E-Book, Deutsch, Band 1, 448 Seiten
Reihe: Blackened Blade
Davon Blackened Blade (Blackened Blade 1)
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-646-94024-4
Verlag: Cove
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dark Fantasy mit einer broken Heroine, die Rache an ihren Peinigern nimmt
E-Book, Deutsch, Band 1, 448 Seiten
Reihe: Blackened Blade
ISBN: 978-3-646-94024-4
Verlag: Cove
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Isla Davon ist gebürtige Irin und lebt in Dublin. Sie schreibt und liest am liebsten übernatürliche Liebesgeschichten mit starken Protagonistinnen, moralisch grauen Charakteren und dem Trope 'Why Choose'. Ihre Geschichten ziehen ihre Leserinnen tief in die von Islas erschaffenen Welten, wecken Emotionen und lassen das ein oder andere Fragezeichen zurück. Beim Schreiben lässt Isla gerne Teile von sich selbst in ihre Bücher einfließen, indem sie beispielsweise Lieblingsfilme und -gerichte erwähnt. Wenn sie nicht gerade den nächsten Roman plottet, verbringt Isla Zeit mit ihrer Familie, geht mit ihren drei Jack Russells spazieren und kuschelt sich mit einem guten Buch oder einer Netflix-Serie ein.
Autoren/Hrsg.
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Schon immer habe ich mir gewünscht, dieses Drecksloch von einem Gefängnis würde niederbrennen, um dabei zuzusehen, wie es zu Asche zerfällt … Ich bin nur nicht davon ausgegangen, dass ich darin festsitze, wenn es so weit ist.
Durch das mit Gitterstäben gesicherte Loch in der Tür, das gerade mal so breit und lang wie meine Hand ist, beobachte ich, wie der Rauch langsam durch die Flure wabert. Der Geruch von brennender Schlacke dringt in meine kleine Zelle, während aus den umliegenden Räumen Schreie ertönen. Andere Gefangene betteln darum, nicht einfach dem Feuer überlassen zu werden.
Aber es wird keine Hilfe kommen, zumindest nicht für uns.
Dies hier ist die einsame Etage. Ein dunkler Keller, der auf allen Seiten aus dickem, massivem Beton besteht, der nur durch eine große Metalltür unterbrochen wird. Die einzige Gesellschaft hier unten sind die Kälte und Feuchtigkeit oder die Schreie der anderen Gefangenen, die zu verwirrt und gebrochen sind, um noch einen richtigen Satz zu bilden.
Dieser Ort wird die Einrichtung genannt.
Ein Gefängnis für Übernatürliche, geschaffen von denen, die unsere Art verachten. Bei der Auswahl an Gefangenen wird niemand benachteiligt. Hexen, Hexenmeister, Gestaltwandler, Seher, Dämonen, Elfen, Fae, einfach sämtliche Arten von Übernatürlichen … allesamt werden wir mit Abscheu und Hass betrachtet. Niemand weiß genau, wer diese Gruppe anführt oder wie sie entstanden ist, nur dass sie im Schatten existiert.
Manche nennen sie Jäger, andere nennen sie Helden, aber davon sind sie weit entfernt. Die Wesen, die sich selbst als Menschen bezeichnen, sind die unmenschlichsten.
Ich dachte immer, es handele sich um ein Märchen, das Eltern ihren Kindern erzählen, damit sie sich benehmen. Geschichten, die Angst einjagen sollen, damit sie gehorsam sind. Damit sie die Regeln befolgen, ihre Schulaufgaben machen und in der Öffentlichkeit ihre Fähigkeiten kontrollieren, damit sie nicht geschnappt und weggesperrt werden und weder ihre Familien noch das Tageslicht jemals wieder zu Gesicht bekommen.
Ich bin eine Hexe aus einem mächtigen Clan. Allerdings eine, die keine eigenen Fähigkeiten besitzt. Und wegen dieses Mangels wurde ich von meinem eigenen Volk isoliert, verspottet und gequält. In den Augen meiner eigenen Leute bin ich eine Ausgestoßene, so gut wie menschlich.
