Douglass | Küss mich, wenn es Sterne regnet | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: Bianca

Douglass Küss mich, wenn es Sterne regnet


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7515-3621-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: Bianca

ISBN: 978-3-7515-3621-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Ich werde alles für deine Töchter tun', flüstert Carmen traurig an Annas Grab. Sie hält ihren Schwur - und verliebt sich nach einem nächtlichen Kuss in Trenton, den smarten Vater der beiden Mädchen! Dabei weiß sie doch genau, dass er sein Herz zusammen mit Anna begraben hat ...



Als Tochter lesebegeisterter Eltern ist Kathy Douglass mit Büchern aufgewachsen und hat schon früh eins nach dem anderen verschlungen. Dann studierte sie Jura und tauschte Liebesgeschichten gegen Gesetzestexte ein. Nach der Geburt ihrer zwei Kinder wurde aus der Liebe zum Lesen eine Liebe zum Schreiben. Jetzt schreibt Kathy die Kleinstadt-Romances, die sie selbst immer gern gelesen hat.
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1. KAPITEL


Als Carmen Shields das Blaulicht im Rückspiegel sah, stöhnte sie auf. Der schlimmste Tag ihres Lebens wurde noch schlimmer.

„Hoffentlich sind alle Papiere in Ordnung“, murmelte sie und hielt am Straßenrand. Nachdem sie in Charlotte, North Carolina, gelandet war, hatte sie ihren hastig gepackten Koffer im Auto verstaut und war sofort losgefahren.

Tränen liefen ihr über die Wangen. Seit sie gestern im Sweet Briar Herald vom Tod ihrer Mutter gelesen hatte, weinte sie nahezu ununterbrochen. Obwohl Carmen in New York lebte, hatte sie die Zeitung ihrer Heimatstadt als einzige Verbindung zu ihrer Vergangenheit abonniert. Wie oft hatte sie wohl nach dem Telefonhörer gegriffen und dann doch wieder aufgelegt? Die Angst, zurückgewiesen zu werden, war übermächtig gewesen. Und jetzt war es zu spät.

Sie wischte sich die Tränen ab und wühlte in ihrer Handtasche nach dem Führerschein und dem Zulassungspapier.

Im Außenspiegel sah sie, wie ein dunkelhäutiger Mann mit kurzem schwarzem Haar aus dem Streifenwagen stieg. Er schaute auf ihr Kennzeichen, bevor er in ein Mikrofon an seiner Schulter sprach. Hochgewachsen und muskulös wirkte er äußerst selbstsicher.

Wenn der Polizist sich jetzt nicht beeilte, würde sie nicht rechtzeitig in die Kirche huschen können, um sich unbemerkt in die letzte Reihe zu setzen. Bei der Vorstellung, beim Beerdigungsgottesdienst von ihrem Vater entdeckt zu werden, zog sich in ihr etwas zusammen. Er hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass sie für ihn nicht mehr seine Tochter war, als er sie vor sieben Jahren aus dem Haus geworfen hatte. Sie hatte sich zu oft Ärger eingehandelt und ihn blamiert. Der Unfall hatte das Fass zum Überlaufen gebracht. Wahrscheinlich würde ihr Vater sie nicht persönlich aus der Kirche befördern, sondern sie vielmehr durch jemand anderen von der Beisetzung entfernen lassen. Aber diesmal würde sie sich nicht daran hindern lassen, sich von ihrer Mutter zu verabschieden.

Sie unterdrückte den Impuls, auf die Hupe zu drücken, und schaute wieder in den Außenspiegel. Der Polizist musste es bemerkt haben, denn er bat sie mit erhobenem Zeigefinger um Geduld. Dann notierte er sich etwas. Carmen holte tief Luft. Ihren ersten und einzigen Konflikt mit dem Gesetz hatte sie mit achtzehn erlebt, und der reichte fürs Leben.

„Ihren Führerschein, bitte.“

Er war so leise an die Fahrertür getreten, dass sie erschrak. Rasch reichte sie die Karte nach draußen.

