Deere | Selbst im Dunkel bist du da | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

Deere Selbst im Dunkel bist du da

Die wahre Geschichte eines Lebens zwischen Licht und Finsternis.
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96122-414-2
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die wahre Geschichte eines Lebens zwischen Licht und Finsternis.

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

ISBN: 978-3-96122-414-2
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der bekannte geistliche Leiter Jack Deere erzählt die Geschichte seines Lebens - mit all ihren Schattenseiten. Er erlebt eine schwierige Kindheit in Texas, den Zerfall der Familie nach dem Selbstmord des Vaters, seinen Aufstieg zu einem führenden Wissenschaftler, gefeierten Redner und Bestsellerautoren. In der Zeit seiner größten Erfolge verstrickt er sich in Ehrgeiz und Selbstgefälligkeit, verliert seinen Sohn durch Selbstmord und seine Frau an den Alkohol. Deere beschreibt, wie er mit seinen Abhängigkeiten kämpft, wie er lernt, die Kontrolle abzugeben und Heilung erfährt - in aller Zerbrochenheit. Eine kraftvolle und gleichzeitig schonungslose Lebensgeschichte, in der der Autor durch Schmerz, Verlust, Tragödien und Gebrochenheit Schönheit und Frieden findet. Seine Erfahrung: Gott trägt auch durch dunkle Zeiten. Das macht dieses Buch zu einer Ermutigung, trotz aller schweren Umstände am Glauben festzuhalten.

Jack Deere war Pastor und Professor für Altes Testament am 'Dallas Theological Seminary'. Heute ist er ein vielgefragter Redner und Autor, u.a. des Bestsellers 'Überrascht von der Stimme Gottes'.
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Acht

Mama nahm nach der Beerdigung für ein paar Wochen von der Arbeit frei, aber danach musste sie wieder arbeiten gehen. Wir waren zu jung, um allein gelassen zu werden, und nicht gerade leicht zu hüten.

Wir wohnten an einer belebten Kreuzung, und meine Brüder und ich vertrieben uns die Langeweile damit, für die vorbeifahrenden Autofahrer einen Sketch aufzuführen. Ich stand auf dem Dach unseres Hauses mit Pfeil und Bogen und zielte auf meinen Bruder Gary, der auf dem Gehweg stand. Gary hatte sich ein Stück Styropor vor die Brust geschnallt, es mit einem ketchupverschmierten T-Shirt bedeckt und einen Pfeil durch sein Hemd in das Styropor gesteckt. Er stand mit dem Rücken zur Straße. Wenn Autos vorbeikamen, hob er eine Hand und flehte: „Nein, bitte, nein! Nicht schießen!“ Ich schoss den Pfeil ab. Es verschwand im Gras zwischen seinen Füßen und verfehlte manchmal seinen Schritt um nur etwa fünfzehn Zentimeter. Gary schrie und ließ sich rückwärts fallen, mit einem blutigen Pfeil, der aus seinem Herzen ragte.

Die Leute stiegen auf ihre Bremsen. Einmal verschüttete eine Frau eine Cola über ihre Mitfahrer.

Einige sprangen aus dem Wagen, um zu helfen.

In dem Moment rannten wir weg.

Die erste Haushälterin, die Mama eingestellt hatte, ist nach ein paar Wochen gegangen. Die nächste ebenso. Und die nach ihr ging schon nach einem Tag.

Mamas Vater hatte zu Papas Lebzeiten nie Hand an mich gelegt, aber jetzt übernahm er meine Bestrafung und verabreichte mir auf Wunsch meiner Mutter eine Tracht Prügel.

Mit fünfundfünfzig Jahren waren aus Poppas Wangen bereits Hängebacken geworden. Sein schwarzes Haar war ausgedünnt, bis auf ein paar Strähnen mitten auf seinem Kopf, aber es bedeckte noch immer seinen Nacken und seine Schultern. Manchmal verlangte er von mir, ihn zu massieren, wobei ich gezwungen war, mit meinen Fingern durch diese verschwitzte Matte aus Haar und fettiger Haut zu kraulen. Nonnie behauptete, er habe einst gut ausgesehen, aber in meinen Augen war er immer hässlich gewesen.

Sein Name war Ralph Barley sen. Er arbeitete als Drucker für die Zeitung Fort Worth Star-Telegram.

