Dick | Der Ritter und die Bastardtochter | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 250 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

Dick Der Ritter und die Bastardtochter


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7337-8120-0
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 250 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

ISBN: 978-3-7337-8120-0
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Brenne, du Hexe!' Mit Todesverachtung steht Rayne auf dem glimmenden Holzhaufen, der ihr Schicksal bedeutet. Die Menge schreit nach ihrer Hinrichtung. Gleich lodern die Flammen hoch, fressen sich in ihre zarte Haut - da kämpft sich ein fremder Krieger vor, zerschlägt ihre Fesseln und reitet mit ihr davon. Nur zu welchem Preis? Rayne spürt seinen finsteren Blick auf ihrer Haut. Nicholas Kendall, der Earl of Ravenglass, weiß genau, wie sie ihm die Freiheit vergelten kann. Er zwingt sie, seinen Bruder zu heilen! Wütend folgt sie ihm auf seine Burg - doch eines schwört sie sich: dem Ritter zu zeigen, wie widerspenstig Hexen wirklich sind ...

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1. KAPITEL

Rayne spuckte Blut aus. Ihr Blick folgte dem roten Tropfen auf dem Holzscheit zu ihren Füßen. Die Menge um sie herum schrie und geiferte. Sie konnten es kaum erwarten, sie brennen zu sehen.

Doch Rayne ignorierte ihre Worte. Womit sie den Hass der Leute verdient hatte, wusste sie nicht. Vorsichtig schaute sie auf und blickte über die Köpfe der Dorfbewohner zu den Ehrengästen, die auf einem kleinen Podium platziert wurden. Sie konnte die Gesichter von ihrer Position aus kaum erkennen, doch sie ahnte, mit welcher Freude der Mann auf der linken Seite zu ihr herüber sah. Womit sie seinen Hass verdiente, wusste sie erst recht nicht. Ihr Leben lang hatte sie sich von ihnen ferngehalten. Es war eine einfache Lektion gewesen, die sie von ihrer Mutter gelernt hatte: Halte dich von der Burg fern und von allen, die darin leben. Rayne hatte sie stets befolgt und doch schien es nicht genug gewesen zu sein. Erinnere ich dich so sehr an die Vergehen deines Vaters, dass du mich hasst?, fragte sie sich, während ihr Blick auf dem Mann haften blieb. Nein, das konnte sie sich kaum vorstellen. Nach dem, was sie über Henry Bewley gehört hatte, stand er seinem Vater an Grausamkeit in nichts nach. Es war gut, dass er nicht auf Ravenglass thronte. Nicht, dass es ihr jetzt noch helfen würde, aber es war ein kleiner Trost. Selbst ihr Tod würde nichts daran ändern, dass ihm die Königin sein Erbe für immer genommen hatte.

Ihre Beine schmerzten. Man hatte ihre Hände so weit über ihrem Kopf festgebunden, dass sie auf ihren Zehen stehen musste. Ihre Arme spürte sie seit einigen Minuten schon nicht mehr. Bald würde sie gar nichts mehr spüren. All die Schmerzen, die man ihr in der letzten Woche beigebracht hatte, um von ihr das Geständnis zu erpressen, dass sie eine Hexe war, würden vergangen sein. Doch vorher würde sie noch unerträglichere Schmerzen erleiden müssen.

Rayne hatte immer Respekt vor dem Feuer gehabt. Nun fürchtete sie es. Ihr Herz schlug schneller, als sie sah, wie Männer Fackeln entzündeten. Für einen Moment verstummten die Stimmen der anderen Menschen. Oder war nur das Rauschen in ihren Ohren zu laut? Ein rauchiges Wimmern drang an ihr Ohr, und Rayne brauchte einen Moment, um zu erkennen, dass es ihre eigene Stimme war.

Seit zwei Tagen hatte man ihr Wasser verweigert. Seitdem feststand, dass sie brennen würde. Sie hatte sich nicht schuldig bekannt. Hexen gab es nicht. Es war nur ein Begriff, mit dem die Dorfbewohner diejenigen benannten, die sie aus dem Weg schaffen wollte. Doch vor zwei Tagen hatte sie die Kraft verloren, sich zu verteidigen. Sie hatte das Bewusstsein verloren. Die Peitschenhiebe auf ihrem Rücken, die Folterungen und Schläge, der Verzicht auf Nahrung, auf Licht und Bewegung, das alles hatte seinen Tribut gefordert. Dass es in dem Augenblick geschah, als der Priester ihre Zelle betrat, wurde ihr als Schuldanerkenntnis ausgelegt. Zum Glück musste ihre Mutter sie jetzt nicht sehen.

