Durfee | Der Mond des Vergessens | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 888 Seiten

Reihe: Die fünf Kriegerengel

Durfee Der Mond des Vergessens

Die fünf Kriegerengel 1
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-608-11018-0
Verlag: Klett-Cotta
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die fünf Kriegerengel 1

E-Book, Deutsch, Band 1, 888 Seiten

Reihe: Die fünf Kriegerengel

ISBN: 978-3-608-11018-0
Verlag: Klett-Cotta
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Unter den Göttern ist Streit entbrannt und zwingt den Menschen einen fürchterlichen Krieg auf. Über das Meer kommen die fanatischen Anhänger des verstoßenen Gottessohnes Raijael, um die Gläubigen der alten Laijons-Religion zu unterwerfen. Irgendwo in den Landen hält sich der Waisenjunge Nail versteckt. Auf ihm ruht die heimliche Hoffnung auf Rettung. Jovan, der älteste Sohn des gefallenen Königs, regiert - von immer schlimmeren Wahnvorstellungen besessen - über Gul Kana. Verzweifelt versuchen seine zwei Schwestern sich ihm entgegenzustellen. Jondralyn lernt mit allen Mühen und Qualen die hohe Kunst des Schwertkampfs, während Tala ein Geheimnis lüftet, das nicht nur die Familie, sondern das ganze Land zu zerstören vermag. Kann das Königreich sowohl die Gefahren von innen als auch die Bedrohung durch die neue Religion Raijaels überstehen? Und hat das Schicksal des jungen Nail etwas mit einer uralten Prophezeiung zu tun?

Brian Lee Durfee ist ein Künstler und Schriftsteller, der in Alaska und Utah aufwuchs. Er hat unter anderem Illustrationen für Tolkien Enterprises und Wizards of the Coast geschaffen. »DerMond des Vergessens« ist sein erstes großes High-Fantasywerk.
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Vertrauen ist flüchtig – Verrat aber ist zeitlos. Das Leben ist voller Lügen. Darum sei blutrünstig, sei tapfer, sei froh. Denn am Ende einer jeden Geschichte ist niemand mehr, wer er anfangs noch gewesen zu sein schien.

Das Buch des Verräters

Prolog

Shawcroft


Am 15. Tag des Feuermondes im 985. Jahr Laijon –
Bei den Himmelsseen, Gul Kana

In ihrer Panik war die Frau mit dem Jungen ganz an den Rand des Gletschers geflohen – ein dünnes Messer bis zum Heft in ihrem Rücken. Bis auf die breite Blutspur, die über das Eis zum Abgrund führte, hundertfünfzig Meter über dem See, war nichts von ihr übriggeblieben.

Der kleine Junge kniete allein auf dem Felsvorsprung und sah mit großen grünen Augen zu Shawcroft auf; sein stechender Blick wirkte verletzlich im Kontrast zu dem schier endlosen Abgrund. Der Junge trug eine grobe Kniebundhose, weiche Wollstiefel und einen Umhang aus Elchleder, und seine winzigen Hände waren nackt und vor Kälte rot. Seine blonden Strähnen wehten im frischen Wind. Vor dem sonnenhellen Abgrund und den verschneit aufragenden Bergen erschien er wie ein Inbegriff der Unschuld und Reinheit. Er war höchstens drei Jahre alt. Und trotz der schrecklichen Verletzungen der Frau, die ihn so weit getragen hatte, war kein Tropfen Blut an ihm. Sein ganzes Leben schon war Shawcroft Soldat der Bruderschaft von Mia, und doch war ihm das Herz nie schwerer gewesen als in diesem Augenblick.

»Nicht bewegen!«, rief er über das betäubende Rauschen des Gletscherflusses in der Tiefe hinweg. Die Spalten und Eisformationen ringsum warfen das Dröhnen des Wassers als Echo zurück. Shawcroft spürte, wie der Gletscher sich unter seinen Lederstiefeln bewegte, als er sich behutsam vorwärtsschob, in dem Wissen, dass das Eis jeden Moment ins Rutschen kommen und sie beide in den Tod reißen konnte. Bemüht, nicht auf die Blutspur zu schauen, die ihn hergeführt hatte, stopfte Shawcroft seine Handschuhe unter die Schließe seines pelzbesetzten Waffenrocks und rückte seinen Umhang zurecht, das Langschwert ein kaum bemerktes Gewicht in seinem Schultergehänge.

