheben, die ich auf der Veranda mit Stöckchen und Steinen spielte. Unsere zwei Landarbeiter, hagere Männer mit dunklen Vollbärten, sahen von ihrer Arbeit auf und griffen zu den Gewehren, die sie an den Schuppen gelehnt hatten. Die Männer auf den Pferden hielten ein paar Schritte vor unserem Holzzaun, ihre Pferde scharrten nervös mit den Hufen. Meine Mutter hatte mich längst hochgerissen und blieb, mich ängstlich an sich gedrückt, an der Ecke der Veranda stehen. Mein Vater stand nun auch mit einem Gewehr bewaffnet im Hof und wartete. Die Sonne warf kurze Schatten, es war früher Nachmittag, und die Hitze lastete bleiern über dem Land. Schließlich bewegte sich einer der Reiter, er trieb sein Pferd kurz an und ritt durch unser Tor. Dann blieb er stehen, hob eine Hand und sagte etwas zu meinem Vater. Ich verstand es damals nicht, da ich zu weit entfernt war, und der Reiter nur gebrochen Spanisch sprach. Ein paar Augenblicke vergingen, dann nickte mein Vater und deutete auf den Wassertrog vor dem Schuppen, an dem wir unsere Pferde tränkten. Meine Mutter zuckte heftig zusammen, als der Reiter sich näherte, und hinter ihm setzten sich die anderen Männer in Bewegung. Sie ritten zum Trog und ließen die Pferde trinken, während unsere beiden Arbeiter in einiger Entfernung nervös und lauernd warteten. Mein Vater schritt nun langsam auf meine Mutter zu und sagte zu ihr: „Sei so gut und bringe den Männern Kaffee.“ Meine Mutter wich ängstlich zurück und erwiderte: „Es sind Apachen, das weißt Du?“ „Natürlich, aber sie kommen nicht als Feinde. Wenn wir hier in dem Land leben wollen, dann sollten wir sie nicht gleich bei der ersten Begegnung erschießen.“ Meine Mutter antwortete nicht mehr, sondern drehte sich um und schritt mit mir durch die Türe in unser Haus. Dort setzte sie mich in eine Ecke des Raumes und holte die heiße Kaffeekanne vom Herd. „Du bleibst im Haus!“ sagte sie streng, als ich aufstehen und ihr folgen wollte. Doch sie schloss die Türe nicht, als sie wieder auf die Veranda trat, und so konnte ich, am Türrahmen stehend, hinausblicken. Mein Vater hatte frisches Maisbrot vom Tisch auf der Veranda geholt und in Stücke gebrochen. Nun bot er den Männern das Brot an, während meine Mutter mit zitternden Händen den starken, schwarzen Kaffee in Blechtassen goss. Ich konnte sehen, dass die Reiter überrascht waren, das Brot und den Kaffee aber gerne nahmen. Während sie aßen, blickte sich der Mann, der gesprochen hatte, zum Haus um und sah mich in der Türe stehen. Er fragte meinen Vater etwas, und als mein Vater nickte und meinen Namen nannte, lächelte der Mann. Wieder fragte er etwas, und mein Vater versuchte zu erklären. Später erzählte mir mein Vater, der Apache habe zuerst wissen wollen, ob ich seine Tochter sei, und dann, was mein Name, Eve, bedeutete. Er habe ihm erklärt, dass es der Name der ersten Frau gewesen sei und „Leben“ bedeute. Der Apache zeigte sich beeindruckt und versicherte meinem Vater, dass dies ein starker Name für ein Kind sei. Schließlich gaben die Männer die Blechtassen an meine Mutter zurück, schwangen sich auf ihre Pferde und ritten ohne Gruß aus unserem Tor hinaus. Ich sah ihnen nach, während der aufwirbelnde Sand mir allmählich die Sicht verdeckte, und ich fragte mich, wer oder was Apachen waren. **** Helles Sonnenlicht durchflutete mein Zimmer, brach durch die Leinenvorhänge und ließ den Staub tanzen. Es war früher Morgen, die Welt war noch still, bis auf den ewigen Wind. Kaum, dass ich die Augen öffnete, drehte ich mich zur anderen Bettseite, doch dort lag niemand. In diesen Augenblicken vermisste ich ihn am meisten, aber das Gefühl ging schnell vorüber. Ein Jahr war es nun her, dass er gestorben war, und der Schmerz war längst aus mir gewichen. Wir waren nur kurz verheiratet gewesen, und sogar in der kurzen Zeit war es uns gelungen, uns zu entfremden. Rückblickend war er ein Graben in meinem Leben, über den der Blick ohne Störung hinweg huscht, kein Berg, von dem der Blick widerhallt. Ich erhob mich langsam, streckte mich und spürte, dass ich kein junges Mädchen mehr war, erst