Dark John Sinclair - Folge 0851
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-3582-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wir jagten das bleiche Gesicht (2. Teil)
E-Book, Deutsch, Band 851, 64 Seiten
Reihe: John Sinclair
ISBN: 978-3-8387-3582-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Wir jagten das bleiche Gesicht (2. Teil).
Für einen Moment hatte der Detektiv Harry Stahl den Eindruck, von einer kalten Knochenhand im Nacken gestreift zu werden. Er zuckte zusammen, drehte sich um, aber dort stand niemand. Zumindest nicht hinter ihm. Nur Franz Jochem stand in der Nähe, allerdings seitlich, doch dessen Hände sahen ganz normal aus. Dennoch dachte Harry über den Eindruck nach, der ihm fast wie eine Warnung vorgekommen war. Aber wovor genau? Lag es an dem Haus, das sie betreten wollten, einem Backsteinbau, der bereits einige Jahrzehnte auf dem Buckel hatte?
Jochem hatte seine Hände in den Taschen vergraben. Er bewegte den Kopf, denn ihm war die Reaktion des anderen Mannes aufgefallen. 'Hast du was, Harry?'
'Nein, schon gut.'
Jochem ließ nicht locker 'Du bist zusammengezuckt wie unter einem Nadelstich.'
'Stimmt.'
'Einfach so?'
Harry Stahl lächelte. 'Die Nerven, Franz. Es sind die Nerven gewesen. Auch ich werde allmählich nervös.'
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
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Wir jagten das bleiche Gesicht (2. Teil)
Für einen Moment hatte der Detektiv Harry Stahl den Eindruck, von einer kalten Knochenhand im Nacken gestreift zu werden. Er zuckte zusammen, drehte sich um, aber dort stand niemand. Zumindest nicht hinter ihm.
Nur Franz Jochem stand in der Nähe, allerdings seitlich, doch dessen Hände sahen ganz normal aus. Dennoch dachte Harry über den Eindruck nach, der ihm fast wie eine Warnung vorgekommen war. Aber wovor genau? Lag es an dem Haus, das sie betreten wollten, einem Backsteinbau, der bereits einige Jahrzehnte auf dem Buckel hatte?
Jochem hatte seine Hände in den Taschen vergraben. Er bewegte den Kopf, denn ihm war die Reaktion des anderen Mannes aufgefallen. »Hast du was, Harry?«
»Nein, schon gut.«
Jochem ließ nicht locker. »Du bist zusammengezuckt wie unter einem Nadelstich.«
»Stimmt.«
»Einfach so?«
Harry Stahl lächelte. »Die Nerven, Franz. Es sind die Nerven gewesen. Auch ich werde allmählich niervös.«
Sein Nebenmann stöhnte auf. »Das kannst du mehr als laut sagen. Ich wünsche mich kilometerweit weg. In einer ruhigen Kneipe sitzend, einen Schnaps nuckeln, ein Bier schlürfen, das wäre herrlich.«
Harry klopfte ihm auf die Schulter. »Kannst du alles haben, Franz. Wenn du willst, sofort. Schließlich haben wir unser Ziel erreicht.«
»Sehr richtig, unser.«
»Was heißt das?«
»Dass ich alter Mann verflucht neugierig geworden bin, wie der Spuk weitergeht.«
Mit dem Wort Spuk hatte Jochem direkt ins Ziel getroffen. Die Gedanken des Detektivs glitten zurück in die nahe Vergangenheit. Er konnte noch immer nicht richtig nachvollziehen, dass er wieder am Ball sein sollte und möglicherweise dicht vor der Rehabilitierung stand.1
Begonnen hatte alles mit dem Besuch eines gewissen Gregor Schmidt, eines Mannes, der für die Regierung arbeitete, was immer das auch bedeuten mochte. Jedenfalls war dieser Schmidt erschienen und hatte dem ehemaligen Kommissar eine sehr ungewöhnliche, aber durchaus wahre Geschichte erzählt. Er hatte von einem gewissem Franz Jochem berichtet, einem ehemaligen Aufpasser und Kalfaktor in einem DDR-Gefängnis, dem schlimmsten überhaupt, dem Haus X. In diesem Haus X waren Menschen gefangen gehalten, gefoltert und getötet worden. Jahre nach der Auflösung hatte es eben diesen Franz Jochem wieder an seine alte Wirkungsstätte hingezogen, so eine Art Vergangenheitsbewältigung. In der Todeszelle, auch Waschküche genannt, war eben diesem Franz Jochem nicht nur eine dämonische Fratze erschienen, sondern auch der Geist einer getöteten Frau, deren Name Rita Reinold gewesen war.
