E-Book, Deutsch, Band 1493, 160 Seiten
Reihe: Baccara
DePalo Ein erregender Verdacht
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-86349-894-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1493, 160 Seiten
Reihe: Baccara
ISBN: 978-3-86349-894-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Merkwürdig, dass ausgerechnet der reiche, gut aussehende Matt Whittaker professionelle Hilfe sucht, um eine Ehefrau zu finden! Selbstverständlich kümmert sich Lauren, die seit fünf Jahren ein Eheinstitut führt, intensiv um diesen Kunden. Aber obwohl sie sich große Mühe gibt - keine ihrer handverlesenen Kandidatinnen scheint so ganz nach dem Geschmack des Finanzmanagers zu sein. Hat er etwa schon die Richtige gefunden? Langsam keimt in Lauren ein aufregender Verdacht auf: Ist Matt gar nicht an einer Partnerschaftsvermittlung interessiert, sondern nur an der Vermittlerin?
Die USA Today-Bestsellerautorin Anna DePalo ist Harvard-Absolventin, ehemalige Anwältin und lebt mit ihrem Mann, ihrem Sohn und ihrer Tochter in ihrer Heimatstadt New York. Sie schreibt sexy und humorvolle Bücher, die in mehr als zwanzig Ländern veröffentlicht wurden. Ihre Romane wurden mit dem RT Book Reviews Reviewers' Choice Award, dem Golden Leaf, dem Book Buyer's Best und dem New England Readers' Choice ausgezeichnet.
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1. KAPITEL
Matt war nun wirklich der letzte Mann, den sie wiedersehen wollte. Außerdem hätte sie ihn nie und nimmer im Vorzimmer ihrer Agentur vermutet. Matthew Whittaker war Mitinhaber eines großen Bostoner Familienunternehmens und leider auch Zeuge der größten Demütigung ihres Lebens.
Lauren blieb überrascht stehen. Sie hatte sich verspätet, was für sie ganz untypisch war. Aber die geschäftliche Verabredung zum Lunch hatte länger gedauert, als sie gedacht hatte. Außerdem schneite es, und in dem stockenden Verkehr war sie nur mühsam vorangekommen. Dieses nasskalte Januarwetter war wirklich scheußlich. So musste sie erst einmal zu Atem kommen, bevor sie es wagte, Matthew anzusehen.
Er erhob sich von der Couch und blickte auf Lauren. „Hatten wir nicht um zwei Uhr einen Termin?“
Sie sah sich Hilfe suchend nach Candace um, die nur die Augenbrauen hob und Matthew anstarrte, dann wandte sie sich ihm wieder zu. „Matt!“, sagte sie und hatte sich so weit gefasst, dass sie ein freundliches Lächeln zustande brachte. Glücklicherweise hörte sich ihre Stimme einigermaßen normal an. „Das ist aber eine Überraschung.“
„Hallo, Lauren. Ja, wir haben uns lange nicht gesehen.“
Stimmt. Das letzte Mal trug er einen schwarzen Smoking. Das war an ihrem Hochzeitstag gewesen, vor gut fünf Jahren. In seinen blauen Augen stand damals etwas, was sie irgendwie nervös machte. Aber er hatte immer schon eine etwas irritierende Ausstrahlung gehabt.
Ihre hohen Absätze klapperten laut auf dem Holzfußboden, als Lauren mit ausgestreckter Hand auf Matthew zuging. „Ich freue mich, dich wiederzusehen.“
Als er ihre Hand ergriff, spürte sie seine Wärme bis in die Zehenspitzen. „Das kann ich mir vorstellen“, sagte er und lächelte kurz. Seine Stimme klang tief und warm. „Ich meine, dass es eine Überraschung ist“, fügte er schnell hinzu.
Sie blickte hoch, und wieder wurde ihr bewusst, wie klein sie war, selbst mit den hohen Absätzen. Diese Tatsache hatte sie fast die gesamten dreißig Jahre ihres Lebens gestört.
Jung, klein und weiblich, eine schlechte Kombination, wenn man in der Welt ernst genommen werden wollte.
