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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 4, 368 Seiten

Reihe: Sissi Sommer, Klaus Vollmer

Edelmann Mordsdepp

Allgäu Krimi
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-96041-264-9
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Allgäu Krimi

E-Book, Deutsch, Band 4, 368 Seiten

Reihe: Sissi Sommer, Klaus Vollmer

ISBN: 978-3-96041-264-9
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein humorvoll-bissiges Krimi-Schmankerl aus dem Allgäu. 'Wir trauern doch, wir können es nur nicht so zeigen!' - mehr erfährt die Memminger Kommissarin Sissi Sommer von den Hinterbliebenen nicht, als Sepp Güthler tot in seiner Güllegrube liegt. Alle Verdächtigen lügen wie gedruckt, und gemeinsam mit ihrem Kollegen Klaus Vollmer aus Berlin muss sie tief in die Trickkiste greifen, um dem Täter auf die Schliche zu kommen.

Barbara Edelmann, geboren in Mindelheim, lebt seit Jahrzehnten glücklich und zufrieden im Allgäu und möchte nirgendwo anders auf der Welt sein. Ihre Beobachtungen und Erfahrungen verarbeitet sie in ihren Allgäu Krimis.
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Montagmittag, Güthlerhof


In der blitzsauberen Küche des Güthlerhofes roch es verführerisch nach Kraut und Wammerl. Trotz der brütenden Junihitze hatte die Hausherrin kräftig aufgekocht, denn ihre Männer brauchten Fleisch – die gaben sich mit ein paar Dampfnudeln oder Maultaschen nicht zufrieden und zogen zur Not selbst los, um sich einen Braten im Wald zu holen, wenn ihnen das Essen nicht passte. All das hatte die leidgeprüfte Martha Güthler schon erlebt und wollte es nicht mehr darauf ankommen lassen, denn ihr Mann, der Sepp, war ein – wie man im Allgäu sagt – »Zorabinkel«, was von dem Wort »Zorn« abgeleitet ist.

Der Güthlerhof, eines der schönsten Gebäude im Landkreis, lag inmitten weiter grüner Wiesen etwas außerhalb von Legau, dem schmucken, prosperierenden Dorf im Herzen des Unterallgäus. Seit vielen Generationen im Familienbesitz, machte das Anwesen für jeden Fremden, der sich ihm zufällig näherte, beste Werbung für »Urlaub auf dem Bauernhof«.

Dunkelgrüne aufwendig bemalte Holzläden zierten die schneeweiße Fassade, und an jedem Fenster rankte sich ein Meer aus verschiedenfarbigen Petunien dem Besucher entgegen, von der Hausherrin liebevoll gepflegt und gedüngt. Neben dem Haupthaus in den angeschlossenen Stallungen war nur gelegentlich leises Muhen zu vernehmen.

Der ganze Hof zeugte von Fleiß, Sauberkeit und unermüdlicher Arbeit. Nicht umsonst wurden die Güthlers von vielen im Dorf beneidet, und Sepp Güthler hatte schon oft lukrative Verkaufsangebote erhalten, aber jedes Mal herzlich darüber gelacht und anschließend den Vogel gezeigt. Nie im Leben würde er sich von seinem Schmuckstück trennen, das wurde jedem potenziellen Käufer mit mehr oder weniger sanftem Nachdruck klargemacht.

Jetzt, zur Mittagszeit, konnte man nicht einmal die Stallkatzen auf dem Asphalt sitzen und sich in der Wärme räkeln sehen, denn die Junisonne brannte mit unbarmherziger Kraft auf grün gestrichene Blumenkübel und die frisch lackierte Holzbank neben der Tür. Drinnen im Haus war es angenehm kühl, nur in der Küche nicht, wo Martha seit mittlerweile einer Stunde hektisch mit Töpfen und Pfannen klapperte, um pünktlich das Mittagessen auf den Tisch zu bringen.

»Wo ist der Vater?« Bertram Güthler, ein hochaufgeschossener schlanker Mann Mitte dreißig, der sich beiläufig durch das dunkelblonde verstrubbelte Haar fuhr und seine Arbeitsmütze achtlos neben sich auf die hölzerne Eckbank warf, sah seine Mutter fragend an.

