E-Book, Deutsch, Band 007, 294 Seiten
Reihe: Theologische Brocken
Die Exerzitien
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7518-6508-1
Verlag: Matthes & Seitz Berlin
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Geistliche Übungen und Tagebucheinträge
E-Book, Deutsch, Band 007, 294 Seiten
Reihe: Theologische Brocken
ISBN: 978-3-7518-6508-1
Verlag: Matthes & Seitz Berlin
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ignatius von Loyola, 1491 auf Schloss Loyola bei Azpeitia im baskischen Spanien geboren, war der wichtigste Mitbegründer und Gestalter der später auch als Jesuitenorden bezeichneten Gesellschaft Jesu, die als wichtiger Aktuer der Gegenreformation gilt. Er starb 1556 in Rom und wurde 1622 heilig gesprochen.
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Die Exerzitien
Das Gebet Anima Christi war ein Lieblingsgebet des heiligen Ignatius und wird von ihm öfters im Exerzitienbüchlein erwähnt. Der Ursprung des Gebetes lässt sich bis vor die Mitte des 14. Jahrhunderts zurückverfolgen.
Anima Christi, sanctifica me,
Corpus Christi, salva me.
Sanguis Christi, inebria me.
Aqua lateris Christi, lava me.
Passio Christi, conforta me.
O bone Jesu, exaudi me:
Intra tua vulnera absconde me:
Ne permittas me separari a te:
Ab hoste maligno defende me:
In hora mortis meae voca me:
Et jube me venire ad te,
Ut cum Sanctis tuis laudem te
In saecula saeculorum. Amen.
Seele Christi, heilige mich.
Leib Christi, erlöse mich.
Blut Christi, tränke mich.
Wasser der Seite Christi, wasche mich.
Leiden Christi, stärke mich.
O gütiger Jesus, erhöre mich.
Verbirg in deine Wunden mich.
Von dir lass nimmer scheiden mich.
Vor dem bösen Feind beschütze mich.
In meiner Todesstunde rufe mich.
Und lass zu dir dann kommen mich.
Damit mit deinen Heiligen dich
Ich loben möge ewiglich. Amen.
VORBEMERKUNGEN
zu einigem Verständnis für die geistlichen Übungen, welche folgen, und zur Hilfe dem, der sie mitteilen und dem, der sie empfangen soll.
Die erste Vorbemerkung, dass man unter dem Namen der geistlichen Übungen versteht: jede Art Gewissenserforschung, Betrachtung, Beschauung, mündliches und innerliches Beten und andere geistliche Tätigkeiten, von denen später gesprochen werden soll. Denn gleich wie Gehen, Vorwärtsschreiten und Laufen körperliche Übungen sind, so nennt man auch geistliche Übungen eine jede Weise, welche die Seele vorbereitet und in die rechte Verfassung bringt, alle ungeordneten Neigungen von sich zu entfernen und, nachdem man sie entfernt hat, den göttlichen Willen zu suchen und zu finden in der Durchbildung des eigenen Lebens zum Heil der Seele.
Die zweite Vorbemerkung: Wer einem anderen die Weise und Ordnung des Betrachtens und Beschauens vermittelt, der soll die Geschichte, welche dieser Betrachtung oder Beschauung zugrunde liegt, treu erzählen und sie nur Punkt für Punkt, in Kürze und dem Wesentlichen nach erläutern. Denn wenn der Betrachtende den wahren Grundtatbestand der Erzählung nimmt und durch Sinnen und Nachdenken aus sich selbst heraus etwas findet, was den Gegenstand für ihn etwas klarer oder eindrucksvoller macht, sei es, dass er dahin durch eigene geistige Tätigkeit gelangt oder dass sein Verstand durch göttliche Kraft erleuchtet wird, so sind geistiger Genuss und geistige Frucht größer, als wenn der, welcher die Übungen lehrt, den Sinn der Geschichte ausführlich erläutert und erklärt hätte. Denn nicht die Überfülle des Wissens sättigt und befriedigt die Seele, sondern das Spüren und Verkosten der Wahrheit selbst im Innern.
Die dritte Vorbemerkung: Da wir in allen nachfolgenden geistlichen Übungen Akte des Denkens anwenden, wenn wir überlegen, Akte des Wollens und Fühlens, wenn wir ergriffen sind, so müssen wir beachten, dass bei den Akten des Wollens und Fühlens, wenn wir mündlich oder rein geistig mit Gott unserem Herrn oder mit seinen Heiligen sprechen, von unserer Seite eine tiefere Ehrfurcht gefordert wird, als wenn wir im Einsehen und Verstehen unsere Denkkraft gebrauchen.
Die vierte Vorbemerkung: Wenn auch für die folgenden Übungen vier Wochen angesetzt sind, die den vier Abschnitten, in welche die Übungen eingeteilt sind, entsprechen, wobei der erste Teil die Erwägung und Beschauung über die Sünden, der zweite das Leben unseres Herrn Christi (bis zum Palmsonntag einschließlich), der dritte die Passion unseres Herrn, der vierte die Auferstehung und Himmelfahrt samt den drei Gebetsweisen umfasst: So darf dies doch nicht so verstanden werden, als ob jede Woche notwendig sieben oder acht Tage enthalten müsse. Denn da es geschehen kann, dass in der ersten Woche die einen langsamer als die andern erreichen, was sie suchen, nämlich Zerknirschung, Schmerz, Tränen über ihre Sünden, da ferner die einen eifriger sind als die andern und einige mehr als andere von verschiedenen Geistern bewegt oder versucht werden, so ist es notwendig, dass die erste Woche bisweilen abgekürzt, bisweilen aber ausgedehnt werde. Dasselbe soll auch bei allen andern Wochen geschehen, indem man den jeweiligen Übungszweck zu erreichen sucht. Indessen werden die Übungen meist in ungefähr dreißig Tagen vollendet.
