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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 4, 352 Seiten

Reihe: Ein-Fall-für-Klaudia-Wagner

Dieckerhoff Spreewaldwölfe

Kriminalroman
19001. Auflage 2019
ISBN: 978-3-8437-2083-0
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, Band 4, 352 Seiten

Reihe: Ein-Fall-für-Klaudia-Wagner

ISBN: 978-3-8437-2083-0
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



»Ein psychologisch raffinierter Krimi vor düsterer Spreewald-Kulisse.« Eva Almstädt Im sonst so idyllischen Spreewald herrscht Unruhe. Schon seit Monaten tobt ein erbitterter Streit zwischen Wolfsgegnern und Tierschützern. Die Emotionen kochen hoch, als auf einer Weide die von Bisswunden entstellte Leiche eines Jungen entdeckt wird. Die Wolfsgegner machen sich den Vorfall zunutze, doch Kriminalobermeisterin Klaudia Wagner ahnt, dass die Todesursache eine andere war. Kann es sein, dass es auch an einem so beschaulichen Ort wie Lübbenau Wölfe im Schafspelz gibt?

Christiane Dieckerhoff, Jahrgang 1960, machte zunächst eine Berufsausbildung zur Kinderkrankenschwester, ist Mutter zweier erwachsener Kinder und lebt am Rande des Ruhrgebiets. Sie schreibt vor allem aktuelle und historische Krimis.
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2. Kapitel


Zwischen Eischnee und gesiebtem Mehl krakeelte Klaudias Handy wie eine Dohle. Fauchend sprang der dicke Kater von der Fensterbank, wo er sich zwischen den vertrockneten Küchenkräutern niedergelassen hatte. Seit dem Sommer lebte er mehr oder weniger bei Klaudia. Ihre Beziehung war noch nicht so eng, dass sie ein Katzenklo gekauft hätte, doch sie spielte bereits mit dem Gedanken.

Klaudia hatte den Verdacht, dass sie nicht die einzige Futterstelle war, die er regelmäßig aufsuchte, aber immer wenn er seinen dicken Kopf an ihrem Schienbein rieb, hatte sie das Gefühl, seine Favoritin zu sein.

Aufseufzend stellte Klaudia den Mixer ab, mit dem sie gerade Eigelb und Zucker vermengte, und wischte sich die Hände an der roten Schürze ab, die ihr Wibke zum Einzug ins Haus geschenkt hatte. Dieser Klingelton war für ihren Chef reserviert, und Polizeihauptkommissar Naumann, von allen nur kurz Pi Aitsch genannt, wollte bestimmt nicht mit ihr über Kuchenrezepte plaudern. Auch wenn er kein Kostverächter war.

Klaudia wischte mit dem Daumen über das Display.

»Ich hoffe, ich störe nicht«, sagte ihr Chef anstelle einer Begrüßung. Immerhin fiel er nicht gleich mit der Tür ins Haus, wie es sonst seine Art war.

»Nein.« Klaudia blickte sich um. Eigelbspritzer zierten den Tisch und reichten bis an die Messbecher mit Eischnee und Mehl. Die rote Lampe am Backofen, die das Aufheizen anzeigte, war bereits erloschen. Es war also alles vorbereitet. Sie, die normalerweise nur Fertiggerichte in der Mikrowelle oder wahlweise im Backofen aufwärmte, hatte sich vorgenommen, an diesem Abend zu backen. Nicht für sich, sondern für Wibke, die morgen Geburtstag hatte und sich einen Kuchen wünschte. Damit schieden Topfblumen, die Klaudia normalerweise verschenkte, aus. Also hatte sie Conny angerufen und sich das Rezept für die mit Schokoraspeln und Sahne gefüllte Biskuitrolle geben lassen, mit dem ihre Stiefmutter sie immer verwöhnte. Dann war sie einkaufen gefahren und hatte sich an die Arbeit gemacht, und nun rief ihr Chef an und fragte, ob er stören würde. Klaudias Adrenalinspiegel schoss in die Höhe. »Was gibt’s?«

»Wir haben eine Todesfallermittlung.«

»Wo?« Das Smartphone zwischen Schulter und Ohr geklemmt, schaltete Klaudia den Herd aus, öffnete den Kühlschrank und packte die Schüsseln hinein. PH nannte eine Adresse in der Nähe von Burg. »Findest du das?«

»Wenn nicht ich, dann mein GPS.« Unwillig schnaubend holte Klaudia die Mehlschüssel wieder aus dem Kühlschrank und stellte sie auf die Anrichte neben dem Herd.