Als er den Arm ausstreckte und das Kind vom Abgrund zog, schien die ungeheure Leere mit gewaltiger, fast unwiderstehlicher Gewalt an ihm zu zerren. Doch hinter sich vernahm er das hohle Getrappel der beiden Pferde, die sich ihm näherten.

Mit der kleinen Hand des Jungen in der Pranke wandte Shawcroft sich um und blinzelte in die gleißend helle, labyrinthartige Landschaft, durch die er geschritten war. Sie war schön, auf eigene Weise, eine scharfkantige weiße Herrlichkeit, welche die Augen schmerzen und tränen ließ. Und nun zeichneten sich zwei dunkle Gestalten vor ihr ab und glitten auf ihn zu.

Er wusste, wen er vor sich sah. Meuchelmörderische Bluthölzler. Die beiden Gestalten trugen schwarze Umhänge und ritten auf pechfarbenen Pferden. Er hatte sie erwartet. Der heutige Kampf war noch nicht vorbei.

Shawcroft stellte sich zwischen die Mörder und den Jungen, dann zog er seine Klinge aus dem Schultergehänge – sein Tagritterschwert, lang, kalt und glänzend, mit einem schwarzen Opal im lederumwickelten Heft, das sich nach so langer Zeit seiner Hand angepasst hatte.

Trotz der Glätte bewegten sich beide Pferde trittsicher und glitten wie Rauch zwischen Klippen und Eisplatten hindurch.

Zehn Meter vor Shawcroft brachten die Reiter ihre Pferde zum Stehen. Die Augen der Hengste waren rötlich eingetrübt – ein sicheres Zeichen dafür, dass die beiden Mörder den noch heranwachsenden Tieren das Serum Rauthouin Bane gespritzt hatten. Binnen eines Jahres würden ihre Augen flammend rot glühen, und ihre Schultern und Flanken würden vor Sehnen, Muskeln und Kraft nur so strotzen. Dann erst wären sie ausgewachsene Blutrösser, rasende, wilde Kreaturen.

Die beiden Männer auf den Pferden waren der Bruderschaft von Mia als Habicht und Spinne bekannt – Geschwister und die am höchsten geschätzten Meuchelmörder des Königs Aevrett Raijael von Sør Sevier.

Habicht und Spinne saßen geschmeidig und geräuschlos ab und rafften ihre Umhänge, unter denen sie die schwarze Lederrüstung ihrer Zunft trugen. Die bittere Kälte schien ihnen nichts anzuhaben, als sie über den Schnee auf Shawcroft zukamen. Sie glichen einander. Höchstens achtzehn waren sie, hatten kühle, schmale Augen, kantige Kiefer- und Wangenknochen und rabenschwarzes, kurzgeschnittenes Haar. Ihre flinken Schritte zeugten von Selbstgewissheit.

Shawcroft straffte sich. »Ich will keinen von euch töten!«, übertönte er das tief unten dröhnende Wasser.

»Dann verspreche ich, dass wir nicht sterben werden!«, gab Habicht zurück. Seine vertraute Stimme, die melodiös und doch durchdringend war, klang trotz seiner Empörung sanft.

Spinne musterte die Eisklippen hinter Shawcroft, streifte den Jungen nur kurz mit einem Blick und fasste dann die dunkle Spur ins Auge, welche die Frau hinterlassen hatte. »Was die Leute nicht alles tun, um ihre geliebten Angehörigen vor dem Tod durch einen Bluthölzler zu bewahren! Sie ist das furchtbare Risiko eingegangen, aus dem erbärmlichen Goldgräberlager zu fliehen und bis hierher zu rennen.« Ein Dolch, schwarz wie polierte Kohle, erschien in seiner Hand, und er sah Shawcroft herausfordernd an. »Was wirst du tun, um dem Tod durch unsere Hand zu entgehen, alter Mann?«

»Ich bin nicht so alt, dass ich es mit euch beiden nicht mehr aufnehmen könnte. Von eurer Sorte habe ich schon einige besiegt. Auch heute liegt wieder einer tot oben im Lager.«

Habicht taxierte ihn ausdruckslos. »Wir wollen nur den Jungen.«

Shawcroft war sich nicht sicher, ob das Kind nicht am besten jetzt und hier mit ihm sterben sollte. So jedenfalls würde ihm die trostlose Leere erspart, die ihn in Gestalt einer harten und einsamen Zukunft erwartete. Ein rascher Stoß mit dem Stiefel. Er sah zu dem Kind hinab, das zitternd hinter ihm stand. Es würde kaum Anstrengung kosten.

