E-Book, Deutsch, 193 Seiten
Daumer Hafis - Persische Gedichte
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-0906-1
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 193 Seiten
ISBN: 978-3-8496-0906-1
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als Lyriker trat Daumer vor allem mit Liebesgedichten und mit Übersetzungen orientalischer Gedichte (u. a. von Hafis) hervor. Neben Friedrich Rückert und August Graf von Platen gehört er zu den bedeutendsten Dichtern in der arabisch-persischen Gedichtform des Ghasels.Seine drei morgenländischen Gedichtsammlungen gehören nach Thomas Bauer zu den gelungensten Beispielen einer 'neugierig-aufgeschlossenen' Orientrezeption.
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Nicht zu diesem Thor hinaus!
Denn es liegt am Wege hier
Der Geliebten theures Haus.
Hier vorüber kann ich nicht,
Was ich auch versäumen mag;
Laß mich auf der Schwelle hier;
Wandle du zum Geisterschmaus!
Ich habe mich dem Heil entschworen,
Da wurd' ich in das Heil geboren.
Nicht bei den Weisen fand ich Weisheit,
Ich fand sie aber bei den Thoren;
Ich fand sie nicht in Büchersälen,
Ich fand sie unter Blumenfloren;
Ich habe mich erst selbst gefunden,
Da ich mich ganz in dich verloren.
Hoher Geist, bei'm Himmel, ward Hafisen;
Denn von dieser Welt und von der andern,
Welche Pracht und welche Wonn' in ihnen
Eine minder edle Seele rühre,
Nichts von Allem springet ihm in's Auge,
Als der Staub der Schwelle deiner Thüre.
Ein Simson ist mein Herze;
Jedwede Fessel sprengt es,
Und wäre sie von Eisen,
Nur eine nicht – nur deine Locke nicht.
Darin verhaftet hängt es,
Und nicht die Kräfte strengt es,
Die Schlinge zu zerreißen,
Die es so süß, so wundersüß umflicht.
Es schmelzt mein Ach die Steine,
Schmelzt jegliches Metall;
O sage, süße Kleine,
Aus welchem Stoff im All
Ward deiner Seele Spiegel?
Ich hauch' ihn glühend an;
Doch in gewohnter Reine
Strahlt fort und fort sein leuchtender Krystall.
Zu gleichen einer Knospe dich,
Nie fall' es einem Dichter ein,
Denn eine Knospe hatte nie
Ein gar so niedlich Mündelein.
Es ist die Liebe wunderlich
In Wesen und Gedank' und Wort;
So preis' ich itzt dein schwarzes Aug',
Weil es so stark im Seelenmord.
Ach nur einmal deine Lippe,
Also sprach ich zur Geliebten,
Reiche mir zum Festgenuß!
Denn es bricht ja sonst mein Herze. –
Gerne thät' ich's, o Hafis,
Sagte sie, allein ich fürchte,
Daß dein allzu heißer Kuß
Mir die zarte Lippe schwärze.
Mein Morgensegen, er hat mir endlich doch genützt;
Mein Abendsegen, er hat mich vor dem Tod geschützt.
Ein endelos Gebet zur Liebe betet' ich,
Nun hat mir endlich Liebeshuld in's Aug' geblitzt.
Bitter ist die Welt und nicht
Ohne Kandel zu genießen;
Doch ich kenne Lippen, die
Diese ganze Welt versüßen.
Ach, wie richtete, so klagt' ich,
Saure Weisheit, Alter, Tugend
Mich so ganz und gar zu Grunde! –
Komm und sauge, sprach mein Liebchen,
Süße Thorheit, Sünde, Jugend
Leise mir vom Rosenmunde,
Linde mir vom Lilienbusen,
Und zu neuem Tag gesunde!
Schön, wie Peris, ist mein Kind,
Und so gut, wie Engel sind,
Fern von allem Uebermuth,
Und für alle Fehle blind.
Vom Geschlechte der Ceder ist mein schönes Kind;
Macht mir einen Sarg aus Cederholz!
So begraben, o wie werd' ich wunderlind
Rasten, o wie freudig und wie stolz!
Nie wallte sie zur Schule;
Nie führte sie die Spule,
Die kritzende, der Feder;
Nie vor dem Lehrerstuhle
Aufsagte sie ihr Sprüchlein,
Hafisens süße Buhle;
Doch diese Feine meistert
Die Meister all' der Schule.
Wie stimmst du mich zur Andacht,
Der ich so arm an Frömmigkeit erscheine,
Und doch dem Herrn der Welten
Die heiße Thräne meines Dankes weine,
Daß in die Welt gesendet
Solch eine Schönheit wurde, wie die deine!
Willst du mit einem Male
Zeigen uns das ew'ge Leben,
O so befiehl dem Oste,
Dir den Schleier aufzuheben!
Streuet' ich die Perlen
Meiner Seele nicht vor deine Füße hin,
Hätte meine Seele,
Hätten ihre Perlen einen Zweck und Sinn?
Wüthewind,
Kommst du, zu verwüsten diese Blüthenflur,
Sei gelind,
Schone diese Rose, diese Rose nur!
Den Mundrubin, der mich berücket,
In deinem Auge diese Pracht,
Die klarer, als die Sonne blicket,
Das Lockenhaar, das mich bestricket,
Das schwärzere, denn Mitternacht,
Den Lilienschnee, woraus geworden
Dein Busen ist, o mein Idol,
Beschreib' ich ihn dem Feinde wohl,
Dem dumpfen aus verrücktem Orden,
Dem gleichen einem Klotze schier?
All diese zarte, süße Zier,
Die göttlicher Natur Magie
Aus Seele, Duft und Lichte wob,
Beschreib' ich sie dem Schulpedanten,
Dem sich Gehirn und Herz verschob?
Was wissen sie, die Ignoranten,
Des krassen Unsinns Hierophanten
Voll abgeschmackter Prüderie,
Die Wühler in gelehrtem Schunde
Mit stierem Aug' und trocknem Munde,
Die traurigen, was wissen sie
Von der Physik der Poesie,
Was von der Liebe Pflanzenkunde,
Von ihrer Mineralogie,
Von ihrer Farbentheorie?
Komm, komm, o du, der Anmuth
Hellleuchtendes Gestirne,
Entsende deine Strahlen,
Entfalte deine Zauber,
Entraffe die Besinnung
Den Selbstbeherrschungseitlen,
Beweise, daß die Schönheit
Gewaltiger, denn Alles,
Was sich hienieden stark nennt,
Ein übermächt'ger Fallstrick
Für jede stolze Tugend
Und steife Sitte sei!
Beschäme mir der Schule
Gespreizte Majestäten,
Verwirre mir der Frömmler
Geschraubte Puritäten,
Vernichte mir der Heuchler
Erlogne Dignitäten,
Zu deinen Füßen liege
Weltoffenbar und bettle
Um einen Blick der Gnade
Die ganze Clerisei!
Was meines Herzens Pochen,
Das mächtige, bedeute?
Es liebt Hafis, der alte,
Wie ehedem, noch heute.
Und Selma's süßes Äugeln.
Inmitten aller Leute?
Er wird geliebt, der gute,
Wie ehedem, noch heute.
»Du bist ja bald, du bist ja
Fast schon des Grabes Beute!«
Jung ist das Herz, das heiße,
Wie ehedem, noch heute.
Und ob die Trauerglocke
Mir schon zu Grabe läute –
Ich singe, trinke, küsse,
Wie ehedem, noch heute.
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