Don | Mindblind | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 338 Seiten, GB

Don Mindblind


Novität
ISBN: 978-3-7725-4308-1
Verlag: Freies Geistesleben
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 338 Seiten, GB

ISBN: 978-3-7725-4308-1
Verlag: Freies Geistesleben
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ciaran Bain hat es sich nicht ausgesucht. Die Gedanken der anderen fließen zu ihm hinüber. Sogar ihre Gefühle. Und so ist es gekommen, dass ... Aber hat er Lucys Schwester tatsächlich getötet? Lucy zweifelt nicht daran. Wenn sie ein Beweismittel in die Hand bekommen will, nach dem Ciaran seinerseits sucht, um es zu vernichten, muss sie mit ihm zusammen nach Edinburgh fahren - gehetzt von mehreren Verfolgern, immer durchsichtig für ihn. Gedankenleser, die sich als Spione verdingen. Wissenschaftler, die paranormale Phänomene erforschen. Und im Zentrum Ciaran, überdurchschnittlich begabt mit übersinnlichen Fähigkeiten, mutmaßlicher Mörder von Lucys Schwester. Lucy selbst natürlich auch, entschlossen zu Aufklärung und Rache! - Lari Dons Roman 'Mindblind' ist ein Pageturner, der intensiv austestet, was es bedeutet, durchlässig für andere zu sein.

Lari Don wurde in Chile geboren und wuchs im Nordosten Schottlands auf. Früher war sie in der Politik und für den Rundfunk tätig. Inzwischen hat sie über zwanzig Bücher für Kinder geschrieben, darunter die preisgekrönten 'Fabled-Beast-Chronicles', für die sie sich von schottischen Sagen und Legenden inspirieren ließ. 'Mindblind' ist ihr erstes Jugendbuch. Lari Don lebt mit ihren Kindern und zwei Katzen in Edinburgh.
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KAPITEL 2


Ciaran Bain, 30. Oktober


Jemand hatte mich gesehen, und das bedeutete, dass man mich identifizieren konnte.

Viviens kleine Schwester hatte mich gesehen, ihren Namen kannte ich aus den Akten: Lucy Kingston Shaw.

Ich atmete aus, lange und entspannt, bevor ich meine schwarzen Lederhandschuhe herausholte und anzog.

Jetzt hatte sie richtig Angst. Vielleicht sah es aus, als hätte ich vor, sie zu erwürgen. Ich musste sie beruhigen, denn wenn sie anfing zu schreien, würde die Polizei auf uns aufmerksam.

Ich wackelte mit den Fingern. «Fingerabdrücke», flüsterte ich. «Ich Dummie. Hätte ich vorher dran denken sollen.»

«Du bist ein Dieb?», wisperte sie zurück.

Ich zuckte die Achseln.

«Ein ganz schön schlechter Dieb.»

Super. Sie kannte mich nicht mal eine Minute und hatte direkt kapiert, wie mies ich war. Aber das passte schon. Sie regte sich ab und hatte weniger Angst, weil sie mich für unfähig hielt.

«Habe ich dir wehgetan?», fragte sie. «Als ich dich aus dem Schrank gerissen habe? Du hast ausgesehen, als würde ich dich umbringen oder …»

Das Wort ‹umbringen› stürzte sie von jetzt auf gleich in tiefe Trauer. Sie schlief eigentlich noch halb und hatte ihre Schwester vielleicht nicht mehr ganz vorn im Bewusstsein. Doch das wollte sie für sich behalten.

«Wer bist du? Was machst du in unserem Haus? Was wolltest du unter der Treppe mitgehen lassen?»

«Gummistiefel», antwortete ich ernst. «Ihr habt wirklich wunderschöne Gummistiefel.»

Beinahe hätte sie gelächelt, doch dann runzelte sie die Stirn. Ich spürte ihre Verwirrung, Angst war auch noch dabei, aber nur noch leichte Panik.

Sie war nur ein Mindblind. Ich besaß viel mehr Informationen über dieses Gespräch als sie und sollte eigentlich in der Lage sein, es zu steuern.

Zunächst einmal wollte ich nicht, dass sie irgendwie die Polizisten alarmierte, und musste sie entsprechend ruhig halten. Und dann, wenn ich schon jemanden aus der Familie Shaw ganz für mich hatte, konnte ich ihr Fragen stellen und herausfinden, wo die Urne geblieben war. Schließlich würde ich bekommen, was ich wollte, und wieder gehen.

