Das Nibelungenlied | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 482 Seiten

Reihe: Reclams Universal-Bibliothek

Das Nibelungenlied

Deutsch-Lektüre, Deutsche Klassiker der Literatur - 14190
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-15-961908-8
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Deutsch-Lektüre, Deutsche Klassiker der Literatur - 14190

E-Book, Deutsch, 482 Seiten

Reihe: Reclams Universal-Bibliothek

ISBN: 978-3-15-961908-8
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Von Liebe, Ehrverletzung, Mord und Rache handelt das um 1200 entstandene »Nibelungenlied«. In über 2000 Strophen erzählt das Heldenepos von Siegfried, dem heldenhaften Drachentöter, von König Gunther und dessen schöner Schwester Kriemhild, von der isländischen Königin Brunhild und dem verschlagenen Vasallen Hagen von Tronje, der den Schatz der Nibelungen bei Worms im Rhein versenkt. E-Book mit Seitenzählung der gedruckten Ausgabe: Buch und E-Book können parallel benutzt werden.

Das Nibelungenlied jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Drittes Abenteuer

Wie Sigfrid nach Worms kam


  • 47

    Den Herren traf da selten irgendein Herzeleid.

    Er vernahm die Kunde, dass eine so schöne Maid

    bei den Burgunden wäre, wie man nur wünschen kann,

    von der er noch viele Freuden und viel Mühsal auch gewann.

  • 48

    Von ihrer stolzen Schönheit ging die Kunde weit;

    und auch ihr Hochgemüte zu der gleichen Zeit

    hatte bei der Jungfrau so mancher Held erkannt.

    Das lockte viele Degen hin in König Gunthers Land.

  • 49

    So viele um ihre Minne man auch werben sah,

    Kriemhild in ihrem Sinne selber nie geschah,

    dass sie jemand wollte haben zum trauten Mann.

    Noch fremd geblieben war ihr, dem bald sie wurde untertan.

  • 50

    Da sann auf hohe Minne der Siglinde Kind.

    Aller andern Werben, das ging in den Wind.

    Er mochte wohl verdienen schöner Frauen Leib.

    Bald ward die edle Kriemhild des kühnen Helden Sigfrid Weib.

  • 51

    Ihm rieten seine Magen und auch manch andrer Mann,

    wenn auf stete Minne sich richtete sein Plan,

    dass er eine wählte, die an Rang gleich ihm käme.

    Da sprach der edle Sigfrid: »Kriemhild alsdann ich nehme,

  • 52

    die edele Jungfrau aus Burgundenland

    in ihrer großen Schönheit. Das ist mir wohlbekannt,

    kein Kaiser sei so mächtig; hätt er ein Weib im Sinn,

    ihm zu minnen ziemte diese reiche Königin.«

  • 53

    Diese Märe hörte da König Sigmund.

    Davon sprachen seine Leute. Dadurch ward ihm kund

    der Willen seines Sohnes. Das war ihm bitter leid,

    dass er werben wollte um diese herrliche Maid.

  • 54

    So vernahm es auch die Mutter, die edle Sigelind.

    Sie musste schwere Sorge haben um ihr Kind:

    sie meint ihn zu verlieren durch Gunthers Heeresbann.

    Die Werbung man dem Degen sehr zu widerraten begann.

  • 55

    Da sprach der starke Sigfrid: »Viellieber Vater mein,

    ohn aller Frauen Minne wollte ich immer sein,

    ich würbe denn, wo mein Herze innige Liebe hat.«

    Was man auch reden mochte, es gab dawider keinen Rat.

  • 56

    »Willst du davon nicht lassen«, der König sprach also,

    »so bin ich deines Willens doch im Innern froh

    und will zum Ziel dir helfen, wie ichs am besten kann.

    Doch hat der König Gunther gar manchen übermütigen Mann.

  • 57

    Wenns niemand anders wäre als Hagen, der Degen;

    der weiß voll Übermutes der Hoffahrt zu pflegen,

    so dass ich sehr befürchte, dass es uns werde leid.

    Solche Mär erzählt man von den Recken weit und breit.«

  • 58

    »Wie kann uns das hindern?« hub da Sigfrid an.

    »Was ich nicht in Freundschaft von ihnen erbitten kann,

    das mag mit ihren Kräften erwerben meine Hand;

    ich trau mich zu erzwingen beides, Leute und Land.«

  • 59

    »Die Rede ist mir schmerzlich«, sprach König Sigmund;

    »denn wenn diese Märe am Rheine würde kund,

    dann dürftest du nimmer reiten in das Land:

    Gunther und Gernot, die sind mir lange bekannt.

  • 60

    Mit Gewalt erwerben kann niemand die Maid«,

    sprach der König Sigmund. »Da weiß ich wohl Bescheid.

