Buch, Deutsch, 128 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 208 mm
Reihe: Nautilus Flugschrift
Für eine kollektive Datenpolitik
Buch, Deutsch, 128 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 208 mm
Reihe: Nautilus Flugschrift
ISBN: 978-3-96054-480-7
Verlag: Edition Nautilus
Überwachung und Datenerfassung genießen keinen guten Ruf. Ob durch staatliche Akteure oder Digitalunternehmen – sobald Informationen u¨ber uns gesammelt, gespeichert und verarbeitet werden, denkt man schnell an das Angstregime der Stasi, autoritäre Überwachungsdystopien, die Allmacht der Tech-Konzerne.
Auch auf der Linken haben wir Datenschutz und Privatsphäre hochgehalten, eine strenge Regulierung der Konzerne gefordert und »Meine Daten gehören mir!« gerufen. Doch privacy und Datenschutz sind bu¨rgerliche Kategorien, die letztlich ein Privateigentum im Digitalen konstituieren. Statt uns die Potentiale des digitalen Wandels fu¨r ein radikal solidarisches Projekt anzueignen, sind wir in die Falle einer konservativen Kritik und der Vorstellung einzelner isolierter Datenbesitzer:innen getappt.
Timo Daum fordert stattdessen, Überwachung positiv zu denken – als Produktivkraft, als Form der Sorge, als Möglichkeit guten Regierens. Denn Überwachung kann auch bedeuten, Vermieter und Eigentu¨mer an Preistreiberei zu hindern, Raser im Straßenverkehr auszumachen, Finanz- und Steuerverbrechen aufzudecken – oder den Grundstein fu¨r ein postkapitalistisches, bedarfsorientiertes Wirtschaften zu legen.
Von einem Lob der Überwachung zu sprechen, ist keine geschichtsvergessene Romantisierung autoritärer Systeme, sondern der Versuch, uns die technischen Möglichkeiten, die der Überwachungskapitalismus geschaffen hat, fu¨r eine Zukunft ohne Kapitalismus anzueignen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Mehr Überwachung der Besserverdienenden, der Hochmotorisierten, der Privilegierten, der Briefkastenfirmeninhaber, der Fiskalparadiesanleger, der Steuerhinterzieher und der Inhaber von privaten Seegrundstu¨cken hinter hohen Hecken! Wer kein Auto, keine Yacht, keine Zweitwohnung, kein Schließfach hat, kein Nummernkonto in der Schweiz, der braucht diese Überwachung nicht zu fu¨rchten.
Wir wollen eine lu¨ckenlose Überwachung von Einkommen, Vermögen und Besitz der Herrschenden. Wir wollen wissen, wie viel du verdienst, wie viel Vermögen und Besitz du hast! Geschockt? Guess what: Das ist heute schon der Alltag der meisten (armen) Menschen! Nur den Reichen spielt die Geheimnistuerei in die Hände und hilft beim Kavaliersdelikt Steuerhinterziehung. Doch die meisten schlagen sich auf ihre Seite, beharren auf der »Privatsache«, dabei sind doch im Verhältnis zu den Superreichen 99 Prozent von uns arme Schlucker. Das ist ein Tabu bis weit in die Linke hinein. Es ist kein Geheimnis, wie viel eine Lehrerin verdient, wie viel ein Rentner bekommt, und die vielen Kinder, die in Armut leben, die haben auch kein Recht auf Privatsphäre, was ihre Lebensverhältnisse angeht.




