E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Davis Jahre der Sehnsucht
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7337-5638-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-5638-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die wagemutige Hubschrauberpilotin Bliss riskiert viel in ihrem gefährlichen Beruf, aber privat vermeidet sie jegliche Turbulenzen. Erst als sie Logan, mit dem sie zusammen aufgewachsen ist, wieder sieht, weiß Bliss, warum sie sich bisher nie auf eine feste Bindung einließ. Ihr Herz hat nur auf Logan gewartet ...
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1. KAPITEL
„Hast du nicht gehört, Logan? Ich finde, wir sollten heiraten.“
Logan Campbell betrachtete amüsiert die Frau an seinem Arm. „Aber, Cammela! Dann müsste ich dir ja mehr Beachtung schenken.“
Die Blondine schmollte. „Du bist ein Scheusal!“
„Wäre ich keines, würdest du dich nicht für mich interessieren.“
Cammela Chastan warf ihm einen scharfen Blick zu, beherrschte sich jedoch. „Es muss lästig sein, immer recht zu haben“, bemerkte sie lachend. Die Smaragde an Ohrläppchen und Hals funkelten mit ihren Augen um die Wette.
Logan betrachtete die vornehmen Gäste, die sich im Gaspard House in der historischen St. Charles Avenue von New Orleans eingefunden hatten und sich in den weitläufigen Räumen und dem gepflegten Park aufhielten. Jedes Jahr im September wurde die Spendengala seiner Mutter für die New Orleans Symphonie ein rauschender Erfolg. Valerie Gaspard Campbell war nach wie vor die Königin der Gesellschaft im „Big Easy“, und Logan hatte sich daran gewöhnt, dass wegen eines guten Zweckes die häusliche Ruhe gestört wurde.
Lästig dagegen war Cammelas zunehmend besitzergreifende Art. Es war höchste Zeit, diese Beziehung wie alle anderen in den fünfunddreißig Jahren seines Lebens zu beenden. Daran änderte auch nichts, dass Freunde und Angehörige fanden, sie beide wären ein perfektes Paar. Perfektion langweilte Logan, und Gefühle spielten für ihn keine Rolle. Viele Frauen hätten sogar geschworen, dass er gar kein Herz besaß.
Es sollte ihm nicht schwerfallen, mit Cammela ganz zivilisiert Schluss zu machen. Schließlich war er von Anfang an ehrlich zu ihr gewesen, und sie hatte gewusst, dass er kein Mann für die Ehe war. Wieso glaubten Frauen eigentlich immer, einen Mann bekehren zu können, bloß weil sie sich selbst nach einem Nest sehnten? Natürlich war es Cammela nur darum gegangen, dass Logan ihr ein goldenes Nest bieten konnte. Insofern brauchte er kein schlechtes Gewissen zu haben.
Er nahm zwei Sektkelche vom Tablett eines Kellners und reichte einen seiner Begleiterin. „Es hat auch Vorteile, wenn man recht hat“, bemerkte er lächelnd.
„Zum Beispiel ein Vergleich über eins Komma zwei Millionen Dollar mit Merchant Petroleum?“, fragte eine vertraute Stimme hinter ihm.
Ein Mann mit dunkler Haut, dunklem Haar und dunklen Augen, ein typischer Nachfahre der Kreolen von Louisiana, klopfte Logan auf die Schulter. Der maßgeschneiderte Abendanzug passte zwar nicht zu ihm, doch das überspielte er mit Herzlichkeit und Temperament.
„Hallo, Remy“, begrüßte Logan seinen alten Freund Remy Hebert, der eine sehr erfolgreiche PR-Firma besaß.
„Gratuliere! Habe gehört, der Goldjunge hat wieder zugeschlagen.“
„Danke. Ich habe nur meine Arbeit erledigt.“ Den Beinamen „Goldjunge“, der noch aus der Hochblüte seiner Tenniskarriere stammte, hatte Logan nie gemocht. Vielleicht deshalb, weil darin der Spott seines Vaters anklang, der Tennis als Sport für „Weichlinge“ betrachtete.
