E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Bianca
Eagle Nimm mich mit zum Horizont!
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-86494-623-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Bianca
ISBN: 978-3-86494-623-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Das perfektes Foto!' denkt Skyler, als sie ihre Kamera auf Trace richtet - einen Cowboy, dessen Körper wie für Jeans geschaffen ist. Trace reitet Rodeos und trainiert wilde Pferde - und er hat keine Scheu, 'Ich mag dich' zu sagen, als sie in die Nacht tanzen und sich küssen, bis die Prärie-Sonne über ihnen aufgeht. Doch darf Skyler einem Sommerflirt nachgeben? Eigentlich sollte die Witwe sich um die verschuldete Ranch ihrer Familie kümmern - und um ihren Traum, Mutter zu werden. Der jüngere Trace würde sie bloß ablenken. Warum nur weiß er so genau, was sie glücklich macht?
Kathleen Eagle wurde in Virginia als ein 'Air Force Balg' geboren. Nach ihrer Schulausbildung machte sie einen Abschluss auf dem Mount Holyoke College und der Northern State University und wurde Lehrerin. Über 17 Jahre unterrichtete sie an einer High School in North Dakota. Auch nach diesen 17 Jahren blieb sie dem Unterrichten treu: Sie lehrte 'Schreiben' im Loft Literary Center in Minneapolis. Ihr erstes Buch veröffentliche sie 1984. In diesem Jahr war sie damit auch Gewinnerin des 'America Golden Heart Award'. Seitdem hat sie mehr als 40 Bücher veröffentlicht. Sowohl mit einer historischen als auch einer zeitgenössischen Handlung.Die veröffentlichten Werke von Kathleen Eagle werden von Buchkritikern für ihre außerordentliche Qualität und Anziehungskraft gelobt - Romane, die man nicht schnell vergisst. Ihre Werke sind immer wieder in den regionalen und nationalen Bestsellerlisten zu finden. Kathleen Eagle lebt mit ihrem Ehemann in Minnesota - einem Lakota Sioux. Beide habe drei erwachsene Kinder.
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1. KAPITEL
Skyler Quinns Sucher bot ihr Sichtschutz und lieferte ihr zugleich einen Vorwand. Ohne ihn verriet ihr Blick niemals mehr als ein mildes Interesse. Nur wenn sie durch die Kamera schaute, wusste sie richtig zu schätzen, was sie sah. Durch den Sucher fand sie Dinge, die sie sonst strikt ignorierte. Zum Beispiel die Kehrseite von fünf gut aussehenden Cowboys, die sich gerade über einen Weidezaun beugten. Sie würde das Foto Fünf perfekte Jeans nennen.
Aber plötzlich waren es nur noch vier.
Skyler ließ die Kamera sinken. Das aufregendste Paar Jeans entfernte sich gerade. Der Cowboy ganz links war über den Zaun geklettert und hatte dadurch die Symmetrie des Bildes verdorben. Sie stieg einige Stufen hinauf und postierte sich auf der ersten Ebene der Haupttribüne, auf der sich bald das erwartungsfrohe Publikum drängen würde, um das Rodeo zu verfolgen. Im Moment hielten sich in der Arena nur Cowboys, Tiere und eine unauffällige Fotografin auf.
Skyler beobachtete, wie das abtrünnige Fünftel ihres Motivs mit entschlossenen Schritten über die staubige Erde zu einem der Ropers ging, die sich am Rand aufwärmten, bevor sie mit dem Lasso Kälber und Wildpferde einfingen. Der Mann sah in seine Richtung, registrierte die knappe Handbewegung des Cowboys und stieg sofort aus dem Sattel.
Skyler holte die beiden mit dem Zoom näher heran, als der Cowboy dessen Platz einnahm. Da sie sich mit Pferden auskannte, entging ihr nicht, wie der Fuchs mit der markanten Blesse auf den neuen Reiter reagierte. Unter dem Roper hatte es nervös getänzelt und sogar gebockt, jetzt sprach es aufmerksam auf Zügelhilfen und Schenkeldruck an. Die Kamera hielt jede subtile Einzelheit seiner Körpersprache fest. Augenspiel, Ohrenbewegung, Haltung, Gangart. Vor Skylers verborgenem Auge verwandelte sich ein normales in ein außergewöhnliches Pferd.
Das ist doch mal eine gute Story, dachte sie.
