Dark John Sinclair - Folge 0896
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-3627-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Das Psychonauten-Kind (1. Teil)
E-Book, Deutsch, Band 896, 64 Seiten
Reihe: John Sinclair
ISBN: 978-3-8387-3627-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Das Psychonauten-Kind (1. Teil).
Der Hund war wie von Sinnen!
Er zerrte an dem Lederband, stemmte die Pfoten gegen den Boden und bewegte wild den Kopf. Er knurrte und bellte. Sein Fell war mit Schweiß bedeckt.
Das Tier wollte raus!
Es hatte Blut gerochen, und es war darauf dressiert, die Fährte aufzunehmen. Es konnte nicht anders. Seine Muskeln spannten sich. Das Knurren wurde lauter. Es hörte sich gefährlich und drohend an, es war vergleichbar mit einer mörderischen Warnung, die allen Menschen im Umkreis galt, aber niemand kümmerte sich um das Tier, auch sein Besitzer nicht, der für zwei Tage verreist war und den Hund seinem Schicksal überlassen hatte.
Wieder bewegte das Tier heftig seine Hinterläufe, und das Band, das es hielt, straffte sich noch mehr!
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Das Psychonauten-Kind (1. Teil)
Der Hund war wie von Sinnen!
Er zerrte an dem Lederband, stemmte die Pfoten gegen den Boden und bewegte wild den Kopf. Er knurrte und bellte. Sein Fell war mit Schweiß bedeckt.
Das Tier wollte raus!
Es hatte Blut gerochen, und es war darauf dressiert, die Fährte aufzunehmen. Es konnte nicht anders. Seine Muskeln spannten sich. Das Knurren wurde lauter. Es hörte sich gefährlich und drohend an, es war vergleichbar mit einer mörderischen Warnung, die allen Menschen im Umkreis galt, aber niemand kümmerte sich um das Tier, auch sein Besitzer nicht, der für zwei Tage verreist war und den Hund seinem Schicksal überlassen hatte.
Wieder bewegte das Tier heftig seine Hinterläufe, und das Band, das es hielt, straffte sich noch mehr!
Das Tier gab nicht auf. Es zerrte noch stärker an seinem Halsband, und der Wind wehte ihm wie zum Hohn den Geruch des Blutes entgegen.
Weit hielt das Tier sein Maul offen. Die Zähne schimmerten gefährlich. Das Knurren brach ab und verwickelte sich in ein schreckliches Heulen, als litte der Hund schreckliche Qualen.
Wieder ein Versuch!
Noch einmal setzte er seine geballte Kraft ein. Es war wie ein letztes Aufbäumen vor dem Zusammenbruch. Das Seil straffte sich abermals mit einem singenden Geräusch.
Und es riss mit einem lauten Knall. Das geschah so plötzlich, dass auch der Hund davon überrascht worden war. Von seiner eigenen Kraft getrieben, rutschte er über den feuchten Hofboden nach vorn, konnte sich wieder fangen, schüttelte sich und drehte sich um, als wüsste er genau, was er hinter sich gelassen hatte und noch einmal wegen einer Kontrolle auf Nummer Sicher gehen wollte.
Er war frei.
Das Seil war gerissen. Es lag wie eine tote Schlange auf dem Boden des Hofs.
Der Hund war frei.
Frei für das Blut.
*
Mit einem gewaltigen Sprung und schon beim ersten Versuch hatte das Tier die Mauer überwunden. Mit den Pfoten war es noch über das rissige Gestein der Krone geschrammt, dann flog er auf der anderen Seite nach unten und landete federnd auf dem Boden.
Endlich!
Der Hund hechelte. Er war ein Mischling. Bei ihm hatten sich Schäferhund und Rottweiler vermengt. Das Tier in Dressur genommen, konnte hier nur bedeuten, es wurde blutrünstig gemacht.
Seine Augen glotzten starr nach vorn. Vor sich sah er das flache Land, eingepackt in eine graue Dunkelheit. Wolken streiften wie kompakte Trümmer über den Himmel, der Wind blies kalt und beißend, wobei er auch mit dem dürren Geäst der Bäume spielte, die sich zu einem kleinen Wald in der Nähe zusammengefunden hatte.