„Sofort aufhören!“ Eine neue Stimme übertönte das Rauschen, das sich in ihrem Kopf ausgebreitet hatte. Erde flog auf, als zwei schwarze Pferde auf den Marktplatz trabten. Schweigen legte sich über die Menge, und dieses Mal war sich Rayne sicher, dass es nicht an ihrem Gehör lag. Nach einem Moment der Verwirrung erhob sich ein unverständliches Gemurmel unter den Umstehenden, doch sie machten den beiden Reitern Platz. Rayne versuchte, einen Blick auf das Podium zu werfen. War dies Teil des Spektakels? War eine Hexenverbrennung schon zu gewöhnlich geworden?

Offensichtlich nicht, denn die beiden Männer auf dem Podium gestikulierten wild und scheinbar aufgebracht mit den Männern, die die Fackeln hielten. Aufhören wollten sie auf keinen Fall. Doch keiner wagte, die Fackeln auf den Scheiterhaufen zu werfen.

„Allmächtiger.“ Eine Frau bekreuzigte sich und machte einen weiteren Schritt zurück, als einer der Reiter sein Pferd bis an den Scheiterhaufen heranführte. Rayne musste ihr widersprechen. Wenn noch irgendjemand in diesem Dorf an ihre Unschuld geglaubt hatte, so war dieser Gedanke verflogen. Denn der Mann, der vor ihnen auf seinem Rappen saß, musste der Leibhaftige sein.

***

Nicholas fluchte und trieb sein Pferd noch einmal an, als er die Rufe der Menschen schon von Weitem hörte. Er sah sich nicht um, um zu sehen, ob Niall hinter ihm war. Er hatte keine Zeit zu verlieren.

Als er die Dorfmitte erreichte, stieß er einen noch derberen Fluch aus. Er war beinahe zu spät. Sie hatten die Frau, nach der er seit zwei Tagen gesucht hatte, bereits auf dem Scheiterhaufen festgebunden und waren dabei, diesen zu entzünden.

„Sofort aufhören!“, schrie er über das Kreischen der Menge hinab, die nach dem Tod des Mädchens gierte. Das Schweigen, das ihm augenblicklich entgegenschlug, nahm er mit grimmiger Genugtuung zur Kenntnis. Elende Narren. Man hätte jeden von ihnen in den Krieg gegen die Spanier schicken sollen, dann wäre ihr Blutdurst vielleicht gestillt.

Nicholas lenkte sein Pferd durch die Menge, die bereitwillig vor ihm Platz machte, und ritt näher an den Scheiterhaufen heran.

„Allmächtiger.“ Das Wort drang an sein Ohr und ließ ihn nur verächtlich schnauben. Wenn diese Person tatsächlich an ihn glaubte, sollte sie nicht in der ersten Reihe bei einem solchen abergläubischen Spektakel stehen. Nicholas schwang sein rechtes Bein über den Kopf seines Pferdes und war mit einem Satz aus dem Sattel auf den Scheiterhaufen gesprungen.

„Ihr seid Rayne?“, fragte er die junge Frau, die ihn aus grünen Augen ängstlich ansah. Zögernd bestätigte sie die Frage mit einem leichten Nicken. Nach den Spuren von Schlägen in ihrem Gesicht zu deuten, war das wohl die einzige Art, auf die sie ihm im Moment antworten konnte. Nicholas stieß den Atem aus und zog sein Schwert, um die dicken Seile, die ihre Hände hielten, durchzuschlagen. Ihre Augen weiteten sich beim Anblick des blanken Stahls, und Nicholas unterdrückte einen weiteren Fluch. Sie jetzt anzuschreien, dass er sie nicht umbringen wollte, hätte ohnehin keinen Zweck. Als sie entkräftet zusammenbrach, nachdem die losen Fesseln sie nicht länger hielten, fing er sie auf und trug sie zu seinem Pferd. Niall hatte zu ihm aufgeschlossen und hielt Nicholas’ Pferd an den Zügeln, worauf dieser mit der angeblichen Hexe in den Armen aufsaß. Ein Blick in ihr Gesicht sagte Nicholas, dass sie das Bewusstsein verloren hatte. Nicht, dass er es ihr verdenken konnte. Er lenkte sein Pferd durch die Menge und wollte nur noch aus diesem Dorf verschwinden. Doch ein Mann stellte sich ihm in den Weg, der zumindest der Kleidung nach nicht zu diesen Dorfbewohnern gehörte.

