Dark | John Sinclair - Folge 0838 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 838, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

Dark John Sinclair - Folge 0838

Wo die Angst zu Hause ist (1. Teil)
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-3568-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wo die Angst zu Hause ist (1. Teil)

E-Book, Deutsch, Band 838, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

ISBN: 978-3-8387-3568-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!

Wo die Angst zu Hause ist (1. Teil).

Der alte Rabanew rannte zwischen den verwitterten Grabsteinen hin und her und starrte in die Dunkelheit, doch der Junge tat ihm nicht den Gefallen, sich zu zeigen. Bei jedem Schritt vibrierte der Boden, als wollte er Rabanew eine Nachricht von den Toten oder deren Geistern zukommen lassen. Er knurrte. In seinem Innern spürte er das Tier. Die Wut verwandelte sich in Mordlust, und in die sonst dunklen Augen trat ein grausames Funkeln.

'Elohim!' schrie Rabanew, wobei seine Stimme umkippte.

'Wo bist du?' Er schlug mit dem Schürhaken durch die Luft, als hätte er den Jungen bereits vor sich, doch der meldete sich nicht, denn er wollte auch da überleben wo die Angst zu Hause ist.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Wo die Angst zu Hause ist (1. Teil)


Rabanew drehte sich seufzend auf die andere Seite und hatte dabei das Gefühl, so schwer wie ein Walfisch zu sein. Er stöhnte. Im Halbschlaf bewegte er seine Hände. Sie fuhren über das Laken und hinterließen dort eine feuchte Spur.

Rabanew wälzte sich wieder herum und blieb auf dem Rücken liegen. Mund und Wangen zuckten. Sie glänzten schweißnass. Von den Lippen tropfte Speichel, und die Zunge bewegte sich mit, als er irgendwelche Worte murmelte. Etwas kam, etwas war unterwegs. Eine unheimliche und unheilvolle Kraft, die sich in sein Bewusstsein drängte, als wollte sie den Geist des Mannes zerstören.

Noch schlief Rabanew, doch nicht mehr so fest. Aus seinem halb offenen Mund drang ein röchelndes Geräusch. Einen Moment später schlug er die Augen auf.

Er schaute sich um und bemerkte, dass er sich an der Matratze festhielt. Obwohl er in seinem eigenen Bett lag, fühlte er sich wie in einem Vakuum schwebend. Er sah die Umgebung durch einen Schleier. Die Decke über ihm bestand aus Wolken, die sich bewegten, ständig ineinander liefen und so immer neue Formen schufen …

Rabanew verzog den Mund zu einem schmerzhaften Grinsen. Er atmete scharf durch die Nase, seine Augen brannten, und hinter der Stirn tuckerte der Schmerz. Als hätte er vor dem Schlafengehen einen Hieb gegen den Kopf erhalten, der noch nachwirkte.

In seinem Mund lag der Geschmack von Asche.

Rabanew drehte sich wieder. Er rollte sich dicht an den Rand des Betts und blieb dort liegen. Er stierte auf den Fußboden, ein ebenfalls graues Schattengebilde.

Die Gedanken und Überlegungen nahmen nur allmählich Formen an, doch er begriff die Veränderungen nicht. Immerhin rechnete er damit, dass sich etwas Grauenvolles anbahnte und man ihm bereits eine Botschaft geschickt hatte. Diese Warnung durfte er auf keinen Fall vernachlässigen.

Das Bett war genau der falsche Ort. Hier durfte er nicht länger bleiben. Er war wehrlos, wenn die anderen kamen. Beinahe hätte er über seine eigenen Gedanken gelacht.

Wer waren die anderen? Unheimliche Gestalten? Mörderische Geister, Totengeister aus dem Jenseits?

Er stand auf.

Es war zu schnell für seinen Zustand. Er hatte den Eindruck, in einem Boot zu stehen, das auf einem See dümpelte.

Rabanew erhob sich wesentlich langsamer. Er streckte zudem seine Arme aus, als könnte er irgendwo Halt finden, der ihn vor einem Sturz bewahrte.

