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Buch, Deutsch, Band 07, 272 Seiten, Format (B × H): 128 mm x 201 mm, Gewicht: 378 g
Reihe: Perlen (Marix Verlag)
Roman | Der Stolz zweier Seelen im Ringen um eine unmögliche Leidenschaft | Italienische Literaturnobelpreisträgerin Grazia Deledda | Reihe PERLEN Band 7
Buch, Deutsch, Band 07, 272 Seiten, Format (B × H): 128 mm x 201 mm, Gewicht: 378 g
Reihe: Perlen (Marix Verlag)
ISBN: 978-3-7374-1264-3
Verlag: Marix Verlag
Marianna Sirca ist die Geschichte einer Frau, die mehr als den Ton angeben möchte: die in jeder Hinsicht über sich selbst bestimmen will. Und über die Folgen, die dieses Machtansinnen hat. Denn, Schutzpatronin und zerstörerische Kraft, die sie zugleich ist, greift sie damit nach den Sternen. Der Ort ihrer Geschichte ist die Barbagia, die von Hirten bevölkerte Hochebene im Südosten Sardiniens, mit ihren Steineichen, immergrünen Korkeichenwäldern und Weinbergen. Marianna, ohne Mutter aufgewachsen, wird noch als Kind vom Vater in den Haushalt des Onkels, eines steinreichen Priesters, abgeschoben, dem sie erst dienen und den sie dann bis zu seinem Tod pflegen muss. Nun, mit knapp dreißig Jahren, erbt sie sein Vermögen. Sie ist wirtschaftlich unabhängig und will ihr eigenes Glück, ihre Liebe finden. Ihr Herz fliegt ausgerechnet Simone Sole zu, einem jungen Banditen, und so brechen bald alle Dämme. Nicht die Gesellschaft ist es, die dieser Liebe entgegensteht: Es ist Marianna selbst, die aus ihrer Liebe einen sittlichen Hochaltar macht. Es genügt ihr nicht, ihn, den sie mit Haut und Haar will, des Nachts in ihr Haus eingelassen zu haben, nein, sie will ihn heiraten, mit dem Segen eines Pfarrers. Simone will sie zwar auch, doch was sie von ihm verlangt, ist für ihn letztlich nicht einzulösen. Das Pfand ist seine Freiheit: Simone soll sich der Justiz stellen … In Marianna Sirca obliegt es der gewaltigen Schönheit der sardischen Natur, die Seelenlandschaft der Figuren widerzuspiegeln. Wie ein roter Faden zieht sich der Eros als gesellschaftlich-revolutionäre Kraft durch das Werk und führt mittenhinein in die Debatte um Geschlechteridentitäten. Der siebte Band in der Reihe PERLEN– Bedeutende italienische Schriftstellerinnen des 20. und 21. Jahrhunderts, herausgegeben von Klaudia Ruschkowski.
Zielgruppe
Interessierte an Klassikern und romantischen Geschichten | Lesemotiv Eintauchen
Weitere Infos & Material
Marianna Sirca hatte nach dem Tod ihres reichen Priesteronkels, dessen Alleinerbin sie jetzt war, einige Tage inmitten der Korkeichenwälder der Serra von Núoro verbracht, wo sie ein kleines Landhaus besaß. Es war Juni. Marianna war erschöpft von den Mühen der langwierigen Krankenpflege des Onkels, der nach zwei Jahren sich hinziehender Lähmung schließlich gestorben war; sie wirkte wie dem Gefängnis entkommen, so bleich, so geschwächt und der Welt entrückt sah sie aus. Wäre es nach ihr gegangen, hätte sie sich nicht gerührt, auch nicht den Rat des Arztes befolgt, der ihr dringend zu einem Aufenthalt in guter Luft geraten hatte. Doch der Vater, ein Schäfer und für den Priesterbruder immer eine Art Bediensteter, war eigens von der Serra heruntergekommen, um sie abzuholen; respektvoll, aber unmissverständlich hatte er ihr auf den Kopf zugesagt: »Marianna, befolge den Rat von einem, der dich gernhat. Gehorche.« Die Dienstmagd, eine ungehobelte, resolute Frau aus der Barbagia, die seit vielen Jahren im Hause Dienst tat und Marianna hatte heranwachsen sehen, packte daraufhin für sie Wäsche und Kleidung zusammen, stopfte alles in eine Satteltasche, als wären es die Sachen eines Hirtenbuben, und wiederholte: »Marianna, befolge den Rat von einem, der dich gernhat. Gehorche.« Und Marianna gehorchte. Immer schon hatte sie gehorcht, seitdem sie als junges Mädchen, wie ein Vögelein in einen Käfig, in das Haus des Onkels geschickt worden war, damit sie die Heiterkeit und das Strahlen ihrer Jugend rings um den trübsinnigen Priester verbreite und im Gegenzug auf sein Erbe hoffen dürfe. Wortlos stieg sie zum Vater auf den Rücken des Pferdes, legte die Hand auf seinen Gürtel und hatte nur ein Nicken für die besorgte Dienerin, die ihr die Untergewänder um die Beine zurechtzupfte und ihr ans Herz legte, sich nachts nicht zu verkühlen. »Und setz' sie keinen Strapazen aus, Berte Sirca!« Der legte den Zeigefinger auf den Mund und gab dem Pferd die Sporen. Auch er war ein Mann weniger Worte, und im Übrigen hatten er und Marianna sich nicht viel zu sagen. Unterwegs zeigte er ihr lediglich dieses und jenes Grundstück, nannte die Namen der Besitzer; überdies kannte sie die Gegend gut, denn jedes Frühjahr, außer im letzten, als der Priester dahinsiechte, verbrachte sie zusammen mit ihm und den Verwandten ganze Tage auf der Tanca, dem großen Landsitz, wo sich eingezäunt von Grenzmauern Schafherden und Großvieh tummelten und ein Steinhaus anstelle der primitiven Hütten der sardischen Hirten gebaut worden war. Dort oben fühlte sie sich vom ersten Tag an besser. Das Land lag in erhobener Position, auf der Grenze zwischen dem Territorium von Núoro und dem von Orune; der Wald war in frisches Grün getaucht, alles blühte, und über der ganzen Welt schien eine grenzenlose Seelenruhe zu liegen.