»Alles in Ordnung?«, fragte PH.

»Ja, natürlich«, antwortete Klaudia hastig. »So in Ordnung, wie es sein kann, wenn man an einem Freitagabend zu einer Todesfallermittlung muss. Was ist mit der Kriminalbereitschaft?«

»Tut mir leid.« PH räusperte sich. »Aber du bist am nächsten dran.«

»Kein Problem«, murmelte Klaudia. »Sind Spurensicherung und Rechtsmedizin informiert?«

»Ja, die sind bereits alarmiert. Und Demel auch. Kannst du dir vorstellen, dass er gebacken hat?«

»Nein«, antwortete Klaudia, während sie den Kater, der die Eispritzer aufleckte, vom Tisch schob.

»Okay«, fügte PH hinzu. »Dann bis morgen.«

»Bis morgen«, antwortete Klaudia mechanisch. Wibkes Geburtstag würden sie dann wohl in Lübben feiern. Wahrscheinlich im Rahmen einer Lagebesprechung. Klaudia blies die Wangen auf, schaute sich noch einmal um und legte sicherheitshalber einen Teller auf die Schüssel mit dem gesiebten Mehl.

»Komm, Dickie«, lockte sie, und sofort strich der Kater um ihre Beine. Sie nahm ihn auf, öffnete das Fenster und setzte ihn auf die Fensterbank. Auf keinen Fall würde sie ihn im Haus lassen. Vorwurfsvoll drückte er die Nase gegen die Scheibe, und in seinem schielenden Blick lag das ganze Unverständnis seiner Katzenseele.

»Ich muss los.« Klaudia sagte es so laut, dass der Kater sie durch die geschlossene Scheibe hören musste, und kam sich gleichzeitig unendlich albern vor. Sie griff nach Autoschlüssel und Rucksack und verließ ihr Haus am Fließ.

Das GPS führte sie nach Leipe, einem Ortsteil von Lübbenau, der auf einer Talsandinsel, einer sogenannten Kaupe, mitten im Spreewald lag. Früher war der Ort nur übers Wasser zu erreichen gewesen. Erst in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts war der malerische Fußweg von Lübbenau nach Leipe angelegt worden. Zwölf Brücken sorgten dafür, dass Wanderer trockenen Fußes Leipe erreichten. Mit dem Auto musste Klaudia allerdings einen Riesenumweg über Burg fahren. Die Straße war dreißig Jahre später gebaut worden und führte an Feldern, Waldstücken und Gehöften vorbei.

Die Mondsichel leuchtete vom mit Sternen übersäten Nachthimmel und spiegelte sich in den Fließen rechts und links der Straße. Im blassen Licht der Scheinwerfer wirkte die Landschaft so verwunschen, dass man durchaus bereit war, die Geschichten von Irrlichtern, Wendenkönigen und Wassermännern, mit denen die Kahnführer ihre Gäste unterhielten, für bare Münze zu nehmen. Schließlich bog Klaudia um die letzte Kehre. Schon von Weitem sah sie das eingeschaltete Blaulicht des Einsatzwagens, der vor der Bushaltestelle stand. Fuhr man auf dem Landweg nach Leipe hinein, hatte man das Gefühl, durch die Hintertür zu kommen. Da die Höfe alle entlang der Spree gebaut waren, bestand der Ortskern aus landwirtschaftlich genutzter Fläche und eben der Bushaltestelle.

Zu Klaudias Erstaunen war der Streifenwagen von mehr Schaulustigen umringt, als sie zu dieser späten Stunde mitten im Spreewald erwartet hätte. Sie bremste und fuhr die Seitenscheibe herunter. Ein Blitzlicht blendete sie. Was ging denn hier ab?

