E-Book, Deutsch, Band 252023, 144 Seiten
Reihe: Julia
Douglas Eisige Herzen, heiße Küsse?
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7515-1899-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 252023, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-1899-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein prasselndes Kaminfeuer, ein geschmückter Tannenbaum - so will Chloe ihre Eltern per Videocall im fernen Neuseeland überzeugen, dass sie wunderschöne Weihnachten verbringt! Dabei ist das gelogen: Der jungen Haushälterin auf dem Landsitz des Dokumentarfilmers Beau Diamond ist nach einem schrecklichen Verlust nicht nach Feiern zumute. Aber ausgerechnet ihr Boss, sonst eher schroff und abweisend, setzt alles daran, ihr den romantischen Zauber nahezubringen. Warum nur ist es Beau wichtig, dass sie wieder an das Fest der Liebe glaubt?
Das Erfinden von Geschichten war schon immer eine Leidenschaft von Michelle Douglas. Obwohl sie in ihrer Heimat Australien bereits mit acht Jahren das erste Mal die Enttäuschung eines abgelehnten Manuskripts verkraften musste, hörte sie nie auf, daran zu arbeiten, Schriftstellerin zu werden. Ihr Literaturstudium war der erste Schritt dahin, der zweite, ihr Entschluss, ein eigenes Abenteuer zu wagen und gemeinsam mit ihrem zukünftigen Ehemann nach England zu gehen. Damit ein weiterer Kleinmädchentraum wahr werden konnte, ernährten sich die Verlobten zwei Wochen nur von Dosensuppen, um sich für ihre Hochzeitsnacht eine Suite in einem Luxushotel leisten zu können. Seine Flitterwochen verbrachte das junge Paar in der Stadt der Liebe: Paris! Dieses Erlebnis weckte in Michelle den Wunsch, auch andere ein solches Glück erleben zu lassen. So war ihr eigenes romantisches Abenteuer für sie der Auslöser, romantische Geschichten auf Papier zu bannen und ihre Leser für eine kurze Zeit in eine rosarote Welt zu entführen. Heute ist sie am glücklichsten, wenn sie sich in ihre Fantasie vertiefen und mit einem Stift in der Hand ihre modernen Heldinnen und humorvollen Helden zum Leben erwecken und ihnen Happy Ends schenken kann.
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1. KAPITEL
Chloe stieß einen lauten Fluch aus. Der mit Kopfstein gepflasterte Weg zwischen der zum Wohnen umgebauten Garage und dem Hintereingang des großen Hauses war vom Nieselregen gefährlich rutschig geworden. Die Füße drohten unter ihr wegzurutschen, und sie ruderte wild mit den Armen, bis sie im letzten Moment die Türklinke zu fassen bekam. Dann hämmerte sie gegen die Tür und murmelte dabei eine Reihe Flüche vor sich hin.
Willkommen in Devon, Chloe.
Sie zog den Mantel vor der Brust zusammen und trat von einem Fuß auf den anderen, um zu verhindern, dass ihr die Kälte bis in die Knochen kroch. Es war eiskalt. Dabei war es noch nicht einmal Dezember. Wie war eine solche Kälte möglich?
Noch einmal trommelte sie energisch mit den Fäusten an die Tür. Dann tastete sie in ihrer Tasche nach ihrem Telefon und drückte mit fast steif gefrorenen Fingern auf die Wahlwiederholung. Sie hatte schon einmal hier anrufen müssen, nachdem sie sich aufgrund von Wegbeschreibungen der Einheimischen total verirrt hatte. Anscheinend hatten die Menschen in diesem Teil der Welt überhaupt keinen Orientierungssinn.
Im Haus hörte sie das Telefon klingeln, dann wurde die Tür geöffnet. Mit zitternden Händen schaltete sie ihr Telefon wieder aus.
„Chloe, was ist mit Ihnen passiert? Sie sind ja völlig durchnässt!“ Stephanie Gladstone, die Haushälterin, zog sie hinein und schloss hinter ihnen die Tür. „Kommen Sie herein! Wir müssen Sie aufwärmen!“
Ja bitte!
Kurz darauf saß Chloe vor dem Ofen in der Küche, die nassen Haare in ein Handtuch gewickelt und die Kleidung gegen einen dicken, flauschigen Bademantel getauscht. Mit beiden Händen umfasste Chloe den Becher mit dampfendem Kakao, den Stephanie inzwischen gemacht hatte.