Wenn er betrunken war, sprach er in Gegenwart von Nonnie über seine Frauengeschichten. Sie ignorierte es und beklagte sich auch nicht über seine Verluste beim Glücksspiel, außer dass sie sagte, er würde einmal an einem Pokertisch sterben. Aber ganz gleich, wie sehr er es versuchte: Poppa konnte Nonnie von ihrer Zuneigung zu mir nicht abbringen.

Deshalb hasste er mich umso mehr.

Nachdem Papa gestorben war, ließ Mama uns öfter bei Poppa und Nonnie. Abends zog sich Poppa bis auf Unterhemd und Boxershorts aus und setzte sich auf seinen Thron – einen roten Schaukelstuhl aus Vinyl, der in einer Ecke seines Schlafzimmers stand. Graues Polstermaterial quoll aus seiner aufgerissenen Sitzfläche. In der anderen Ecke lief der Fernsehapparat. Bis er schlafen ging, rauchte er Raleigh-Zigaretten. Während er die Andy Griffith- oder die Ed Sullivan-Show schaute, tönten Poppas Blähungen so anhaltend wie die Zikaden vor dem Schlafzimmerfenster. Alles in diesem Raum stank.

Poppa empfand eine Hassliebe zu seinem Sohn Ralph Jr. Eines Abends saß ich auf dem Kofferraum unseres 1957er Chevy in unserer Einfahrt und beobachtete, wie sich mein zwanzigjähriger Onkel mit seinem Vater anlegte. Mama versuchte, dazwischenzugehen.

Poppa ließ seine rechte Hand in seine Gesäßtasche gleiten und zog ein Taschenmesser mit einer 15 Zentimeter langen Klinge heraus. Er hatte ein kleines Stück Papier in den Schlitz geklemmt, in dem die Klinge steckte, sodass die Spitze der Klinge aus ihrem Schaft herausragte. Poppa öffnete das Messer mit einer Hand, indem er die Klingenspitze an die Naht seiner Gesäßtasche drückte.

„So ist’s recht, alter Mann; versteck dich hinter den Röcken einer Frau“, spottete mein Onkel.

„Lassmi los, Jean; geh ausm Weg“, sagte mein Großvater.

Seine Aussprache war zu diesem uns vertrauten betrunkenen Gebrabbel zerflossen. Als er sich daranmachte, seinen Sohn zu erstechen, torkelte er im leichten Sommerwind.

Mein Onkel konnte das Messer nicht sehen. Mama auch nicht.

Sie flehte ihren Bruder an zu gehen, woraufhin Ralph Jr. zurückwich und in sein Auto stieg.

„Och, Jean, ich hätt mich schon um ihn gekümmert“, sagte Poppa.

Soweit ich wusste, hatte nur eine einzige schwarze Frau jemals die Schwelle unseres Hauses überschritten: die Begleiterin eines Freundes, die mal auf die Toilette musste. Mama hatte die Toilette mit Desinfektionsmittel gereinigt, bevor sie uns erlaubte, sie wieder zu benutzen. Im Sommer nach der ersten Klasse schlenderte ich im Piggly-Wiggly-Supermarkt zu den Wasserspendern, die hinter der Frischwaren-Abteilung standen. Auf dem Schild über einem von ihnen stand „KÄLTER“. Ich trank ausgiebig davon.

Dann spürte ich, wie Mama mich am Arm packte und vom Wasserspender wegzerrte. Sie beugte sich zu mir herunter, bis ihr Gesicht nur noch ein paar Zentimeter von meinem entfernt war, und senkte ihre Stimme.

„Trink dieses Wasser nicht“, sagte sie mit zusammengebissenen Zähnen.

„Aber, Mama, ich will das kältere Wasser.“

„Widersprich mir nicht, verdammt noch mal. Das ist nicht kälteres Wasser, du Dummkopf. Das ist Wasser für die Farbigen.“

Als Mama uns unser neues Kindermädchen Bobbie vorstellte, traute ich meinen Augen nicht. Bobbie – war schwarz!

Sie arbeitete für ein paar Pfennige, beschwerte sich nicht darüber, wütenden Nachbarn Rede und Antwort stehen zu müssen und kannte alle ungeschriebenen Gesetze. Morgens nahm sie den billigsten Plastikbecher aus unserem Küchenschrank und stellte ihn auf die Spüle neben den Wasserhahn. Sie trank nur aus diesem Becher, aus keinem anderen.

Sie kochte unser Essen, wusch und bügelte unsere Kleidung, putzte unser Haus und lachte über unsere Witze – sogar über einige, die ihrer baptistischen Prägung widerstrebten.