Genauer gesagt, es würde eine werden, wenn sie einen spannenden Text dazu schrieb. Der Zentaur lebt, würde sie behaupten. Das Wesen aus der griechischen Sage mit einem menschlichen Oberkörper und einer Pferdegestalt existierte tatsächlich. Man brauchte nur etwas Fantasie, um es zu erkennen. Aber dieser Mann war weder eine Laune der Natur noch ein Fabelwesen. Er war nicht barbarisch und erst recht kein Reiter, wie man ihn bei jedem Rodeo sah, sondern ein Partner. Er teilte seine Intelligenz mit dem Pferd, und das Pferd gab ihm dafür Kraft und Eleganz. Es war die äußerst reizvolle Kombination zweier Prachtexemplare.
Ihre Fotos würden die Geschichte erzählen und vor allem verkaufen. Die meisten Pferdezeitschriften wurden von jungen Frauen gelesen, und das hier war ein Mann, bei dem kein Mädchen weiterblättern würde. Hochgewachsen, schlank, geschmeidig und mit langen Beinen, war er der geborene Reiter. Das kantige Kinn war vielversprechend, aber sie wünschte, er würde den Hut etwas nach hinten schieben, damit sie mehr von seinem Gesicht sehen konnte.
Skyler blieb auf Distanz, während sie mit dem Objektiv seinen Ritt durch die Arena verfolgte. Wollte er das Pferd kaufen oder verkaufen? Oder führte er dem anderen Mann vor, wie man es richtig beherrschte? Oft überließ ein Cowboy sein Pferd einem anderen, um sich anschließend das Preisgeld mit ihm zu teilen, aber dazu war der Fuchs mit der Blesse vermutlich noch zu eigenwillig. Sie fragte sich, was der Cowboy zum ersten Reiter sagte, als er abstieg. Deal, kein Deal oder ein Rat unter Kollegen? Falls es ein Rat war, würde der sie interessieren. Erst kürzlich hatte sie gelernt, was einen guten Bereiter, wie sie es war, von einem echten Pferdetrainer unterschied.
Mehr als ihre Zukunftspläne interessierten sie im Moment allerdings die Motive, die sich ihr boten. Sie stieg von der Tribüne und schlenderte zum Ausgang, wobei ihr zwei rassige Pferde mit goldfarbenem Fell und weißer Mähne auffielen, die sich über den Zaun hinweg beschnupperten. Skyler war kein Rodeofan, aber Pferde und Reiter gehörten zu ihren Lieblingsmotiven. Noch war das Fotografieren nur eine Freizeitbeschäftigung, und es war höchste Zeit, dass sie mit wenigstens einem ihrer Hobbys etwas Geld verdiente.
„Geschäft oder Vergnügen?“
Skyler drehte sich zu der tiefen, melodischen Stimme um und sah direkt in zwei goldbraune ausdrucksvolle Augen. Der Blick, der sie daraus traf, war unerwartet offen und gewinnend, ganz nah und privat, aber keineswegs aufdringlich. Da bist du ja, sagte ihr Herz. „Wie bitte?“, sagte ihr Mund.
„Sie haben mich fotografiert.“ Es klang belustigt und kein bisschen verunsichert. „Sind Sie Profi oder Fan?“
Sie wartete, bis ihr Verstand wieder die Kontrolle übernahm und die Hormone sich ihm widerwillig unterordneten.
„Ich kenne Sie zwar nicht, aber ich erkenne Pferdeverstand, wenn er mir begegnet. Sie haben offenbar eine Menge davon, und ich mache gern Fotos.“ Sie lächelte. Sein Gesicht passte zum Rest des Körpers. Es war lang, schmal, gepflegt, ideal für eine Nahaufnahme. „Ich hätte nichts dagegen, dafür bezahlt zu werden, aber im Moment ist es leider nur ein Hobby.“
„Bilder von … Pferdeverstand zu schießen.“
Skyler schaltete die Kamera ein, drückte auf einen Knopf und hielt ihm das Display hin. „Wollen Sie mal sehen?“
Er klickte sich durch ihre Fotos. „Sie haben einen guten Zoom. Schauen Sie sich das hier mal an.“ Er stellte sich neben sie und zeigte ihr, was er meinte. „Man erkennt sogar, wo ich mich heute Morgen beim Rasieren geschnitten habe.“
„Ich sehe nichts.“
„Zum Glück hat es nur mein Gesicht erwischt. Der Pferdeverstand ist unbeschädigt.“
„Das ist ein wertvolles Talent.“ Sie zeigte auf die Aufnahme. Beeindruckender Cowboy auf imposantem Pferd. „Interessieren Sie sich für das Pferd?“
„Vielleicht kaufe ich es sogar.“ Nachdenklich betrachtete er das Foto. „Wenn der Preis stimmt. Der jetzige Besitzer setzt es falsch ein. Es ist klein und schnell. Viel zu schade fürs Kälberfangen.“ Ihre Finger berührten sich, als er ihr die Kamera zurückgab. Skyler schluckte eine Entschuldigung herunter. Und eine nicht besonders originelle Bemerkung über kalte Hände. Auch sein Blick war voller Wärme. „Bei seiner Wendigkeit und Spurtstärke wäre es ideal für den Rindertrieb.“
„Sie sind Trainer?“ Natürlich.
