E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Douglass Vertrauen, Liebe, Happy End?
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-0857-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7515-0857-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als Single-Anwältin Megan Jennings von New York aufs Land zieht, ist es wie ein Sprung ins kalte Wasser. Auf einen arroganten Ranchbesitzer kann sie daher gut verzichten - auch wenn Cade Battle der attraktivste Mann ist, der ihr je begegnet ist. Bis sie seine Hilfe braucht ...
Als Tochter lesebegeisterter Eltern ist Kathy Douglass mit Büchern aufgewachsen und hat schon früh eins nach dem anderen verschlungen. Dann studierte sie Jura und tauschte Liebesgeschichten gegen Gesetzestexte ein. Nach der Geburt ihrer zwei Kinder wurde aus der Liebe zum Lesen eine Liebe zum Schreiben. Jetzt schreibt Kathy die Kleinstadt-Romances, die sie selbst immer gern gelesen hat.
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1. KAPITEL
Als Megan Jennings ihren mitternachtsblauen Mercedes am Rande der Einfahrt zum Haus der Whitaker-Schwestern parkte, blieb ihr vor Staunen der Mund offen stehen. Sah sie wirklich das, was sie zu sehen glaubte? Sie beugte sich vor und starrte durch die Windschutzscheibe. Mehrmals blinzelte sie, doch das Bild blieb dasselbe. Nein, das war keine Sinnestäuschung. Da kämpfte tatsächlich ein Mann mit dem größten Schwein, das ihr jemals vor Augen gekommen war. Dem schweißnassen Oberkörper des Mannes nach zu urteilen, dauerte der Kampf schon eine ganze Weile. Und das quiekende Schwein machte nicht den Eindruck, als würde es sich so schnell geschlagen geben.
Das Tier drängte den Mann gegen die Seitenwand des Trucks. Der Mann ächzte, als er kurzzeitig die Gewalt über das Schwein verlor. Es ließ die Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen und trat die Flucht an. Fluchend warf sich der Mann auf das Schwein, und die beiden rollten im Gras.
Megan, die in New York groß geworden war, hatte in ihren achtundzwanzig Jahren schon manch Seltsames gesehen. Bei einem kurzen Spaziergang über den Times Square waren ihr ein nackter Cowboy und Menschen, die als Comic-Figuren verkleidet waren, begegnet. Mit der Zeit hatte sie sich an solche Anblicke gewöhnt und schaute nicht einmal mehr hin. Aber das hier? Das übertraf sogar ihr Vorstellungsvermögen.
Vor einigen Monaten war sie von Manhattan nach Spring Forest in North Carolina gezogen. Die Kleinstadt gefiel ihr; an das langsamere und beschaulichere Tempo hatte sie sich bereits gewöhnt. Doch so etwas hatte sie noch nie gesehen. Ebenso wenig einen Mann, der so gut gebaut war. Das sollte schon etwas heißen; schließlich hatte sie in einer Stadt voller Models und Schauspieler gewohnt, die ihren Lebensunterhalt zumindest teilweise mit ihrem guten Aussehen verdienten.
Fasziniert stieg sie aus und näherte sich langsam dem Ort des Geschehens – mit der gebührenden Vorsicht, um sich gegebenenfalls rasch wieder in die Sicherheit ihres Wagens zu flüchten. Schließlich wusste sie nicht viel über Schweine oder Männer, die mit ihnen kämpften. Ihre hohen Absätze machten aus ihrem Gang über den Kiesweg ein kleines Abenteuer, aber sie wäre nie auf die Idee gekommen, Slipper zu tragen. Obwohl sie jetzt in einer Kleinstadt lebte, hatte sie einige Großstadtangewohnheiten beibehalten. Immer noch trug sie die Hosenanzüge, die sie bei ihrer Arbeit in der New Yorker Anwaltskanzlei getragen hatte. Die Businesskleidung verlieh ihr ein Selbstvertrauen, das ihr nach dem unerwarteten Tod ihrer Familie und den Jahren bei diversen Pflegefamilien abhandengekommen war.
