Düwel | Julie und Schneewittchen | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 0, 280 Seiten

Reihe: Julies Tagebuch. Schlimmer geht's immer

Düwel Julie und Schneewittchen

Schlimmer geht's immer (1):
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-401-80042-4
Verlag: Arena
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Schlimmer geht's immer (1):

E-Book, Deutsch, Band 0, 280 Seiten

Reihe: Julies Tagebuch. Schlimmer geht's immer

ISBN: 978-3-401-80042-4
Verlag: Arena
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Julies Leben besteht aus Höhepunkten. Und Tiefpunkten. Mehr Tiefpunkten, wenn sie ehrlich sein soll. Die beinhalten ein uraltes Ponynachthemd (zur unpassenden Zeit getragen), einen süßen Jungen (der ungerne in Kellern eingesperrt ist) und eine Person, die dringend Hilfe braucht, sich aber nicht helfen lassen will!! Als einzige Ratgeberin muss Sharon von der Sexhotline aus dem Nachtprogramm herhalten. Und Julies Tagebuch. Noch Fragen? Dann Julie lesen!
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Dienstag, der 4. Mai

Höhepunkte

1) Heute gab es zum ersten Mal nicht Nudeln mit Maggi, sondern …

Tiefpunkte

1) … Tiefkühlgemüse. Würg.

2) Ottilie schreit andauernd. Außerdem kratzt sie sich wie blöde im Gesicht. Da sie ziemlich lange Fingernägel hat, sieht sie inzwischen aus wie Freddy Krüger.

3) Habe in Mathe eine Fünf zurückbekommen. Das ist die erste Fünf meines Lebens. Wahrscheinlich werde ich ein Schulversager.

4) Hanna und ich haben uns tierisch gefetzt.

5) Mama heult noch immer. Fange langsam an, mir ernsthaft Sorgen zu machen.

Ich habe heute die erste Fünf meines Lebens zurückbekommen. Papa meinte, das sei nicht schlimm, er sei auch immer schlecht in Mathe gewesen, aber das sagt er nur, um sich nicht weiter damit beschäftigen zu müssen. Mit dem Kopf ist er nämlich ganz woanders.

Ottilie hat wieder die halbe Nacht durchgeschrien und Papa hat nur zwei Stunden am Stück geschlafen. Ich hab echt Glück, dass mein Zimmer auf der anderen Seite des Flurs liegt. Sonst sähe ich jetzt wahrscheinlich genauso grau und ZERKNITTERT aus wie er.

Normalerweise sieht Papa echt gut aus. Katja meinte sogar einmal, dass ich Glück hätte, wenn ich mehr nach ihm komme als nach meiner Mutter (wegen Mamas dickem Po), aber im Moment dürfte sie ihn echt nicht zu Gesicht bekommen. Nicht den Po, sondern meinen Vater, meine ich. Unter den Augen hat Papa nämlich zurzeit ganz dunkle Ringe und sein Zwanzig-Cent-Stück auf dem Kopf (die kahle Stelle, von der er immer sagt, dass es sie gar nicht gibt) ist inzwischen mindestens so groß wie ein Zwei-Euro-Stück. Weil Ottilie so viel schreit, trägt Papa sie die ganze Zeit über der Schulter und dabei spuckt Ottilie ihn manchmal mit einem weißlichen Brei voll, sodass sein Rücken inzwischen aussieht, als wäre er voller Vogelkacke. Leider hört Ottilie selbst beim Spucken nicht auf zu schreien und deshalb hat Papa heute die Hebamme angerufen und die hat gesagt, dass Ottilie vielleicht deswegen so viel schreit, weil es mit dem Stillen nicht so richtig klappt.

Also war ich eben im Supermarkt und hab Milchpulver gekauft, aber bisher weigert sich Ottilie noch standhaft, das Zeug zu trinken. Ottilie will an die Brust, aber jedes Mal, wenn sie zu saugen anfängt, fließen bei meiner Mutter wieder die Tränen und dazu macht sie ein Geräusch wie das Pumuckl-Pupskissen, das Paul neulich auf Jannicks Stuhl gelegt hat. Das mit dem Pupskissen war echt lustig, aber bei meiner Mutter hört es sich gar nicht lustig an. Eher so wie bei einem verendenden Tier. Bambi oder so. So als wäre sie ganz allein auf der Welt und müsste demnächst ganz jämmerlich sterben.