Bei Matthew war genau das Gegenteil der Fall. Er war gut 1 Meter 80 groß, sah gut aus, war reich und eben ein Mann. Hatte sie nicht mal irgendwo gelesen, dass die Größe eines Präsidentschaftskandidaten der ausschlaggebende Faktor dafür war, dass er die Wahl gewinnen würde?
Sie senkte den Blick und musterte ihn unauffällig. Er wirkte dunkel und irgendwie geheimnisvoll. Kürzlich hatte sie einen Artikel über ihn im Fortune Magazin gelesen. Darin stand klar und deutlich, dass er offenbar für den finanziellen Erfolg von Whittaker Enterprises verantwortlich war, dem Familienunternehmen, das unerschrocken und aggressiv seine geschäftlichen Ziele verfolgte. Wahrscheinlich war das Matthews nüchternem und offensivem Arbeitsstil zu verdanken.
Kurioserweise hatte der Boston Sentinel ihm das Prädikat „Bostons begehrtester Junggeselle“ verliehen, und das schon zwei Jahre in Folge. Nachdem sein jüngerer Bruder Noah geheiratet hatte, war die Auszeichnung automatisch auf Matthew übergegangen.
Allerdings war er bestimmt nicht hier, um die Dienste ihres Partnerinstituts in Anspruch zu nehmen. Aber weshalb dann? Tatsache war, dass er mit ihr um zwei Uhr einen Termin hatte.
Als ahne er, was ihr gerade durch den Kopf ging, meinte er mit einem beinahe verlegenen Lächeln: „Mich hast du sicher nicht als Kunden erwartet, oder?“
Himmel, nein. Auf keinen Fall. Ihn nun ganz bestimmt nicht. Nicht den Mann, der so nervtötend gelassen geblieben war angesichts ihrer quälenden Schmach vor fünf Jahren. Und der es auch jetzt wieder schaffte, dass sie sich ihrer Weiblichkeit so erschreckend erregend bewusst war.
Doch nun Schluss damit. Sie nickte ihrer Sekretärin zu und blickte dann Matthew aufmunternd an. „Das nicht. Aber komm doch mit in mein Büro. Dort können wir in aller Ruhe über deine Wünsche sprechen. Ich hoffe, wir können dir helfen.“ Er war wohl kaum daran interessiert, einen Computer die Auswahl treffen zu lassen, obgleich diese nüchterne Vorgehensweise zu Matt passen würde – gefühlskalt, wie er zu sein schien.
Er folgte ihr ins Büro und schloss die Tür hinter sich. Sie zog sich den Mantel aus. „Setz dich doch.“ Sie wies auf die Couch. „Möchtest du einen Tee? Oder Kaffee?“
„Nein, danke.“
Am liebsten hätte sie selbst einen Kaffee getrunken, das Koffein würde ihr guttun. Aber sie beherrschte sich und setzte sich auf einen Sessel, der der Couch gegenüberstand.
Er blickte sich in dem Büro um. Ganz offensichtlich fühlte er sich nicht wohl, denn er wirkte rastlos wie ein gefangener Panther.
Sie wartete.
Schließlich blickte er sie an. „Meine Schwester und meine Schwägerinnen sind alle der Meinung, dass es in der Welt sehr viel besser aussähe, wenn ich wie sie glücklich verheiratet wäre.“
Sie wartete.
„Meine Schwester hat vorgeschlagen, dass ich mich an dich wende, damit es auch wirklich klappt.“
Lauren rutschte etwas nach vorn. „Ich kann nur Kunden akzeptieren, die selbst davon überzeugt sind …“
„Sie hat wahrscheinlich recht“, unterbrach er sie schnell.
Oh. Sie lehnte sich wieder zurück. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass du professionelle Vermittlung brauchst, um eine Partnerin zu finden. Schließlich bist du Bostons begehrtester Junggeselle. Schon diese ‚Auszeichnung‘ …“ Sie lächelte spöttisch.