    Wollen wir aber mit Recken reiten in das Land,

    unsern besten Freunden gebe ich die Fahrt bekannt.«

  • 61

    »So ist mir nicht zumute«, sprach da Sigfrid,

    »dass mir Recken sollen zum Rheine folgen mit,

    wohl auf einer Heerfahrt; das wäre mir gar leid,

    sollt ich so erzwingen diese herrliche Maid.

  • 62

    So soll sie erwerben allein meine Hand:

    Ich will mit zwölf Gefährten in König Gunthers Land;

    dazu sollt Ihr mir helfen, Vater Sigmund.«

    Da gab man seinen Degen zu Kleidern Stoff, grau und bunt.

  • 63

    Da vernahm auch diese Kunde seine Mutter Sigelind.

    Sie begann zu trauern um ihr liebes Kind.

    Sie war in schwerer Sorge vor König Gunthers Heer.

    Die Königin, die edle, darüber weinte sie sehr.

  • 64

    Da kam der Herr Sigfrid, wo die Frau er sah,

    hin zu seiner Mutter. Gütig sprach er da:

    »Um meinetwillen sollt Ihr nimmer weinen, Frau:

    sorglos jeden Helden zu bestehn ich mich getrau.

  • 65

    Doch helfet mir zur Reise nach Burgundenland,

    dass ich mit meinen Recken habe solch Gewand,

    wie es so stolze Helden in Ehren mögen tragen.

    Dank dafür will ich Euch von Herzen immer sagen.«

  • 66

    »Willst du davon nicht lassen«, sprach Frau Sigelind,

    »so helf ich dir zur Reise, mein einziges Kind,

    mit der besten Kleidung, die je ein Ritter trug,

    dir und deinen Gefährten; ihr sollt von allem haben genug.«

  • 67

    Da neigte sich ihr mit Züchten der vielkühne Mann.

    Er sprach: »Zur Fahrt will ich niemand nehmen an

    außer zwölf Gefährten, prächtig anzusehn.

    Ich will gern versuchen, wie es um Kriemhild möge stehn.«

  • 68

    Da saßen schöne Frauen den Tag und die Nacht;

    wenig war auf Muße eine von ihnen bedacht,

    bis sie gefertigt hatten Sigfrids Kleiderstaat.

    Der wollte für seine Ausfahrt weiter haben keinen Rat.

  • 69

    Sein Vater gab zur Zierde ein ritterlich Gewand,

    darin er reiten sollte zum Burgundenland.

    Ihre lichten Brünnen, die waren auch bereit,

    und ihre festen Helme; ihre Schilde waren schön und breit.

  • 70

    So kam für ihre Ausfahrt die Zeit nun heran.

    Wie es ihnen ergehen würde, zu sorgen man begann,

    ob sie wieder kommen würden in ihr Land.

    Da belud man für die Degen Pferde mit Waffen und Gewand.

  • 71

    Schön waren die Rosse, das Reitzeug golden rot.

    Dünkte sich jemand höher, das wäre keine Not,

    als Sigfrid es wäre und auch seine Mannen.

    Urlaub er begehrte, zu reiten nun nach Worms von dannen.

  • 72

    Den gewährten traurig König und Königin.

    Er tröstete sie beide mit minniglichem Sinn.

    Er sprach: »Um meinetwillen traget keine Pein!

    Um mein Leben sollt Ihr immer ohne Sorge sein.«

  • 73

    Trauer schuf es den Recken; es weinte manche Maid.

    Mich dünkt, dass im Herzen sie ahnten das Leid,

    dass ihnen viele Freunde darum lägen tot.

    Sie hatten Grund zur Klage; das schuf ihnen einstmals Not.

  • 74

    Am siebenten Morgen zu Worms auf den Strand

    ritten nun die Kühnen. All ihr Gewand

    war von rotem Golde; geziert ihr Reitzeug war.

    Die Rosse gingen in Ordnung in des Herren Sigfrids Schar.

  • 75

    Neu waren ihre Schilde, stark sowie breit,

    und licht ihre Helme, als mit dem Geleit

    Sigfrid zu Hofe ritt in Gunthers Land.

    Man schaute an Helden nie so herrliches Gewand.

  • 76

    Die Schwertspitzen reichten nieder auf den Sporn;

    sie führten scharfe Speere, die Ritter auserkorn.

    Sigfrid führte einen wohl zwei Spannen breit,

    der mit seinen Schneiden gar gefährlich war im Streit.

  • 77

    Goldrote Zäume hielt ihre Hand;

    mit seidnen Brustriemen kamen sie in das Land.

    Das Volk allenthalben sie anzustaunen begann.

    Gunthers Mannen liefen viele zu ihnen da heran.

  • 78

    Die hochgemuten Recken, Ritter sowie Knecht,

    eilten ihnen entgegen – sie taten, wie es recht –

    und empfingen die Gäste in...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.