Als ich Mamas Pups-Schluchzen zum ersten Mal gehört hab, habe ich sie gedrückt und ihr gesagt, dass ich sie ganz doll lieb habe und Ottilie und Papa auch, aber selbst das hat sie nicht wieder aufgebaut. Sie hat immer nur weitergeheult und mir dabei über den Kopf gestrichen, als wenn ich Krebs hätte. Und »Wurzelgemüse« hat sie wieder nicht gesagt.

Papa meint, Mama ginge es morgen garantiert besser. Aber das hat er vorgestern auch schon gesagt und gestern auch und deshalb glaube ich ihm das nicht mehr. Meiner Meinung nach müsste er mal jemanden, der etwas davon versteht, fragen, ob das mit diesem Baby-Blues noch normal ist, aber davon will er nichts hören. Ich weiß nicht, ob das bei anderen Vätern auch so ist, aber Papa hasst es, andere um Rat zu fragen. Wenn wir uns verfahren haben, kurvt er grundsätzlich erst stundenlang in der Gegend rum, ehe er an der Tankstelle nach dem Weg fragt. Und letztes Jahr mussten wir unsere Fahrräder monatelang draußen im Regen stehen lassen, weil der Fahrradschuppen, den er gebaut hat, nach drei Tagen wieder zusammengebrochen ist. Mama hat gesagt, er hätte vielleicht doch ein richtiges Fundament bauen sollen. Und warum er nicht unseren Nachbarn gefragt hat, der ist schließlich Bauingenieur. Aber Papa meinte, Bauingenieure wüssten auch nicht alles und dass der Schuppen zusammengebrochen ist, käme nur von den Maulwurfsgängen drum herum – die unterhöhlen nämlich das ganze Erdreich und dagegen hätte auch unser Nachbar nichts tun können. Oh, das Telefon klingelt. Bin gleich wieder da …

Zehn Minuten später.

Das war Hanna, die gefragt hat, ob ich Lust hätte, nachher zu ihr rüberzukommen. Klar hab ich Lust! Denn erstens haben wir uns wieder vertragen (wir haben uns so was von gestritten, aber dazu später mehr!) und zweitens treffen wir uns seit Wochen fast immer bei mir und das nervt allmählich echt. Katja, Sophie und Hanna (und manchmal auch Franzi) sind nämlich nicht bei mir, weil sie mein Zimmer so toll finden, sondern weil Ben aus der 8a im Reihenhaus direkt nebenan wohnt und weil Hanna seit dem Auftritt seiner Band neulich auf dem Schulfest so tierisch verknallt in ihn ist. Ich bin hier also quasi die Liebes-Basisstation. Das ist natürlich nicht wirklich schlimm, aber sonderlich toll ist es auch nicht. Weil ich Ben doch schon aus dem Kindergarten kenne, wo er mich immer vor dem fiesen Till aus der orangen Gruppe beschützt hat, und weil Hanna jetzt jedes Mal, wenn wir ihm draußen auf der Straße über den Weg laufen, an ihrem Ausschnitt herumzupft und »Oh, mein BH drückt vielleicht!« stöhnt. Oder so was Ähnliches. Nur damit Ben auch garantiert mitkriegt, dass sie schon einen trägt.

Ich versinke dann immer halb in den Boden vor lauter Scham, aber bisher habe ich mich noch nicht getraut, das Hanna zu sagen, weil die anderen sonst garantiert wieder behaupten würden, dass ich völlig unreif und in Jungssachen einfach unterentwickelt bin.

Letzte Woche ist die ganze Sache dann beinahe äskaliert.4 Hanna hatte nämlich beschlossen, dass wir alle ganz »zufällig« vor Bens Haustür auf dem Kantstein sitzen sollten, und als er mit seinem Skateboard in der Hand rausgekommen ist, hat sie ihn doch tatsächlich gefragt, ob sie sich nicht mal verabreden wollen. Unglaublich, oder? Hanna hat manchmal ein richtiges Kamíkaze-Gen.

