E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Drake Nur eine Nacht mit Dr. Robinson?
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-2960-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-2960-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Mein Leben ist gut so, wie es ist.' Ben Robinson hat der Liebe abgeschworen. Daran ändert auch sein Urlaubsflirt mit der schönen Ärztin Shanna nichts! Bis sie ihn überraschend in seiner Klinik in Argentinien besucht und längst verloren geglaubte Gefühle in ihm weckt...
Diane, eine relative neue Erscheinung im Liebesromanbetrieb, ist am meisten für ihre Sachliteratur unter dem Namen JJ Despain bekannt. Sie hat mehr als sieben Sachbücher geschrieben, und ihre Magazin Artikel erschienen in zahlreichen Zeitschriften. Zusätzlich zu ihrer Schreibtätigkeit, unterrichtet Dianne jedes Jahr in dutzenden von Schreibkursen. Dianne`s offizieller Bildungshintergrund besteht aus klassischer Musik und Krankenpflege. Beides mit einem Collegeabschluss. Ihre erste Karrierestation war Bassistin in einem Symphonieorchester. Ihre zweite Station war Krankenpflegerin und Anästhesistin. Eine Verletzung machte sie leider dauerhaft Arbeitsunfähig auf diesem Gebiet. Ihr Hobby und ihre Leidenschaft sind Antiquitäten. Sie sammelt antike europäische Öllampen, altmodische amerikanische Küchenutensilien und Broschen aus aller Welt aus dem Zeitraum 1600 - 1900. Neben ihrer Leidenschaft für Antquitäten hat Dianne ein großes Herz für Tiere. All ihre sechs Tiere hat sie aus einem Tierheim zu sich nach Hause geholt. Dianne ist mit Joel verheiratet, und ihre Tochter Jennifer ist College Studentin. Im Jahr 2000 war Dianne die Empfängerin des Daphne du Maurier Award für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet Mystery & Spannung.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Ben Robinson öffnete die Fensterläden und ließ die kühle Morgenluft in den Raum. Eine Schicht Neuschnee lag über dem Tal. Das freute ihn, denn so konnte er seinen letzten Urlaubstag noch mit Skifahren verbringen. Perfekt. Absolut perfekt.
Tatsächlich war alles an diesem Urlaub perfekt. Das erste Mal in fünf Jahren, dass er Zeit für sich hatte. Die Toskana im Winter war immer sein Traum gewesen, von dem er nie gedacht hatte, dass er je Wirklichkeit werden würde. Morgens schlief er lang und gönnte sich abends all die italienischen Köstlichkeiten. Tagsüber erforschte er die märchenhaften Dörfer des Tals, die sich in den letzten zweihundert Jahren nicht verändert zu haben schienen, dazu uralte Kirchen, Schlösser und Burgen.
Außerdem hatte er Shanna getroffen. Sie mochte dieselben Dinge wie er: späte Abendessen, kleine Entdeckungen. Alles ganz leicht und einfach. Ben wusste nicht genau, was sich zwischen ihnen entwickelt hatte. Freundschaft? Eine kurze Bekanntschaft? Nun war es jedenfalls vorbei: Sie hatte Pläne für diesen Tag, er hatte seine eigenen, und morgen reiste er ab.
Es war kein klassisches Urlaubsabenteuer gewesen. Keine Küsse – nicht einmal ein Abschiedskuss. Keine gemeinsamen Morgenstunden im Bett, keine Intimitäten während des Dinners. Gestern hatten sie sich verabschiedet, ohne über seine Abreise zu sprechen. Aber genauso hatte er es gewollt: genug Abstand. Eine nette Begleitung, aber nicht mehr.
So war es sicher.
Er seufzte. Vielleicht würde Shanna heute noch einmal in das Café kommen, in dem sie sich während der letzten zwei Wochen morgens getroffen hatten. Aber er wollte sich nicht darauf verlassen. Das tat er nie.
„Ist hier noch frei?“, fragte eine bekannte Stimme.
„Vielleicht“, erwiderte er, ohne aufzublicken, damit sie nicht die Freude in seinen Augen sah. „Wenn die Richtige fragt.“
„Wer wäre denn die Richtige?“
„Eine, die ihre Pläne für den Tag ändert und mit mir zum Skifahren kommt.“ Das sagte er so neutral wie möglich, um nicht zu viel Hoffnung oder Angst zu verraten.
