Durst-Benning | Bella Clara | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 560 Seiten

Reihe: Die Jahrhundertwind-Trilogie

Durst-Benning Bella Clara

Roman
15001. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8437-1054-1
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 3, 560 Seiten

Reihe: Die Jahrhundertwind-Trilogie

ISBN: 978-3-8437-1054-1
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



1906: Hoffnungsvoll reist Clara an den Bodensee. Sie träumt von einem neuen Leben. Die Berlinerin lässt den eleganten Käfig ihrer gescheiterten Ehe hinter sich, endlich will sie ihre Pläne verwirklichen. Als Tochter eines Apothekers kennt sie sich aus mit den Kräften der Natur. Und sie macht die Schönheit der Frauen zu ihrer Lebensaufgabe. Clara blüht auf, die neue Freiheit schenkt ihr innere Ruhe. Doch die Schatten der Vergangenheit drohen ihr strahlendes Glück zu zerstören. Kann Clara ihrem Geschick vertrauen? Der Jahrhundertwind hilft drei Freundinnen, ihre Träume zu verwirklichen.

Petra Durst-Benning ist eine der erfolgreichsten und profiliertesten deutschen Autorinnen. Seit fast 30 Jahren laden ihre historischen Romane die Leserinnen ein, mit mutigen Frauenfiguren Abenteuer und große Gefühle zu erleben. Auch im Ausland und im TV feiern ihre Romane große Erfolge. Petra Durst-Benning lebt mit ihrem zweiten Mann und ihren Hunden in der schönen Kurstadt Bad Kreuznach. Mehr erfahren Sie auf Facebook und unter: www.durst-benning.de
Durst-Benning Bella Clara jetzt bestellen!

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1. Kapitel

Sommer 1906

Die Luft in dem Berliner Gerichtssaal war zum Schneiden dick. Auf den Zuschauerbänken saßen die Leute dicht an dicht gedrängt: Marktfrauen, die ihren Fisch- oder Gemüsestand für die nächsten Stunden einem Angestellten überlassen hatten. Elegante Bürgersfrauen, die sich mit spitzenbesetzten Fächern Luft zuwedelten. Auch etliche honorig aussehende Herren saßen mit angewiderter Miene im Publikum – Ärzte aus den umliegenden Krankenhäusern, die gekommen waren, um einem der ihren beizustehen. Oder seinem Untergang beizuwohnen. Ganz klar war das nicht.

Eine Tür ging auf, drei ehrenwerte Herren betraten den Saal. Ein winziger Lufthauch kroch mit ihnen herein.

»Da, der Richter«, sagte eine rothaarige Frau in der vordersten Reihe und biss schnell noch einmal von ihrem Butterbrot ab.

Die Frau neben ihr rutschte aufgeregt auf der Sitzbank nach vorn, um besser sehen zu können. »In seiner schwarzen Robe sieht er aus wie ein Scharfrichter, oder?« Ihre Augen glänzten sensationslüstern. »Wie viele Akten er auf seinem Pult verteilt …«

»Da würd ich gern mal drin lesen, ist bestimmt spannend«, sagte die Rothaarige und kicherte. Das letzte Stück Butterbrot verschwand in ihrem grell geschminkten Mund, zufrieden wischte sie sich die Hände an ihrem Rock ab. Von ihr aus konnten sie nun anfangen!

»Wem geht’s heute eigentlich an den Kragen?«, fragte ein Mann in Postbotenuniform, während er sich neben die Frauen quetschte. Er legte seine ölig glänzende Kappe vor sich auf den Boden, zog einen Apfel aus der Tasche und biss so kräftig hinein, dass der Saft der Rothaarigen ins Gesicht spritzte.

Die Frau wischte sich über die Wange und warf dem Mann einen verärgerten Blick zu. Dreist und keine Ahnung – den brauchten sie gerade noch! Doch dann siegte ihre Mitteilungsfreude, und sie sagte: »Um eine Frau Doktor geht’s. Im eigenen Haus hat sie’s mit ihrem Liebhaber getrieben, während der Herr Doktor die Brötchen verdiente.«

»Vor den Augen ihrer Kinder«, fügte die zweite Frau aufgeregt hinzu und wischte sich eine verschwitzte Haarsträhne aus der Stirn. »Und der Chef vom Herrn Doktor, der Herr Professor, hat’s auch noch mitbekommen, weil er just in dem Moment zu Besuch kam. Das muss man sich mal vorstellen!«

»So eine Schande!«, echauffierte sich die erste Frau.