Je näher sie kam, umso beeindruckender sah der Ringer aus. Groß und mit Muskeln, denen man jahrelange harte Arbeit ansah, und ein Gesicht, das man durchaus als sexy beschreiben konnte. Sollte er jemals über einen Berufswechsel nachgedacht haben, hätte er als Model ein Vermögen verdienen können. Angesichts dessen, womit er gerade beschäftigt war – das Schwein verharrte einen Augenblick reglos, ehe es sich auf den Mann stürzte –, war jede andere Tätigkeit eine Verbesserung. Vorausgesetzt natürlich, er würde den Fight mit dem Tier überleben, was man momentan nicht mit Sicherheit sagen konnte.
Die Lippen des Mannes bewegten sich, aber er sprach zu leise, als dass sie seine Worte hätte verstehen können. Neugierig trat sie noch näher.
„Mach nur so weiter, und du wirst bald auf dem Grill landen“, drohte der Mann leise. Seine Stimme war tief und trotz seiner Worte ziemlich sexy. Als Antwort stieß das Schwein grunzend gegen den Mann. „Die Schwestern mögen mich. Die werden mir schon glauben, wenn ich ihnen erzähle, dass du fliehen wolltest. Und dann wirst du zum Sonntagsbraten, und der Rest kommt während der Woche auf den Tisch.“
Dem Schwein schien die Bemerkung nicht zu gefallen; es bockte und trat und machte dem Mann das Leben zur Hölle. Als er es festhielt, sah es aus, als würde er auf dem Schwein reiten wie auf einem Wildpferd. Megan wäre nicht überrascht gewesen, wenn er seinen Cowboyhut, den er die ganze Zeit über nicht verloren hatte, in die Luft geworfen und „Yippie!“ gerufen hätte. Die Szene war so absurd, dass Megan nicht anders konnte, als hemmungslos zu kichern.
Verdutzt schaute der Mann auf, wobei er die Gewalt über das Schwein verlor, das sofort wieder zum Angriff überging. Mit einem Satz rettete er sich hinter die Rampe des Trucks. Megan stockte der Atem, als das Tier drohend den Kopf senkte. Ein erstickter Schrei entrang sich ihrer Kehle, als das Schwein den nackten Oberkörper des Mannes um wenige Zentimeter verfehlte, während es die Rampe hinaufstürmte. Mit einer eleganten Bewegung wich der Mann dem Tier aus, das auf der Ladefläche landete. Im Handumdrehen entfernte der Mann die Rampe und schloss die Klappe.
Wow! Megan merkte, dass sie zu schwitzen begonnen hatte, und fuhr sich mit den Fingern über ihre feuchte Stirn, ehe der Mann die Tropfen sehen konnte. Die Erleichterung darüber, dass dem wackeren Kämpfer nichts passiert war, mischte sich mit dem Gefühl der Belustigung, die das Schauspiel in ihr ausgelöst hatte, und sie begann zu lachen. „Meine Güte. So etwas habe ich ja noch nie gesehen.“
Der Schweinebezwinger warf ihr einen wütenden Blick über die Schulter zu. Das Lachen erstarb ihr in der Kehle. Ganz offensichtlich teilte er ihre Heiterkeit nicht.
Sie wollte sich schon entschuldigen, überlegte es sich dann aber anders. Warum sollte sie ein schlechtes Gewissen haben, nur weil sie die Situation witzig fand? Sie hatte lange genug in strengen Pflegefamilien gelebt, die jede Form von Fröhlichsein unangemessen fanden. Oft hatte sie das Gefühl gehabt, dass sie ihr das Lachen austreiben wollten. Einige von ihnen hätten es tatsächlich beinahe geschafft.
Aber jetzt bestimmte sie selbst über ihr Leben – und über ihre Gefühle.
Der Mann nahm ein kariertes Hemd von der Stoßstange des Trucks und wischte sich damit den Schweiß aus dem Gesicht und vom Oberkörper, bevor er es überstreifte und die unteren vier Knöpfe schloss. Dann zupfte er an dem Stoff, als wollte er die Falten glätten, und versuchte, einen Grasfleck wegzuwischen, was er aber aufgab, als er merkte, dass es aussichtslos war.
