E-Book, Deutsch, 550 Seiten
Doyle Order of the Unseen
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98718-492-5
Verlag: VAJONA
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 550 Seiten
ISBN: 978-3-98718-492-5
Verlag: VAJONA
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Entlang des Bürgersteigs und auf dem Weg zur Haustür sind geschnitzte Kürbisse verteilt. Ich bin von den flackernden Flammen hinter den präzise ausgeschnittenen Gesichtern wie hypnotisiert. Spinnweben bedecken die Büsche, Neonscheinwerfer beleuchten den Eingang und unter meinen Füßen sind blutige Fußabdrücke auf dem Pflaster zu sehen.
Musik dröhnt durch das Haus, als ich eintrete, und eine dicke Rauchschicht aus einer Nebelmaschine, die neben der Tür versteckt ist, kriecht über den Boden. Überall stehen Menschen in Kostümen herum. Es war kein Witz, als sie meinten, diese Halloween-Party würde in Salems Geschichte eingehen.
Allein hierherzukommen, war eine schlechte Idee. Bei dem Gedanken läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken. Schnell drehe ich mich auf dem Absatz um, doch Jenna stößt mich fast um.
»Quinn!«, ruft sie, der Geruch von Wodka liegt in ihrem Atem, während sie sich an meinen Armen festhält, um sich zu stützen. »Du bist hier!«
»Irgendwie ja.«
»Ich hatte keine Ahnung, dass du kommst«, plappert sie betrunken vor sich hin. »Ich bin so froh, dass du hier bist.«
Wahrscheinlich ist sie schockiert, mich auf einer Party zu sehen, da ich sonst soziale Zusammenkünfte meide.
»Hast du Stacy gesehen?«, fragt sie.
»Noch nicht. Ich bin gerade erst gekommen«, antworte ich. »Tut mir leid.«
Damit huscht sie davon.
Auf meinem Weg durch den überfüllten Flur in die Küche übertönen laute Gespräche die Musik aus den anderen Räumen. Flackernde Kerzen spenden das perfekte Licht, damit ich entscheiden kann, was ich trinken möchte.
Bier. Bier. Schnaps.
Es wird eine gruselige Party-Bowle.
»Gute Wahl«, sagt eine Stimme, während ihr Besitzer in mein Blickfeld tritt. »Die knallt richtig.«
Schnaubend rolle ich mit den Augen. »Je stärker, desto besser«, sage ich und kippe mir dabei fast so viel in meinen Becher, dass er überläuft. »Cooles Joker-Make-up.«
»Danke.« Er zieht eine Augenbraue hoch. »Was sollst du darstellen?«
Als ich an meinem Outfit hinunterschaue, ist mir das ein bisschen peinlich. Das war mein Versuch, in letzter Minute ein Kostüm zusammenzustellen, aber ich habe dennoch keine Ahnung, wer oder was ich bin. Alles, was mir eingefallen ist, waren ein enger schwarzer Korsett-Body, eine Netzstrumpfhose und schwarze Springerstiefel.
»Das ist eine gute Frage«, antworte ich verlegen.
»Kevin«, ruft jemand vom anderen Ende des Raumes aus. »Kommst du mit?«
Der Joker schaut in ihre Richtung und nickt, bevor er sich wieder mir zuwendet. »Wie war dein Name noch mal?«
»Quinn.«
»Man sieht sich, Quinn.«
Die Halloween-Bowle tatsächlich. Der Joker hatte recht.
Ein dünner Nebelfilm wabert über den Boden und umgibt alle auf der Tanzfläche. Ich mache mich auf den Weg in die Mitte des Raumes und wiege meine Hüften im Takt der Musik, angelockt von den Stroboskoplichtern, die aus allen Richtungen zu kommen scheinen. Ich hebe meine Arme in die Luft und schließe die Augen, um mich dem neuen, unbeschwerten Gefühl hinzugeben, das mich durchströmt.
Gott sei Dank gibt es Alkohol bei solchen sozialen Zusammenkünften.
Plötzlich liegen Hände an meiner Taille und führen mich im Rhythmus der Musik. Ich tanze weiter und kümmere mich nicht um die Person hinter mir, bis sie ihre Hände weiter nach vorne schiebt.
Tiefer.
Als ich sie wegschlage, beschleicht mich ein unangenehmes Gefühl, dem ich zunächst keine Beachtung schenke. Bis sich die Person an mir festhält und sich an meinen Körper drängt. Sie begrapscht meine Brüste und wandert mit ihren Händen wieder bis zu meiner Taille hinab.
»Stopp«, stoße ich hervor und versuche, mich loszureißen.
Die Person atmet schwer gegen mein Ohr. »Gefällt dir das?«
»Nein, du Widerling«, schieße ich zurück.
Er ist zu stark.
»Nein! Nein! Stopp!«
Er küsst träge meinen Hals und versucht seine Finger unter den Stoff meines Korsetts zu schieben. Endlich kann ich mich aus der Umklammerung befreien und stoße mit mehreren Leuten zusammen, die neben uns tanzen. Zu meinem Entsetzen ignorieren sie uns völlig. Mein Herz hämmert hart in meiner Brust. Es sind so viele Leute. Es ist zu laut. Der Rauch ist so dicht, dass ich kaum sehen, geschweige denn atmen kann.
Als ich mich zu der Person umdrehe, die kein Nein als Antwort akzeptiert, überkommen mich Wut und Abscheu. Er tritt vor und greift erneut nach mir. Ich schlage meine Hände gegen seine Brust und stoße ihn weg. Dieses Mal kapiert er den Wink.