Der Hund drehte den Kopf. Sein Maul stand noch immer offen. Er hechelte, die Zunge hing ihm aus dem Maul, und schon längst hatte er die Witterung aufgenommen.
Blut, nur Blut …
Irgendwo vor ihm und noch versteckt in der nächtlichen Finsternis. Da verbarg sich ein Opfer, eine Nahrung, auf die er so lange hatte verzichten müssen. Er war ausgehungert.
Wieder scharrte er mit den Läufen. Er wusste nicht, was es war, aber er wusste, in welche Richtung er zu laufen hatte. Genau dorthin, wo der Wald eine dunklere Insel in der Nacht bildete. Da wartete die Beute, da würde er sich durch das Unterholz und durch die Lücken zwischen den Bäumen zwängen und sie dem wegnehmen, der die Beute gerissen hatte. Egal, wer es war.
Ein letztes, tiefes Knurren drang aus dem Maul des Hundes. Seine Flanken zitterten, der Körper bebte in einem gewaltigen Aufbäumen, dann drückte er sich auf die Hinterläufe. Nur für einen Moment, und plötzlich wuchtete er seinen Körper vor.
Wenig später raste ein Schatten durch die Nacht. Querfeldein hetzte das Tier, von der Gier und dem Geruch nach Blut getrieben. Es verschmolz in der Dunkelheit. Wer immer es beobachtet hätte, er hätte ihn so schnell nicht erkannt, denn in der Finsternis verschmolz der Körper zu einer wolfsähnlichen Gestalt.
Seine Augen funkelten. Weit stand das Maul offen. Fang- und Reißzähne schimmerten wie frisch poliert. Dieser durch die Dunkelheit huschende Schatten war wie eine lebendige Waffe auf vier Beinen, nicht zu stoppen, nicht zu fassen.
Nichts hielt ihn auf. Kein Hindernis war ihm zu sperrig. Was er nicht durchbrechen konnte, überwand er mit gewaltigen Sprüngen. Sträucher, Büsche, sogar einen schmalen Bach, der wegen der letzten Niederschläge Hochwasser führte, wurde von ihm durch einen gewaltigen Sprung überwunden.
Zwar landete das Tier mit den Hinterläufen im Wasser, aber es kratzte sich schnell frei und schleuderte den Schlamm zurück. Der Wald war näher gerückt, und der Blutgeruch schwebte ihm noch immer entgegen. Die Augen funkelten wie kalte Lichter, von dem offenen Maul dampfte der Atem, und Schweißflocken klatschten am Körper des Hundes entlang.
Das Unterholz war für manchen Menschen wie eine Barriere. Nicht so für das wilde Tier. Es suchte erst gar nicht nach einem Weg oder einer Lücke, es brach kurzerhand hinein, klemmte fest, riss sich aber mit Brachialgewalt wieder los.
Weiter, nur weiter!
Das Ziel wartete, der Blutgeruch lockte. Er war viel intensiver geworden.
Das Tier knurrte. Längst hatte es den Feind gewittert, der an seiner Beute stand. Der Feind hatte sie gerissen, der Feind würde so leicht nicht aufgeben, aber dieser gefährliche Mischling fühlte sich allen überlegen.
Er war jetzt vorsichtiger geworden. Sein natürlicher Instinkt ließ ihn so handeln. Den Kopf dicht über den kalten Waldboden geneigt, schlich er weiter. Leises Knurren drang aus seinem Maul. Es hörte sich gefährlich an und hätte den anderen eigentlich warnen müssen, doch das war ihm egal. Altes Laub raschelte unter seinen Füßen. Er riss es hoch und schleuderte es weg. Er räumte Hindernisse aus dem Weg, und er vernahm plötzlich ein anderes Geräusch.
Schmatzen, Knacken und Reißen!
Sein Feind und die Beute.
Der Bluthund bewegte sich weiter. Noch langsamer, noch wachsamer. Jetzt näherte er sich seinem Ziel wie ein Katze, die auf ihren Samtpfoten läuft. Das Tier hatte beinahe den gesamten Wald durchquert und schon bald den jenseitigen Rand erreicht, denn vor ihm und in den Lücken zwischen den Bäumen schimmerte es etwas heller.
