Djerassi | Stammesgeheimnisse | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 416 Seiten

Djerassi Stammesgeheimnisse

Zwei Romane aus der Welt der Wissenschaft
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7099-7359-2
Verlag: Haymon Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Zwei Romane aus der Welt der Wissenschaft

E-Book, Deutsch, 416 Seiten

ISBN: 978-3-7099-7359-2
Verlag: Haymon Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Science in Fiction' hat Carl Djerassi die Form der Literatur genannt, zu der er 1989 mit Cantors Dilemma seine erste überzeugende Probe gegeben hat: 'Denn Djerassi ist ein mitreißender Erzähler', schrieb die FAZ damals, 'der es versteht, eine spannende, tempogeladene Geschichte voll witziger Dialoge zu schreiben, die dem Leser auf unterhaltsame Weise Einblicke in die ,Seele der modernen Wissenschaft' erlauben.' Nach dem 'Nobelpreis-Roman' Cantors Dilemma folgte 1993 Das Bourbaki Gambit, in dem es um das leidenschaftliche Verlangen von Naturwissenschaftlern nach Anerkennung durch ihresgleichen geht und um die Frage, ob Kollegialität und Freundschaft unter Wissenschaftlern denn möglich ist oder Mißgunst und Ehrgeiz, Gier nach Erfolg und finanzieller Nutzen die Szene beherrschen. Seit Jahren sind beide höchst aktuellen Romane vergriffen. Für die Neuausgabe in einem Band hat Carl Djerassi ein zusammenfassendes Vorwort geschrieben und Das Bourbaki Gambit stark überarbeitet.

Carl Djerassi, geboren 1923 in Wien, lebte bis zu seinem Tod im Januar 2015 in San Francisco, London und Wien. Aufgewachsen z.T. in Bulgarien, der Heimat seines Vaters, 1938 nach Amerika geflohen, wo er studiert hat und sich als Naturwissenschaftler, später auch als Mäzen und Kunstsammler, einen Namen machte. Für sein berufliches Wirken wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und mit 32 Ehrendoktoraten gewürdigt. Carl Djerassi war u.a. Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland sowie des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst. 2005 erschien eine österreichische Briefmarke mit seinem Porträt. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen, mehrere populäre Bücher zum Thema, autobiographische Veröffentlichungen, Romane und Theaterstücke. Bei Haymon: 'This Man's Pill'. 'Sex, die Kunst und Unsterblichkeit' (2001), 'Stammesgeheimnisse' (mit den beiden Romanen 'Cantors Dilemma' und 'Das Bourbaki Gambit', 2002), 'Kalkül / Unbefleckt'. Zwei Theaterstücke aus der Welt der Wissenschaft (2003), 'EGO'. Roman und Theaterstück (2004), 'Aufgedeckte Geheimnisse'. Zwei Romane aus der Welt der Wissenschaft: 'Menachems Same' und 'NO' (2005), 'Phallstricke. Tabus'. Zwei Theaterstücke aus den Welten der Naturwissenschaft und der Kunst (2006), 'Vier Juden auf dem Parnass'. Ein Gespräch (mit Fotokunst von Gabriele Seethaler, 2008), 'Vorspiel'. Theaterstück (2011), 'Tagebuch des Grolls. A Diary of Pique 1983-1984' (übersetzt von Sabine Hübner, 2012), 'Chemie im Theater. Killerblumen'. Ein Lesedrama (2012), 'Der Schattensammler'. Die allerletzte Autobiografie. Carl Djerassis Bücher wurden aus dem Amerikanischen von Ursula-Maria Mössner übersetzt.
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Vorwort


und waren die beiden ersten Bände einer Roman-Tetralogie im Genre „Science-in-Fiction“, in der ich versuchte, ein exaktes Bild der derzeitigen Welt der Naturwissenschaften zu zeichnen, indem ich mich des Mediums der realistischen Fiktion bediente – gelegentlich so realistisch, daß es bereits an literarischen Journalismus grenzt oder an Autobiographie, die sich als Fiktion ausgibt. Aber da Romanautoren häufig maskentragende Autobiographen sind, gebe ich offen und sogar voller Stolz zu, daß diese Aussage auch für mich gilt. Warum voller Stolz? Weil in der Forschung tätige Naturwissenschaftler, insbesondere die an den härteren Rändern der Chemie und Physik, Angehörige einer Stammeskultur sind, deren idiosynkratische Verhaltensweisen nicht nur der Außenwelt fremd sind, sondern häufig nicht einmal von den Stammesangehörigen selbst als solche erkannt werden. Das Wissen, wie man sich als Naturwissenschaftler verhält – ja sogar, was es heißt, Naturwissenschaftler zu sein –, wird im allgemeinen nicht in Seminaren oder Büchern vermittelt, sondern durch einen langen osmotischen Prozeß im Laufe der traditionellen Lehrer-Schüler-Beziehung erworben. Und so übernehmen wir den weißen Labormantel ganz allmählich als unsere kulturelle Uniform.