„Sonnenbrille.“

Sie blinzelte. „Wie bitte?“

„Bitte nehmen Sie die Sonnenbrille ab.“

Hastig legte sie diese aufs Armaturenbrett.

„Wissen Sie, warum ich Sie angehalten habe?“, fragte der Officer. Er schien sie auch nicht zu erkennen. Kein Wunder, sie sah nicht mehr so aus wie vor sieben Jahren.

„Nein.“ Sie suchte an seiner Uniform nach einem Namensschild. Er trug keins. Auch das noch, sie war anscheinend vom Polizeichef persönlich gestoppt worden. Natürlich war es nicht mehr der alte, humorlose, übergewichtige Dale Muldoon, der vor sieben Jahren Chief gewesen war. Den hatte ihr Vater in der Tasche gehabt, und der Mann hätte nichts unternommen, ohne es vorher mit Charles Shields abzusprechen. Sie konnte nur hoffen, dass sein Nachfolger eine unabhängigere Persönlichkeit war.

Trenton Knight sah die junge Frau an. „Sie sind in einer Fünfunddreißig-Meilen-Zone fünfundvierzig gefahren. Kurz vor einer Grundschule.“

„Es tut mir leid. Ich habe nicht gemerkt, dass ich zu schnell fahre.“

„Wir nehmen Geschwindigkeitsübertretungen sehr ernst.“

„Es tut mir leid“, wiederholte sie.

Trent glaubte ihr, aber irgendetwas mit ihr stimmte nicht. Jung, makellose goldbraune Haut und hohe Wangenknochen – bildhübsch. Ihre kaffeebraunen Augen waren gerötet, die Unterlippe zitterte. Er roch keinen Alkohol, aber das hieß nicht, dass sie fahrtüchtig war.

Er schob ihren Führerschein in die Brusttasche und trat zurück. „Bitte steigen Sie aus, Ma’am.“

Ihre Augen wurden groß. „Können Sie mir nicht einfach den Strafzettel geben und mich fahren lassen?“

Die Verzweiflung in ihrer Stimme war verdächtig. „Bitte verlassen Sie das Fahrzeug.“

Seufzend stieg sie aus und starrte ihn an, als würde sie auf weitere Anweisungen warten. Sie reichte ihm gerade bis zur Schulter und war konservativer gekleidet, als er erwartet hatte. Der Wind blies ihr das schulterlange Haar in die Augen, und sie strich es mit einer zierlichen Hand nach hinten.

Sie trug ein schwarzes Seidentop und einen langen schwarzen Rock. Er warf einen Blick in den Wagen. Eine schwarze Jacke hing hinter der Fahrertür.

Ihre Augen waren vom Weinen gerötet – keine Frage, sie trauerte um einen geliebten Angehörigen. Er kannte den Schmerz nur zu gut, denn er hatte seine Frau verloren.

„Brauchen Sie noch etwas von mir, Chief?“

„Nein.“ Jetzt nicht mehr.

„Darf ich dann bitte weiterfahren? Ich bin auf dem Weg zu einer Beisetzung“, bestätigte sie seine Überlegung. „Wenn ich nicht bald fahre, komme ich zu spät.“ Sie drehte den Kopf leicht zur Seite und strich über ein Augenlid. „Ich halte mich an die Geschwindigkeitsbegrenzung und zahle die Strafe, bevor ich wieder abreise. Ich verspreche es.“

Ihre leicht heisere Stimme brach beim letzten Wort. Er entschied sich, ihr keinen Strafzettel zu verpassen. So gnadenlos verhielt selbst er sich nicht.

„Diesmal belasse ich es bei einer Verwarnung. Ihre Familie würde nicht wollen, dass die nächste Beisetzung Ihre ist.“

„Danke.“

Er schaute auf ihren Führerschein, und ihm blieb urplötzlich das Herz stehen.