Da dieses Mädchen bereits zu viel gesehen hatte, musste sie wahrscheinlich zum Schweigen gebracht werden. Insofern sollte ich ihr die Informationen entlocken, solange ich die Gelegenheit hatte.

Sie sah mich eindringlich an. Mittlerweile war sie hellwach und würde sehr bald vom Verstand her darauf reagieren, dass ein Fremder in ihrem Haus war. Das hieß, gleich würde sie um Hilfe rufen. Selbst wenn sie von den Polizisten nichts wusste, würde sie ihre Nachbarn herbeischreien, wenn ihre Angst zu groß wurde.

Nachdem ich einen Schritt zurückgewichen war, schlich ich an der Wand entlang zur Küche mit der Hintertür.

Ich lächelte sie noch einmal an. Es half nichts. Vielleicht ist mein Lächeln nicht sonderlich beruhigend. Vielleicht bin ich besser darin, die Leute in Schrecken zu versetzen. Oder, wie es aussah, sie zu töten.

«Ich tu dir nichts», sagte ich deshalb.

Das stimmte wahrscheinlich sogar. Mein Onkel Malcolm würde sie umbringen, doch ich würde ihr nichts tun. Es sei denn, sie zwang mich dazu.

Ich behielt meine sanfte, gleichmäßige Stimme bei und glättete den harten schottischen Akzent, den so viele Londoner mit den Gangstern aus dem Fernsehen verbinden. «Entweder gehe ich jetzt oder ich erkläre dir, warum ich hier bin.»

«Es geht dir nicht wirklich um die Gummistiefel, was?»

Ich lachte verhalten, weil sie so tapfer war, sich an einem Witz zu versuchen. «Soll ich dir nun sagen, was ich hier will?»

Sie nickte.

«Ich suche etwas ganz Kleines. Wenn du es mir gibst, verschwinde ich. Und wenn du keinem erzählst, dass ich hier war, siehst du mich nie wieder.»

«Ich denke nicht daran, dir etwas zu geben! Was fällt dir überhaupt ein, bei uns einzubrechen und von mir zu verlangen, dass ich zusehe, wie du etwas stiehlst? Und dann soll ich dein kleines Einbrechergeheimnis auch noch für mich behalten!»

Sie wurde wütend. Dafür musste ich nicht ihre Gedanken lesen, das hätte auch jeder Mindblind gemerkt. Ihre Stimme war schrill, und sie kam mit geballten Fäusten auf mich zu.

Ihre Wut gab ihr Selbstvertrauen. Ich musste sie wieder runterholen . «Möchtest du vielleicht eine Tasse Tee oder so?»

«Was?»

«Setzen wir uns doch. Ich tu dir wirklich nichts. Versprochen.»

Ich kehrte ihr den Rücken zu und ging in die Küche. Das war ein kalkuliertes Risiko. Falls sie zur Haustür rennen, sich ihr Handy schnappen oder schreien würde, war ich schätzungsweise zur Hintertür raus und über den Zaun, bevor die Polizei reagierte.

Doch wenn sie mitkam, hieß das, sie wollte mit mir reden. Und dann würde ich meine Antworten bekommen.

Als sie mir folgte, in die Küche tappte und das Licht anschaltete, kämpften Angst, Neugier und Verwirrung um die Oberhand. Ich setzte mich an den Tisch, doch das Mädchen blieb am Lichtschalter stehen.

«Willst du wirklich einen Tee?», fragte sie.

«Ja.» Das stimmte nicht, doch es würde sie beruhigen, welchen zu kochen.

«Normal mit Milch und Zucker oder Kräutertee? Ich hätte Schierling, Teufelskirsche oder Arsen da.»

Ich lächelte über ihren giftigen Witz. «Haha. Ich nehme, was du hast. Mit einem Keks, wenn es geht.»

«Ich glaube nicht, dass wir irgendwas dahaben. Ich konnte nichts mehr runterbringen, seit … äh …»

Sie setzte sich und vergrub das Gesicht in den Händen, von Kummer überwältigt. Sie weinte nicht, sie verlor sich in Trauer und Fassungslosigkeit.