Dennoch kann ich sehen, dass ihn meine Ablehnung stört. Seine Augen werden dunkel. Kalt. Er wird so starr wie Stein. Angst macht sich in mir breit, und bevor ich die Situation begreife, schnappt er sich einen roten Plastikbecher aus der Hand von irgendjemandem.
Innerhalb von Sekunden ist mein Oberteil mit Bier durchtränkt. Mir fällt fast die Kinnlade herunter, als ich ihn ungläubig anstarre, entsetzt darüber, dass er mir gerade ein Getränk ins Gesicht geschüttet hat.
»Bitch«, lacht er.
Eine große, dunkle Gestalt erscheint in meinem Augenwinkel. Plötzlich liegt mein Angreifer am Boden, der Mann ragt über ihm auf. Er beugt sich herunter und rammt ihm die behandschuhten Fäuste ins Gesicht.
Wieder und wieder.
Er packt ihn an der Kehle. »Wenn du sie noch einmal anfasst, schlachte ich dich wie einen kranken Hund ab.«
Man kann beinahe hören, wie sein Gesicht bei jedem Schlag knackt, während das Blut wie aus einem Wasserhahn aus seiner Nase fließt.
Ein Song dröhnt aus den Lautsprechern.
Die anderen Partygäste flüchten aus dem Weg und beobachten ängstlich, wie sich die Szene vor unseren Augen abspielt. Mehrere Leute versuchen die Situation zu deeskalieren. Aber sobald sie anfangen ihn wegzuziehen, stürzt er sich auf sie und schüchtert sie ein.
Sie weichen sofort zurück, weil sie nicht sein nächstes Ziel sein wollen.
Mein Herz klopft gegen meinen Brustkorb und mir wird endlich klar, dass das alles für mich war. Er hat mir geholfen. Er hat mich beschützt.
Seine Silhouette ist erschreckend. Primitiv. Es ist, als würde er seine Beute jagen und nicht aufhören, auf sie einzuschlagen, bis sie ohnmächtig ist.
Die ganz in Schwarz gekleidete Gestalt dreht sich langsam zu mir um und in dem Moment, in dem ich Maske sehe, die seine Identität verbirgt, bin ich ein heißes, zitterndes Chaos.
Dieser Moment hat einfach etwas an sich, das mich in seinen Bann zieht. Er kommt auf mich zu und überragt jetzt meine kleine Gestalt. Er ist mindestens einen Meter neunzig groß, und obwohl der dunkle Stoff seines Kostüms seinen Körper verdeckt, ist es offensichtlich, dass er wie ein Gott gebaut ist.
Er neigt seinen Kopf, um meine Reaktion zu studieren, und mein Körper reagiert wie auf Kommando. Meine Nippel werden hart und drücken gegen den Stoff meines Korsetts. Die Innenseiten meiner Oberschenkel werden feucht. Mein Gesicht ist gerötet und mein Atem geht schwer.
»Danke«, platze ich heraus.
»Sein Gesicht!«, ruft ein Kerl in Cowboy-Kleidung und kniet sich über meinen Angreifer, der immer noch blutet und bewusstlos ist. »Du hast ihm das Gesicht gebrochen, Mann! Ich bringe dich um!«
Kopf schnellt in seine Richtung.
Der Cowboy springt auf und stürmt auf uns zu, mich überkommt die Angst. Mit einer schnellen Bewegung holt Ghost aus und seine Faust trifft den Kiefer des Cowboys. Er bricht auf dem Boden zusammen und bleibt regungslos liegen.
Alle fangen an zu schreien. Es ist ein wahres Blutbad. Ich bin wie erstarrt.
Eine weitere Gestalt erscheint in meinem Augenwinkel und holt mich in die Realität zurück. Sie packt Ghosts Schultern und versucht ihr Bestes, ihn zurückzuhalten. Es wird deutlich, dass die beiden sich kennen.
Ohne darüber nachzudenken, dränge ich mich durch die Menschenmenge – manche lachen, manche weinen – und schließe meine Finger um Ghosts Handgelenk. Er schaut zu seinem Freund zurück, der eine -Maske trägt, und beide nicken.
Ich ziehe ihn mit mir, als wir den Raum verlassen, um eine Ecke biegen und dabei fast jemanden umstoßen. Eine große Wendeltreppe kommt in Sicht und ich führe sie hinauf. Auf dieser Etage ist es viel dunkler, aber weniger überfüllt, und die Musik scheint nur noch lauter zu werden. Sie hallt durch den Korridor und klingt wie ein schlagendes Herz.
Ich stoße die nächstgelegene Tür auf und stolpere über ein Paar Schuhe. Bevor ich falle, fängt Ghost mich auf und zieht mich dicht an seine Brust. Er ist so fest. Männlich. Ich starre durch meine Wimpern zu ihm auf, blicke hilflos in die großen Augen seiner Maske.
Jason schließt die Tür hinter uns.
Und hier bin ich jetzt, allein mit Ghost und Jason – zwei Menschen, die ich noch nie getroffen habe. Und doch habe ich mich noch nie so sicher gefühlt.
Was sagt das über mich aus?
Es liegt eine glühende sexuelle Spannung im Raum, eine Elektrizität in der Luft, und meine Innenschenkel werden wieder glitschig.
Tja,
Ich bin fasziniert.
Vielleicht liegt es daran, dass Ghost mich so fest an seinen Körper presst und sein Parfüm so verdammt verführerisch riecht, dass mir schwindelig wird. Oder vielleicht liegt es daran, dass er gerade einem Typen die Scheiße aus dem Leib geprügelt...