Der gute Franz Jochem hatte sich dermaßen erschreckt, dass er zur Polizei gelaufen war, um dort seine Aussagen zu machen. Sie waren protokolliert und nach »oben« weitergegeben worden, und dort hatte man auf die Aussagen des ehrlichen und auch glaubwürdigen Zeugen reagiert. Eben dieser Gregor Schmidt hatte dem ehemaligen Kommissar Harry Stahl einen Besuch abgestattet, denn trotz dessen Suspendierung vom Dienst wegen einer nicht ganz geklärten Sache, hatte man sich auch an dessen Verdienste erinnert, die er sich zusammen mit Kollegen aus London erarbeitet hatte.
Harry Stahl war zu einem Spezialisten für okkulte Fälle geworden. Nach der Wende hatte ein Fall John Sinclair in das geeinte Deutschland geführt, da waren die beiden zum ersten Mal zusammengetroffen und hatten den Fall des Leichenfürsten geklärt. In den folgenden Jahren war es zwischen den beiden zu einer sehr fruchtbaren Zusammenarbeit gekommen, bis zu dem Tag, als der Kommissar angeblich einen Fehler begangen hatte.
Der aber war für die offiziellen Stellen plötzlich vergessen, denn Harry wurde gebraucht.
Und er hatte zugestimmt. So war er dann mit Franz Jochem zusammengetroffen. Gemeinsam hatten die beiden den Fall angegangen und hatten die Spur zum ersten Mal in der Todeskammer des Hauses X aufgenommen. Dort war es dann passiert.
Es war ihnen nicht der Geist der Toten begegnet, dafür hatten sie die dunkle Fratze in der Wand gesehen und auch etwas über eine furchtbare Rache gehört.
Beide hatten nachgedacht und waren zu dem Entschluss gelangt, dass sich ein Geist an denjenigen Personen rächen würde, die den Menschen damals so fürchterlich gequält hatten, sodass er schließlich gestorben war.
Franz Jochem, einer der wenigen menschlichen Wärter hatte sich natürlich an zahlreiche Namen erinnert und sie auch in einer Liste zusammengefasst, die in Harrys Gesäßtasche steckte. Ganz oben auf dieser Liste stand der Name Egon Kraft. Er war der Chef im Todesbunker gewesen, der Anführer, einer, der nicht nur Befehle gab, sondern sich auch Opfer ausgesucht hatte, um sie eigenhändig zu töten, wie es bei Rita Reinold ebenfalls der Fall gewesen war.
Egon Kraft!
Er war es, der in dem alten Backsteinhaus vor ihnen in der dritten Etage wohnte, wie die beiden Männer anhand des Klingelbretts festgestellt hatten.
Gesehen hatten sie ihn noch nicht. Zumindest hatte er sich hinter keinem der Fenster blicken lassen. Es waren zwar Bewohner aus dem Haus gekommen, Erwachsene und Kinder, aber Kraft hatte sich nicht darunter befunden.
Franz Jochem rieb über seine Bartstoppeln, die ihm in der letzten Zeit gewachsen waren. Er hatte die Stirn zusätzlich in Falten gelegt, so verstärkte sich der nachdenkliche Ausdruck noch bei ihm. »Was meinst du, Harry? Ob er schon etwas weiß?«
»Wie kommst du darauf?«
»Reines Gefühl.«
»Man wird ihn wohl kaum angerufen haben, denke ich.«
»Nein, so nicht, aber es könnte ja sein, dass er gewarnt worden ist. Und zwar von Ritas Geist.«
»Das Gespenst würde nicht warnen, sondern zuschlagen.«
»Ist auch möglich. Wenn ich deine Worte verfolge und etwas hinzufüge, könnten wir auch einen Toten dort oben finden.«
»Ich will es nicht hoffen.«
»Stimmt«, murmelte Jochem und folgte dem Detektiv, der bereits auf die Tür zuschritt. Sie lag am Ende einer Nische, zu der drei Stufen hoch führten.