»Der Papa ist gewiss noch im Stall. Da geht jetzt besser keiner rein«, entgegnete Martha, eine schlanke Frau Ende fünfzig, unter deren blauem Kopftuch sich ein paar von Küchendünsten gekräuselte Locken vorwitzig in die Stirn ringelten. Martha war drahtig mit harten, wie eingekerbt wirkenden Gesichtszügen, vor allem um die Mundwinkel. Besonders um die tief in den Höhlen liegenden hellwach funkelnden Augen hatten sich markante Kummerfalten eingegraben.

Aus dem Stall war weiterhin kein Mucks zu vernehmen, auch nicht von besagtem Hausherrn. Normalerweise hörte man Sepp Güthler, ehe man ihn sah, denn er hatte immer etwas zu schimpfen: die Regierung, das Wetter, sein missratener Sohn, seine aufmüpfige Ehefrau, störrische Viecher und das ganze Leben an sich gaben ihm täglich frischen Stoff für seine Wutausbrüche. Er fand ständig neue Begründungen, warum dies die schlechteste aller Welten war, und verkündete das gern am Stammtisch im »Mohren« lautstark, was des Öfteren unschöne Folgen wie eine zünftige Wirtshausrauferei nach sich gezogen hatte. Aus den meisten tätlichen Auseinandersetzungen war Sepp erstaunlicherweise, trotz seines etwas fortgeschrittenen Alters, als ungeschlagener König hervorgegangen, denn er wusste seine Fäuste nicht nur zum Heurechen zu gebrauchen.

Angeblich werden die Schwaben zwar mit fünfzig gescheit, aber das trifft bei Weitem nicht auf alle zu. Manche bleiben unbelehrbar, und der Güthler Sepp gehörte zweifelsohne dazu.

»Der Vater müsst längst fertig sein«, sagte Bertram. »War er so lang auf der Jagd?«

Martha schüttelte nachdenklich den Kopf. »Keine Ahnung. Weg ist er ganz früh. Normalerweise kommt er bis achte zurück. Ich sollt den Stall heut für ihn erledigen, aber ich hab zum Doktor müssen. Und deine Tusnelda macht’s ja sowieso net.«

»Vielleicht müsstest ihn zum Essen holen«, murmelte Bertram. »Sonst mault er rum, wenn’s bloß lauwarm ist. Der ist schlecht genug drauf.«

»Ach, lass ihn. Hat wahrscheinlich heut früh nix erwischt.« Martha stellte mit einem lauten Knall den großen gusseisernen Topf, aus dem es köstlich nach geschmortem Sauerkraut roch, auf den Tisch.

»Schon wieder Wammerl?« Bertram rümpfte die Nase. »Und der Vater erwischt doch nie was. Herrgott, wie ham die dem überhaupt den Waffenschein geben können? Der schießt sich noch amal den Fuß weg.«

Sepp Güthler, Vollerwerbslandwirt, Patriarch, Dauernörgler, leidenschaftlicher Jäger und auf einem Auge blind wie ein Maulwurf, traf tatsächlich nie etwas Kleineres als einen afrikanischen Elefanten, die allerdings im Unterallgäu eher selten zu finden waren. Vor einigen Jahren wurde bei ihm eine vermutlich dem hohen Blutdruck geschuldete deutliche Verschlechterung seiner Sehschärfe diagnostiziert, aber davon ließ sich jemand wie Sepp nicht abhalten, denn seiner Meinung nach lag ihm die Jagd im Blut.

Immerhin erzielte Sepp gelegentlich einen Achtungserfolg, denn vor Jahren hatte er einmal einen Hasen erwischt, der vermutlich genau wie er eigentlich eine Brille gebraucht hätte und sich eines Sonntagmorgens dummerweise vor Sepps Ansitz verirrte.

Hase und Jäger starrten sich damals eine Schrecksekunde lang stumm an, bevor Sepp abdrückte und das tote Karnickel anschließend stolzgeschwellt zu Martha nach Hause brachte, die es wortlos häutete, ausnahm, abhing und briet. Samt allen darin enthaltenen Schrotpatronen als kleine Revanche, denn sie hasste es, ihren jähzornigen Mann allein mit einer gefährlichen Flinte im Wald zu wissen. Sie konnte jedes Mal nur hoffen, dass alles gut ging. Es war ein Kreuz mit den Männern, vor allem mit bewaffneten.

Sepp schmökerte sich seit seiner Kindheit durch sämtliche Karl-May-Bände und kam nun von der unstillbaren Leidenschaft für das Schießen von Schwarz- und Rotwild nicht mehr los. Allwöchentlich pirschte er stark kurzsichtig als Gefahr für die Volksgesundheit und martialisch gekleidet durch den Wald, immer auf der Suche nach Guido, der Wildsau.