Shanna Brooks. Sie war bis zu den Augen in Schals vergraben, auf dem Kopf eine Mütze, unter der Strähnen ihres kupferfarbenen Haares hervorlugten. Wie immer nahm sie ihm den Atem. Als sie sich gegenüber von Ben niederließ, konnte er nicht anders, als die so lebendigen grünen Augen zu bemerken.
Sie schälte sich aus den vielen Lagen Kleidung, ein Ritual, bei dem er ihr freudig zusah. Er war schließlich nicht tot, nur allein. Freiwillig.
„Du könntest ja auch mit mir einkaufen gehen“, sagte sie und legte die Mütze auf das Fensterbrett.
„Das geht nicht“, sagte er. „Ich habe eine Mission. Zwölf Tage hintereinander ohne Verletzungen Ski fahren.“
„Was, wenn dich dein Glück verlässt und du dir gerade am letzten Tag das Schienbein brichst?“
„Dann musst du mich ins Krankenhaus fahren.“
Sie nickte. „Gut. Nach dem Shoppen, mit all meinen Tüten und Taschen.“
„Dir sind noch ein Paar Handschuhe also wichtiger als meine schweren Verletzungen?“ Er begab sich auf gefährliches Terrain, das wusste er, viel zu nah an einem Flirt.
„Ja, schließlich bin ich immer noch im Urlaub.“
Er setzte einen verzweifelten Gesichtsausdruck auf. „Aber du könntest wenigstens zusehen, wie sie den Gips anlegen.“
„Nicht mein Fachgebiet“, sagte sie.
„Was war dein Fachgebiet?“, fragte er. Sie hatte ihm überhaupt erst fünf oder sechs Tage, nachdem sie sich kennengelernt hatten, erzählt, dass sie Ärztin war – obwohl sie wusste, dass er ebenfalls als Arzt arbeitete.
„Keine Knochen.“ Sie blickte in die Ferne. Er sah, wie sie versuchte, Traurigkeit oder Missbilligung nicht an die Oberfläche kommen zu lassen.
„Ich konnte Knochen auch nie besonders gut leiden“, sagte er. Er winkte dem Kellner, der ihnen Kaffee an den Tisch brachte.
„Kann ich dich heute zu einem Sekt überreden?“, fragte sie.
„Kaffee ist besser.“
Sie hielt inne, und ein wissender Ausdruck stahl sich auf ihr Gesicht. „Du trinkst nie, oder?“
„Warum fragst du?“
„Beim Abendessen habe ich ein paar Mal Wein getrunken, aber du hast immer …“ Sie zuckte mit den Schultern. „Du hast recht. Kaffee ist gut. Aber du hättest es mir erzählen sollen, Ben, dann hätte ich nicht …“
„Da gibt es nichts zu erzählen.“ Warum sollte er einen kleinen Flirt mit so etwas belasten? Es war so nett zwischen ihnen, gerade weil er den normalen Ben einmal vergessen hatte. Doch auch jetzt, wo es Zeit wurde, den richtigen Ben Robinson wieder hervorzuholen, sah er keine Notwendigkeit, etwas zu erklären.
„Außer von einem Alkoholproblem? In der Vergangenheit, nehme ich an? Es wäre einfach gut zu wissen gewesen, dann hätte ich keinen Wein getrunken.“
„Was du trinkst oder nicht trinkst, ist mir egal“, unterbrach er sie. „Davon lasse ich mich nicht beeinflussen.“
„Aber ich wäre gern rücksichtsvoller gewesen.“
Und nun begannen die Peinlichkeiten zwischen ihnen, obwohl der letzte Tag einfach nur nett hätte sein sollen. Genau deswegen vermied er Beziehungen. Ja, er hatte ein Alkoholproblem gehabt, aber das war lange her. Und ja, ab und zu war er immer noch in Versuchung, auch wenn er seit zehn Jahren keinen Drink mehr angerührt hatte.
Sie griff nach seiner Hand. „Glaub mir, Ben, ich verstehe, wie Schwächen die Oberhand gewinnen. Aber du hast recht, wir kennen uns nicht gut genug, um uns etwas beichten zu müssen. Es war schön, ein paar Stunden mit einem netten Mann zu verbringen.“
Dann kam das Frühstück, sie aßen und unterhielten sich über Unwichtiges. Es war vorbei. Sie verabschiedeten sich freundlich, und er ging Skifahren, sie shoppen. Danach verbrachte Ben Robinson, für immer allein, wie er es sich geschworen hatte zu bleiben, die sechsunddreißig Stunden im Flugzeug und beim Umsteigen damit, sich zu fragen, warum er nicht einfach einmal den Moment genossen hatte.