„Black Jack“ Campbell ließ nur Football gelten und war enttäuscht, dass keiner seiner beiden Söhne sich dafür entschied. Logans Bruder Russ hatte gar keine Zeit für Sport gehabt. Die Brüder waren erst neun gewesen, als Jack und Valerie sich trennten. Danach war Russ mit seinem Vater von einer Ölbohrstelle zur anderen gezogen.
Logan war als Amateursportler ein Champion gewesen und hätte sogar Profi werden können. Wegen Jacks offener Ablehnung hatte er stattdessen Jura gewählt. Doch Jack war auch damit nicht einverstanden gewesen. Letztlich hatte Logan irgendwie sein Leben lang um Anerkennung durch seinen Vater gerungen.
Er schob diese unangenehmen Gedanken beiseite. Schließlich konnte er froh sein, in geordneten Verhältnissen aufgewachsen zu sein. Er hatte die besten Schulen von New Orleans besucht und reiche und mächtige Leute kennen gelernt.
Auf Wunsch der geschiedenen Eltern hatten die Zwillingsbrüder jeweils im Sommer die Plätze getauscht. Ihre Mutter hatte dann vergeblich versucht, Russ etwas zu zähmen. Logan hatte Jacks wildes Leben mitgemacht. Letztlich hatte das alles nicht geklappt. Vielleicht kamen er und Russ deshalb nicht miteinander aus.
Remy strahlte Cammela an. „Du bist heute Abend ganz besonders schön, Cammie. Behandelt dich dieser Ladykiller anständig?“
„Logan behandelt keine Frau gut“, antwortete sie spröde.
Remy betrachtete sie anerkennend. „Vielleicht solltest du dich nach einem Mann umsehen, der dich zu schätzen weiß, ma chère.“
Cammela legte die Hand auf seinen Arm. „Du hast recht. Ich möchte tanzen.“
„Sehr gern.“ Remy wandte sich fragend an ihren Begleiter.
Logan nahm ihr das Glas ab. „Viel Vergnügen.“ Wenn sie mit Widerspruch gerechnet hatte, wurde sie enttäuscht. Ihm war es nur recht, wenn Remy sich für sie interessierte. Morgen wollte er ihr Rosen schicken. Niemand sollte behaupten, er würde eine Beziehung nicht mit Stil beenden.
Logan mischte sich in seiner Eigenschaft als Gastgeber unter die eleganten Gäste, plauderte hier und scherzte dort und verbarg seine wachsende Ungeduld. Die herausragenden Bürger dieser Stadt standen unter dem Kristall-Lüster des ganz in Marmor gehaltenen Foyers, doch sie wirkten auf Logan wie blutleere Karikaturen. Er selbst gehörte zu dieser Gesellschaft und brauchte die Kontakte, die bei solchen Ereignissen geknüpft wurden. Außer Remy waren jedoch nur wenige Leute anwesend, mit denen er gern zusammen war.
Im Moment hätte er sich viel lieber in seinem Büro mit den neuesten Informationen seines Detektivs beschäftigt. Es ging dabei um eine alte Rechnung, die sein Vater beglichen sehen wollte. Wenn Thomas Barnette, Kandidat für den Senat von Texas, glaubte, die Campbells würden den Verlust einfach so hinnehmen, den sie durch seinen Versicherungsbetrug vor zehn Jahren erlitten hatten, hatte er sich geirrt.
Während Logan mit einem älteren Paar plauderte, dessen Vermögen mit dem der Rockefellers mithalten konnte, freute er sich schon darauf, Barnette als Lügner und Betrüger zu entlarven.
„Entschuldigen Sie, Sir“, flüsterte ihm ein livrierter Diener zu.