Jeder im Dorf und natürlich alle Mitglieder seiner Familie wussten um diese Besessenheit, aber es muss zu Sepps Ehrenrettung gesagt werden, dass es sich bei Guido um einen besonders boshaften Vertreter der Gattung des Schwarzwildes handelte, denn Guido war eine Basse, also ein alter, starker Keiler. Ein wie Sepp in die Jahre gekommenes männliches Wesen, und genau wie dieser war Guido mit jedem Jahr destruktiver und perfider geworden.

Es war noch nicht einmal zehn Jahre her, dass ein alteingesessener Legauer, Schucki Hermann, zusammen mit ein paar anderen Kiffern an einem herrlich romantischen Lagerfeuer am Illerufer saß und ins Gebüsch trat, um sich zu erleichtern. Dort wurde er von Guido, dem bösen Keiler, den er versehentlich aufgeschreckt hatte, so brutal über den Haufen gerannt, dass er sich an einem Fichtenstumpf den Kopf aufschlug.

Auch Sepp war von Guido geärgert worden, wenngleich auf andere unschöne Weise: Die Wildsau wühlte nämlich zusammen mit einer ganzen Rotte jährlich seine Kartoffeläcker um und wurde mit den Jahren immer angriffslustiger. Manchmal, wenn Sepp auf seinem Ansitz saß, glaubte er boshaftes Grunzen zu hören, war sich aber nicht sicher, da ihn seit zwei Jahren zusätzlich noch ein Tinnitus plagte, den er ebenfalls der Wildsau zuschrieb, was seinen Hass auf dieses Mistviech nur noch vergrößerte.

Einen einzigen Zufallstreffer konnte Sepp in all der Zeit bei Guido landen: Er schoss ihm versehentlich einen Teil des linken Ohres weg, was Guidos Resozialisierung nicht gerade förderte, denn von dem Moment an, wo er sich mit schmerzendem Ohr in ein Erdloch verkriechen musste, wurde er noch gemeiner.

Mit Sepp und Guido verhielt es sich wie mit Captain Ahab und Moby Dick: Die Geschichte würde erst vorbei sein, wenn einer von ihnen beiden tot war.

Martha hob den Deckel des Topfes und legte ihn auf die Wachstuchdecke. Dabei runzelte sie die Stirn. Seit Langem hoffte sie, dass das Glück Sepp einmal hold wäre und sich die Wildsau eventuell vor dem Ansitz aufbauen würde, um sich erschießen zu lassen. Vielleicht wäre ihr Ehemann dann ein bissle leichter auszuhalten.

Sie drehte sich um, ging zum Herd, holte eine riesige Pfanne mit Schupfnudeln und stellte sie neben den Topf. Dann sah sie sich um und zeigte auf den leeren Platz neben ihrem Sohn.

»Wo ist denn dein Trampel?«, fragte sie barsch und strich sich eine Strähne aus der Stirn, die sich aus dem Knoten gelöst hatte. »Normalerweise ist sie doch die Erste, die nach Essen schreit. Oder ist sie wie gewöhnlich beim Einkaufen?«

»Trampel« war im Hause Güthler die offizielle Bezeichnung für Bertrams nagelneue Freundin Corinna, nach der er beinahe fünfzehn Jahre gesucht hatte. Und anstatt froh zu sein, dass der Bub endlich eine gefunden hatte, die seine niederen und höheren Triebe befriedigte, waren Martha und Sepp sauer, denn Corinna war stinkfaul. Und das konnte Martha als Landwirtin und Mutter überhaupt nicht leiden.

»Mama, red net so von meiner zukünftigen Frau. Die Corinna kommt gleich«, antwortete Bertram unwirsch. »Muss noch ein paar Sachen verräumen. Und ja, in Memmingen ist sie gewesen heut. Braucht dringend ein paar Sachen, die alten passen nicht mehr. Sie wachst in letzter Zeit aus allem raus.«

»Ja, des...


Barbara Edelmann, geboren in Mindelheim, lebt seit Jahrzehnten glücklich und zufrieden im Allgäu und möchte nirgendwo anders auf der Welt sein. Ihre Beobachtungen und Erfahrungen verarbeitet sie in ihren Allgäu Krimis.



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