Nachdem ich fast ein halbes Jahrhundert lang chemische Forschung betrieben habe, darf ich mich mit Fug und Recht als der Spezies zugehörig bezeichnen. Ob mich das auch befähigt, aufschlußreich und scharfsichtig über die kulturellen Praktiken unseres Stammes zu schreiben, kann nur der Leser beurteilen, obgleich ich behaupten möchte, daß es eines Insiders bedarf, um einige unserer esoterischeren kulturellen Praktiken zu beleuchten, die von außergewöhnlich großzügiger Kollegialität bis hin zum brutalen Konkurrenzkampf beim Gieren nach dem Nobelpreis reichen. Die überwiegende Mehrheit der in der Forschung tätigen Naturwissenschaftler, insbesondere deren männliche Vertreter, verschwenden wenig Zeit mit Selbstbeobachtung und Selbstanalyse. Wir sind darin geschult, die Welt um uns herum bis ins kleinste Detail zu analysieren, und das oft mit erstaunlichem Scharfsinn, aber nur selten bedienen wir uns dieser Fähigkeiten, um unser Stammesverhalten einer Prüfung zu unterziehen. Unsere 60- bis 80-Stunden-Woche – an sich schon eine Manifestation von naturwissenschaftlichem Machismo und beruflicher Fixiertheit – läßt kaum Zeit für reflexive Selbsterforschung. Bei mir verhielt es sich in dieser Hinsicht nicht viel anders, bis ich mich, mit Anfang sechzig, zu einer Art Auto-Psychoanalyse entschloß und Romane im Genre „Science-in-Fiction“ zu schreiben begann. Dies gab mir die Freiheit, mich so auszudrücken, wie ich es aus Scham, Verlegenheit oder sogar Angst im Rahmen der üblichen Prosa vermutlich nie getan hätte. So mancher Naturwissenschaftler-Kollege hat mich gefragt, warum sich ein so großer Teil meiner halbfiktiven Romane darauf konzentriert, schmutzige Labormäntel in aller Öffentlichkeit zu waschen. Darauf antworte ich unweigerlich, daß weiße Mäntel bei der Arbeit nun einmal schmutzig werden; daß harte und intensive Arbeit sie oft nur um so schneller besudelt; daß aber mit ehrlicher Arbeit verbundener Schmutz nicht versteckt werden muß, da er sich leicht auswaschen läßt. Und daß wir uns lieber mit jener Art von Schmutz befassen sollten, die bleibende Flecken hinterläßt.

Als ich und später schrieb, waren sie als eigenständige und nicht miteinander zusammenhängende Romane konzipiert. Erst später, als ich mich dabei ertappte, daß ich eine ganze Tetralogie verfaßte, um die naturwissenschaftlichen Praktiken abzudecken, mit denen ich meine Leserschaft bekannt machen wollte, wurde mir klar, welch enger Zusammenhang zwischen den beiden ersten Bänden bestanden. In beiden geht es um den der Kreativität zugrundeliegenden Antrieb und das damit verbundene Gehabe und Getue, das Akademiker aller Altersstufen an den Tag legen. Während sich in Diplomanden, Doktoranden und Postdocs sowie angehende und im besten Mannesalter befindliche etablierte Professoren tummeln, beleuchtet eine im fortgeschrittenen Alter befindliche Untergruppe – noch aktive Naturwissenschaftler über 60 –, die in unterschiedlichen Kulturen unterschiedlich früh aufs Altenteil abgeschoben werden. In diesem Kontext beschäftige ich mich mit einem Aspekt der naturwissenschaftlichen Kultur, der so gut wie nie angesprochen wird, nämlich der Unfähigkeit von Naturwissenschaftlern, unter einem Pseudonym zu veröffentlichen, womit sie in krassem Gegensatz zu vielen echten Schriftstellern stehen, denen es zwar ebenfalls um Ruhm und Ehre geht, die aber fähig sind, beides hinter dem Schleier der Anonymität zu genießen.

Daß diese Themen von allgemeinem Interesse sind, beweist die Tatsache, daß inzwischen in acht und in sechs Sprachen vorliegt. In den USA erleben beide Romane fast jedes Jahr eine Neuauflage, weil sie, obwohl für ein breites Publikum geschrieben, an vielen Colleges und Universitäten als Lehrbuch oder empfohlene Lektüre in der Art von Kursen dienen, die in den letzten Jahren zu Themen wie „Naturwissenschaft – Technologie – Gesellschaft“ und „Ethik in der Forschung“ wie Pilze aus dem Boden schießen. In Deutschland fand , seit seinem Erscheinen vor zehn Jahren, viele Leser (auch aufgrund der Veröffentlichung als Fortsetzungsroman in einer großen Zeitung), ist jedoch seit drei Jahren vergriffen, und das genau zu dem Zeitpunkt, da die darin angesprochenen Fragen, insbesondere die Reproduzierbarkeit wissenschaftlicher Forschungsergebnisse, in den deutschen Medien und in der deutschen Öffentlichkeit zunehmend größere Beachtung finden. Und auch die deutsche Übersetzung meines eigenen Lieblingsromans, , ist inzwischen vergriffen. Ich konnte meinen neuen Verlag Haymon jedoch dazu bewegen, die beiden Romane unter dem Titel in einem Band herauszubringen.