Verschlossen war die Tür nicht. Harry Stahl konnte sie mit einem Druck seiner Hand nach innen schieben. Die Männer hatten das erwartet, was sie von Häusern dieser Art gewohnt waren. Einen ziemlich breiten Hausflur, halbhoch gekachelt, wirklich nicht übel, wenn – ja wenn er renoviert worden wäre.
Das war er nicht. Es fehlte das Geld, Besitzansprüche waren noch nicht geklärt worden, jedenfalls lebten die Menschen noch so wie vor der Wende.
Auch der Steinboden zeigte Risse und Löcher. Die Wände waren verschmiert, die Kacheln darunter teilweise abgesprungen, und jemand hatte mit der roten Farbe aus einer Sprühdose SCHEISS STASI an die Wand geschrieben.
Jede Etage enthielt mehrere Wohnungen, sicherlich mit relativ großen Zimmern.
Es roch nach Essen. Beide Männer nahmen den Gestank von Pommes frites wahr.
Sie hatten Glück, es kam ihnen niemand entgegen, der irgendwelche Fragen gestellt hätte, denn Fremden gegenüber war man noch immer relativ misstrauisch.
Sie stiegen die abgetretenen Stufen hoch. Eine alte Holztreppe mit einem noch intakten Geländer, das allerdings auch nach einer Überholung durch den Schreiner schrie.
Beide schwiegen.
Harry schaute in die Höhe. Der hinter ihm gehende Franz Jochem hielt den Kopf gesenkt, als wäre er dabei, die einzelnen Stufen des Treppenaufgangs zu zählen.
In der zweiten Etage blieb Stahl stehen. Jochem war etwas aus der Puste geraten und hüstelte. »Ziemlich ruhig hier, wie?«
»Zu ruhig?«
»Keine Ahnung, Harry. Ich weiß überhaupt nichts mehr, wenn ich ehrlich sein soll.«
»Noch eine Etage, dann haben wir es hinter uns.«
»Das hoffe ich.«
Unten wurde eine Tür hart zugeschlagen, und beide Männer schraken zusammen. Jochem grinste. »Meine Güte, ich werde immer nervöser. Ich erschrecke mich schon vor einer zuklappenden Tür.« Er schüttelte den Kopf. »Das macht alles nur die verdammte Begegnung mit diesem Geist. Es war einfach schlimm.«
Harry konnte es ihm nachfühlen. Wer zum ersten Mal mit übersinnlichen Dingen konfrontiert wurde, der hatte daran zu knacken oder unten ihnen zu leiden. Ihm war es damals nicht anders ergangen. Im Laufe der Zeit hatte er sich daran gewöhnt und die andere Seite auch akzeptiert.
Auch auf seiner Stirn schimmerten kleine Schweißperlen, als sie die dritte Etage erreichten und dort erst einmal stehen blieben. Mehrere Wohnungen standen zur Auswahl. Sie entdeckten auch Namensschilder, wollten hingehen und nachschauen, als ein Treppenabsatz unter ihnen die Toilettenspülung rauschte. Eine Tür wurde geöffnet, dann verließ ein Mann die kleine Bude. Er blieb stehen, als er die Besucher sah. Gespannt schaute er zu ihnen hoch.
»Wir wollen zu Egon Kraft«, sagte Franz Jochem.
Der Mann reagierte seltsam. »Was wollt ihr denn von dem?«
»Nur besuchen.«
»Seid ihr von der Polente?«
»Nein – wieso?«
»Was der getan hat, weiß doch jeder hier. Dieses verdammte Schwein.« Der Mann winkte ab und ging seines Wegs. »Die erste Tür auf der rechten Seite«, sagte er noch.
Das Dankeschön hörte er nicht mehr, aber Harry und Franz hatten genug erfahren.
»Dann wollen wir mal«, sagte der Detektiv. Einen Klingelknopf suchte er vergeblich. Wer Kraft einen Besuch abstatten wollte, musste schon an die Tür klopfen.
Was Harry Stahl auch tat.
Es rührte sich nichts. Entweder wollte der Mann nicht öffnen, oder er konnte nicht, weil er schlief.
Harry klopfte noch einmal an, diesmal stärker.
Nun bekamen sie eine Antwort. Der...




