Porzellankunst unter SS-Regie
Buch, Deutsch, 208 Seiten, Format (B × H): 209 mm x 296 mm, Gewicht: 918 g
ISBN: 978-3-948974-66-4
Verlag: Schiermeier, Franz
Das Allacher Porzellan ist mit einer belasteten, aber für den Historiker auch faszinierenden Geschichte verbunden. In die historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts lokaler und deutschlandweiter Art eingebettet, erzählt der Autor anhand des Lebenslaufes und des Familiennachlasses die ganze Lebensgeschichte des gebürtigen Ungarn Ferencz Nagy, ?die diesen von Pécs (Fünfkirchen) über Passau (Niederbayern), Großdubrau (Sachsen), Nymphenburg (München) und Selb (Oberfranken) nach München (Allach und Untermenzing) führte.
In Allach gründete er im April 1935 die „Keramischen Werkstätten Franz Nagy“, die im Januar 1936 unter dem Einfluss von Heinrich Himmler, dem „Reichsführer der SS” in die „Porzellan-Manufaktur Allach-München GmbH“ umgewandelt und 1939 durch Enteignung endgültig von der SS übernommen wurde. Nagy wohnte damals schon mit seiner Familie in Untermenzing.
Zum 1. Dezember 1938 waren die bis dahin selbständigen Gemeinden Solln, Obermenzing, Untermenzing, Allach und Ludwigsfeld auf Betreiben Hitlers der „Hauptstadt der Bewegung“ zwangseingemeindet worden.
Mit dem 3. Januar 1936 beginnt die Geschichte des Allacher Porzellans, die nicht nur für Porzellan-Sammler, sondern auch für die Bürgerinnen und Bürger unseres Stadtbezirks höchst interessant und informativ ist.
Da die Produkte der Manufaktur die Erziehung zum nationalsozialistischen Menschen unterstützen sollten, entstand in der Öffentlichkeit – aber auch in Fachkreisen – zu Unrecht die Meinung, dass von den angestellten und auch freischaffenden Künstlern, die aus ganz Deutschland zusammengeholt worden waren, nur „SS-Porzellan“ geschaffen wurde.?
Der Autor vertritt die Meinung, dass es sich trotz aller nicht unberechtigten Bedenken um „Allacher Porzellankunst unter SS-Regie“ handelt.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Die Geschichte des Allacher Porzellans ist vielschichtig und voller Kontraste. Gegründet im Jahr 1935, wurde die Porzellan-Manufaktur Allach schon bald ein Instrument nationalsozialistischer Propaganda und unterstand ab 1939 vollständig der SS. Unter der Leitung von Heinrich Himmler wurden Figuren und Objekte geschaffen, die in ihrer ästhetischen Ausgestaltung dem nationalsozialistischen Ideal entsprachen und tief in die Ideologie eingebettet waren. Die SS-Runen auf der Unterseite sind bis heute ein Symbol für die Vereinnahmung von Kunst zu politischen Zwecken.
Dr. Walter G. Demmel, ein angesehener Historiker und Bürger unseres Stadtbezirks Allach-Untermenzing, hat mit seinem Buch „Allacher Porzellan. Porzellankunst unter SS-Regie“ ein tief recherchiertes Werk geschaffen, das nicht nur die Kunstfertigkeit, sondern auch die dunklen Schatten der Zwangsarbeit in den Mittelpunkt stellt. Denn ein Großteil der Produktion wurde in das Konzentrationslager Dachau verlagert, wo KZ-Häftlinge unter schweren Bedingungen Porzellanfiguren herstellen mussten. Was die Nazis als „künstlerisch wertvolles Erbe“ bezeichneten, ist zugleich Zeugnis der unmenschlichen Verhältnisse, unter denen diese Kunstwerke entstanden.
Demmel gelingt eine historische Aufarbeitung, die besonders wertvoll ist, weil er lokale Aspekte einbezieht. Dazu gehören die Biografie des Gründers Ferenc (Franz) Nagy und die Lebensrealität der Bewohner von Allach und Untermenzing, die in engem Kontakt mit der Manufaktur standen. Dieses Buch zeigt uns die Widersprüche zwischen Kunst und Ideologie auf und gedenkt der Opfer der Zwangsarbeit, deren kreatives Schaffen unter schrecklichen Bedingungen stattfand.
Ich lade alle Leserinnen und Leser ein, sich mit dieser aufwühlenden Geschichte auseinanderzusetzen und dabei auch die Perspektive der Betroffenen nicht aus den Augen zu verlieren. Dieses Buch ist mehr als nur ein Beitrag zur Kunst- und Industriegeschichte. Es ist eine Erinnerung daran, dass sich die Geschichte nie ohne ihre dunklen Kapitel erzählen lässt.
Pascal Fuckerieder
Vorsitzender des Bezirksausschusses Allach-Untermenzing