Aber selbst dieser Schmerz und die Isolation haben mich nicht auf das hier vorbereitet.
In den letzten sechs Jahren in der Einrichtung … wurde ich blutig geschlagen und gebrochen. Für ihre Tests und zu ihrer Unterhaltung habe ich gegen Kreaturen und Bestien gekämpft. Ich musste hungern, bis ich fast verrückt geworden bin. Ich wurde körperlich und geistig auf eine Art und Weise gequält, die ich nie für möglich gehalten hätte, aber wozu, weiß ich noch immer nicht.
Inzwischen dringt der Rauch immer schneller durch die Gitterstäbe und Ritzen der Tür. Mit jedem Atemzug ziehe ich die tödlichen Dämpfe in meine Lungen.
Das kann nicht mein Ende sein. Die ganze Zeit habe ich in diesem Drecksloch überlebt, jede Foltereinheit und jedes Experiment überstanden. So kann ich nicht sterben. Nicht jetzt und nicht auf diese Weise.
Als ich ein paar Monate hier war, habe ich nach einer besonders schlimmen »Sitzung« beschlossen, dass ich mich nicht unterkriegen lassen würde. Dass mein Geist meine stärkste Waffe sei. Ihn würden sie nicht brechen. Dieser Teil von mir würde unangetastet bleiben, stets auf der Suche nach Freiheit.
Zu viel meiner Lebenszeit habe ich damit verschwendet, mich zu verstecken. Ich war zu zaghaft, zu ängstlich, um für mich einzustehen.
Früher dachte ich, ich wäre es nicht wert, dass mir geholfen wird. Dass es einen Grund für meine Qualen gäbe. Erst als ich hierherkam und mir nichts anderes übrig blieb, habe ich erkannt, dass ich für mich selbst kämpfen kann.
Ich verenge die Augen und fokussiere mich auf die große Metalltür, deren dicke graue Gitterstäbe und verrostete Farbsplitter mit dem Rauch verschwimmen.
Ich werde mich nicht kampflos geschlagen geben.
Mit aller Kraft werfe ich mich gegen das kalte Metall der Tür. Ich höre ein Knacken, gefolgt von einem Schmerz, der sich durch meine linke Schulter und meinen Arm zieht, doch die Tür rührt sich keinen Zentimeter. Ich verdränge den Schmerz und versuche es erneut, immerhin habe ich schon Schlimmeres erlebt.
Mit jedem Mal, wenn ich die Tür ramme, stimme ich in das Geschrei um mich herum mit ein.
Ich werde nicht um Hilfe betteln, aber ich werde dafür sorgen, dass ich gehört werde, und sei es nur von meinen hilflosen und gebrochenen Mitinsassen.
Meine Lunge fängt an zu brennen, meine Kehle ist trocken und meine Sicht beginnt, leicht zu verschwimmen.
Vernebelt mir der Rauch die Sicht? Oder habe ich zu viel von den Dämpfen eingeatmet?
Ich stütze meine Hände gegen die Metalltür, nicht bereit, mich geschlagen oder der Müdigkeit hinzugeben, die langsam an mir zehrt. Stattdessen zwinge ich meine schmerzenden Glieder in Position und drücke erneut gegen die Tür, wobei ich jedes letzte Fünkchen Kraft in meine Arme leite. So mache ich weiter, bis mein Kopf gegen das dicke, kalte Metall fällt.
Mein ganzes Leben lang habe ich aufgegeben oder anderen nachgegeben. Ich habe immer versucht, jedem zu gefallen, der auch nur ansatzweise nett zu mir war, in der Hoffnung, im Gegenzug ein bisschen Zuneigung zu erfahren. Ich habe zugelassen, dass ich und mein Wert anderen nichts bedeuteten, dass ich als Schwächling angesehen, dass ich geschlagen, verletzt und ausgelacht wurde.
Mir kommt ein leises humorloses Glucksen über die Lippen.
Die meiste Zeit meines Lebens wurde ich von denen, die ich geliebt habe, verlassen oder vernachlässigt, war ihrer Zuneigung nicht würdig oder schlicht zu schwach.