recht nicht in den Augen meiner Eltern. Nach dem Tod meines Mannes war ich wieder auf die Ranch meines Vaters zurückgekehrt, und dort lebte ich nun, als eine Mischung aus Witwe und Tochter, unentschlossen zwischen Vergangenheit und Zukunft. Ich war 1845 in Kansas City zur Welt gekommen, zu einer Zeit, als am Rio Pecos die Überfälle der Apachen auf die mexikanischen und amerikanischen Siedlungen ihren Höhepunkt erreichten, und kurz vor Ausbruch des amerikanisch-mexikanischen Krieges. Mein Vater hatte drei Jahre später im damaligen Nordosten des New Mexico Territory an den Ufern des nördlichen Rio Pecos ein kleines Stück Land erworben, ein Haus sowie Stallungen erbaut und nach Ende des Krieges meine Mutter und mich nachkommen lassen. Es war dort, wo ich meine erste Begegnung mit den Apachen hatte. Obwohl alles fremd und neu für mich war – oder vielleicht gerade deswegen – schloss ich das Land augenblicklich in mein Herz. Als kleines Mädchen bezauberte ich unsere Cowboys, und wenn ich nicht zu Hause helfen musste, durchstreifte ich die Flussauen des Rio Pecos, lernte Tiere und Pflanzen kennen und fühlte mich wohl, in der einsamen, sonnendurchglühten Wildnis. In den ersten Jahren meiner Kindheit gab es nur wenige andere Familien in der Nähe, und ich hatte keine Geschwister. So blieb ich meist mit mir allein. An den Abenden hatte meine Mutter mich Lesen, Schreiben und ein wenig Rechnen gelehrt, da es in meiner frühen Kindheit noch keine Schule im Gebiet gab. Erst später, auf unserer zweiten Ranch, besuchte ich regelmäßig die kleine Schule der nahegelegenen Ortschaft. Das einzige wirklich anhaltende Ergebnis meiner einfachen Bildung war eine ausgesprochene Begeisterung für Bücher. Die wenigen Bände, die meine Eltern auf dem entbehrungsreichen Weg nach Westen hatten mitnehmen können, hatte ich nach kurzer Zeit gelesen. Einige Jahre nach unserem Umzug an den Rio Pecos erhielt mein Vater von einem Freund das Angebot, dessen großes Gut weiter südlich am oberen Rio Peñasco zu kaufen. Sein Freund war kinderlos und schwer krank, und er übergab meinem Vater zu einem eher symbolischen Preis den gesamten Besitz. Noch vor unserem Umzug übernahm mein Vater alle fähigen Arbeiter und suchte vor allem einheimische Viehhirten, da sie das Land kannten. Meine Mutter setzte auf unserer neuen Ranch alles daran, aus mir eine gute Hausfrau zu machen. Ich lernte willig, was sie mir beibringen wollte, aber ich begeisterte mich ebenso für das Reiten und den Umgang mit dem Vieh. Zu ihrem großen Missfallen richtete sich der größte Teil meines Interesses auf das Land und seine Bewohner. Ich verstand mich gut mit unseren mexikanischen Arbeitern, da ich nicht begreifen konnte, dass man sie aufgrund ihrer Herkunft anders behandeln sollte. Von ihnen lernte ich sehr rasch Spanisch und spielte mit ihren Kindern, da ihre Familien bei uns wohnten. Unsere mexikanische Küchenhilfe Maria brachte mir bei, Tortillas zu backen und mexikanische Heilmittel anzuwenden. Dabei erfuhr ich, dass sie als kleines Kind von Apachen entführt und aufgezogen worden war. Oft hatten wir auch indianische Pferdeknechte, und scheu und zugleich hartnäckig hielt ich mich immer wieder in der Nähe dieser Männer auf. Obwohl meine Mutter ebenfalls auf einer Ranch groß geworden war, hatte sie das Leben im Grenzgebiet gehasst, seit ich denken konnte. Sie war als jüngste Tochter von sechs Kindern auf einer großen Pferderanch in Kansas aufgewachsen. Das Gebiet hatte vor ihrer Geburt schlimme Kämpfe und Überfälle durch die Osagen durchlitten, und meine Mutter wuchs mit den Erzählungen über die Gräueltaten der Indianer auf. Ihre eigene Mutter war eine ruhige, sanfte Frau gewesen, die sich bei Konflikten innerhalb der Familie krank ins Bett legte. Diese Neigung, sich zu ducken und still zu leiden, hatte sie an meine Mutter weitervererbt. Als meine Eltern in Kansas heirateten, hatte meine Mutter wohl die Hoffnung gehegt, mein Vater würde dort mit ihr ein Leben in der Nähe einer der wachsenden Städte führen, doch mein...



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