„Was gibt es, Dalton?“
Der Mann war sichtlich verlegen. „Eine kleine … Auseinandersetzung am Eingang. Wenn Sie sich darum kümmern könnten.“
Logan entschuldigte sich irritiert. Eigentlich hatten sie genug Angestellte, die für solche Vorfälle zuständig waren. Warum wurde er gerufen?
Er wich einigen jungen Frauen aus, die ihn anhimmelten, und eilte zum Portal. Etliche sichtlich verstörte Angestellte drängten sich hier. Langsam wichen die Leute zur Seite, und Logan traf es wie ein Schlag.
Die Frau war fast so groß wie er, und die gebleichte Jeans unterstrich ihre Kurven. Ihr schimmerndes platinblondes Haar reichte ihr bis zur Taille. Aus dem Chambray-Hemd waren die Ärmel herausgerissen worden. Die große silberne Gürtelschnalle und die Ohrringe glitzerten im Licht. An einem Knie klaffte ein Loch in der Jeans, und die Stiefel waren mit roten und grünen Chilischoten verziert.
Von so einem Gesicht mit hohen Wangenknochen, einer geraden Nase und einem üppigen Mund träumten Männer. Am beeindruckendsten war jedoch die Mischung aus Selbstbewusstsein und Provokation, die sie zur Schau trug, und als sie das Haus betrat, als gehörte es ihr, verblasste neben ihr jede andere Frau.
„Von mir aus können Sie der Kaiser von Amerika sein, Charlie“, erklärte sie dem Butler mit einer Stimme, die den härtesten Mann verzaubern konnte. „Ich habe eine Einladung.“
Von Langeweile war keine Rede mehr. Logans Blutdruck schoss in die Höhe, in ihm begann es zu sieden.
Verdammt – Bliss!
Bliss Abernathy hörte gar nicht, was der Butler einwandte, als sie der abweisende Blick aus Logans goldbraunen Augen traf. Spöttisch lächelnd schlenderte sie auf ihn zu. „Es ist schwer, einen Termin bei dir zu bekommen, Herr Anwalt“, sagte sie leise und sinnlich und so sanft, dass es sich geradezu wie das Schnurren einer Katze anhörte.
„Bliss! Was für ein unerwartetes … Vergnügen.“
Lachend strich sie über sein Seidenrevers. „Aalglatt wie eh und je.“
„Aufreizend wie eh und je, vor allem, wenn du ein Fest störst.“ Er schickte den erleichterten Butler weg und ließ den Blick über ihre Aufmachung gleiten. „Besitzt du kein Kleid?“
Sie zuckte bloß mit den Schultern. „Ich dachte, wenn Campbell-Drilling schon so viel springen lässt, spielt es keine Rolle, was ich trage. Ich war schließlich nie der Typ für Perlen und Pailletten, oder?“
„Eher für Ölschlamm und Schlick.“
Bliss lachte schallend. „Sieh an, der Goldjunge hat seine Wurzeln doch nicht vergessen.“ Sie strich ihm spielerisch über die Wange. „Übrigens … schön, dich zu sehen, Amigo.“
Logan hielt ihre Hand fest. Bliss hoffte inständig, dass er nicht merkte, wie es ihr unter die Haut ging, als ihre Blicke sich begegneten. Das wäre schrecklich demütigend gewesen. Doch sie war nicht umsonst zusammen mit harten Männern aufgewachsen. In unzähligen Spelunken und auf Ölfeldern hatte sie gelernt, sich selbst zu schützen. Es kam nur auf Haltung an. Zeigte man die geringste Schwäche, war man verloren.
Bliss hatte nicht die Absicht, Logan Campbell zu zeigen, dass er ihr Schwachpunkt war. Lieber hätte sie Gift geschluckt. Hätte er auch nur geahnt, dass sie verletzlich war, hätte sie bei ihm nichts erreicht. Und sie hatte keine Lust, noch mehr Zeit zu verlieren.
Logan hatte...