Ich habe den neuen Titel nicht gewählt, um früheren Lesern meiner Belletristik vorzugaukeln, es handele sich um ein neues Werk, sondern um gegenüber einer neuen Leserschaft zu unterstreichen, daß das Leitmotiv beider Romane das Stammesverhalten der naturwissenschaftlichen Welt ist. Ich bin überzeugt, daß sowohl die neue Generation deutscher, österreichischer und Schweizer Naturwissenschaftler als auch der gebildete, naturwissenschaftlich nicht vorbelastete deutsche Leser sehr wohl daran interessiert sein könnte, sich unter dem Deckmantel der Fiktion mit den Stärken und Schwächen an Universitäten tätiger Naturwissenschaftler – einer wichtigen Komponente der modernen Gesellschaft – zu beschäftigen, und das anhand zweier Bücher, die beide Seiten ein und derselben Medaille präsentieren. Ich will jedoch gerne gestehen, daß mich noch ein anderes und persönlicheres Argument veranlaßte, einen in Innsbruck ansässigen Verlag zu bewegen, mit zu kombinieren, weil dieses Eingeständnis längst überfällig ist, vor allem gegenüber früheren Lesern meiner Romane. Obwohl Deutsch (d.h. die Wiener Variante) meine Muttersprache ist, ist Englisch schon seit vielen Jahren die Sprache, in der ich träume. Außerdem habe ich seit meiner Emigration aus Wien, nach dem Anschluß im Jahre 1938, Belletristik praktisch nur in englischer Sprache gelesen. Und da ich überzeugt bin, daß man Literatur nur in einer Sprache schreiben kann, in der man träumt, entstanden alle meine Romane und Theaterstücke in Englisch. Ich hatte das Glück, daß die deutsche Übersetzerin meines ersten Romans, Ursula-Maria Mössner, auch alle meine folgenden Bücher übersetzte. Ihr professionelles Können wird nur noch von der Geschwindigkeit übertroffen, mit der sie arbeitet, was zur Folge hat, daß alle meine Bücher, obwohl in Englisch verfaßt, zuerst in deutscher Übersetzung erschienen sind, manchmal sechs oder sogar zehn Monate früher als das englische Original. Aber aus welchem Grund bedarf das hier einer Erklärung?

ist nicht nur deshalb mein Lieblingsbuch, weil ich mich mühelos mit der Altersgruppe meiner fünf Protagonisten identifizieren kann. Es gestattete mir auch, in weit höherem Maße verschleierte autobiographische Details einfließen zu lassen als in allen meinen anderen Romanen, und erlaubte mir gleichzeitig, persönliche kulturübergreifende Erkundungen anzustellen, insbesondere was die Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen Naturwissenschaftlern aus Amerika, Europa und Japan betrifft. Der japanische Held basiert ganz unverblümt auf meinem ältesten japanischen Freund, dem weltberühmten Chemiker Koji Nakanishi, der als Jiko Nishinaka sogar die Hauptfigur einer meiner Kurzgeschichten ist. Es hätte nahegelegen, die Eigentümlichkeiten europäischer Naturwissenschaftler höheren Alters anhand eines Engländers, Franzosen oder Deutschen zu illustrieren. Statt dessen...


Carl Djerassi, geboren 1923 in Wien, lebte bis zu seinem Tod im Januar 2015 in San Francisco, London und Wien. Aufgewachsen z.T. in Bulgarien, der Heimat seines Vaters, 1938 nach Amerika geflohen, wo er studiert hat und sich als Naturwissenschaftler, später auch als Mäzen und Kunstsammler, einen Namen machte. Für sein berufliches Wirken wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und mit 32 Ehrendoktoraten gewürdigt. Carl Djerassi war u.a. Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland sowie des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst. 2005 erschien eine österreichische Briefmarke mit seinem Porträt. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen, mehrere populäre Bücher zum Thema, autobiographische Veröffentlichungen, Romane und Theaterstücke. Bei Haymon: "This Man's Pill". "Sex, die Kunst und Unsterblichkeit" (2001), "Stammesgeheimnisse" (mit den beiden Romanen "Cantors Dilemma" und "Das Bourbaki Gambit", 2002), "Kalkül / Unbefleckt". Zwei Theaterstücke aus der Welt der Wissenschaft (2003), "EGO". Roman und Theaterstück (2004), "Aufgedeckte Geheimnisse". Zwei Romane aus der Welt der Wissenschaft: "Menachems Same" und "NO" (2005), "Phallstricke. Tabus". Zwei Theaterstücke aus den Welten der Naturwissenschaft und der Kunst (2006), "Vier Juden auf dem Parnass". Ein Gespräch (mit Fotokunst von Gabriele Seethaler, 2008), "Vorspiel". Theaterstück (2011), "Tagebuch des Grolls. A Diary of Pique 1983-1984" (übersetzt von Sabine Hübner, 2012), "Chemie im Theater. Killerblumen". Ein Lesedrama (2012), "Der Schattensammler". Die allerletzte Autobiografie. Carl Djerassis Bücher wurden aus dem Amerikanischen von Ursula-Maria Mössner übersetzt.



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