„Weil einen danach die Realität wieder einholt“, murmelte er und zog den Sitzgurt fest.
„Kaffee? Tee? Ein Erfrischungsgetränk?“, fragte die Flugbegleitung, während er versuchte, seine langen Beine auszustrecken. „Oder ein Cocktail, Sir?“
An Abenden wie diesen war er in Versuchung. Es war schwer, weiterzukämpfen, weil er nicht wusste, wogegen er stärker kämpfte: gegen den Drang, sich mit Alkohol zu betäuben, oder gegen sich selbst. Doch dann dachte er an Shannas grüne Augen, an ihre Lebendigkeit, einen Funken, der ihn seine Pläne für den Urlaub hatte ändern lassen. Doch nun war Shanna nur noch eine Erinnerung. Wie jedes Mal, wenn er versucht war, seinen Entschluss zu vergessen, atmete er tief ein und führte sich seine Verantwortlichkeiten vor Augen. „Nur Wasser bitte“, sagte er zur Flugbegleiterin.
„Okay, Ben Robinson, wer bist du wirklich?“ Vor zwei Tagen hatten sie sich zum letzten Mal gesehen. Sie fragte sich noch immer, warum er ihr nicht vertraut hatte. Es ging nicht nur um das Trinken. Sie hatten eine schöne Zeit miteinander gehabt, aber jede einzelne Minute hatte er ihr deutlich gezeigt, dass er ausreichend Abstand bevorzugte. Gemeinsam allein – so fühlte sie sich, wenn sie zusammen waren.
„Wer bist du?“, fragte sie den Computerbildschirm, als sie Bens Namen in die Suchmaschine eingab. „Und was machst du in Argentinien?“ Und wo genau in Argentinien bist du eigentlich? Erst als er weg war, wurde ihr klar, dass sie nicht einmal das wusste.
Und doch war eine merkwürdige Art Verbindung zwischen ihnen entstanden. Was an Ben Robinson zog sie so an?
Vielleicht war es ganz einfach: Er wirkte, als wisse er, was er wollte. Als hätte er sich selbst längst gefunden. Sie hingegen wusste gar nichts, fühlte sich verloren. Er war stabil, sicher. Ihre eigene Sicherheit hatte sich in Luft aufgelöst, war nichts gewesen als eine Illusion. So etwas würde Ben nicht passieren, er würde keine Illusionen an sich heranlassen. Natürlich war das Leben, das er sich ausgesucht hatte, kein einfaches, aber die Härte gab Sicherheit. Und die brauchte Shanna auch, denn sie war ins Straucheln geraten.
War Ben nicht auch gestrauchelt? Die Narben auf seinem Hals verrieten das. Und der Alkohol. Doch er hatte es geschafft, und das war bei ihr noch nicht der Fall. Deswegen gab sie jetzt seinen Namen ein und suchte nach medizinischen Einrichtungen und Publikationen, die ihn erwähnen konnten.
Sie hatte ihr Leben unterbrochen, um herauszufinden, wie sie jemand anders sein konnte. Wie sie einen neuen Anfang machen und zu mehr Sachlichkeit finden konnte. Gefühllosigkeit. So lebte Ben, so hatte er Erfolg. So musste auch sie leben, wenn sie weiter Ärztin sein wollte. Sie musste Abstand zwischen sich und ihre Leidenschaft – die Medizin – bringen oder aber diese Leidenschaft vollständig aufgeben.
Ben hatte sie fasziniert. Das war ihr am ersten Morgen klar geworden, als sie im Café aufeinandergetroffen waren, und später, als sie Schulter an Schulter im Skilift gesessen hatten, ohne viel zu reden. Er hatte Abstand, und doch war er Arzt, führte ein kleines Krankenhaus. Wie passte das zusammen?
„Wahrscheinlich bin ich verrückt, Ben“, sagte sie zum Bildschirm, als eine Liste mit Links angezeigt wurde, von denen ihr keiner weiterhalf. „Aber wir beide sind noch nicht fertig miteinander.“ Sie klickte sich weiter, bis der vierte Versuch zum Erfolg führte. „Bist du mein Ben Robinson?“, fragte sie den Mann, der auf dem...