Als sie hineinpustete, wärmte der Dampf ihr Gesicht, und kurz schloss sie die Augen, um den ersten Schluck zu genießen. Doch bevor sie dazu kam, stürmte ein Bär von einem Mann mit grimmigem Gesichtsausdruck in die Küche. „Was, in Gottes Namen, ist das für ein höllischer Krach?“
Sein Körper schien vor Empörung zu zittern. Bei Chloes Anblick erschien eine steile Falte auf seiner Stirn. „Und wer zum Teufel sind Sie?“
Sie wusste sofort, wen sie vor sich hatte. Wütend sprang sie auf. „Ich bin Chloe Ivy Belle Jennings, und wenn Sie immer so mit Ihren Angestellten sprechen, Mr. Beau Diamond, können Sie sich Ihren Vertrag dahin schieben, wo die Sonne nicht scheint, und sich jemand anders als Lakaien suchen.“
Sie benutzte ihren vollen Namen selten, aber es klang eindrucksvoller und schien ihr in diesem Moment angemessen.
Neben ihr lachte Stephanie laut auf. „Das wird dir eine Lehre sein, Beau. Hör auf, zu jammern! In Chloes Zimmer über der Garage ist ein Wasserrohr geplatzt. Ich habe George darauf angesetzt, aber du wirst den Klempner bestellen müssen.“
„Und wahrscheinlich auch jemanden, der die durchweichte Wand repariert, und der Teppich wird auch ruiniert sein“, fügte Chloe hinzu.
Er fuhr herum. „Warum hat niemand daran gedacht, den Haupthahn zuzudrehen?“
Chloe machte sich nicht mehr die Mühe, ihr Temperament zu zügeln. Der heutige Tag war in jeder Hinsicht anstrengend gewesen, und das hier war der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. „Und warum wollen Sie mich überhaupt mit einer so schäbigen Unterkunft abspeisen?“ Die Unterkunft war Teil des Vertrages. Sie brauchte nicht viel, aber warm und trocken war nicht verhandelbar.
Ihr wurde gelegentlich nachgesagt, dass sie grimmig aussehende Augenbrauen hätte. Die versuchte sie, jetzt so gut wie möglich einzusetzen, indem sie die Stirn runzelte. Aber dann wurde ihr klar, wie lächerlich sie in diesem riesigen, flauschigen Bademantel und dem Handtuch auf dem Kopf aussehen musste.
Ihr unvermitteltes Lachen klang nicht lustig. Ohne ein weiteres Wort drehte sie dem griesgrämigen Mann den Rücken zu, trank einen großen Schluck Kakao und genoss die wohlige Wärme, die sie durchdrang.
„Hier können Sie jedenfalls nicht bleiben.“
Erbost fuhr sie herum. „Wenn Sie glauben, dass ich mitten in der Nacht ins Dorf wandere, um mir eine andere Unterkunft zu suchen, muss ich Sie bitter enttäuschen, Mr. Diamond.“
Während sie wütend auf ihn zuging, bemerkte sie sein zerknittertes Äußeres und das zu lange Haar. Er sah aus, als wäre er gerade aus dem Bett gestiegen. Aber wenigstens hatte er nicht durch eiskaltes Wasser in seinem Schlafzimmer waten müssen. Sie blieb dicht vor ihm stehen. „Wissen Sie, wie lange ich gebraucht habe, um von meiner Tür zu Ihrer zu kommen?“
Er schüttelte den Kopf und beäugte sie, als wäre sie ein wildes Tier aus Afrika.
„Es dauerte vierunddreißig Stunden von meinem Haus in Sydney, bis ich in Heathrow aus dem Flugzeug stieg. Dann brauchte ich eine Stunde mit der U-Bahn bis zum Bahnhof Paddington und von dort vier Stunden mit dem Zug bis Barnstaple. Dort gab es ein Problem mit meiner Mietwagenbuchung, das mich fast eine Stunde aufhielt. Laut Navi sollte es eine einfache, siebzehnminütige Sonntagsfahrt zu dem angeblich idyllischen Dorf Ballingsmallard sein und zwei weitere Minuten zu Dawncarden Court.“
Er räusperte sich und nickte. „Das ist richtig.“
„Leider hat sich das Navi geirrt!“, stieß sie wütend hervor. Sie schüttelte den Kopf so heftig, dass sich das Handtuch von ihrem Kopf löste und ihre wilde Haarmähne über die Schultern fiel. Wahrscheinlich wirkte sie von Minute zu Minute mehr wie ein wildes Biest auf ihn.
