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E-Book, Deutsch, 384 Seiten

Dartnell Ursprünge

Wie die Erde uns erschaffen hat
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-446-26347-5
Verlag: Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wie die Erde uns erschaffen hat

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

ISBN: 978-3-446-26347-5
Verlag: Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Warum stehen in New York so viele Wolkenkratzer? Warum hat sich dagegen in London ein so weit reichendes U-Bahn-Netz entwickelt? Zufall? Menschlicher Einfallsreichtum? Nein, sagt Lewis Dartnell, die Gründe reichen viel tiefer in die Vergangenheit - bis zur Geburtsstunde unseres Planeten. Denn alles, was unsere moderne Welt ausmacht - seien es Metropolen, technische Errungenschaften oder globale Handelswege -, hat seinen Ursprung in der natürlichen Beschaffenheit der Erde: ihrem Klima, ihrer Landschaft, ihren geologischen Veränderungen. In 'Ursprünge' deckt er das Zusammenspiel aus Kräften auf, das die Umwelt geformt, die Evolution gesteuert und letztendlich unsere Gesellschaft gebildet hat.

Lewis Dartnell ist Astrobiologe und Professor für Wissenschaftskommunikation an der University of Westminster. Für seine wissenschaftlichen Beiträge wurde er vielfach ausgezeichnet. Seine Artikel erscheinen, u. a. in The Times, The Guardian und New Scientist. Zuletzt (2014) erschien von ihm 'Das Handbuch für den Neustart der Welt' bei Hanser Berlin.
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Einleitung


Warum ist die Welt, wie sie ist? Ich meine dies nicht auf eine abstrakte philosophische Art – Warum existieren wir überhaupt? –, sondern in einem tief naturwissenschaftlichen Sinne: Welche Kräfte haben das Erscheinungsbild der Erde gestaltet, die physische Landschaft der Kontinente und Ozeane, der Gebirge und Wüsten geformt? Und wie haben die Geländeformationen und Aktivitäten unseres Planeten und jenseits dessen unsere kosmische Umgebung die Entstehung und Entwicklung unserer Art und die Geschichte unserer Gesellschaften und Zivilisationen beeinflusst? Inwiefern ist die Erde selbst Akteur in der Menschheitsgeschichte gewesen – eine Figur mit unverwechselbaren Gesichtszügen und Stimmungsschwankungen sowie gelegentlichen Wutausbrüchen?

Ich will der Frage nachgehen, wie die Erde uns erschaffen hat. Selbstverständlich besteht jeder von uns, wie alle anderen Lebewesen auf dem Planeten, buchstäblich aus Erde. Das Wasser in unserem Körper floss einst den Nil hinunter, fiel als Monsunregen auf Indien und wirbelte über dem Pazifik. Der Kohlenstoff der organischen Moleküle unserer Zellen wurde der Atmosphäre über die Pflanzen, die wir verzehren, entzogen. Das Salz unseres Schweißes und unserer Tränen, das Kalzium unserer Knochen und das Eisen unseres Blutes wurden aus den Felsen der Erdkruste herausgewaschen; und den Schwefel der Eiweißmoleküle unserer Haare und Muskeln haben Vulkane ausgespien. Die Erde liefert uns auch die Rohstoffe, die wir abbauen, veredeln und dann zu Werkzeugen und anderen technischen Geräten weiterverarbeiten, von den grobgefertigten Faustkeilen der frühen Steinzeit bis hin zu den heutigen Computern und Smartphones.

Die aktiven geologischen Kräfte unseres Planeten haben unsere Evolution in Ostafrika angetrieben und uns zu einer einzigartig intelligenten, kommunikativen und findigen Primatenspezies gemacht, während Klimaschwankungen uns auf weltweite Wanderzüge schickten, was uns zu jener Tierart mit dem weltweit größten Verbreitungsgebiet werden ließ.1 Weitere planetarische Prozesse und Ereignisse gigantischen Ausmaßes brachten die verschiedenen Landschaftstypen und Klimaregionen hervor, die bei der Entstehung und Entwicklung von Zivilisationen im Lauf der Geschichte grundlegend beteiligt waren. Diese planetarischen Einflüsse auf die Menschheitsgeschichte reichen vom vermeintlich Trivialen bis hin zum fundamental Bedeutsamen. Wir werden sehen, warum eine langanhaltende Kühl- und Trockenperiode im Erdklima die Ursache dafür ist, dass die meisten von uns eine Scheibe Toastbrot oder eine Schüssel Müsli zum Frühstück essen; auf welche Weise der Zusammenprall der Kontinentalplatten den Mittelmeerraum zu einer Brutstätte vielfältiger Kulturen machte und wie gegensätzliche Klimabänder in Eurasien grundverschiedene Lebensweisen hervorbrachten, die die Geschichte der Völker auf dem Kontinent über Jahrtausende prägten.