Die fünfte Vorbemerkung: Dem, der die geistlichen Übungen empfängt, nützt es sehr, sie mit weiter und freischenkender Seele gegen seinen Schöpfer und Herrn anzutreten, all sein Wollen und seine Freiheit darbringend, auf dass seine göttliche Majestät nach ihrem heiligsten Willen verfüge – sowohl über ihn, als über alles, was er besitzt.
Die sechste Vorbemerkung: Wenn der, welcher die Übungen mitteilt, gewahr wird, dass der Übende in seiner Seele weder geistige Bewegungen, wie Trost oder Untrost, noch auch das Drängen verschiedener Geister erlebt, so muss er ihn in Betreff der Übungen sorgfältig fragen, ob er sie zur angesetzten Zeit und wie er sie mache; ebenso bezüglich der Zusätze, ob er sie genau beachte; und so soll er über alles und jedes einzeln Rechenschaft fordern.
Die siebente Vorbemerkung: Wenn der, welcher die Übungen mitteilt, gewahr wird, dass der, welcher sie empfängt, in Trostlosigkeit und Versuchung steht, so soll er sich gegen ihn nicht hart und rau benehmen, sondern mild und sanft, indem er ihm für die Zukunft Mut und Kraft einzuflößen sucht, ihm die trügerischen Pläne des Feindes der menschlichen Natur aufdeckt und durch Zuspruch dahin wirkt, dass er sich für den künftigen Trost bereite und öffne.
Die achte Vorbemerkung: Der, welcher die Übungen mitteilt, kann gemäß dem Bedürfnis, das er bei dem Übenden wahrnimmt, je nachdem dieser Untrost und Anfechtungen oder Trost erfährt, die Regeln der ersten und zweiten Woche, die zur Unterscheidung der verschiedenen Geister dienen, erklären.
Die neunte Vorbemerkung: Es ist zu beachten, wenn der Übende in geistigen Dingen nicht bewandert ist und während der ersten Übungswoche in heftiger und offenkundiger Weise versucht wird, z. B. wenn ihm der innere Feind, um ihn von einem weiteren Fortschreiten im Dienste Gottes unseres Herrn abzuhalten, Hindernisse vorstellt wie Anstrengung, Beschämung, Furcht vor dem Verlust weltlicher Ehre usw.: Dann soll der, welcher die Übungen leitet, ihm nicht die Regeln zur Unterscheidung der verschiedenen Geister, die für die zweite Woche bestimmt sind, mitteilen. Denn so sehr für einen solchen die Regeln der ersten Woche von Nutzen sind, so schädlich werden ihm die der zweiten Woche sein, da deren Gegenstand zu hoch ist und eine zu feine Unterscheidung erfordert, als dass ihn jener zu erfassen vermöchte.
Die zehnte Vorbemerkung: Wenn der, welcher die Übungen mitteilt, gewahr wird, dass der, welcher sie empfängt, unter dem Schein des Guten angegriffen und versucht wird, dann ist es angemessen, mit ihm über die erwähnten Regeln der zweiten Woche zu sprechen. Denn der Widersacher versucht gewöhnlich mehr unter dem Schein des Guten, wenn der Mensch sich auf dem Wege der Erleuchtung, der den Übungen der zweiten Woche entspricht, befindet; während er dagegen auf dem Reinigungswege, der den Übungen der ersten Woche entspricht, nicht so sehr (unterm Schein des Guten) versucht.
Die elfte Vorbemerkung: Für den, der die Übungen empfängt, ist es nützlich, in der ersten Woche nichts von dem zu erfahren, was er in der zweiten Woche zu tun hat. Er bemühe sich vielmehr, in der ersten Woche auf die Erlangung dessen, was er sucht, so hinzuarbeiten, als ob er in der zweiten Woche nichts mehr Gutes zu finden hoffte.
Die zwölfte Vorbemerkung: Jede der fünf Übungen oder Beschauungen, die täglich angestellt werden, soll eine Stunde lang dauern. Es soll daher der, welcher die Übungen mitteilt, den, der sie empfängt, eindringlich mahnen, diese Zeit immer einzuhalten, damit sich dieser innerlich vollkommen in dem Gedanken beruhigt fühle, er habe eine Stunde dabei beharrt, ja eher mehr als weniger Zeit darauf verwendet. Denn der Versucher pflegt nicht wenig dahin zu wirken, dass die Stunde der Beschauung, der Betrachtung oder des Gebetes abgekürzt werde.
Die dreizehnte Vorbemerkung: Ebenso ist zu achten, wie es zur Zeit der Tröstung leichtfällt, eine volle Stunde in der Betrachtung zu verharren, so ist es zur Zeit des Untrostes sehr schwer, diese ganze Stunde auszufüllen. Deshalb soll der Übende, um gegen diesen Untrost anzukämpfen und die Versuchungen zu besiegen, stets etwas über die volle Stunde in der Betrachtung aushalten, damit er sich gewöhne, dem Widersacher nicht nur zu widerstehen, sondern ihn auch niederzustrecken.
Die vierzehnte Vorbemerkung: Wenn der, welcher die Übungen mitteilt, gewahr wird, dass der, welcher sie empfängt, sich der Tröstung freut und mit vielem Eifer vorwärtsschreitet, so muss er ihn zum Voraus mahnen, dass er nicht unüberlegt und vorschnell irgendein Versprechen oder Gelübde mache. Und je mehr er erkennt, dass dieser von leicht beweglicher Gemütsart sei, desto eindringlicher muss er ihn warnen. Denn obwohl...