Als wollte sie ihn erstechen, deutete sie mit dem Finger auf ihn. „Die Leute in diesem Teil der Welt wissen offensichtlich nicht, wo links und rechts ist“, fuhr sie wütend fort. „Ich wurde in drei sinnlose Umleitungen geschickt, und niemand hat mich gewarnt, wie schwach die Satellitensignale hier sind.“
Er trat einen Schritt zurück. „Wie lange haben Sie gebraucht, um Dawncarden Court zu finden?“
„Drei Stunden, achtzehn Minuten und dreiunddreißig Sekunden!“
Er zuckte zusammen und sah Stephanie vorwurfsvoll an. „Ich dachte, du hättest …“
„Und ich dachte, du hättest.“
Chloe ignorierte beide. „Jetzt weiß ich nicht, ob ich gerade angekommen bin oder schnell wieder gehen soll! Ich habe Jetlag, bin müde, kalt, nass und hungrig. Wenn Sie glauben, dass ich wieder da hinausgehe …“, sie deutete in Richtung der Straße, „… um ein Zimmer im Gasthaus zu suchen, liegen Sie falsch!“
Sie funkelten sich mit wütenden Blicken an. Zu ihrem Erstaunen zuckte er schließlich mit den Schultern. „Nun, ich bin sicher, wir können zumindest etwas gegen den Hunger tun, nicht wahr, Steph?“
„Bin schon dabei“, erwiderte Stephanie und schlug Eier in eine Bratpfanne.
Chloe spürte, wie ihre Kräfte langsam nachließen. „Ich will aber keine Umstände machen.“ Sie befeuchtete ihre Lippen mit der Zunge und kämpfte gegen eine Welle der Erschöpfung an. „Ich möchte mich nur etwas aufwärmen und …“
„… und ausruhen“, beendete die ältere Frau den Satz für sie. „Und das ist völlig verständlich. Setzen Sie sich hin, und trinken Sie Ihren Kakao aus. Inzwischen mache ich Ihnen etwas zu essen, und danach werden Sie sich besser fühlen. Möchtest du auch etwas, Beau?“
„Ja, gut.“ Mit mürrischem Gesicht zog er sich einen Stuhl an den Tisch.
Chloe rang weiter um Fassung. Hatte sie gerade wirklich ihren Arbeitgeber wie ein Marktweib beschimpft?
Im Geist spielte sie noch einmal durch, was sie gerade gesagt hatte, und spürte, dass ihr die Hitze ins Gesicht stieg. „Wenn mein Verstand morgen hoffentlich wieder einigermaßen funktioniert, werde ich versuchen, mich dafür zu entschuldigen, dass ich gerade wie ein Knallfrosch in die Luft gegangen bin“, murmelte sie, ohne aufzuschauen. Wenn sie ihm nur beweisen könnte, dass sie normalerweise ein sehr ausgeglichener Mensch war.
„Sie dürfen mich ruhig ansehen, wenn Sie mit mir sprechen“, fuhr er sie an. „Ich werde nicht beißen.“
Aber er klang schon nicht mehr ganz so aggressiv, und die steile Falte zwischen seinen Augen begann, sich zu glätten.
„Sie sagen also, dass Ihr Bellen schlimmer ist als Ihr Biss?“
„Es freut mich zu sehen, dass Sie ihn durchschaut haben.“ Stephanie stellte einen Teller mit Rührei und Toast vor sie hin. „Und du hör auf, das arme Mädchen zu belästigen, Beau, und lass sie jetzt essen. Sie ist viel zu müde für deinen Unsinn.“
In diesem Moment beschloss Chloe, dass sie Stephanie liebte.
„Wo willst du Ms. Jennings denn nun unterbringen, Steph?“, fragte Beau.
„Chloe!“, sagte Chloe mit vollem Mund. „Bitte nennen Sie mich Chloe! Mrs. Jennings ist meine Mutter.“ Dann wies sie mit ihrer Gabel auf den Teller. „Dies sind die besten Rühreier aller Zeiten!“
„Sie kann im Osterglockenzimmer wohnen.“
„Aber …“
„Oh, das klingt wunderbar“, murmelte Chloe. Sie hatte plötzlich Mühe, die Gabel zum Mund zu führen. „Osterglocken sind die schönsten Blumen, finden Sie nicht auch? Sie sind so warm und gelb. Osterglocken und Sonnenblumen und …“
„Hoppla“, hörte sie Steph wie aus der Ferne sagen, während sie gleichzeitig eine warme, starke Hand an ihrem Oberarm spürte.
Augenblicklich wurde sie wieder wach. Selbst durch den dicken Frotteemantel hindurch konnte sie spüren, wie kräftig Beau Diamonds Finger waren.
Sie richtete sich unvermittelt auf. „Entschuldigung!“
...