Heute sind die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die natürliche Umwelt Anlass zu großer Sorge. Im Lauf der Zeit hat die Weltbevölkerung stark zugenommen, immer mehr Bodenschätze verbraucht und Energiequellen zunehmend effizienter erschlossen. Mittlerweile hat Homo sapiens die Natur als bestimmende Gestaltungskraft der Umwelt auf der Erde abgelöst. Die von uns erbauten Städte, Verkehrswege und Stromtalsperren sowie unsere industriellen und Bergbautätigkeiten haben tiefgreifende und langanhaltende Auswirkungen, weil sie die Landschaft umgestalten, das globale Klima verändern und ein massives Artensterben verursachen. Wissenschaftler haben angesichts unseres dominanten Einflusses auf die natürlichen Prozesse der Erde vorgeschlagen, eine neue geologische Epochenbezeichnung einzuführen: das Anthropozän, das »jüngste Zeitalter des Menschen«. Aber als Spezies sind wir nach wie vor untrennbar mit unserem Planeten verbunden, und die Geschichte der Erde hat ihre Spuren in unseren Genen hinterlassen, so wie unsere Aktivitäten der natürlichen Umwelt ihren Stempel aufgedrückt haben. Um unsere eigene Geschichte wirklich zu verstehen, müssen wir die Biografie der Erde selbst erkunden – ihre Geländeformen und die zugrundeliegenden Strukturen, die atmosphärische Zirkulation und die Klimaregionen, die Plattentektonik und frühere Episoden des Klimawandels. In diesem Buch möchte ich der Frage nachgehen, wie unsere Umwelt uns geformt hat.

In meinem früheren Buch, dem Handbuch für den Neustart der Welt, habe ich ein Gedankenexperiment durchgespielt: Ich wollte herausfinden, wie wir die Zivilisation nach einer hypothetischen Apokalypse so schnell wie möglich neu starten können. Ausgehend vom Verlust all dessen, was wir in unserem Alltagsleben als selbstverständlich erachten, habe ich erkundet, wie unsere Zivilisation »hinter den Kulissen« funktioniert. Dort beschreibe ich die wichtigsten wissenschaftlichen Entdeckungen und technologischen Innovationen, die uns dazu befähigt haben, die moderne Welt aufzubauen. Diesmal möchte ich die Perspektive erweitern, um nicht nur den menschlichen Einfallsreichtum, der uns dorthin brachte, wo wir heute sind, zu diskutieren, sondern auch um den klärenden Gedankengängen noch tiefer in die Vergangenheit zu folgen. Die Ursprünge unserer modernen Welt reichen weit zurück, und wenn wir sie über das sich wandelnde Äußere der Erde hinweg nachverfolgen, stoßen wir auf kausale Zusammenhänge, die oftmals bereits in der Geburtsstunde unseres Planeten ihren Ausgangspunkt nehmen.

Jeder, der Kinder hat, weiß, wovon ich hier spreche. Wenn Sie mit einem wissbegierigen Sechsjährigen darüber plaudern, wie etwas funktioniert oder warum etwas so ist, wie es ist, wissen Sie, dass Ihre erste Antwort das Kind niemals zufriedenstellt, sondern es nur auf weitere Rätsel hinweist. Das Kind reagiert stets mit einer ganzen Serie von »Warum?«, »Aber wieso?« und »Warum ist das so?«. Mit unstillbarer Neugierde versucht es die Welt, die es umgibt, immer tiefer zu ergründen und zu verstehen. Ich will unsere Geschichte gleichermaßen erkunden, indem ich mich durch die Zwiebelschalen aufeinanderfolgender Erklärungsebenen zu immer tieferen Ursachen vorarbeite und erkunde, wie scheinbar unzusammenhängende Facetten der Welt tatsächlich auf einem tieferen Niveau miteinander verknüpft sind.