Der bärtige Mann tappte zu einem Lichtschalter. Seine Hand hatte ihn schon beinahe berührt, als sie zögerte. Nein, kein Licht jetzt, das konnte gefährlich werden. Licht im Zimmer war auch sehr gut von draußen zu sehen. Er konnte sich vorstellen, dass dort in der Dunkelheit etwas lauerte. Eine Gefahr, deren Existenz mit Worten nicht zu beschreiben war. Eine unheimliche Sache, die sich dort festgesetzt hatte und von einer Welt entlassen worden war, mit der er nicht zurechtkam, obwohl er daran glaubte.

Im Dunkeln zog er sich an. Seine Kleidung lag im Zimmer verstreut, doch er wusste genau, wohin er zu greifen hatte. Zielsicher fand er die richtigen Sachen. Seine schwere Gestalt bewegte sich tapsig. Manchmal kam er sich vor wie ein Bär, der vergeblich versuchte, sich in einen Tiger zu verwandeln, um dessen Geschmeidigkeit zu erlangen.

Zuletzt suchte er nach seinen Schuhen. Mit zittrigen Füßen stieg er in die hohen Treter und schnürte sie zu. Erst dann war er zufrieden und verließ den Raum.

Auf den Holzdielen, die auch den Boden des Flurs bedeckten, hinterließen seine Tritte dumpf klingende Geräusche, die sich wie ein hohles Husten anhörten.

Er ging durch den Flur. Manchmal streifte er mit seiner rechten Schulter die Wand, was ihn nicht weiter störte. Erst am Beginn der Treppe blieb er stehen. Er schaute die Stufen hinab, die er kaum erkennen konnte. Sie verschwammen schon sehr bald in einem grauen Meer, als wären sie verschluckt worden.

Die Dunkelheit im Haus kam ihm in dieser Nacht anders vor. Wenn der Ausdruck gefährlich auf sie zutraf, dann war es der Fall. Eine gefährliche, bedrückende Finsternis, sehr dicht, alles verbergend, aber Rabanew wagte es.

Und nichts passierte.

Er ließ die Treppe hinter sich wie immer. Auf sein Gesicht legte sich ein Lächeln. Mit dem Handrücken wischte er über die feuchten Stellen hinweg, stieß auf und schalt sich innerlich einen Narren, so dumm zu reagieren. Nichts war hier, niemand war in sein Haus eingedrungen, und es hätte auch niemand gewagt.

Er ging weiter.

Die Leere des Hauses spürte er nicht mehr so deutlich wie sonst. Etwas hatte sich trotz allem verändert, als wäre ein gewisses Unheil durch Fenster und Wände eingedrungen, um sich zu verteilen.

In den anderen Räumen wollte er noch nicht nachschauen, ihn interessierten die beiden Fenster. Sie rahmten die Eingangstür des Hauses ein, durch sie konnte er nach draußen blicken, wo so etwas wie ein besonderer Vorgarten lag, den er zu hüten hatte.

Rabanew stellte sich so dicht vor die Scheibe, dass deren Glas durch seinen Atem beschlug.

Er wischte die feuchte Stelle weg, damit er die freie Sicht hatte. Doch in der Finsternis war nicht viel zu erkennen. Die Dunkelheit war wie ein aus schwarzen Wogen bestehendes Wasser, über dessen Oberfläche noch grauer Nebel zitterte.

Seine Augen brannten, denn er hatte schon zu lange auf einen Fleck geschaut. Selbst die alten Grabsteine hoben sich kaum vom Boden ab, und das weiße Holztor vorn war ebenfalls nur schwach zu erkennen. Über dem Himmel hatten sich die Wolken zu einem düsteren Gemälde zusammengeballt, auch nichts Besonderes, das den Mann hätte stören können.

Es gab einen anderen Grund.

Draußen?

Wahrscheinlich. Er würde nachsehen müssen, um endlich Gewissheit zu haben.

Dazu kam es nicht.

Rabanew war dabei, sich der Tür zuzuwenden und warf noch einen letzten Blick aus dem Fenster, als er die Bewegung sah.

Da kam jemand.

Der Mann erstarrte. Etwas trieb in seinem Innern hoch, das sehr böse, brutal und gemein war. Die Lust zum Töten war vorhanden. Wer immer draußen auf ihn wartete, er würde nicht mehr lange am Leben bleiben, wenn er sich zu weit vorwagte.