Während meiner gesamten Schulzeit wurde ich misshandelt, bis nur noch die Hülle eines Mädchens übrig war. Die Hölle meiner Jugend.
Ich wurde von den Menschen verraten, die ich am meisten geschätzt habe. All ihre süßen Worte waren nur bittere Lügen. Und dann wurde ich hierhergebracht. Um zu verkümmern und langsam zu verrotten.
Aber ich habe überlebt.
Selbst als ich am schwersten verwundet war, habe ich immer noch weitergemacht. In dieser Hölle habe ich schnell gelernt, dass ich mich nie wieder selbst aufgeben darf.
Noch einmal haue ich mit der Hand gegen die Tür, aber plötzlich geben meine Beine unter mir nach und ich schlage mit den Knien auf dem harten Boden auf. Meine Wange schrammt an der Metalltür entlang und ein warmes Rinnsal bahnt sich seinen Weg über mein Gesicht, während kleine schwarze Punkte in meinem Sichtfeld tanzen.
Meine Hände fallen schlaff zur Seite, zu schwach und zu schwer, um sie wieder zu heben.
Ich neige den Kopf und schaue auf sie hinunter. Neue und alte Narben bedecken jeden Zentimeter meiner Finger. Um mein Handgelenk liegt ein dickes silber-schwarzes Metallband von der Größe einer Ärmelmanschette. Eine Fessel, die mir von der Einrichtung angelegt wurde.
Ich bin mir nicht sicher, woraus genau sie besteht, ich weiß nur, dass sie immer kalt ist und mich schwächt. Außerdem macht sie mich langsam und hindert meinen Körper daran, sich richtig zu bewegen oder zu erholen. Es ist, als würde ständig ein Gewicht auf mir lasten. Sie wird mir nur abgenommen, wenn ich zu einem weiteren Experiment geschickt werde.
Wenn sie nur nicht da wäre. Wenn ich nur früher begriffen hätte, dass ich nicht so schwach bin, wie ich dachte. Wenn ich nur früher gewusst hätte, wozu ich fähig bin, wäre mein Leben anders verlaufen, und sie hätten mich nicht holen können. Niemand hätte das geschafft.
Ich schüttle den Kopf und kratze das letzte bisschen Kraft in mir zusammen, dann drehe ich mich zittrig um und strecke meine Hand nach der Tür aus. Ich schabe und kratze an dem dicken Metall, während jeder Atemzug dünner und rasselnder wird. Der Rauch und die Dämpfe bahnen sich ihren Weg durch meine Lunge und machen jedes Einatmen zu einer schmerzhaften Qual.
Alles, was ich sehen und schmecken kann, sind der Geruch von Rauch und Asche, der mich umgibt, und die warme Umarmung des Todes, die mich umschließt. Während ich weiter an der dicken grauen Tür schabe, brennt ein scharfer Schmerz in meinen Fingern. Kleine rote Flecken überziehen die Tür, während ich versuche, mich an den letzten Funken Hoffnung zu klammern.
Ich werde jetzt nicht aufhören, ich kann einfach nicht.
Ich muss alles tun, was in meiner Macht steht, was ich schon vor Jahren hätte tun sollen.
Ich werde kämpfen, bis mein letzter Atemzug diesen vernarbten Körper verlässt.
Ich werde nicht um Hilfe schreien, betteln oder flehen. Es würde sowieso nichts bringen.
Es gibt keinen Ritter in glänzender Rüstung, der herbeieilt, um mich zu retten. Die Hoffnung auf einen Helden ist längst verflogen.
Meine Sicht verdunkelt sich, die Farben um mich herum werden schwächer und sämtliche Geräusche verhallen in der Ferne. Erneut sinken meine Hände zu Boden. Diesmal kann ich keine Kraft aufbringen, um sie erneut zu heben. Ich verliere immer wieder das Bewusstsein, versuche, gegen das Schicksal anzukämpfen und meinen Körper dazu zu bringen, weiter zu funktionieren … zu leben.
Mein Mund öffnet und schließt sich und mein ganzer Körper erschaudert. Ich sacke schlaff zur Seite und spüre den harten Beton hinter mir, als ich mich ein letztes Mal zittrig...