„Dann hast du davon gehört?“
„Natürlich. Ich lese den Sentinel. Außerdem muss ich schon von Berufs wegen über die Junggesellen hier in der Stadt Bescheid wissen.“
„Genau das ist es ja!“ Er fuhr sich aufgebracht durchs Haar. „Seit dieser alberne Titel an mir klebt, bin ich das Opfer aller habgierigen und ehrgeizigen Frauen. Ein Jahr lang der begehrteste Junggeselle zu sein, war schon schlimm genug. Aber jetzt, im zweiten Jahr, wird es allmählich unerträglich. Ich hatte ja schon bei meinem Bruder gesehen, wie skrupellos sich die Frauen auf ihn stürzten, und ich habe keine Lust, dass es mir genauso ergeht.“ Er schwieg und sah Lauren bedeutsam an. „Deshalb bin ich zu dir gekommen.“
Sie schüttelte lächelnd den Kopf. „Ich verstehe zwar, dass du wild gewordenen weiblichen Singles entkommen willst. Aber dieser Wunsch ist etwas ganz anderes als der, eine tiefe Beziehung zu einer Frau aufzubauen. Und nur in diesen Fällen kann ich helfen.“
„Ich bin sechsunddreißig, da wird es Zeit.“
„Zeit?“
Er nickte knapp. „Die letzten zehn Jahre habe ich fast nur im Büro verbracht. Ich möchte nicht erst mit sechzig anfangen, meinen Kindern das Fußballspielen beizubringen.“
Das hörte sich alles sehr sachlich, sehr geplant an. Viel zu nüchtern, dachte sie.
„Außerdem“, fuhr er fort, „habe ich nicht die Zeit, darauf zu warten, dass mir zufällig die Traumfrau über den Weg läuft. Ich bin fest entschlossen, dieses Problem gelöst zu haben, bevor der Sentinel wieder den begehrtesten Junggesellen bestimmt. Und das ist in drei Monaten.“
Aus ähnlichen Motiven kamen viele ihrer Kunden zu Lauren. Wie Matthew waren sie aus beruflichen oder sonstigen Gründen nicht in der Lage, sich für die Partnersuche Zeit zu nehmen. Und da sie es gewohnt waren, dass es für alles eine Lösung gab, gingen sie auch dieses „Problem“ nach dem gleichen Schema an, nach dem sie alles in ihrem Leben regelten. Sie waren bereit, viel Geld auszugeben, damit jemand für sie die untergeordneten Arbeiten erledigte und sie dann später nur noch die Entscheidung zu fällen brauchten.
Da war es nicht überraschend, dass auch Matthew so handelte und glaubte, auf diesem Weg in wenigen Monaten eine Frau zu finden. „Ein Partnerinstitut kann keine Wunder vollbringen“, warnte sie. „Meine Kunden vergessen immer wieder, dass sie bereit sein müssen, Zeit zu investieren. Außerdem gehören persönlicher Einsatz und emotionales Engagement dazu, wenn man eine Beziehung aufbauen will.“
„Das weiß ich doch. Ich bin bereit, Zeit mitzubringen, aber ich erwarte und vertraue darauf, dass diese Zeit nicht verschwendet ist.“ Er grinste. „Es wäre sicher eine fantastische Werbung für Ideal Match, wenn du es schaffst, Bostons begehrtesten Junggesellen unter die Haube zu bringen.“
Da hatte er nicht unrecht. Er war ein viel zu gewiefter Geschäftsmann, als dass er ihr nicht vor Augen halten würde, welche Vorteile sie hätte, wenn sie ihn als Kunden akzeptierte.
Parker, ihr Exverlobter, war genau der gleiche Typ gewesen. Kein Wunder, denn beide hatten ihre Ausbildung an der berühmten Harvard Universität gemacht und waren während des Studiums dicke Freunde gewesen. Die beiden Männer waren sich sicher in Vielem ähnlich.
Lauren dagegen war ein Beispiel für jemanden, der seine Entscheidungen aus dem Bauch heraus und mit dem Herzen traf. Glücklicherweise hatte sie einen Beruf gewählt, in dem ihr diese Eigenschaft von Nutzen war. Allerdings war sie sicher auch die Einzige in dem Gewerbe, die sich kostenlos darum bemühte, dass auch ältere Menschen einen Partner fanden. Denn die Menschen in der Seniorenresidenz, um die sie sich kümmerte, hatten kein...