Ich stand auf und suchte im Kühlschrank nach etwas Süßem. Doch es gab nur gesundes Zeug, keine richtige Cola, Limo oder andere nützliche Lebensmittel. Schließlich fand ich ein Tetrapack mit Orangenmangosaft und schenkte ihr ein sauberes Glas aus der Spülmaschine ein.

«Trink. Zucker hilft.»

Sie nippte, trank einen großen Schluck und dann das ganze Glas aus. Ich schenkte nach.

Nachdem ich mich wieder hingesetzt hatte, starrten wir einander an. Sie war völlig fertig. Je wacher sie wurde, umso schlechter kam sie mit der Situation klar. Sie war todtraurig, ängstlich, verwirrt und sauer. Immerhin war sie nicht dehydriert.

Und was machte ich hier? Ich redete mit Viviens Schwester. Sie hatte mein Gesicht gesehen, meine Stimme gehört. Was zum Teufel fiel mir ein?

Doch da es nun mal so war, konnte ich genauso gut weitermachen. Wenn ich die Codenamen erfuhr, war es das wahrscheinlich wert.

Ich musste wissen, wie viel Zeit mir mit dem Mädchen blieb und wann ihre Eltern nach Hause kamen.

«Wieso bist du allein zu Hause? Wo sind die anderen?»

Sofort war ihr Misstrauen geweckt. «Woher weißt du, dass ich allein bin?»

«Wenn deine Mum oder dein Dad oder sonst wer hier wäre, hättest du sie sofort gerufen, als du mich erwischt hast. Wieso haben sie dich allein gelassen?»

«Weil ich es so wollte. Ich hatte keine Lust, schon wieder in einem deprimierenden Zimmer zu sitzen und den Leuten beim Weinen zuzuhören. Ich wollte auch nicht umarmt werden und mir anhören, dass sie die Zukunft jetzt in mir sehen, weil ich das alles so satt habe, und deshalb habe ich gesagt, sie sollen ruhig gehen, wenn sie mit Opa sprechen müssen, aber ich würde hierbleiben und ein bisschen Frieden und Ruhe haben, und sie könnten so lange bleiben, wie sie wollten, das wäre mir ganz egal. Und Mum wollte mich nicht allein lassen, aber da habe ich gesagt, wenn noch eine Minute länger alle auf mich aufpassten, würde ich rausgehen und mir einen eigenen Mörder suchen!»

Sie sah mich böse an.

Wow. Es war überhaupt nicht nötig, die Gedanken dieses Mädchens zu lesen. Sie erzählte mir alles freiwillig.

«Und, ist das so?»

«Und ist was wie?»

«Habe ich meinen Mörder gefunden?»

Ich erstarrte.

«Hast du meine Schwester umgebracht?»

Sie konnte meine Gedanken nicht lesen. Also müsste ich fragen: Was? Jemand hat deine Schwester umgebracht? Ich sollte so tun, als wäre ich überrascht.

Doch ich antwortete nicht. Ich reagierte nicht. Ich sah sie nur an.

«Hast du meine Schwester getötet? Hast...


Don, Lari
Lari Don wurde in Chile geboren und wuchs im Nordosten Schottlands auf. Fru¨her war sie in der Politik und fu¨r den Rundfunk tätig. Inzwischen hat sie u¨ber zwanzig Bu¨cher fu¨r Kinder geschrieben, darunter die preisgekrönten Fabled-Beast-Chronicles, fu¨r die sie sich von schottischen Sagen und Legenden inspirieren ließ. ›Mindblind‹ ist ihr erstes Jugendbuch. Lari Don lebt mit ihren Kindern und zwei Katzen in Edinburgh.

Brauner, Anne
Anne Brauner, studierte Germanistik, Romanistik und Geschichte (M.A.) und übersetzt hauptberuflich seit über 25 Jahren v.a. Kinder- und Jugendliteratur aus dem Englischen, Französischen und Italienischen.

Lari Don wurde in Chile geboren und wuchs im Nordosten Schottlands auf. Früher war sie in der Politik und für den Rundfunk tätig. Inzwischen hat sie über zwanzig Bücher für Kinder geschrieben, darunter die preisgekrönten "Fabled-Beast-Chronicles", für die sie sich von schottischen Sagen und Legenden inspirieren ließ. "Mindblind" ist ihr erstes Jugendbuch. Lari Don lebt mit ihren Kindern und zwei Katzen in Edinburgh.



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