Die Augen des Postboten verengten sich bösartig. »Na, die hätte ich verdroschen …«

Hektisch zeigte die Rothaarige mit dem Zeigefinger auf eine zierliche blonde Frau, die in diesem Moment durch eine der vorderen Türen den Gerichtssaal betrat. »Ist sie das?«

Ihre Nachbarin runzelte die Stirn. »Das blasse Ding? Nee, das ist bestimmt nur die Amtsschreiberin …« Gleichgültig krempelte sie ihre Blusenärmel nach oben und kratzte trockene Hautschuppen von ihrem rechten Oberarm. Im nächsten Moment bekam sie von der Rothaarigen einen kräftigen Puff in die Rippen.

»Von wegen – das ist sie doch!«

Erstaunt und fasziniert zugleich beobachtete das Publikum, wie die elegante blonde Frau auf einem Stuhl vor der Richterbank Platz nahm. Ein kollektives Raunen ging durch den Raum.

Die Angeklagte.

»Sieht eigentlich ganz harmlos aus«, sagte der Postbote und klang enttäuscht.

»Das sind doch immer die Schlimmsten!«, zischte die Rothaarige.

Eine Reihe hinter ihnen saßen auch zwei Frauen. Sie hielten sich an den Händen, als wollten sie sich dadurch gegenseitig Mut zusprechen. Die etwas größere der beiden war ebenfalls rothaarig, die andere brünett. Sie waren ungefähr im selben Alter, Mitte dreißig, und nach der neuesten Mode gekleidet. Mit ihren Hochsteckfrisuren, ihren verspielten Handtaschen und eleganten Schuhen hätten sie eher in ein Café am Spreeufer oder in eine Theaterpremiere gepasst als hierher. Im Gegensatz zu den Leuten um sie herum sprachen sie kein Wort, sondern schauten nur auf die blonde Frau auf der Anklagebank. Statt Sensationsgier lag in ihren Blicken jedoch Liebe, Verständnis und Sorge.

»Gut sieht sie aus«, flüsterte die Rothaarige der Brünetten für andere unhörbar zu. »Und so gefasst.«

»Ich bin so stolz auf sie«, flüsterte die Brünette zurück. »Was sie alles auf sich nimmt, um endlich freizukommen …«

Im nächsten Moment drehte sich die Angeklagte um, suchend wanderte ihr Blick durch den Raum. Blanke Angst stand in ihren rehbraunen Augen. Doch als sie die beiden Frauen in der zweiten Reihe sah, huschte ein Hauch Erleichterung über ihre Miene.

Mit aufmunterndem Blick, das Kinn siegessicher nach vorn gereckt, nickte die Brünette der Angeklagten zu. »Du schaffst das, Clara«, sprach sie leise, aber eindringlich vor sich hin.

Die blonde Frau nickte unmerklich zurück.

Ein Amtsgehilfe pochte laut mit einem Stock auf den Boden. »Das Hohe Gericht bittet um Ruhe! Verhandelt wird die Ehescheidung des Frauenarztes Doktor Gerhard Gropius und seiner Ehegattin Clara Gropius, geborene Berg.«

»Ein Handlungsreisender?« Der Richter nickte. »Vielleicht haben Sie die Güte, uns zu verraten, in welchen Angelegenheiten der Herr zu reisen pflegte?«

»Na, in Sachen Liebe«, ertönte es im mittleren Teil der Zuschauerbänke. Das Publikum lachte lüstern. Der Amtsgehilfe stieß erneut unwillig seinen Stock auf den Boden.

Clara schluckte. Sie war auf die Häme des Publikums vorbereitet und hatte sich vorgenommen, die Zuschauer zu ignorieren. Wenn es zu unruhig im Saal wurde, würde der Gerichtsdiener schon für Ruhe sorgen, hoffte sie.

Keiner von euch hat auch nur einen Monat, eine Woche, ja nicht einmal einen Tag in meinen Schuhen gesteckt, dachte sie bitter. Trotzdem erlaubt ihr euch ein Urteil über mich.

Sie straffte ihre Schultern. »Er … er war für eine Solinger Messerwarenfabrik auf Reisen«, sagte sie mit so fester Stimme wie nur möglich.

»Messer?«, sagte der Richter und riss übertrieben erschrocken die Augen auf. Sogleich gab auch das Publikum erschrockene Zischlaute von sich.

Clara schwieg. Was hätte sie denn sonst sagen sollen? Hätte sie Gerhard mit einem Messer erstechen wollen, hätte sie dies auch mit ihrem eigenen Küchenmesser tun können – das wusste der Richter ganz genau. Was für ein Dummkopf.

»Und wie oft besuchte besagter … Handlungsreisender Berlin?«, fragte er weiter.