„Was erlaubt Ihr Euch? Diese Frau ist der Hexerei für schuldig befunden worden und zum Tode verurteilt. Wer glaubt Ihr, seid Ihr, dass Ihr gegen dieses Urteil verstoßen dürft?“ Der Mann reckte sein Kinn und griff nach den Zügeln von Nicholas' Pferd.

Nicholas zog abschätzig die Oberlippe ein Stück nach oben und sah zu dem blonden Mann herab. „War es ein Urteil des Königs?“

Er kannte die Antwort bereits. James war ein Freund der Hexenprozesse, aber momentan hatte er andere Sorgen, als selbst das Urteil über eine einfache Frau zu sprechen.

„Nun, nein, aber …“, setzte der Mann zu seinen Füßen an, doch Nicholas hatte genug gehört.

„Dann nehme ich mir das Recht heraus, diese Narretei zu beenden“, stieß er hervor und entriss dem Mann die Zügel.

„Wer glaubt Ihr, dass Ihr seid?“, fragte dieser und zitterte fast vor Wut.

„Der Earl of Ravenglass, und Ihr tut gut daran, auf meinen Ländereien keine weiteren Hexenverbrennungen mehr durchzuführen.“ Mit diesen Worten ließ er den Mann endgültig stehen und galoppierte aus dem Dorf. Dieser Unsinn hatte ihn bereits genug gekostet. Er wusste nicht, wie viel Zeit Jacob noch blieb, und diese Hexenjagd hatte ihm bereits zwei wertvolle Tage gestohlen.

Niall schloss zu ihm auf, und die beiden trieben ihre Pferde an. Schweigend ritten sie nebeneinander her, bis Ravenglass bereits gut erkennbar vor ihnen lag.

„Nicholas, halt an“, rief Niall ihm zu.

Nicholas sah fragend zu seinem Freund. Was um alles in der Welt sollte ihn zum Anhalten bringen?

„Halt schon an“, wiederholte der Schotte und zügelte seinen Rappen. Nicholas tat es ihm schließlich gleich und wandte sich ihm zu.

„Ist dein Pferd verletzt? Gibt es ein Problem? Wir müssen uns beeilen.“

Auf Nicholas’ Worte hin schüttelte Niall nur den Kopf und deutete auf das noch immer bewusstlose Bündel Mensch in den Armen des Earls. „Willst du so mit ihr in die Burg stürmen?“ Niall zog die Brauen hoch. Offenbar wartete er darauf, dass Nicholas seinem Blick folgte.

Mit gerunzelter Stirn sah der Earl auf die Frau vor sich. Das Hemd, das man ihr angezogen hatte, war wohl einmal weiß gewesen. Nun jedoch war es braun vor Dreck und getrocknetem Blut. Es reichte gerade einmal bis unter ihre Knie und zeigten ihre Beine, die ebenfalls verdreckt waren. Nicholas presste die Lippen aufeinander, als sein Blick auf ihr Gesicht fiel. Ihre rechte Wange wies einen leichten Grünton auf, der von einer verheilenden Misshandlung zu rühren schien. Ihre Lippe war ebenfalls verletzt. Er konnte die Farbe ihres Haars nicht benennen, gerade wirkte es wie ein stumpfes Braun. Doch auch hieran konnte er deutlich erkennen, in welcher Umgebung sie auf ihre Verurteilung gewartet hatte.

„Sie braucht ein Bad“, wies Niall ihn auf das Offensichtliche hin. „Und neue Kleidung.“

Nicholas hob langsam den Kopf und sah Niall an, als habe dieser den Verstand verloren, ehe er mit der linken...



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