Eines Sonntags, als ich frech gewesen war, zog Poppa mich in seine Garage. Sie roch nach Schimmel und bot Wespen, Skorpionen und gelegentlich auch Schlangen Unterschlupf. Mit seiner linken Hand hob er mich an meinem Gürtel hoch und ließ meinen knapp 35 Kilo schweren Körper in der Luft baumeln. Mit der rechten Hand griff er sich einen gebrauchten Keilriemen von der Wand. Ich strampelte mit aller Kraft und dachte, ich könnte seinen Griff lösen, aber je mehr ich strampelte, desto härter schlug er mich. Schließlich hörte ich auf, mich gegen die Hiebe zu wehren. Er warf mich auf den dreckigen Boden und stellte mir in Aussicht, dass das noch nicht alles war.

Ich lag kurz da und prüfte das Ausmaß meiner Verletzungen: Prellungen, Schnitte, aufgeschürfte Ellenbogen und Knie.

Als ich mir den Schmutz abklopfte, gab ich mir selbst ein Versprechen. Sobald ich älter wäre, sagte ich mir, würde ich dem stinkenden Schwein die Seele aus dem Leib prügeln und wenn ich mich mit einem Schlagstock von hinten an ihn heranschleichen müsste. Dazu sollte es nie kommen.

Er starb ein Jahr später – wie Nonnie es vorhergesagt hatte – am Pokertisch. Diese Wette hatte er verloren. Er legte seine Karten auf den Tisch, neigte den Kopf und sackte ein letztes Mal zusammen.

Es war das einzige Begräbnis, an dem ich je teilgenommen habe, bei dem ich Mühe hatte, meine Freude zu verbergen.

Dennoch hatte mich Poppas übler Gestank zu einer Quelle des Lichts getrieben.

Anstatt mit Poppa in seinem Schlafzimmer fernzusehen, war ich auf einen hölzernen Schaukelstuhl im Wohnzimmer geflohen und hatte gelesen. Als ich die Geschichten von Büffeljägern und Indianern gierig in mich aufsog, lernte ich, wie man Messer wirft. Ich mochte Buck in Jack Londons Der Ruf der Wildnis. Ich verschlang die Ilias und die Odyssee, zusammen mit der römischen und nordischen Mythologie.

Unwissenheit. Untreue. Grausamkeit. Ich verachtete sie alle. Dank ihm.

Abends kam Mama von der Arbeit nach Hause, goss sich Bourbon-Whiskey von W. L. Weller in ein Highball-Glas von 7 Up und trank ein Glas nach dem anderen. Manchmal kam sie erst spät nach Hause. Einmal hörte ich sie spät am Abend durch die Garage stolpern. Sie schaffte es bis in die Küche, aber dann taumelte sie. Kurz bevor sie fiel, bekam ich sie zu fassen, brachte sie in ihr Schlafzimmer und half ihr ins Bett.

„Mein Kopf tut so weh.“

„Das tut mir leid, Mama. Möchtest du, dass ich den Arzt rufe?“

„Nein, Schatz. Ich komm schon zurecht.“

Ein paar Minuten lang massierte ich ihre Stirn. Dann ging ich zum Schalter an der Wand und machte das Licht aus. Mama seufzte. Ich ging zurück zu ihr und setzte mich an den Bettrand. Ich beugte mich über sie, um sie auf die Stirn zu küssen. Ich küsste stattdessen ihr Augenlid. Ich konnte sie im Dunkeln nicht richtig sehen.

„Ich hab dich lieb, Mama.“

„Ich hab dich lieb, Jackie.“

Nachdem ich vierzehn geworden war, stattete uns mein Onkel, Ralph Jr., einen Besuch ab. Wir saßen auf Barhockern an unserer Küchentheke. Ich bereitete den beiden ein Mixgetränk aus Weller-Whiskey und 7 Up zu. Dann machte ich mir selbst einen Whiskey sauer. Mama und mein Onkel zogen sich in Mamas Schlafzimmer zurück.

Ich mixte mir einen zweiten Whiskey sauer, ging in Mamas Schlafzimmer und ließ mich auf ihren Bettrand plumpsen. Sie spielten Strip-Poker auf dem Schlafzimmerboden. Mein Onkel hatte so oft gewonnen, dass Mama nur noch BH und Höschen anhatte.

Wenn Mama nach der...


Jack Deere war Pastor und Professor für Altes Testament am "Dallas Theological Seminary". Heute ist er ein vielgefragter Redner und Autor, u.a. des Bestsellers "Überrascht von der Stimme Gottes".



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