Clara antwortete: »Einmal im Monat.«

Die Weiber in der ersten Reihe schnalzten mit der Zunge, die Bürgersfrauen weiter hinten sogen laut den Atem ein, die Herren Ärzte im Publikum schüttelten missbilligend ihre Köpfe.

Gerhard Gropius, der mit seinem Anwalt links von der Richterbank saß, warf Clara einen hasserfüllten Blick zu.

»Verstehe ich das richtig – es handelte sich nicht um eine einmalige Verfehlung Ihrerseits? Sie haben tatsächlich … einmal im Monat das Haus Ihres Herrn Gemahls in ein … Liebesnest verwandelt?«

Clara nickte, während ihr die Schamesröte ins Gesicht stieg. Am liebsten wäre sie in einem tiefen Loch im Steinboden verschwunden.

Dabei hatte sie rein gar nichts getan.

Bis ans andere Ende von Berlin war sie gefahren, um den Rat eines Advokaten einzuholen. Ihren Hut tief in die Stirn gezogen, einen kleinen Schleier zusätzlich vor die Augen gezogen, hatte sie sich als »Frau Müller« vorgestellt, eine Adresse hatte sie selbstredend nicht angegeben. »Wie kann ich eine Scheidung erwirken?« – diese Frage hatte sie offen und ohne Umschweife an den Anwalt gerichtet. Er schien sie nicht zum ersten Mal zu hören und hatte mit ihr die wenigen Möglichkeiten, die es gab, durchgespielt. Das war vor einem Jahr gewesen, kurz nach dem Tod ihrer Eltern.

Aufgrund einer einmaligen Affäre ihrerseits – eines Ausrutschers – würde Gerhard die Scheidung wahrscheinlich nicht einreichen, hatte der Anwalt ihr erklärt. So wie sie ihren Mann geschildert hatte, würde er ihr vielmehr das Leben zur Hölle machen, aber sich gewiss nicht scheiden lassen. Wenn sie ihn wirklich zu diesem großen Schritt bringen – oder sollte man besser sagen »zwingen« – wollte, würde sie schon stärkere Geschütze auffahren müssen. Ein Seitensprung, bei dem er sie in flagranti erwischte, am besten in Gesellschaft eines honorigen Gastes. Dann wäre die Schmach am größten. In diesem Fall blieb jedem Ehemann nur noch übrig, die Scheidung einzureichen.

»Aber warum muss ich die Schuldige sein?«, hatte Clara verzweifelt nachgefragt. »Warum kann ich nicht einfach die Wahrheit sagen? Mein Mann schlägt und misshandelt mich, seine Handgreiflichkeiten werden von Jahr zu Jahr schlimmer!«

»Aber trachtet er Ihnen auch nach dem Leben? Nur dann könnten Sie die Handgreiflichkeiten als Scheidungsgrund angeben. Aber davon rate ich ab, denn Ihr Mann würde gewiss alles abstreiten«, hatte der Anwalt ihr erklärt. Es gebe außerdem viele Richter, die einem Ehepaar in solchen Fällen statt einer Scheidungsurkunde lieber salbungsvolle Worte mit auf den Weg gaben, fügte er noch hinzu.

Salbungsvolle Worte? Die hatte Clara von ihren Eltern mehr als genug zu hören bekommen.

»Warum verlassen Sie Ihren Mann nicht einfach?«, hatte der Anwalt von ihr wissen wollen. »Viele Ehepaare leben diskret voneinander getrennt, so dass es vom gesellschaftlichen Umfeld kaum bemerkt wird.«

Getrennt leben? Clara hatte bitter aufgelacht. Und wer spielte dann die Magd für Gerhard? Wer war sein Sündenbock, wenn er wieder mal mit den Herren Professoren in der Uniklinik, seinen Patienten und Gott und der Welt haderte? An wem sollte er sich mit all...


Durst-Benning, Petra
Petra Durst-Benning ist eine internationale Bestsellerautorin. Seit ihrem Debütroman begeistern ihre mutigen Frauenfiguren die Leserinnen und laden sie zu großen Abenteuern ein. Viele ihrer Romane werden verfilmt. Petra Durst-Benning lebt bei Stuttgart.

Petra Durst-Benning ist eine der erfolgreichsten und profi liertesten deutschen Autorinnen. Seit über 15 Jahren laden ihre historischen Romane die Leserinnen ein, mit mutigen Frauenfi guren Abenteuer und große Gefühle zu erleben. Auch im Ausland und im TV feiern ihre Romane große Erfolge. Petra Durst-Benning lebt mit ihrem Mann bei Stuttgart.

Mehr erfahren Sie auf Facebook und unter: www.durst-benning.de



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