Offenbar hatte er keine Lust sich vorzustellen. Also trat sie mit ausgestreckter Hand auf ihn zu. In dem Moment wurde die Haustür des Farmhauses geöffnet, und Bunny Whitaker, eine der beiden Frauen, mit denen sie einen Termin hatte, kam die Treppe herunter. „Prima. Du hast Little Piggy also in den Truck gekriegt, Cade?“
Little Piggy? Megan schüttelte den Kopf. Das Schwein war alles andere als klein.
„Jawohl, Ma’am.“
Wenn Bunny wüsste, dass ihr Freund damit gedroht hatte, ihr Little Piggy zu Grillfleisch zu verarbeiten, würde ihr das Lachen bestimmt vergehen.
„Er hat doch keine Probleme gemacht, oder?“
„Nein, Ma’am. Kein bisschen.“
Megan riss die Augen auf, als sie seine Lügen hörte. Wenn das kein Problem gewesen sein sollte, dann wusste sie nicht, was eines war.
„Du bist eben ein braver Junge, nicht war, Little Piggy?“ Bunny beugte sich in den Truck und kraulte das Schwein, das zufrieden grunzte.
Bunny richtete sich wieder auf. „Ich bin dir wirklich dankbar dafür, dass du ihn zu dir nimmst. Wir trennen uns nicht gerne von ihm, aber Birdie und ich haben einfach keinen Platz mehr für ihn. Bei dir wird er es gut haben, das weiß ich.“
„Jawohl, Ma’am.“
Bunny schaute sich um und lächelte, als sie Megan entdeckte. „Guten Tag. Ist es schon Zeit für unser Meeting?“
„Ich bin ein wenig früh dran“, gestand Megan und kam näher. „Ich muss mich noch an den Kleinstadtverkehr gewöhnen. Wenn ich mein Büro verlasse, kalkuliere ich immer noch einen Zeitpuffer für einen Verkehrsstau ein. Aber so was gibt es hier ja nicht.“
„Das stimmt. Es sei denn, Gänse überqueren die Straße oder Kühle laufen frei herum. Und es ist auch nicht schlimm, wenn Sie etwas später kommen. Die Leute hier lassen sich nicht von der Uhr terrorisieren. Wenn man Tiere zu versorgen hat, kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren.“ Sie rieb sich die Hände an ihrem Jeansrock ab. „Habt ihr beiden euch schon miteinander bekanntgemacht?“
„Nein“, erwiderte Megan.
Lächelnd winkte Bunny Cade näher. Zögernd schlurfte er in ihre Richtung. Megan hatte das Gefühl, sie sei der Grund für seine Zurückhaltung.
Als er vor ihnen stand, legte Bunny einen Arm um Megans Hüfte. „Das ist Megan Jennings. Sie ist neu in der Stadt. Sie ist nicht nur bildhübsch, sie hat auch einen guten Charakter. Und sie ist die neue Anwältin in Daniel Suttons Kanzlei.“
Megan spürte, wie sie errötete, und versuchte, ihre Verlegenheit hinter einem Lächeln zu verbergen. Sie kannte Bunny noch nicht lange, aber sie wusste, dass die reizende ältere Dame niemals jemanden mit Absicht in eine peinliche Situation bringen würde. Doch beim Blick in das Gesicht des Mannes ahnte sie, dass er weder Megans Aussehen noch sonst etwas an ihr sonderlich attraktiv fand
„Und das ist Cade Battle“, fuhr Bunny fort. „Er ist ein enger Freund von mir und Birdie. Ihm gehört ein Teil der Battle Lands Farm und ist einer der nettesten Menschen, die ich kenne. Wenn Sie einmal Hilfe brauchen, egal wobei, dann sollten Sie Cade anrufen. Er ist absolut zuverlässig.“
Cade war Bunnys überschwängliches Lob sichtlich unangenehm. Unter seiner Bräune errötete er. Als Megan sah, dass sie mit ihrer Verlegenheit nicht allein war, fühlte sie sich gleich...




