Dorn | Kalte Stille | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

Dorn Kalte Stille

Thriller
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-641-04859-4
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

ISBN: 978-3-641-04859-4
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wenn die Stille zum Alptraum wird ...

Eine Tonbandaufzeichnung, die in abrupter Stille endet – unerträglicher Stille. Mehr ist Jan Forstner von seinem kleinen Bruder nicht geblieben. Vor dreiundzwanzig Jahren ist Sven spurlos verschwunden. In derselben Nacht verunglückte auch sein Vater unter rätselhaften Umständen. Beide Fälle konnten nie aufgeklärt werden. Als Jan gezwungen ist, an den Ort seiner Kindheit zurückzukehren, holt ihn die Vergangenheit wieder ein.
Dorn Kalte Stille jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


" (S. 61-62)

Obwohl es erst kurz nach sechs Uhr war, hätte man meinen können, es sei bereits tiefste Nacht. Die Wegbeleuchtung auf dem Klinikgelände mühte sich ab, die Schwärze zu durchbrechen. Doch mehr noch als die Dunkelheit war es die Stille, die Jan bedrückte, während er den Weg zu Station 12 einschlug. Er durchsuchte seine Erinnerung nach einer Melodie, die die Stille aus seinem Kopf vertreiben könnte. Diesmal fiel es ihm schwer, denn statt einer akustischen Erinnerung stiegen nur Bilder in ihm auf. Bilder einer sterbenden jungen Frau, deren eingedrücktes Gesicht von dicken Schneeflocken benetzt wurde. Und dann kam ihm doch ein Ton in den Sinn - auch wenn es sich dabei nicht um Musik handelte. Vielmehr war es eine Stimme, die sich durch eine Kehle voller Blut quälte, um einen Laut zu formen.

Gäoh! Weder das reale Knirschen seiner Schritte noch das Ächzen des Windes in den Bäumen konnte den imaginären Laut in seinem Kopf übertönen, und Jan fragte sich, ob dieser Laut nicht sogar noch schlimmer als die Stille war.

Gääääoooooh! Das Heulen eines Rettungswagens riss ihn in die Realität zurück. Nur wenige hundert Meter Luftlinie von Jan entfernt eilte ein Wagen der Notambulanz des benachbarten Stadtklinikums zu einem Einsatz. Noch bevor es gleich darauf wieder still wurde, hatte Jan sein Ziel erreicht. Seufzend blieb er vor dem Stationsgebäude stehen und besah sich das Haus mit der Nummer 12. Ein hässlicher zweistöckiger Betonklotz, nichts im Vergleich zu der Privatstation, die sich gleich daneben befand. Für einen Moment überkam ihn der Drang, zu seinem Handy zu greifen, Martinas Nummer zu wählen und ihr zu sagen, dass sie Recht gehabt hatte. Jetzt ist der Moment gekommen, wollte er ihr sagen. Ich habe es endlich kapiert. Ich werde mir helfen lassen.

Auch wenn ich skeptisch bin. Aber immerhin unternehme ich jetzt etwas - etwas gegen diese unerträgliche Stille, die wie ein lautloses Echo in mir schwingt und mich nachts aufschreien lässt. Nur mit Mühe konnte er sich beherrschen, es tatsächlich zu tun. Vielleicht hätte sie sich sogar für ihn gefreut, dass er schließlich doch noch zur Einsicht gekommen war. Aber er hätte doch nur wieder eine alte Wunde aufgerissen. Eine Wunde, von der er hoffte, dass sie bei Martina längst zu heilen begonnen hatte. Nein, Martina hatte ebenso das Recht auf einen Neuanfang wie er selbst. Nach allem, was sie mit ihm durchgemacht hatte, verdiente sie es, in Ruhe gelassen zu werden. Auch wenn er sich das immer wieder neu ins Bewusstsein rufen musste.

Jan musste klingeln, da sein Schlüssel für Station 12 nicht passte. Während er wartete, sah er im Fenster der Privatstation eine Frau mit kurzen dunklen Haaren, die ihm zuwinkte. Sie hielt etwas im Arm, das Jan für einen Teddybären hielt. Jan winkte zurück. Dann ertönte der Summton der Schließanlage, und eine Schwester bat ihn, einzutreten. »Sie sind der neue Kollege von Dr. Rauh, nicht wahr?«, sagte sie, während sie ihn durch den Flur der geschlossenen Frauenstation führte. Jan gab Fleischers offizielle Version zum Besten, nach der er bei Rauh für eine Weile hospitieren würde.

Die Schwester schien jedoch nur mäßig interessiert. Als sie die Mitte des Ganges erreicht hatten, forderte sie Jan auf, kurz zu warten. Sie werde Dr. Rauh Bescheid geben. Dann verschwand sie im Stationszimmer. Jan betrachtete die hinter Plastik gerahmten Bilder an der Wand: Poster aus einem Naturmagazin. Die Niagarafälle, eine neuseeländische Regenwaldidylle und der Ayers Rock in Australien. Orte, die so manchem Patienten einer geschlossenen Psychiatriestation mindestens ebenso fremdartig und unerreichbar erscheinen mussten wie das Alltagsleben eines Durchschnittsbürgers außerhalb der Klinikmauern."


Dorn, Wulf
Wulf Dorn (*1969) war zwanzig Jahre in einer psychiatrischen Klinik tätig, ehe er sich ganz dem Schreiben widmete. Mit seinem 2009 erschienenen Debütroman "Trigger" gelang ihm ein internationaler Bestseller, dem weitere folgten. Dorns Bücher werden in zahlreiche Sprachen übersetzt und begeistern eine weltweite Leserschaft. Für seine Storys und Romane wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem französischen Prix Polar, dem ELLE Readers Award und dem Glauser Preis.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.