„Ich bin Wildpferdreiter.“ Er schob die Daumen in die Hosentaschen. „Kommen Sie heute Abend zur Show?“
„Ich habe mich noch nicht entschieden.“ Sie wollte sich am Nachmittag die Ropers ansehen. Das war genug Rodeo für einen Tag. Jedenfalls hatte sie das bis gerade eben gedacht.
„Sie würden ein paar gute Fotos bekommen.“
„Meine Aufnahmen wären nichts für die Rodeo Sports News. Und Ritte, die nur acht Sekunden dauern, interessieren mich nun wirklich nicht.“
„Nur?“ Er lachte. „Das sind acht verdammt lange Sekunden, glauben Sie mir. Wenn jede einzelne Sekunde zählt, weiß man, dass man lebt. Wie viele würden Sie durchhalten?“
„Ich fühle mich auf einem Pferderücken auch so schon lebendig genug. Ich könnte den ganzen Tag im Sattel sitzen.“
Er nickte lächelnd. „Es wird behauptet, dass die Zeit stillsteht, wenn sich die richtige Paarung findet. Glauben Sie das auch?“
„Ich glaube, Sie stellen sich unter der richtigen Paarung etwas anderes vor.“
„Wonach suchen Sie denn?“
„Nach einem guten Pferd.“
„Ich auch. Wir satteln sie nur anders auf, aber wir reiten beide.“ Er zögerte höchstens eine Sekunde. „Übrigens, falls Sie Durst haben, kenne ich eine gute Tränke, in der es um diese Tageszeit vermutlich ruhig zugeht. Die erste Runde übernehme ich.“
„Das ist ein äußerst verlockendes Angebot, aber ich muss …“ Nein, eigentlich musste sie gar nicht. Sie hatte in Sheridan, Wyoming, nichts Besonderes vor. Sie kam immer allein her, damit sie sich das Kälberfangen ansehen und anschließend wieder nach Hause fahren konnte, wo es immer reichlich zu tun gab. „Treten Sie heute Abend beim Rodeo an?“ Er nickte. „In welchem Wettbewerb?“
„Wie gesagt, ich reite Wildpferde ohne Sattel.“ Er schob eine Hand in die Hosentasche. „Ich habe eine Freikarte. Leider nur eine, wenn Sie also mit jemandem …“
„Nein, ich …“ Sie nahm die Karte, die er ihr reichte, und inspizierte sie, als hätte sie noch nie eine gesehen. „Ich meine, ich weiß noch nicht, ob ich so lange bleibe. Es wäre doch schade, die Karte zu verschwenden.“
Als sie den Kopf hob, sah sie sein aufmunterndes Lächeln. „Sie sollten meinen Pferdeverstand mal sehen, wenn ich Beinschützer trage. Bringen Sie Ihre Kamera mit.“
Sie lächelte belustigt. „Ihr Cowboys seid doch alle gleich.“
„Ich frage jetzt nicht, wie viele Sie kennen.“ Er ging auf Abstand. „Sie können es mir heute Abend erzählen, wenn Sie zu den Startboxen kommen, um mir Glück zu wünschen.“
„Ich weiß ja nicht mal, wie Sie heißen.“
„Mein Name steht im Programm.“ Er war schon zu weit entfernt, um ihm die Eintrittskarte zurückzugeben. „Sagen Sie mir Ihren?“
„Ich weiß noch nicht. Und ich stehe nicht im Programm.“
Trace war Realist. Sicher, die Frau mit der Kamera war ebenso rätselhaft wie attraktiv, aber er rechnete nicht wirklich damit, dass er sie beim Rodeo wiedersehen würde. Allerdings schloss er es auch nicht aus. Solche Überraschungen gaben Trace Wolf Tracks Leben die Würze.
So hatte er es nicht immer gesehen. Im...