Ben ist stehen geblieben und hat einen Moment entgeistert geguckt, aber dann hat er Hanna geantwortet, es täte ihm leid, im Moment hätte er ziemlich zu tun. Und anschließend ist er mit einem »Tschau, Julie!« ab auf sein Skateboard und weg.

Bei dem »Tschau, Julie!« sind meine Wangen ganz heiß geworden (was aber nichts mit Ben zu tun hat, wirklich nicht) und für einen Augenblick hatte ich das Gefühl, Hanna hätte was davon gemerkt, weil sie so komisch geguckt hat, aber gesagt hat sie zum Glück nichts. (Bei so was ist sie echt ein super Kumpel.) Sophie und Katja haben Hanna fragend angesehen, weil Bens Antwort ja nun wirklich nicht sonderlich ermutigend klang, aber Hanna hat ganz locker gemeint, Ben hätte garantiert nur so reagiert, weil wir dabei gewesen wären, und das nächste Mal würde sie ihn besser alleine ansprechen. Cool, oder? Papa meint immer, von Hannas Selbstbewusstsein könnte ich mir eine Scheibe abschneiden, und wahrscheinlich hat er recht. Obwohl ich inzwischen glaube, dass sie diesmal doch ein bisschen zu weit gegangen ist.

Hanna ist vielleicht der Star bei uns in der sechsten Klasse, aber hey – die Achtklässler spielen doch in einer GANZ ANDEREN Liga. Und außerdem ist Ben sowieso anders. Bei ihm hat man nämlich immer das Gefühl, dass es ihm ganz egal ist, ob er beliebt ist oder nicht. Dabei ist er wirklich sehr beliebt.

Wahrscheinlich ist das so wie die Frage nach der Henne und dem Ei. Entweder muss man beliebt sein, damit es einem egal sein kann, ob man beliebt ist oder nicht. Oder man ist deshalb so beliebt, weil die anderen merken, dass es einem schnurzpiepegal ist, ob man nun beliebt ist oder nicht.

Dummerweise ist es mir überhaupt nicht egal, wie beliebt ich bin. Ich meine, ich muss nicht unbedingt die Beliebteste in der Klasse sein, aber im oberen Drittel zu sein, ist schon ein ziemlich beruhigendes Gefühl. Immer wenn wir Sportunterricht haben und ich werde vor Scharina und Christian und der dicken Jette gewählt, bin ich ganz erleichtert. Weil ich es mir schrecklich vorstelle, ganz bis zum Schluss sitzen bleiben zu müssen. Christian und die dicke Jette gucken auch immer ganz traurig und ich nehme mir dann vor, sie eher zu wählen, wenn ich mal dran bin, eine Mannschaft zusammenzustellen. (Aber bisher war ich noch nie dran.)

Scharina guckt nie traurig. Die guckt immer nur wütend. Vor allem, wenn Christian und der rothaarige Oliver sie »Schneewittchen, Schneewittchen, kein Arsch und kein Tittchen!« nennen.

Den Spruch haben Christian und der rothaarige Oliver natürlich von Hanna, obwohl sie das nie zugeben würde. Aber sie ärgert Scharina ständig damit, so nach dem Motto: »Kannst du mir mal den Stift geben, Schnee- … Scharina?« Anschließend tut sie zwar immer so, als ob es aus Versehen passiert wäre, aber das stimmt nicht. Hanna weiß ziemlich genau, was sie sagt.

Scharina war übrigens auch der Grund, warum ich mich heute in der kleinen Pause so mit Hanna gefetzt habe. Heute hat Hanna Scharina in der Pause nämlich mit Absicht ein Bein gestellt, und als Scharina wieder hochgekommen ist, hat Hanna sich so überschwänglich bei ihr entschuldigt, dass jeder wusste, eigentlich...


Katja Spitzer, geboren in Zerbst, studierte Kunstgeschichte und Geschichte und schloss das Studium mit einer Diplomarbeit zum Thema "Liebespaare in der Malerei der DDR" ab. Von 2002 bis 2009 studierte sie Illustration an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Seit 2009 arbeitet sie als freie Illustratorin.



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