Die Geschichte verläuft chaotisch, sprunghaft und ziellos – ein paar Jahre mit geringem Niederschlag führen zu Hungersnot und sozialen Unruhen; ein Vulkan bricht aus und zerstört nahe gelegene Ortschaften; inmitten des schweißtreibenden, blutigen Schlachtgetümmels trifft ein General eine falsche Entscheidung, und ein Reich geht unter. Aber jenseits der speziellen historischen Kontingenzen lassen sich eindeutige Trends und verlässliche Konstanten erkennen und die tieferen Ursachen dahinter erklären, sofern man die Welt auf einer hinlänglich großen räumlichen wie zeitlichen Skala betrachtet. Selbstverständlich hat die physische Struktur unseres Planeten nicht alles bereits vorherbestimmt; dennoch lassen sich eine Reihe übergeordneter Themen von grundlegender Bedeutung erkennen.

Wir werden eine riesige Zeitspanne überblicken. Die gesamte Menschheitsgeschichte passt sozusagen in ein einzelnes Standbild des Films der Erdgeschichte. Aber die Welt hat nicht von jeher so ausgesehen, und obgleich Kontinente und Ozeane sich über geologische Zeiträume nur langsam verschieben, haben frühere Gestaltungsformen der Erdoberfläche unsere Geschichte erheblich beeinflusst. Wir werden das wandelbare Gepräge der Erdhülle und die Entwicklung des Lebens auf unserem Planeten in den letzten Jahrmilliarden betrachten, die Evolution des Menschen aus seinen Menschenaffen-Vorfahren in den letzten fünf Millionen Jahren; die Steigerung der menschlichen Fähigkeiten und die weltweite Ausbreitung des Menschen in den letzten hunderttausend Jahren; die zivilisatorische Höherentwicklung in den letzten zehntausend Jahren; die jüngsten Trends der Kommerzialisierung, Industrialisierung und Globalisierung im letzten Jahrtausend; und schließlich sehen wir uns an, wie wir diese erstaunliche Geschichte unserer eigenen Entstehung im Verlauf des letzten Jahrhunderts immer besser begriffen haben.

Dabei werden wir an die Enden der Geschichte – und darüber hinaus – reisen. Historiker entziffern und interpretieren alte Schriftzeugnisse, um die Geschichte unserer frühesten Kulturen zu erzählen. Archäologen, die antike Artefakte und Ruinen freilegen, rekonstruieren unsere Frühgeschichte und das Leben der Gesellschaften von Jägern und Sammlern. Paläontologen haben das Puzzle unserer Evolution als biologische Art zusammengesetzt. Und um noch weiter in die Vergangenheit zurückzublicken, wenden wir uns Erkenntnissen anderer Wissenschaften zu: Wir werden das in den Gesteinsschichten, die buchstäblich das Fundament unseres Planeten bilden, konservierte erdgeschichtliche Archiv durchstöbern, die uralten Inschriften des genetischen Codes entziffern, die in der DNS-Datenbank in jeder unserer Zellen gespeichert sind, und durch Teleskope spähen, um den kosmischen Kräften, die unseren Planeten formten, bei ihrer Arbeit zuzusehen. Von Anfang an werden die Erzählstränge der Geschichts- und Naturwissenschaft in diesem Buch eng miteinander verwoben sein; sie bilden Kette und Schuss seines Gewebes.

Jede Kultur hat ihren eigenen Ursprungsmythos erfunden – von der Traumzeit der australischen Aborigines bis zur Schöpfungsgeschichte der Zulu. Aber die moderne Naturwissenschaft hat eine immer vollständigere, faszinierende Erzählung darüber entwickelt, wie die Welt um uns herum entstanden ist und wir unseren Platz darin eingenommen haben. Statt uns ausschließlich auf unsere Fantasie zu stützen,...


Dartnell, Lewis
Lewis Dartnell ist Astrobiologe und Professor für Wissenschaftskommunikation an der University of Westminster. Für seine wissenschaftlichen Beiträge wurde er vielfach ausgezeichnet. Seine Artikel erscheinen, u. a. in The Times, The Guardian und New Scientist. Zuletzt (2014) erschien von ihm "Das Handbuch für den Neustart der Welt" bei Hanser Berlin.



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