»Wieso ist die Presse informiert?«, fragte sie den uniformierten Kollegen, der an ihren Wagen trat. Er war jung und blass um die Nase. Wahrscheinlich ein Praktikant.

»Alles Zeugen.«

»Was?«

»Hier war ’ne Wolfswache.«

Klaudia unterdrückte das zweite »Was«. Sie hatte keine Ahnung, was eine Wolfswache war.

»Wo muss ich hin?«

»Von hier aus müssen Sie laufen.«

Der junge Mann war auf jeden Fall ein Praktikant, jeder Kollege hätte sie geduzt. Er zeigte in Richtung eines schmalen Feldweges, der zwischen Weiden und Wald verlief.

»Ist es weit?«, fragte Klaudia.

»Nicht sehr, glaube ich.«

»Wer hat den Toten gefunden?«, fragte Klaudia.

»Ein Herr Delling.« Man hörte dem Praktikanten an, dass er froh war, wenigstens diese Frage eindeutig beantworten zu können. »Polizeiobermeister Kuloth ist bei ihm«, fügte er hinzu.

»Schon jemand von der Kripo da?«

»Sie sind die Erste.«

»Also gut.« Klaudia fuhr die Seitenscheibe wieder hoch und parkte den Wagen am Absperrband. Sie stieg aus, öffnete den Kofferraum und zog die Gummistiefel an. Wieder blitzte ein Fotoapparat auf.

»Hey, Sie.« Klaudia fuhr herum und lief hinüber zu dem Fotografen. »Sie sind von der Presse?«

»Lausitzer Rundschau.«

»Haben Sie Fotos gemacht?«

»Ja, schon«, antwortete der Mann zögernd. Wahrscheinlich ahnte er, was nun kam. Klaudia schätzte ihn auf Mitte dreißig. Er hatte ein freundliches Gesicht mit braunen Augen und zurückweichendem Haaransatz.

»Es tut mir leid«, sagte sie. »Aber Ihre Kamera müssen wir fürs Erste einbehalten.«

»Das können Sie nicht machen.«

»Und ob wir das können.« Klaudia streckte die Hand aus. »Der Kollege gibt Ihnen eine Quittung.« Sie winkte den Praktikanten herbei, gab ihm die Kamera, schulterte ihren Einsatzrucksack und machte sich auf den Weg.

Nach einer Kehre fiel der Schein ihrer Taschenlampe auf einen Mann, der mit dem Kopf zwischen den Knien am Wegrand hockte. Wahrscheinlich der Zeuge. Sie würde nachher mit ihm sprechen, zuerst wollte sie sich selbst ein Bild machen. Klaudia ließ den Schein ihrer Taschenlampe weiterwandern, über wollige Schafrücken hinweg, an dem uniformierten Kollegen vorbei, der am Zaun lehnte. Im Schein der Taschenlampe, die in der Schulterschlaufe seiner Jacke steckte, schrieb er etwas in sein Notizbuch. Klaudia kannte ihn von diversen Lagebesprechungen. Er hieß Kuloth, war zuverlässig, aber nicht der Schnellste. Letzteres war sicherlich auch seinem Körperumfang geschuldet. Kuloth schaute auf, als ihn der Lichtstrahl von Klaudias Maglite traf. Sein Doppelkinn zitterte. Kein gutes Zeichen.

»Die hatten eine Wolfswache hier«, sagte er in dem leicht schleppenden Tonfall, der zu ihm gehörte wie der Bauch, der sich über den Hosenbund wölbte. »Ich hab erst einmal alle Leute weggeschickt, bis auf den jungen Mann, der den Toten gefunden hat. Aber vielleicht willst du mit dem Schäfer und dem Förster sprechen. Die haben das organisiert.«

»Okay. Lass sie kommen. Aber ich schau mir erst einmal den Toten an. Wo ist er?«

»Da hinten.« Kuloths Stimme klang gepresst.

»So schlimm?«, fragte...


Dieckerhoff, Christiane
Christiane Dieckerhoff, Jahrgang 1960, machte zunächst eine Berufsausbildung zur Kinderkrankenschwester, ist Mutter zweier erwachsener Kinder und lebt am Rande des Ruhrgebiets. Sie schreibt vor allem aktuelle und historische Krimis.



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