Wieder spürte er, wie der Gletscher sich unter ihm bewegte, und verlagerte vorsichtig sein Gewicht.

Die Meuchelmörder griffen mit behender Böswilligkeit an. Ihre Dolche schienen aus zahlreichen Verstecken in der Rüstung in die Hände zu springen.

Mit raschem Schwertstreich wehrte Shawcroft einen Dolch ab, der auf sein Gesicht zuschoss; der nächste aber drang ihm tief in die rechte Schulter. Von links attackierte ihn Spinne, und seine Hiebe waren wie Glasscherben und trafen wie der Blitz. Habicht flankierte ihn von rechts, sein Angriff ebenso schnell. Binnen kürzester Zeit war Shawcroft an mehreren Stellen verwundet, doch er spürte die Schmerzen nicht. Taubheit war ein schlechtes Zeichen, denn wer wusste schon, mit welchem tödlichen Gift die Bluthölzler ihre Klingen bestrichen hatten.

Plötzlich machte der Gletscher einen Ruck, und Shawcroft und seine Gegner landeten mit dem Gesicht voran auf dem Eis. Die Blutrösser schraken zusammen und verloren wiehernd den Halt, als unter ihnen ein gewaltiges Krachen widerhallte. Eines der Pferde verschwand in der Gletscherspalte, die sich unter ihm geöffnet hatte, und stürzte ins tosende Wasser. Der Spalt riss weiter auf, und Eisbrocken, so massiv wie Burgtürme, stürzten hinein.

Bäuchlings an den Gletscher gekrallt konnte Shawcroft nur ehrfürchtig zusehen, wie die riesigen, glänzenden Eismassen in den Himmel geschleudert wurden. Sein Blickfeld war voller Dunkelblau und Purpur, dazwischen nachleuchtende Splitter von Weiß. Im nächsten Moment stürzte das Eis wieder herunter, zerschellte krachend in gezackte Scherben und stürzte links hinter Spinne in die Tiefe, der nun auf allen vieren darum rang, sich auf der Klippe zu halten.

Shawcroft nutzte die Gelegenheit, kroch heran und stach mit dem Schwert nach ihm. Spinne versuchte seinen Stoß abzuwehren, verlor den Halt und verschwand über die Kante.

Shawcroft sprang auf und fuhr herum, um sich Habicht zu stellen, der ihn nun umso entschlossener angriff. Die ersten Stöße des Bluthölzlers konnte er parieren, und das ringsum brechende Eis machte solchen Lärm, dass das Klirren von Schwert und Dolch kaum zu hören war. Shawcroft wehrte die meisten Hiebe von Habichts glänzenden Dolchen ab, sodass sie ihm allenfalls oberflächliche Schnittwunden beibrachten, doch einige trafen tief. Entschlossen kämpfte er sich näher, traf mehrmals die Lederrüstung seines Feindes, brachte ihn dazu, sich zu ducken, und trieb ihn auf den dröhnenden Abgrund zu, in dem sein Bruder eben verschwunden war. Aber Shawcrofts Verletzungen forderten ihren Tribut. Bei jedem kräftigen...


Durfee, Brian Lee
Brian Lee Durfee ist ein Künstler und Schriftsteller, der in Alaska und Utah aufwuchs. Er hat unter anderem Illustrationen für Tolkien Enterprises und Wizards of the Coast geschaffen. 'DerMond des Vergessens' ist sein erstes großes High-Fantasywerk.

Brian Lee Durfee ist ein Künstler und Schriftsteller, der in Alaska und Utah aufwuchs. Er hat unter anderem Illustrationen für Tolkien Enterprises und Wizards of the Coast geschaffen. 'DerMond des Vergessens' ist sein erstes großes High-Fantasywerk.

Brian Lee Durfee ist ein Künstler und Schriftsteller, der in Alaska und Utah aufwuchs. Er hat unter anderem Illustrationen für Tolkien Enterprises und Wizards of the Coast geschaffen. »DerMond des Vergessens« ist sein erstes großes High-Fantasywerk.



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