Dort lauerte die Beute.
Sein Hunger war schlimm.
Aber auch sein Feind hatte ihn längst gewittert. Das Schmatzen und Schlürfen war nicht mehr zu hören, denn der Fuchs stand neben seiner Beute mit hochgestellten Ohren.
Er witterte in die Richtung, aus der die Gefahr kam. Er spürte genau, dass es kein Mensch war, sondern ein anderes Tier. Und mit seinem Instinkt nahm er wahr, dass es ihm überlegen war.
Da gab es nur die Flucht!
Der Fuchs drehte sich, und im selben Augenblick stürmte der Bluthund bereits auf ihn zu. Er kam aus dem Dunkel des Waldes wie der Tod!
Weshalb der Fuchs den Beinamen schlau in der Fabel trägt, bewies er in den folgenden Augenblicken. Bevor sich der Bluthund auf ihn stürzen konnte hatte er sich bereits abgewandt und schoss davon. Die Beute von der er nicht mal die Hälfte verspeist hatte, ließ er zurück.
Der Hund ließ den Fuchs laufen und machte sich über die blutige Beute her. Es war ein Hase, der es nicht geschafft hatte, den Fängen des Fuchses zu entkommen.
Der Hund stürzte sich auf das blutige Knäuel. Er war gierig, riss die Fleischbrocken heraus und kümmerte sich nicht um seine Umgebung. Dass nicht weit vom Waldrand entfernt eine Straße vorbeiführte, interessierte ihn nicht. Er fühlte sich stark. Seine Gier war unermeßlich, die scharfen Zähne zerbissen alles, und er verschlang die Fleischbrocken rasch. Das tat ihm gut, denn er war ausgehungert. Genug hatte er noch nicht. Er würde selbst auf Beutejagd gehen und angreifen, was er entdeckte.
Menschen eingeschlossen!
Viel blieb nicht von dem Hasen zurück. Ein paar Haare und Blutflecken auf dem feuchten Waldboden, das war alles.
Der Hund warf seinen Kopf in die Höhe. Dabei fuhr die Zunge aus dem offenen Maul und umtanzte seine Schnauze, um dort auch die letzten Reste abzulecken.
Für den Anfang reichte das dem Tier.
Es würde weitergehen, noch in dieser Nacht. Die Jagd auf Beute ließ ihn zittern – und plötzlich starr auf der Stelle stehen.
Er hatte etwas gewittert!
Direkt in seiner Nähe – höchstens ein paar Schritte entfernt. Links von ihm, und dorthin schaute er auch.
Und genau da stand das Kind, ein Junge.
Hund und Mensch starrten sich an!
*
»Ich muss mal«, sagte Gordy.
Der Mann hinter dem Lenkrad kümmerte sich nicht um die Worte des Jungen. Er fuhr konzentriert weiter, den Blick auf die Straße gerichtet, wo die Scheinwerfer ein helles Tuch vor sich herschoben, damit der Fahrer den grauen Belag genau beobachten konnte, was auch nötig war, denn er musste bei dieser Witterung immer mit Glatteis rechnen. Die Temperaturen bewegten sich um den Gefrierpunkt herum.
»Ich muss wirklich, Hubert.« Gordy rutschte auf seinem Sitz hin und her. Er verzog das Gesicht und hielt die Hände zusammengepresst. Den Kopf hatte er nach rechts gedreht, in seinen blauen Augen lag die stumme Bitte, doch endlich anzuhalten.
Hubert Huxley runzelte die Stirn. »Es ist sehr kalt.«
»Kannst du nicht anhalten?«
»Ja.«
»Wann?«
Huxley schaute sich um. Sie befanden sich mutterseelenallein auf der einsamen Straße. Vor einigen Sekunden waren sie in einen lichten Wald hineingefahren, der zu dieser Nachtzeit allerdings sehr dicht und finster wirkte.
»Bitte, Hubert!«
»Schon gut, Junge. Ich suche nach einem Platz, wo ich stoppen kann.« Der Mann...