Carmen Shields. Er sprach mit der Frau, die den Tod seiner Frau zu verantworten hatte. Sie war zwar nicht selbst gefahren, aber sie hatte im Wagen gesessen und zugelassen, dass der Fahrer sich betrunken ans Steuer setzte.

Dass er sie nicht sofort erkannt hatte, überraschte ihn – sicher, sie sah nicht mehr aus wie der Amok laufende Teenager, dessen Gesicht sich in sein Gedächtnis eingebrannt hatte. Damals war ihr Haar rückenlang gewesen, voller Wellen und Locken, nicht seidenglatt bis zu den schmalen Schultern. Und sie hatte immer große Ohrringe getragen, nicht winzige Perlen. Die höfliche, respektvolle Frau vor ihm war ganz anders als der freche und streitlustige Teenager von früher.

„Carmen Shields. Ich hätte Sie erkennen sollen.“

Zorn stieg in ihm auf, als er sich an den Abend des Unfalls erinnerte.

Anna hatte Schokoladeneis zum Nachtisch gewollt, und er hatte versprochen, es nach der Arbeit zu besorgen, es dann aber angesichts der Hektik auf der Polizeiwache vergessen. Sie hatte ihn auf die Wange geküsst und war selbst losgefahren. Eine Stunde später war er angerufen worden. Jetzt stand er am Straßenrand, alles verschwamm vor seinen Augen, und sein Magen rebellierte. Hätte er an das dämliche Eis gedacht, wäre seine geliebte Anna nicht auf dieser Straße unterwegs gewesen.

„Ich kann Ihnen nicht folgen, Chief. Ich weiß nicht, wer Sie sind. Als ich noch hier in der Gegend lebte, war Dale Muldoon der Polizeichef.“

Trent ballte die Hände zu Fäusten. Dale hatte geholfen, die Ermittlungen schneller als nötig abzuschließen, was Trent ihm niemals verzeihen würde. Deshalb hatte er gegen ihn kandidiert und ihn als Polizeichef abgelöst.

„Dale hat sich vor drei Jahren zur Ruhe gesetzt.“

„Okay.“ Sie wartete noch immer darauf, dass er ihr den Führerschein zurückgab.

„Mein Name ist Trenton Knight.“

Sie blinzelte nicht einmal. Der Name sagte ihr anscheinend nichts.

„Anna Knight war meine Ehefrau.“

Noch immer keine Reaktion. Carmen Shields’ Miene veränderte sich kein bisschen. Hatte sie vergessen, wer bei dem Unfall ums Leben gekommen war? Bedeutete es ihr so wenig, dass sie sich nicht einmal an Annas Namen erinnerte?

„Sie wurde vor sieben Jahren getötet, als ein betrunkener Teenager am Steuer eines SUV ein Stoppschild überfahren und ihren Wagen gerammt hat. Sie waren damals die Beifahrerin!“

Carmen schnappte nach Luft und hielt sich an ihrem Wagen fest. „Die Frau im anderen Wagen ist gestorben?!“

„Ja. Zwei Töchter haben ihre Mutter verloren.“

„Das … wusste ich nicht.“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich kannte ihren Namen nicht. Niemand wollte mir etwas erzählen.“

Als Carmen sofort nach Abschluss der Ermittlungen aus der Stadt verschwunden war, hatte Anna noch um ihr Leben gekämpft. Das war sieben Jahre her. Hatte niemand aus der Shields-Familie es für nötig gehalten, ihr von Annas Tod zu erzählen?

Er biss die Zähne zusammen. „Sie hat neunzehn Tage darum gekämpft, bei der Familie bleiben zu können, die sie liebte. Doch sie war einfach zu schwer verletzt. Sie ist in meinen Armen gestorben.“

Carmen streckte beide Hände aus. Er wich zurück.

Sie faltete die Hände wie zum Gebet. „Oh Gott. Das alles tut mir so leid. Wenn ich es ungeschehen machen könnte, würde ich es tun.“

„Ihre Entschuldigung ändert nichts.“ Er war versucht, sie länger hier festzuhalten, damit sie zu spät zur Beisetzung...



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