Rabanew atmete keuchend. Er hatte sich geduckt, da er sich nicht zu hoch hinter der Scheibe abheben wollte. Seine Augen waren weit geöffnet, die Lippen bildeten einen Strich, und eine urwüchsige Kraft strahlte weiter in ihm hoch.

Der Fremde kam auf das Haus zu. Er tat, als wäre nichts geschehen. Er wandte sich auch nicht zur Seite, denn es war einzig und allein sein Ziel, die Haustür zu erreichen.

Und das mitten in der Nacht …

Hier stimmt was nicht, dachte Rabanew. So etwas ist nicht normal. In dieser Einsamkeit bekam man keinen unangemeldeten Besuch, in der Nacht schon gar nicht.

Ein Mensch! Eine Frau, ein Mann – oder …?

Der Bärtige war sich nicht sicher. Der Größe nach konnte der Ankömmling eine Frau sein oder sogar – er wollte es kaum glauben – ein Kind!

Rabanew wollte und musste es genau wissen, sonst würde er noch verrückt. Der Schlüssel steckte von innen. Er drehte ihn um und zog die Tür mit einem Ruck auf.

Noch zwei Schritte, und die Person wäre bei ihm gewesen. So aber blieb sie stehen.

Dem Bärtigen blieb die Spucke weg. Er hatte richtig getippt, er hatte ins Schwarze getroffen.

Vor ihm stand tatsächlich ein Kind!

*

Es war ein Junge, das stand fest. Vom Alter her für Rabanew schwer zu schätzen. Er konnte elf Jahre sein, möglicherweise auch dreizehn Jahre zählen. So genau kannte sich der Mann da nicht aus. Zudem hatte er selbst keine Kinder.

Der Junge schaute hoch, Rabanew runter, so konnten sie sich beide ansehen, und das Gesicht des jungen Besuchers blieb im Schatten. Rabanew wusste nicht, was er fragen sollte, dieser Besuch hatte ihn nicht nur überrascht, sondern aus der Bahn geworfen.

»Was willst du?« Er musste sich diese Worte förmlich über die Lippen quälen.

Der fremde Junge legte den Kopf leicht schief. »Ich möchte in dein Haus kommen.«

»Aha. – Und du hast keine Angst?«

»Nein.«

»Was willst du von mir?«

»Ich bin müde.«

»Hä.« Er lachte. »Sag nur, dass du auch bei mir schlafen willst, Kleiner.«

»Vielleicht.«

»Und weiter …«

»Nichts.«

Rabanew hatte es den Atem und auch die Sprache verschlagen. Er musste sich erst fangen. Der Junge vor ihm wartete geduldig. »Hast du denn keine Eltern?«

»Doch.«

»Was ist mit ihnen?«

»Nichts.«

»Sie sagen also nichts?«

»So ist es.« Der Junge nickte.

Rabanew war durcheinander. Er wusste nicht, was er sagen und wie er sich verhalten sollte. Den Jungen hineinlassen oder die Tür zuschlagen? Da stand ein Kind, kein Gegner für ihn. Trotzdem durchrieselte den Bärtigen ein Gefühl, das er als Warnung ansah.

Er bemühte sich, ihn in der Dunkelheit zu erkennen. Er sah, dass der Junge eine der Witterung entsprechende Kleidung trug. Wenn er ihn jetzt wegschickte, würde er sicherlich nicht erfrieren. Die Jacke und die Hose bestanden aus dickem Stoff.

Rabanew war durcheinander. Er wollte den Jungen nicht bei sich im Haus haben. Dieser Ort gehörte ihm. Er hatte eine Aufgabe zu erledigen, er war schließlich wer. Man hatte ihn nicht grundlos eingesetzt, und er schüttelte den Kopf. »Du kannst hier nicht bleiben, Junge.«

»Wirklich nicht?«

»Nein.«

Der Junge, dessen Namen Rabanew nicht kannte, senkte den Kopf. »Das ist schade, sehr schade.«

»Geh weiter. Erfrieren wirst du nicht. Da brauche ich dich nur...



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